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Wenn Gesichter Bände sprechen ...
Wenn Gesichter Bände sprechen ...Bild: AP
Analyse

Donald Trump und der Apple-Chef besuchen Mac-Fabrik und verbreiten Fake-News

21.11.2019, 08:2521.11.2019, 15:16

US-Präsident Donald Trump und Apple-Chef Tim Cook machen neuerdings auf «Best Buddies». Die beiden haben am Mittwoch ihre, äh, Männerfreundschaft bei einem gemeinsamen PR-Auftritt zelebriert.

Selbstverständlich ging es bei dem von Protesten begleiteten Treffen nicht um Freundschaft, sondern um knallharte Interessen, geschäftliche und politische.

Der Schauplatz: Austin, Texas. Dort lässt Apple seinen teuersten Desktop-Rechner zusammenbauen, den Mac Pro.

Das Geschehen: Sehr schräg, wie wir gleich sehen. Nicht zu reden von den wahren Hintergründen fürs Treffen. Aber dazu später. Schauen wir mal, was los war in Texas.

Jones beschimpft über einen Lautsprecher die Menschen, die sich am Strassenrand versammeln, um gegen den anreisenden US-Präsidenten zu protestieren – und kassiert dafür prompt einen Mittelfinger ...

Laut Polizei trafen 150 Trump-Gegner auf 200 Trump-Befürworter. Pech für die Demonstrierenden: Die Autokolonne des Präsidenten nahm, begleitet von Secret-Service-Leuten, einen anderen Weg zur Fabrik.

Derweil in der Mac-Fabrik

Auf zum Fototermin.
Auf zum Fototermin.Bild: AP
Was wohl die Mitarbeiterin links im Bild gerade denkt?
Was wohl die Mitarbeiterin links im Bild gerade denkt?Bild: AP
Laut dieser Grafik kooperiert Apple allein in den USA mit 9000 Firmen.
Laut dieser Grafik kooperiert Apple allein in den USA mit 9000 Firmen. Bild: AP

Fake-News aus der Apple-Fabrik ...

Donald Trump tat in Texas, was er sonst auch öfters tut: Er verbreitete Unwahrheiten.

screenshot: twitter

Jack Nicas, Reporter der «New York Times», war auch in der Mac-Fabrik und konnte nicht glauben, wie der Apple-Chef auf die Äusserungen Trumps reagierte.

screenshot: twitter

Dann gratulierte der Präsident Cook und bat ihn, der Presse zu sagen, was er von der amerikanischen Wirtschaft halte.

screenshot: twitter
«Ich glaube, wir haben momentan die stärkste Wirtschaft der Welt.»
Tim Cook, Apple

Zurück zu den Fakten.

Apple betreibt keine eigenen Produktionsstätten, weder in Asien, noch im Heimatland, den USA. Aus dem einfachen Grund, weil Apple seine Hardware nicht selber herstellt, sondern sich auf ein Netzwerk von Zulieferern und Partnerfirmen auf der ganzen Welt stützt.

Die Fabrik in Austin, Texas, ist nicht neu. Sie gehört der Firma Flex (ehemals Flextronics), deren Arbeiter bauen dort Mac-Pro-Computer zusammen. Das tun sie seit 2013. Damals war noch Trumps Vorgänger Barack Obama im Amt.

Was Apple nun angekündigt hat, ist der Bau eines neuen Campus in Austin. Die Büros sollen 2022 eröffnet werden. Für zunächst 5000 Angestellte. Später bis zu 15'000.

Was steckt wirklich hinter dem PR-Auftritt?

The Verge hat am Mittwoch eine messerscharfe Analyse zu dieser Frage veröffentlicht. Titel: Warum sich Tim Cook mit Donald Trump angefreundet hat.

Trump ist im Wahlkampf und will sich als erfolgreicher Politiker präsentieren, gleichzeitig steht er mächtig unter Druck wegen mutmasslichem Fehlverhaltens. Ihm droht ein Impeachment-Verfahren, bei dem er abgesetzt werden könnte.

Cook verfolgt als Konzernchef eine Mission: Das reichste Unternehmen der Welt noch reicher zu machen, respektive dessen Aktionäre zufriedenzustellen. Und diese Mission ist durch Trumps Wirtschaftskrieg gegen China gefährdet.

iPhones werden immer noch hauptsächlich in China hergestellt, was bedeutet, dass Apple enorm leiden würde, falls die von Trump angedrohten Strafzölle für Elektronikgeräte tatsächlich eingeführt werden.

Trump bei seiner Lieblingsdisziplin, dem «Handshake».
Trump bei seiner Lieblingsdisziplin, dem «Handshake».Bild: AP

Apple sei ein Billionen-Dollar-Unternehmen mit mehr als 100'000 Mitarbeitern, ruft The Verge in Erinnerung. Als CEO müsse Cook den Erfolg dieses Unternehmens sichern, unabhängig von politischen Hindernissen oder persönlicher Zumutung. Sprich: Er muss Kreide fressen. Viel Kreide.

«Trumps Handelskrieg könnte für Apple katastrophal sein, da es mehr von der chinesischen Fertigung abhängig ist als jedes andere US-Technologieunternehmen.»
The Verge

Cook ist es offenbar gelungen, Trump zu überzeugen, dass Apple von den Strafzöllen ausgenommen sein sollte. Der Apple-Chef habe wohl damit argumentiert, dass US-Unternehmen wie Apple gegenüber ausländischen Konkurrenten wie Samsung benachteiligt würden.

The Verge stellt diese Realität in Kontrast zum positiven Image, das Apple bei seinen Produktevorstellungen zu vermitteln versucht. «Bei jeder Keynote werden wir mit inspirierenden Videos über Apples progressive Weltsicht verwöhnt, voller vielfältiger Gesichter und progressiver Träume.»

Diese Bilder seien Welten entfernt vom «surrealen Gemetzel», das Trump in stumpfen Reden beschreibe, oder von der paranoiden Kriegslust, die er an die US-Grenze gebracht habe.

Angesichts der erschütternden Herausforderung der Trump-Ära dränge der Apple-Chef auf Steuersenkungen und Zollbefreiungen. Für ein Unternehmen, das die Welt verbessern verändern wolle, sehe das sehr nach Kapitulation aus.

Zum Schluss: Ein Bild aus vergangenen Zeiten ...

Im Februar 2013 applaudiert Tim Cook der First Lady, Michelle Obama. Unter Präsident Obama half die US-Regierung Apple <a target="_blank" href="https://www.forbes.com/sites/connieguglielmo/2013/08/03/president-obama-vetoes-itc-ban-on-iphone-ipads-apple-happy-samsung-not/">im Patentstreit gegen Samsung</a>.
Im Februar 2013 applaudiert Tim Cook der First Lady, Michelle Obama. Unter Präsident Obama half die US-Regierung Apple im Patentstreit gegen Samsung.Bild: AP

Hast du noch Zeit? Hier gibts Trumps Texas-Besuch in voller Länge ...

Quellen:

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Apple zeigt, was es hat

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Apple zeigt, was es hat
quelle: epa / john g. mabanglo
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Trumps «Impeachment» erklärt:

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