Armeechef steht hinter der neuen Pistole: «Überrascht, wie emotional das diskutiert wird»
«Wir sind froh um jeden Franken, den wir bekommen»: Das sagt Armeechef Benedikt Roos bei seiner ersten Bilanz nach knappen drei Monaten im Amt vor den Medien.
Dabei gehe es ihm nicht um die Armee an sich, sondern um die Sicherheit der Schweiz, sagte Roos bei seinem Auftritt am Donnerstag auf dem Waffenplatz in Thun BE. Dort hatte er vor vierzig Jahren seine Rekrutenschule begonnen.
Roos steht hinter der Beschaffung der P320
Roos kam auch auf die Beschaffung der Pistole SIG Sauer P320 zu sprechen. Eine watson-Recherche enthüllte, dass diese im Truppenversuch deutlich schlechter abschnitt als die Glock 45. Während die Glock 45 die Gesamtnote 7 (auf einer Skala bis 10) erhielt, gab es für die P320 die Tiefstnote 1. Dennoch entschied sich Rüstungschef Urs Loher für die P320.
Er sei überrascht gewesen, wie emotional das diskutiert werde. Es erinnere ihn an die Fussball-Nationalmannschaft, die auch sechs Millionen Nationaltrainer habe, so Roos. «Mit der Pistole gewinnen wir den Krieg nicht und haben auch nicht die Antworten auf die grossen Bedrohungen», sagte der Armeechef.
Wichtig sei, dass es bei der Armeepistole nicht nur technische, sondern auch rüstungspolitische Bedingungen gebe. Mit der P320 habe man ein Produkt, das in der Schweiz produziert werden könne.
So gross seien die Unterschiede zwischen den evaluierten Pistolen nicht gewesen, sagte Roos weiter. «Darum kann ich dahinterstehen, dass wir diese Pistole beschaffen werden.»
Kritische Infrastruktur soll geschützt werden
Es herrsche wieder Krieg in Europa, und im Nahen Osten brenne es, umschrieb Roos die gegenwärtige Lage. Greife Russland ein Land im Baltikum an, stelle sich die Frage, was das für die Schweiz bedeute. «Wir wären dann im rückwärtigen Raum», sagte er.
Die Schweiz habe viele kritische Infrastrukturen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Europa. Roos sprach nicht nur von der Nord-Süd-Verkehrsverbindung, sondern auch von Datenzentren und Glasfaserkabeln. «Was Europa gefährdet, gefährdet auch uns.»
Diese Gefahr müssten alle erkennen. Die Armee müsse die Schweizer Infrastruktur schützen und verteidigen können. Sie stehe allerdings unter dem Primat der Politik. Es gelte, mit den vorhandenen Mitteln den Auftrag der Armee so gut wie möglich zu erfüllen.
«Um uns herum wird aufgerüstet, und es werden Produktionskapazitäten reserviert», gab Roos dazu zu bedenken. «Die Bücher der Rüstungsfirmen sind voll.» Der US-Rüstungsmarkt habe 15 Prioritätsstufen, deren oberste der eigene Markt sei. Die Schweiz liege auf Platz 13.
Das sagt Roos über die Erhöhung der Mehrwersteuer
«Mein Start als Armeechef war dynamisch», blickte Roos zurück. Er gehe seine neue Aufgabe mit Zuversicht und mit Motivation an. Denn am Ende des Tages komme es auf die Menschen an, die Soldatinnen und Soldaten.« Der Armeechef forderte, den Soldatinnen und Soldaten Sorge zu tragen. Sie hätten Respekt und Anerkennung verdient.
«Unsere Milizarmee ist unsere Geheimwaffe», lobte er die Armeeangehörigen. Sie brächten aus ihrem zivilen Leben wichtige Erfahrungen und Knowhow ein. Was die Schweizer Milizarmee für den Schutz des eigenen Landes leiste, interessiere auch mittlerweile Nachbarländer.
Zur Frage, wie er die Menschen im Land von einer höheren Mehrwertsteuer für die Verteidigung überzeugen wolle, sagte er, das brauche Vertrauen. So viel, dass die Menschen bereit seien, 80 Rappen pro 100 Franken oder 3 Rappen pro Liter Milch für die Sicherheit zu bezahlen.
Mehr Investitionen für die Sicherheit seien gut für die Schweiz. «Dazu braucht es aber mehr Mittel.» Er räumte aber ein, dass es eine Herausforderung sei, es allen Menschen klar zu machen, «dass es ernst gilt». Das sei nicht nur die Aufgabe der Armeeführung, sondern von allen, von der Bildung bis in die Familien. (cma/sda)
