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Zuerichs Cheftrainer Arno Del Curto reagiert im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Freitag, 22. Februar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Auf der Bank scheinen es die ZSC Lions trotz der angespannten Lage lustig zu haben. Bild: KEYSTONE

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ZSC Lions – Fluch und Segen eines antiautoritären Hockey-Experiments

Immer mehr zeigt sich: Der Trainerwechsel hat bei den ZSC Lions nur eine politische Wirkung. Die Zürcher sind von den SCL Tigers vorgeführt worden und haben im Ringen um die letzten Playoffplätze einen wichtigen Punkt verloren.



Vorgeführt worden? Immerhin haben die ZSC Lions nach Penaltys noch 2:1 gewonnen. Aber der Punktverlust könnte fatale Folgen haben und den Meister die Playoffs kosten. Ja, die Zürcher sind vorgeführt worden. Die teuerste Mannschaft der Liga, veredelt mit meisterlichen Stars, WM-Silberhelden und Nationalspielern, gecoacht vom charismatischsten Schweizer Klubtrainer seit Bibi Torriani ist auf eigenem Eis mit 43:18 Torschüssen dominiert und im Schlussdrittel tatsächlich vorgeführt worden (15:5 Torschüsse). Es handelt sich hierbei um die offizielle Liga-Statistik.

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Die Highlights der Partie. Video: YouTube/MySports

Wie ist das möglich? Nun, im grossen Zürcher Hockey-Theater ist wieder einmal ein pädagogisches Lehrstück aufgeführt worden. Autoritäre Oberaufsicht und Ordnung behaupteten sich gegen antiautoritäre Führung und Chaos.

Ehlers ist Gospel, Del Curto ist Kumpel

Das Lehrstück geht so: Die SCL Tigers werden seit dem 3. Oktober 2016 vom grossen, bisweilen grantigen taktischen Hexenmeister Heinz Ehlers nach alter Väter Sitte autoritär kommandiert und hockeytechnisch gebürstet und gekämmt. Fleissig lässt er Spielzüge einüben, unerbittlich korrigiert er Fehler und inzwischen sind die SCL Tigers eines der bestorganisierten und taktisch schlausten Teams der Liga geworden. Niemand denkt auch nur daran, die Autorität des Trainers anzuzweifeln. Heinz Ehlers ist Gospel.

Die ZSC Lions werden auch von einem grossen Trainer geführt. Vom charismatischen sechsfachen Meistercoach Arno Del Curto, der im Hallenstadion die Popularität eines Popstars geniesst. Aber er ist erst im Januar nach Zürich gekommen. Während Heinz Ehlers Amtsdauer in Langnau haben die Zürcher mit Arno Del Curto nach Hans Wallson, Hans Kossmann und Serge Aubin bereits den vierten Chef in Lohn und Brot.

Bei den ZSC Lions ist es inzwischen in der Sportabteilung Brauch geworden, die Obrigkeit – den Trainer also – ständig in Frage zu stellen. Im pädagogischen Sinne werden die ZSC Lions antiautoritär trainiert und geschult. Während des «Schulalltags» der Qualifikation macht so ziemlicher jeder, was er will. Arno Del Curto ist nicht Gospel. Er ist Kumpel.

Zuerichs Cheftrainer Arno Del Curto, links, spricht mit Jerome Bachofner im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Freitag, 22. Februar 2019, im Zuercher Hallenstadion. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Kumpeltyp Del Curto? Nicht immer ... Bild: KEYSTONE

Das Problem ist keineswegs Faulheit oder Feigheit der Spieler. Mit einer solchen Einschätzung würden wir ihnen in allerhöchstem Masse Unrecht tun. Sie möchten schon, sie sind konditionell gut und sie sind mutig. Aber sie sind zutiefst verunsichert. Sie können sich unter Druck und in hektischen Situationen nicht an einem System, an eingeübten Automatismen «festhalten». Jedes Missgeschick – und solche gibt es in einem unberechenbaren Spiel auf glatter Unterlage halt immer wieder – bringt sie aus dem Tritt. Es ist das Resultat einer Meisterlosigkeit, die in einer so hochprofessionellen Eishockey-Firma mit klaren Hierarchien und Organigrammen im Laufe der letzten zwei Jahre ein schier unfassbares Ausmass angenommen hat.

Langnau hat die besseren Ausländer

Es ist halt schon eine verzwickte Situation: trotz miserablem «Lernverhalten» und taktischem Larifari-Betrieb zwischen September und März ist es letzte Saison gelungen, die Meisterschaft zugewinnen.

Es genügte, sich während ein paar Wochen im März und April zusammenzureissen. Was soll da ein Trainer machen, sagen, befehlen, üben? Die Spieler denken tief in ihrer Hockeyseele nicht ganz zu Unrecht, sie wüssten schon, wie es geht. Fluch und Segen eines antiautoritären Experiments mit ständig wechselnden Trainern.

Bei dieser jüngsten Hockey-Theateraufführung ist noch etwas aufgefallen: Die Langnauer, die auf jeden Franken achten müssen, haben die besseren ausländischen Arbeitskräfte als die Zürcher, die mit einem nach oben offenen Transferbudget operieren.

Chris DiDomenico von Langnau beim Eishockey Meisterschaftsspiel in der Qualifikation der National League zwischen dem EV Zug und den SC Langnau Tigers vom Freitag, 15. Februar 2019 in Zug. (PPR/Urs Flueeler)

Chris DiDomenico ist der Antreiber der SCL Tigers. Kein Wunder, geniesst er im Emmental Kultstatus. Bild: PPR

Der charismatische Leitwolf Chris DiDomenico erzielte in dieser Partie mehr Wirkung als die vier ausländischen Profis der ZSC Lions zusammen. Der Dynamo des Spiels der Langnauer hat ein gewaltiges Arbeitspensum absolviert. Der Kanadier ist lange Wege gelaufen, er holte schliesslich die Strafe im Schlussdrittel heraus, die er zum Ausgleich verwerten half. Und er traf auch im Penaltyschiessen.

Steiner-Schule ZSC?

Der gewonnene Punkt ist Gold wert: Gewinnen die Emmentaler am Freitag in Rapperswil-Jona, dann sind sie im Falle einer Niederlage der ZSC Lions in Bern oder Gottéron gegen Servette durch und zum zweiten Mal nach 2011 in den Playoffs der höchsten Liga.

Der Zuercher Torhueter Niklas Schlegel, links, stoppt den Schuss vom Tiger Harri Pesonen, rechts,  beim Eishockeyspiel der National League ZSC Lions gegen die SCL-Tigers im Zuercher Hallenstadion am Dienstag, 26. Februar 2019. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Niklas Schlegel hielt gestern 42 von 43 Langnau-Schüssen und vier Penaltys. Bild: KEYSTONE

Dass die Zürcher wenigstens im Penaltyschiessen triumphierten, hat auch seine Logik. Im einsamen Duell Stürmer gegen Torhüter ist mit straffer Führung, System, Disziplin, Wille und taktischer Schlauheit nichts mehr zu machen. Das Mannschaftspiel ist aufgelöst. Es ist die Stunde der spielerischen Freigeister, Künstler und Zocker. Reine Solonummern. Und da siegt sehr oft das pure Talent.

Für die ZSC Lions ist nach wie vor alles möglich. Aber sie haben ihre Lage durch den verlorenen Punkt verschärft. Immer mehr zeigt sich: Der Trainerwechsel hat bisher erst politische, aber noch keine sportliche Wirkung gezeigt. Unter Serge Aubin wurden alle Mängel dem Trainer zugeschrieben und als Argumente für seine Entlassung verwendet. Hingegen sind alle Erfolge dem Mut, dem Talent und der Leidenschaft der Spieler zugeschrieben worden. Und Erfolge hat es durchaus gegeben: Gegen die Lakers haben die Zürcher beispielsweise unter Serge Aubin nie verloren.

Helfenstein spricht Klartext:

Nun ist es unter Arno Del Curto umgekehrt: Jetzt werden alle noch so kleinen guten Dinge dem Einfluss, dem Mut und der Leidenschaft des Trainers zugeschrieben. Und das Versagen – wie die Niederlage gegen die Lakers – höheren Umständen wie Nervenbelastung, Glück und Pech oder halt dem Unvermögen der Spieler.

Aber wir sollten die ZSC Lions noch nicht zu arg schmähen oder abschreiben. Diese Mannschaft hat letzte Saison unter ganz ähnlichen Umständen und nominell weniger gut besetzt die Meisterschaft gewonnen. Es gibt also auch einen antiautoritären Weg zu den Gipfeln des Erfolgs. So, wie in den berühmten Schulen von Rudolf Steiner (mit dem ehemaligen Hockeyprofi Daniel Steiner nicht verwandt), dem Philosophen, der sich einst gegen jede vorgegebene Wahrheit und Autorität aufgelehnt hatte.

Rudolf Steiner hat allerdings nie eine Fussball- oder Eishockeymannschaft trainiert.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Baumi72 27.02.2019 17:22
    Highlight Highlight Wenn die Züsis erst in den Playouts sind wird Arno schon mal 6 Spiele Zeit haben zum Üben für die nächste Saison.

    Wäisch wie gäil!
    • Joplin 27.02.2019 23:48
      Highlight Highlight "," hier, bitte. Musst Du irgendwo verloren haben. PS was ist denn ein Züsi? Tönt igendwie süss. 😘
  • MARC AUREL 27.02.2019 12:20
    Highlight Highlight Also was die Lions bieten ist schwach und die Einstellung sich nur qualifizieren zu müssen und dann werden wir schon Meister ist sehr gefährlich! Klar, dass Potenzial haben sie und niemand will gegen Zürich freiwillig antreten... weil wenn der Druck mal weg ist geht es entspannter..
  • Altorez 27.02.2019 08:34
    Highlight Highlight Rausgeholt ist genau das richtige Wort für die Strafe vor dem 1:1. Also wenn diese Neymar-Aktion vom ansonsten wirklich gut spielenden DiDo keine Diving Strafe gibt, weiss ich nicht was dann eine geben sollte.
    Ausserdem wer das Spiel gesehen hat weiss, dass der Unterschied nicht ganz so gross war die Statistik zeigt. Zumindest die ersten zwei Drittel.
    Es bleibt spannend am Strich...
  • HotIce 27.02.2019 08:32
    Highlight Highlight Den letzte Satz find ich grossartig 😂
  • N. Y. P. 27.02.2019 08:20
    Highlight Highlight Aber wir sollten die ZSC Lions noch nicht zu arg schmähen oder abschreiben.

    Genau !

    Habe mir erlaubt, den wichtigsten Satz des Artikels rauszuklauben.

    Ich wünsche mir den 8. Platz für den Z. Gleichzeitig natürlich den 1. Platz für den SCB. Und dann schauen wir mal, ob sich Arno mit 0:4 aus den Play offs kegeln lässt..

    Ich würde erst nach den Play offs die Arbeit von Kumpel Arno beurteilen..
  • Tikkanen 27.02.2019 08:04
    Highlight Highlight ...ja, tatsächlich mahnen die Zustände in Hipsterville unter dem grantigen Alpendruiden an längst vergangene ZSC Zeiten. Nur, heuer wird nicht der Kruti den Aquarium Wahl mittels Zeitlupen-Penalty bezwingen. Sollten Arno's verwöhnte Diven im QF auf die Hockeymaschine treffen, kann die Multifunktionshalle zu Öhrlikon bereits nach zwei Abenden wieder Helene Fischer zu Verfügung gestellt werden, der vom Käru optimal eingestellte SCB wird über die chaotischen Hipster hinwegfegen wie einst Lothar über die Voralpen. Alles andere als ein Sweep würde angesichts der lottrigen Züzis doch überraschen...
    • das Otzelot 27.02.2019 10:10
      Highlight Highlight Deine Worte in Gottes Ohr. Aber als SCB Fan bin ich nicht überzeugt das das so passieren wird. Sollte der Z die Playoffs schaffen ist trotzdem alles möglich. In der Mannschaft steckt einfach zu viel Qualität um diese vorzeitig abzuschreiben.
      Egal was vorher passiert ist.
      Aber lassen wir uns überraschen und nehmen den Gegner den es gibt.
    • Tikkanen 27.02.2019 10:11
      Highlight Highlight ...und natürlich:

      Noch 12 bis🐻🏆😎
    • NichtswissenderBesserwisser 27.02.2019 11:00
      Highlight Highlight Kommt mir irgendwie bekannt vor. Nur waren es damals die HF's. Und noch 8 bis 🐻🏆😎.

      Wie es geendet hat wissen wir! 😉🇫🇷🦁🏆

      Auch wenn unsere Truppe noch lottriger ist als letztes Jahr, glaube ich an den Sweep! It's PO-Time! http://Nd
    Weitere Antworten anzeigen
  • Goon 27.02.2019 08:03
    Highlight Highlight Naja, wenn die Lions so vom Gegner dominiert werden aber trotzdem nach Penaltyschiessen gewinnen kann dies auch als Stärke angesehen werden.
    • Tikkanen 27.02.2019 10:58
      Highlight Highlight ...ach Goonie, freut mich immer wenn auch die Kellerkinder aus dem Murmeliland rege an den Diskussionen über artfremde Events wie Playoffs teilnehmen...😂

      Noch 12 bis🐻🏆🍻
    • Hayek1902 27.02.2019 11:23
      Highlight Highlight Tikkanen on fire
    • Goon 27.02.2019 11:46
      Highlight Highlight Ach Tikkie. Wir nehmen sogar an artfremden Events teil. Nennt sich Playout. Da kannst du mir sicher Tipps geben, hast ja schon Erfahrung damit *hüstel*sogaralsmeister*hüstel*
    Weitere Antworten anzeigen
  • marak 27.02.2019 07:55
    Highlight Highlight Nicht schlecht, das mit der Steiner Schule. Aber es ist gekoppelt mit einer Verwaltermentalität. Wenn sie denn mal führen, dann wird einfach rumgekurvt (gerne in den Ecken und am Rand entlang und dann wieder mal ein wenig quer) und der Vorsprung verteidigt. In 8 von 10 Fällen. Seit Jahren. Dabei sollte man in 8 von 10 Fällen auf ein weiteres Tor drängen.
  • Bruno Wüthrich 27.02.2019 07:55
    Highlight Highlight Die SCL Tigers hatten zuvor in vier von fünf Spielen gegen die ZSC Lions gepunktet. Aber gestern rechnete ich nicht mit einem Punktezuwachs. Die Gründe: 1.) Die eigentlich haushohe Überlegenheit der Zürcher bezüglich Talent. 2.) Der Umstand, dass das Team von Arno Del Curto jetzt wirklich Punkte braucht und siegen muss.
    Einen Sieg hat es für die Zürcher zwar gegeben. Aber einen sehr glücklichen und erst nach Penaltys. Dass die Langnauer eine Partie dominieren konnten, bei der es bei einem derart talentierten Gegner um so viel geht, ist mehr als erstaunlich. Die Playoffs können kommen.
    • Dynamischer-Muzzi 27.02.2019 08:16
      Highlight Highlight Aber Bruno du musst auch bedenken, dass die Tigerlis das 2. schlechteste Team in den letzten 5 Spielen ist. Es ist also eine Tendenz nach unten zu einer Zeit, wo man sich das eigentlich nicht leisten darf. Da nützt dir auch nichts, wenn man ein Spiel dominiert, jedoch die Tore nicht macht. Am Freitag in Rappi MUSS gewonnen werden, sonst ist der Strich eventuell sehr nah und die Beine fangen an zu zittern. Platz 3 bis 9 mit gerade mal 6 Punkten Abstand, da darf sich noch kein Team zu sicher sein. Es ist aber absolut geil, dass es so spannend ist.
    • CuJo 27.02.2019 12:07
      Highlight Highlight @Bruno Wüthrich

      Aus reiner Neugierde: Bist Du der gleiche Schreiberling wie der, der damals unter dem Namen "SCL-Fan Bruno" auf der Bäregrabe-Seite im Kultbuch abgeröhrt hat :-) ?

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