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Former UBS banker Bradley Birkenfeld leaves the Fort Lauderdale, Fla. federal court building Friday, Aug. 21, 2009 in Fort Lauderdale Fla. after being sentenced to 40 months in federal prison.  (AP Photo/J Pat Carter)

Brad Birkenfeld. Bild: AP

Interview

UBS-Schreck, Trump-Fan: Bradley Birkenfeld will «das Schweizer Volk aufrütteln»

Als Whistleblower stürzte Bradley Birkenfeld (56) seine damalige Arbeitgeberin UBS in die Krise und brachte das Schweizer Bankgeheimnis zu Fall. Jetzt spricht er über seine Zeit im Gefängnis, sagt eine Fusion von UBS und CS voraus – und verrät, was er mit seiner 100-Millionen-Dollar-Belohnung angestellt hat.

Benjamin Weinmann und Patrik Müller / ch media



Der Mann ist eine lebende Legende: Der US-Amerikaner Bradley Birkenfeld gilt als bedeutendster Whistleblower der Banking-Industrie. Er verpfiff Ende der 2000er-Jahre seine Arbeitgeberin, die UBS, an die Behörden und erklärte ihnen, wie er als Private Banker reichen Landsleuten half, ihr Vermögen in der Schweiz zu verstecken. Damit sorgte er für den Niedergang des Schweizer Bankgeheimnisses. Zwar musste Birkenfeld ins Gefängnis, doch finanziell wurde er belohnt: Die USA bezahlten ihm über 100 Millionen Dollar für seine Informationen.

Vergangene Woche machte der 56-Jährige wieder von sich reden. Er schaltete ein Inserat, in dem er die UBS scharf kritisierte. Die «Schweiz am Wochenende» konnte mit dem ehemaligen Banker, der heute auf Malta lebt, per Videotelefonie sprechen.

Der UBS droht eine Milliardenbusse in Frankreich, die Credit Suisse kämpft mit hohen Abschreibern. Spüren Sie Schadenfreude?
Bradley Birkenfeld: Nein, gar nicht. Die Frage zeigt mir aber, dass viele Leute eine falsche Vorstellung davon haben, was ich getan habe und wer ich bin. Da gibt es viel Hass. Was ich durchaus verstehe, denn ich habe das Bankgeheimnis zum Ende brachte. Aber ich liebe die Schweiz und wollte dem Land helfen. Das Problem war die Mentalität der Banken. Sie hatten das Gefühl, sie könnten sich alles erlauben. Darum geht es, und nicht um mich.

Dieser Hass Ihnen gegenüber existiert noch immer?
Schwer zu sagen, denn ich reise nicht in die Schweiz. Ich fürchte mich vor der Willkür der Behörden. Ein Freund von mir aus Kolumbien wurde in Lausanne für einen Monat unter Hausarrest gesetzt, nur weil der Vater seiner Freundin den ehemaligen Drogenbaron Pablo Escobar kannte.

Sie haben Angst, in der Schweiz verhaftet zu werden?
Ich kann es nicht ausschliessen. Fakt ist, dass es vielen Leuten in der Schweiz nicht gefiel, dass ich für meine Whistleblowing-Aktivität belohnt wurde. Zudem habe ich meine Zeit im Gefängnis bereits abgesessen. Obwohl ich das Richtige getan habe! Aber vieles war faul im Hintergrund.

FILE - This undated handout photo released by the National Whistleblowers Center, shows former UBS employee Bradley Birkenfeld.  Birkenfeld, the imprisoned ex-Swiss banker credited with exposing widespread tax evasion at Swiss bank UBS AG is seeking clemency from President Barack Obama, his attorneys said Wednesday, April 14, 2010.  (AP Photo/National Whistleblowers Center, File)

Ein etwas älteres Foto von Bradley Birkenfeld. Bild: AP National Whistleblowers Center

Wie meinen Sie das?
Die UBS und ihre Manager kamen alle glimpflich davon. Die Credit Suisse musste 3.2 Milliarden Dollar an Busse bezahlen, viel mehr als die 780 Millionen Dollar für die UBS. Aber die UBS hatte bessere Kontakte zu Politikern wie Barack Obama, Justizminister Eric Holder die korrupte Hillary Clinton…

Moment. Das klingt nach einer Verschwörungstheorie.
Das ist keine Verschwörungstheorie! Viele reiche UBS-Kunden, die teils zu meinem Portfolio gehörten, waren wichtige Spender der Demokraten. Deshalb wurde am Schluss alles unter den Teppich gekehrt und man wählte mich als Sündenbock.

Haben Sie für Donald Trump gestimmt?
Nein, aber ich habe ihn unterstützt. Und in der Wahlnacht war ich im Trump-Hotel in Washington. Ich war früher Demokrat, inzwischen sind mir die Republikaner in der Wirtschafts- und Steuerpolitik näher. Die Demokraten wissen nichts anderes, als das Geld der Steuerzahler aus dem Fenster zu schmeissen. Und Hillary Clinton, da bin ich ganz einig mit Trump, gehört ins Gefängnis, weil sie korrupt ist.

FILE - Former secretary of state Hillary Clinton attends the premiere of the Hulu documentary

Hillary Clinton. Bild: keystone

Sie selber sassen 30 Monate im Gefängnis, weil Sie das taten, wofür Sie die Schweizer Banken kritisieren: Sie halfen reichen Amerikanern, ihr Geld vor den Steuerbehörden zu verstecken. Fühlen Sie sich überhaupt nicht schuldig?
Wenn ich schuldig bin, dann sind alle meine UBS-Kollegen auch schuldig, vor allem die Führung! Aber die Bank musste bloss einen Check ausstellen und war aus dem Schneider. 780 Millionen Dollar - lächerlich. Ich hingegen musste hinter Gitter. Das ist nicht gerecht. Wenn Sie jetzt in die Stadt fahren und eine Bank ausrauben und ertappt werden, können Sie nicht bloss eine Busse bezahlen und so die Gefängnisstrafe umgehen! Genau das macht die UBS aber, und zwar seit Jahren. Das ist politische Prostitution.

Sie fühlen sich also eher wie ein tragischer Held als wie ein Krimineller?
Die Sache liegt hinter mir. Fakt ist: Alle profitierten damals von den illegalen Geschäften. Banker, Juristen, Treuhänder, Buchhalter, alle. Sie genossen den Luxus, die Autos, die Hotels, die Restaurants, lebten in Saus und Braus. Das hat sich inzwischen geändert. Natürlich fliesst in der Schweiz noch viel Geld, aber die Regulierungen sind strenger, wenn auch nicht streng genug.

Wie erlebten Sie die Zeit im Gefängnis?
Ich konnte meine positive Einstellung bewahren. Ich war in einem sogenannten Camp mit Kajüten-Betten, ohne Schwerverbrecher. Die Wächter waren aber so dumm! Sie gaben mir die Aufgabe, das Büro des Gefängnisleiters zu reinigen. Ich bin wohl der Letzte, den sie dafür auswählen sollten. Denn natürlich schaute ich mir seine Post im Mülleimer an. Die Wächter sind korrupt. Sie erhalten hohe Löhne, tolle Uniformen. Einmal bestellten sie Schneepflüge und Rasenmäher auf Gefängniskosten – und eine Woche später war die Hälfte verschwunden.

Sie hatten nie einen seelischen Zusammenbruch?
Nein. Als ich ankam, fragte ich die Wächterin, ob ich meine Uhr anbehalten dürfte. Sie meinte: Nicht, wenn sie teurer als 500 Dollar ist. Da sagte ich ihr, dass sie 25’000 Dollar kostet. Es war eine Audemars Piguet! Ich tat das nicht aus Arroganz, sondern weil ich keine Schwäche zeigen wollte. Als sie ein Foto von mir machten, war ich der Einzige, der lächelte.

Seit Ihrem Prozess hat sich viel getan. Die UBS-Führung um Axel Weber beteuert, die Bank sei heute sauber. Glauben Sie das?
Nein, und ich habe Beweise dafür, die ich aber nicht mit Ihnen teilen kann. Die UBS hilft nach wie vor Kunden, Steuern zu umgehen.

Das ist ein heftiger Vorwurf, den Sie nicht belegen und die Bank regelmässig zurückweist.
Ich arbeite noch immer mit verschiedenen Ländern zusammen und helfe ihnen, der Bank auf die Schliche zu kommen. Ich half zum Beispiel auch Frankreich beim laufenden Gerichtsprozess gegen die UBS. Die internen Kontrollmechanismen der Bank sind nicht gut genug. Das waren sie damals nicht, und das sind sie heute nicht.

ARCHIVBILD ZUM LETZTEN VERHANDLUNGSTAG IM BERUFUNGSPROZESS GEGEN DIE UBS IN FRANKREICH, AM MITTWOCH, 24. MAERZ 2021 - Das UBS Logo fotografiert am 2. Februar 2016 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: keystone

Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti moniert die zunehmenden Regulierungsauflagen in Europa. Während die US-Banken stetig wachsen, werden die hiesigen Banken zwangsgeschrumpft. Hat er recht?
Absolut. Ich bin der Erste, der die USA kritisiert. Sie sind viel schlimmer als die Schweiz. Man kann heute nach wie vor sein Geld vor dem Fiskus verstecken in US-Steueroasen wie Delaware, Tennessee, Nevada, North und South Dakota. Nur zwei Länder bekennen sich nicht zum automatischen Informationsaustausch: die USA und Panama. All die Drogenhändler und Terroristen parken ihre Gelder nun in den USA.

Und das bleibt so?
US-Präsident Joe Biden stammt aus Delaware, er wird also nichts daran ändern. Europäische Länder, auch die Schweiz, müssten stärker auftreten und die USA zu einem Informationsaustausch drängen. Wieso ist es eine Einbahnstrasse, in der die USA alle Daten erhalten, die Schweiz aber nicht?

Haben Sie sich eigentlich je wieder für eine Stelle beworben?
Ja. Als Compliance-Chef bei der UBS, also als Spezialist für gesetzeskonforme Geschäftsführung.

Sie machen Witze.
Nein, ich bewarb mich tatsächlich. Die UBS reagierte aber nicht darauf. Dabei wäre ich doch der Beste für ihre Compliance-Abteilung. Die UBS sollte mich anstellen. Ich würde die ganze Bank ausmisten. Aber sonst habe ich mich nirgends beworben.

In Ihrem Buch «Lucifer’s Banker» beschreiben Sie Ihren dekadenten Lifestyle zu Ihrer Zeit als UBS-Banker in Genf, mit Luxusautos, teuren Restaurantbesuchen, vielen Frauen, einem Chalet in Zermatt und Trips nach Saint-Tropez. Bereuen Sie nichts?
Oh ja, so war es. Aber nein, ich bereue nichts.

Das klingt sehr nach «Wolf of Wall Street».
Es war in der Tat ähnlich wie bei «Wolf of Wall Street», auch wenn der Hollywood-Film das Ganze natürlich extremer darstellt. Das war nun mal der Lifestyle von mir und vielen Bankerkollegen in der Schweiz und in anderen Ländern. Ich traf mal Jordan Belfort, den echten «Wolf of Wall Street», er hatte mit meinem Bruder studiert. Netter Typ.

Sie haben von den USA als Belohnung für Ihre Kooperation einen Check im Wert von rund 100 Millionen Dollar erhalten. Abzüglich Steuern blieben noch etwa 75 Millionen. Wie viel haben Sie noch übrig?
Sagen wir es so: Ich habe in den vergangenen Jahren in Immobilien und Kunst investiert und bin äusserst erfolgreich damit gefahren.

Und was ist aus dem Luxus- Lifestyle von damals geworden?
Demnächst wird mein neuer Mercedes-Maybach ausgeliefert. Ich habe mir auch einen Ferrari F8-Spider gegönnt und habe einen BMW M5. Ich mag meine schönen Autos und ich habe ein Jetboot. Ich glaube man kann sagen, dass ich mein Leben geniesse. Zudem arbeite ich zurzeit an einer TV-Serie und an einem Film über mein Buch.

Ein Film über Ihr UBS-Whistleblowing?
Ja. Der Film wird sich auf mein Buch stützen, also die Geschichte davon, wie ich die UBS als Whistleblower an die US-Behörden überführt habe. Und die TV-Serie wird sich mit sich mit Whistleblowing generell befassen.

Vergangene Woche publizierten Sie in Schweizer Zeitungen ein ganzseitiges Inserat, in dem Sie für Ihr Buch warben. Weshalb?
Ich möchte das Schweizer Volk aufrütteln! Jeder Schweizer Steuerzahler bezahlt für die Fehler der UBS. Die Bank wird in Frankreich demnächst höchstwahrscheinlich eine Busse in der Höhe von 3 Milliarden Franken erhalten. Diese Verluste wird die UBS geltend machen, um keine Steuern zu bezahlen. Am Schluss bezahlt also wie immer das Volk.

UBS und CS zogen sich aus der Vermögensverwaltung in den USA zurück, denken derzeit aber über eine Rückkehr in diesen Markt nach. Wäre es ein guter Schritt?
Man kann diesen Markt nicht einfach ignorieren. Einen Einstieg zu prüfen, ist sicher richtig. Ein anderes Thema finde ich aber spannender. UBS und CS sind für sich genommen inzwischen relativ klein. Sie sollten fusionieren. Das wäre gut für die Schweizer Wirtschaft. Zwar würden viele Stellen und zwei Firmentraditionen verschwinden. Aber es ist der richtige Weg, um global stark genug zu sein.

Ist das realistisch?
Oh ja. Diese Fusion wird kommen, da bin ich mir sicher. Ich denke, dass man nun noch das Gerichtsurteil für die UBS in Frankreich abwarten wird. Aber 2022 wird aus der Credit Suisse und der UBS eine Bank.

Haben Sie selber UBS- und CS-Aktien?
Nein. Ich investiere lieber in Immobilien, Kunst und in meine Formel-1-Sammlung. Ich habe rund 70 Helme und Anzüge von Champions wie Michael Schumacher. Ich habe eine Trophäe von Nikki Lauda, sechs Helme von Ayerton Senna und sogar Teile von seinem Unfallauto. Tolle Sachen! Mein Traum ist es, nächstes Jahr eine Formel-1-Bar in Malta zu eröffnen. Denn ich möchte den Mitmenschen auch etwas zurückgeben. Es geht mir nicht nur ums Geld. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / walter bieri
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