WM-Traumstart und bald zu Bayern – das ist Deutschlands neuer Shootingstar
55 Millionen Euro will Bayern München angeblich für Nathaniel Brown bezahlen. Der 22-jährige Linksverteidiger von Eintracht Frankfurt sei ein absoluter Wunschspieler von Trainer Vincent Kompany. Und das, obwohl der deutsche Rekordmeister auf derselben Position Alphonso Davies, dessen Jahresgehalt 20 Millionen Euro betragen soll, noch bis 2030 unter Vertrag hat.
Wer den Auftritt von Nathaniel Brown zum WM-Auftakt gegen Curaçao gesehen hat, weiss sofort, wieso der FC Bayern so intensiv um ihn buhlt. Beim 7:1-Sieg glänzte er unter anderem mit einem Tor und einem Assist per Ecke. Der Kicker sah ihn als Anschieber und gab ihm die Note 1,5 – kein anderer Deutscher war besser. «Er hat ein Topspiel abgeliefert», lobte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger und Mitspieler Kai Havertz ergänzte: «Man sieht, wie hart er jeden Tag arbeitet. Und wenn man dann im ersten WM-Spiel so auftritt und ein Tor in diesem Alter erzielt, dann ist das überragend.»
Brown selbst zeigte sich überwältigt. «Es ist unbeschreiblich», schwärmte er. Für den Sohn einer Deutschen und eines früheren US-amerikanischen Soldaten, zu dem er kaum Kontakt hat, ist es ohnehin ein besonderes Turnier. Zumal er den US-Pass besitzt. Dann gleich im ersten WM-Spiel zu treffen, sei «einfach unglaublich».
Unglaublich ist auch der Auftritt des gebürtigen Bayern angesichts der Tatsache, dass es erst sein sechstes Länderspiel war – und erst sein viertes von Beginn an. Natürlich war Curaçao kein guter Gegner, dennoch ist es bemerkenswert, dass Brown auch auf der bisher grössten Bühne mit seiner Geschwindigkeit und seinem Spielverständnis brillierte.
«Er ist defensiv ein sehr guter Eins-gegen-eins-Spieler gegen Speed-Spieler, weil er selbst sehr schnell und clever ist», lobte Nagelsmann vor dem Turnierauftakt und erklärte damit, weshalb er Brown dem erfahreneren David Raum von Leipzig vorziehen werde.
Dieses Vertrauen zahlte Brown dem Bundestrainer im ersten Spiel zurück. Gut möglich, dass Nagelsmanns Wunsch nach mehr Selbstvertrauen bei seinem Schützling nun in Erfüllung geht. «Er weiss noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist», sagte der 38-Jährige im Vorfeld der WM. «Ich wünsche mir manchmal, dass er sich noch mehr zutraut. Er ist einen Tick zu bescheiden für das, was er kann.»
Was er kann, zeigte er gegen Curaçao eindrücklich. Überall auf der linken Seite tauchte er auf, drängte immer wieder in die Offensive, hinterlief Florian Wirtz und zog auch mal in die Mitte. So kam er dann auf Vorlage von Deniz Undav auch noch zu seinem Tor. Noch wichtiger war aber wohl seine Vorlage per Ecke. Diese servierte er perfekt auf den Kopf von Nico Schlotterbeck, der zur 2:1-Führung traf und Deutschland nach dem Schock des Ausgleichstors die Nervosität nahm.
Es habe sich um eine einstudierte Variante gehandelt, verriet Brown danach. Und auch hier zeigt sich seine demütige Art, die ihm neben Nagelsmann auch Havertz zuschreibt. So sagte der 22-Jährige gemäss Kicker: «Ich habe mir die Ausführung am Anfang gar nicht so zugetraut.» Erst der Standard-Trainer habe ihm dann die nötige Überzeugung gegeben. Diese holt er sich aber auch durch die harte Arbeit auf dem Trainingsplatz, die ihn gemäss seinem Juniorentrainer schon früh ausgezeichnet habe.
Und dass ihm das Selbstvertrauen nicht völlig abgehen kann, zeigt die Tatsache, dass er sich den Wechsel zu Ligakrösus Bayern München, der angeblich kurz bevorsteht, zutraut. Um sich hinter Alphonso Davies auf die Bank zu setzen, wird er seinen unangefochtenen Stammplatz in Frankfurt kaum aufgeben. Brown weiss auch, dass der 25-jährige Kanadier aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit und Stagnation in München nicht mehr unbestritten ist. Er traut sich bei aller Bescheidenheit wohl zu, den Konkurrenzkampf gegen den langjährigen Bayern-Star zu gewinnen.
Wenn er sich so präsentiert wie bei seinem WM-Debüt, hätte FCB-Coach Kompany dann ohnehin kaum eine andere Wahl, als auf Nene Brown zu setzen. So wie es Julian Nagelsmann aktuell in Nordamerika tut.
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