Der gläubige Hockey-Star, der auch mal die Fäuste sprechen lässt
In der neusten Auflage der «Hockeybibel» kommen bekennende, gläubige Hockey-Profis aus der ganzen Welt zu Wort. Darunter Mike Fisher, einst Ausländer beim EV Zug, Josef Marha, jahrelanger Schlüsselspieler bei Arno Del Curtos HC Davos oder Dion Knelsen, der seine Karriere in der Schweiz beim EHC Olten beendete. Unter den gut 20 Sportlern, die in kurzen Lebensberichten über ihre Beziehung zu Gott sprechen, ist mit Janis Moser auch ein aktueller Schweizer Nationalspieler zu finden.
Moser, der am 6. Juni 26 Jahre alt wird, hat sich in den letzten drei Jahren zu einem der besten Schweizer NHL-Profis entwickelt. Bei den Tampa Bay Lightning ist er mittlerweile eine unverzichtbare Grösse in der Verteidigung. Brauchte es eines Beweises, wie sehr man den ehemaligen Bieler Junior bei den «Blitzen» schätzt, so genügt ein Blick auf die Zahlen des Achtjahresvertrags, den Moser kurz vor dem letzten Jahreswechsel unterschrieben hat (watson berichtete).
Mit total 54 Millionen US-Dollar ist das Arbeitspapier des Verteidigers dotiert. Er sagt: «Als junger Spieler träumt man davon, mal so einen langfristigen Vertrag bei einem NHL-Team zu unterschreiben. Wo man weiss, dass man nach seiner Profi-Karriere nicht mehr unbedingt arbeiten muss, wenn man einigermassen gescheit mit dem Geld umgeht, das man verdient hat.» Moser präzisiert, dass man zu Beginn seiner Laufbahn vielleicht eher noch die finanzielle Sicherheit als Antrieb und Motivation habe. «Jetzt geht es für mich nur noch ums Gewinnen.» Und wie sieht es mit der gesteigerten Erwartungshaltung aus, die so ein Vertrag mit sich bringt? «Dieser Druck begleitet dich ja immer als Profisportler. Man lernt früh, damit umzugehen. Und die Ansprüche von mir an mich selber bleiben genau gleich hoch», sagt er.
Sicherheit hat Janis Moser auch sein Glaube gegeben, als es mit seiner Karriere nicht immer exakt so lief, wie man sich das vorstellt. Lange Zeit hinkte er punkto körperlicher Entwicklung hinterher und hatte es entsprechend schwer, sich auf Juniorenstufe ins Rampenlicht zu spielen – ungeachtet seines Talents. «Die Gewissheit, dass Gott mich liebt und einen Plan für mein Leben hat, gibt mir Frieden und hilft mir, in schwierigen Situationen die Ruhe zu bewahren», schreibt J.J. (kurz für Janis Jerome) in der «Hockeybibel». Jetzt sagt er angesichts der fast schon märchenhaften Entwicklung seiner Karriere: «Wenn ich schaue, woher ich komme, und sehe, wo ich jetzt stehe, dann ist es für mich besser gelaufen, als ich es mir jemals erträumt habe.»
• Timo Meier (New Jersey Devils): 8,8 Mio. $
• Kevin Fiala (Los Angeles Kings): 7,85 Mio. $
• Nico Hischier (New Jersey Devils): 7,25 Mio. $
• Janis Moser (Tampa Bay Lightning): 6,75 Mio. $
• Pius Suter (St. Louis Blues): 4,125 Mio. $
• Nino Niederreiter (Winnipeg Jets): 4,0 Mio. $
• Jonas Siegenthaler (New Jersey Devils): 3,4 Mio. $
• Lian Bichsel (Dallas Stars): 0,918 Mio. $
Selbst als er zweimal im NHL-Draft übergangen wurde, verlor er sein Ziel nie aus den Augen. Seine Geduld wurde schliesslich belohnt, als ihn die Arizona Coyotes 2021 in der 2. Runde der Talentziehung auswählten. Beim EHC Biel konnte sich Moser in der Zwischenzeit im Erwachsenenhockey beweisen und durchsetzen, ehe er unmittelbar nach dem Draft den Wechsel nach Nordamerika vollzog. In den drei Jahren bei den Coyotes entwickelte er sich zum Stammspieler in der besten Liga der Welt, ehe er im Sommer 2024 als Teil eines grösseren Tauschgeschäfts nach Tampa transferiert wurde – und dort endgültig sein Glück fand.
Neben dem Eis ist Moser ein ruhiger, besonnener und zurückhaltender, junger Mann. Umso erstaunlicher ist es, wenn man erlebt, wie er sich in der Hitze des Gefechts auf dem Eis in einen regelrechten Rabauken zu verwandeln mag. Das war besonders in der aktuellen NHL-Saison zu erleben. Schon in einer Vorbereitungspartie gegen den grossen Rivalen der Lightning, die Florida Panthers, löste Moser mit einem üblen Check gegen einen Kontrahenten eine Massenkeilerei mit 322 Strafminuten aus. Und auch in einem der Derbys während der regulären Saison machte der sanftmütige Bieler mit einem Faustkampf gegen Florida-Verteidiger Gustav Forsling auf sich aufmerksam.
Also darf's auch mal getreu dem biblischen Motto «Auge um Auge, Zahn um Zahn» gehen? Moser sagt dazu verschmitzt lächelnd: «Es ist ein Teil des Spiels in der NHL und sicher etwas, was ich lernen musste. Mein Anspruch ist es, ein kompletter Spieler zu sein, der in allen Situationen seinen Beitrag ans Team leisten kann. Deshalb habe ich kein Problem, zwischendurch auch mal meine Hände dreckig zu machen.»
Doch Moser ist weit mehr als ein «Haudrauf». Im Gegenteil: Bei den Tampa Bay Lightning ist er in der Verteidiger-Hierarchie mittlerweile ganz weit oben anzusiedeln. Dass der Klub den langen Ausfall von Captain Victor Hedman – seit Jahren einer der besten NHL-Backs – fast ohne Nebenwirkung zu absorbieren vermochte, lag zu einem grossen Teil an den Leistungen des Schweizers, der mit im Schnitt 21:34 Minuten Eiszeit pro Spiel ligaweit zu den Spitzenleuten in dieser Statistik gehörte. Moser sagt: «Es tat vor allem gut, das Vertrauen der Trainer und der ganzen Organisation zu spüren. Dass man mir zutraut, stets gegen die besten Spieler der gegnerischen Teams zu spielen. Ich wurde insgesamt reifer dadurch.»
Natürlich wäre Janis Moser, wie alle anderen an der WM im Einsatz stehenden NHL-Schweizer, am liebsten noch in den Playoffs ennet des Atlantiks tätig. Zumal das Ausscheiden der Tampa Bay Lightning in der ersten Runde gegen das Überraschungsteam der Montreal Canadiens besonders bitter war. Spiel 7 verloren Moser und Co. vor eigenem Publikum trotz drückender Überlegenheit (29:9 Schüsse) mit 1:2, wobei der Schweizer bei einem der beiden Gegentore vom Pech verfolgt war und einen abgelenkten Puck mit dem Bein ins eigene Tor beförderte.
Er selber bezeichnet seine Saisonbilanz bescheiden als «okay». Und fügt an: «Es fällt mir schwer, ein besseres Fazit zu ziehen angesichts unseres Abschneidens in den Playoffs.» Es dauerte entsprechend ein paar Tage, bis J.J. die riesige Enttäuschung verarbeitet hatte. Hilfreich war im Prozess, dass er schon bald das Aufgebot für das Schweizer WM-Team im Sack hatte. Und natürlich ist für ihn, wie für die ganze Mannschaft, das Ziel klar: «Wir wollen Weltmeister werden.» Moser wird auf dem Weg zum Titel – wenn es sein muss – auch die Fäuste sprechen lassen. Mit göttlichem Beistand.
