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epa05511855 Turkish soldiers with tanks return from Syria to Turkey after a military operation at the Syrian border as part of their offensive against the Islamic State (IS) militant group in Syria, Karkamis district of Gaziantep, Turkey, 27 August 2016. The Turkish army launched an offensive operation against IS in Syria's Jarablus with its war jets and army troops in coordination with the US led coalition war planes.  EPA/SEDAT SUNA

Türkische Panzer kehren von einer Mission in Syrien zurück. Bild: SEDAT SUNA/EPA/KEYSTONE

Türkei beschiesst Stellungen kurdischer Milizen in Syrien – Erdogan macht Ernst



Die Türkei hat ihre Offensive gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) und die Kurden in Nordsyrien vorangetrieben. Laut Armee kam am Samstag der erste türkische Soldat ums Leben. Drei weitere seien verwundet worden, als eine Rakete einen türkischen Panzer traf.

Die Rakete sei vom Gebiet der syrischen Kurdenmiliz YPG aus abgefeuert worden. Zwei Kampfflugzeuge vom Typ F-16 haben nach Informationen aus türkischen Sicherheitskreisen Stellungen der YPG angegriffen, die von den USA unterstützt wird. Ausserdem seien sechs «IS»-Einrichtungen angegriffen worden.

Bei einem Angriff im Dorf Al-Amarna habe es auch zivile Opfer gegeben, erklärte der sogenannte Militärrat der Stadt Dscharablus, der zur Rebellenallianz SDF gehört. Es handle sich um eine gefährliche Eskalation, die die ganze Region bedrohe. Nach Angaben aus türkischen Militärkreisen wurde ein Munitionsdepot südlich von Dscharablus mit Flugzeugen angegriffen.

Raketenangriff auf Flughafen Diyarbakir in Türkei

Vermutlich militante Kurden haben Medienberichten zufolge den Flughafen Diyarbakir im Südosten der Türkei mit Raketen angegriffen. Vier Geschosse seien am Samstag auf einen Kontrollposten der Polizei abgefeuert worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Der Gouverneur von Diyarbakir, Hüseyin Aksoy, sagte dem Fernsehsender NTV, es gebe keine Opfer. Auch die Flüge von und nach Diyarbakir würden nicht beeinträchtigt. Passagiere und Beschäftigte hätten sich im Inneren des Flughafengebäudes in Sicherheit gebracht, berichtete NTV. Die Raketen seien auf Brachland eingeschlagen. (sda/reu)

Die türkische Armee war in dieser Woche nach Nordsyrien vorgedrungen. Unterstützt durch Spezialkräfte, Panzer und Kampfflugzeuge vertrieben die von der Türkei unterstützten Rebellen die sunnitischen Fanatiker vom so genannten «Islamischen Staat» (IS) aus der strategisch wichtigen Grenzstadt Dscharablus.

Erdogan will keinen Kurdenstaat

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte deutlich gemacht, der Einmarsch diene sowohl dem Ziel, den «IS» zu bekämpfen, als auch die syrischen Kurden zurückzudrängen.

Damit soll ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet in Nordsyrien verhindert werden. Die Regierung in Ankara fürchtet, dass ein Kurdenstaat entsteht und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im eigenen Land Aufwind bekommt.

Das Vorgehen in der Türkei ist heikel, weil die YPG ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den «IS» ist. Allerdings forderten zuletzt auch die USA einen Rückzug der Rebellen hinter eine Linie östlich des Flusses Euphrat.

A female Kurdish fighter from the People's Protection Units (YPG) carries a walkie-talkie as she stands in the Ghwairan neighborhood of Hasaka, Syria, August 22, 2016. REUTERS/Rodi Said

Wichtige Verbündete der USA: Kurdische Kämpferin in Syrien. Bild: RODI SAID/REUTERS

Im Schneckentempo zum Frieden

Unterdessen wollen sich die Aussenminister der USA und Russlands grundsätzlich auf Schritte zu einer Waffenruhe in Syrien verständigt haben. Nach der Grundsatzeinigung am Freitagabend wollten Experten beider Länder in den kommenden Tagen in Genf noch offene Fragen klären, wie es hiess.

US-Aussenminister John Kerry sagte, es habe eine Einigung bei der «ganz grossen Mehrheit» der technischen Hürden zu einer neuen Waffenruhe in Syrien gegeben. Es solle aber nicht vorschnell etwas verkündet werden, was später scheitere. Bei dem im Februar vereinbarten Waffenstillstand seien «die Verstösse mit der Zeit eher die Norm als die Ausnahme» gewesen.

Sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow sprach von «sehr bedeutenden Schritten» hin zu einer erneuten Feuerpause in dem Konflikt. Doch müssten noch einige Einzelheiten «abgeschlossen werden».

U.S. Secretary of State John Kerry, left, and Russian Foreign Minister Sergey Lavrov, right, shake hands  after their meeting in Geneva, Switzerland, Friday, Aug. 26, 2016. The United States and Russia said Friday they had resolved a number of issues standing in the way of restoring a nationwide truce to Syria and opening up aid deliveries, but were unable once again to forge a comprehensive agreement on stepping up cooperation to end the brutal war that has killed hundreds of thousands. (Martial Trezzini/Keystone via AP)

Arbeiten an einem Waffenstillstands-Abkommen: John Kerry und Sergrej Lawrow in Genf. Bild: AP/KEYSTONE

Beide Aussenminister hatten zuvor in Genf mehrere Stunden lang über den Syrien-Konflikt diskutiert. Zeitweise nahm auch der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura an dem Treffen teil. Mehrere Verhandlungsrunden zwischen Regierung und Aufständischen unter UNO-Vermittlung hatten bislang nicht zu einem Ende des Krieges geführt, dem seit Beginn des Aufstandes im März 2011 nach UNO-Angaben mehr als 290'000 Menschen zum Opfer fielen.

Die USA und Russland unterstützen in Syrien entgegengesetzte Seiten. Während Moskau ein enger Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad ist, unterstützt Washington verschiedene bewaffnete Gruppen von Assad-Gegnern.

Daraja wieder unter Regierungskontrolle

Nach vierjähriger Belagerung erlangten die syrischen Regierungstruppen nach eigenen Angaben wieder die Kontrolle über die bisherige Rebellenhochburg Daraja, einen Vorort am südwestlichen Rand der Hauptstadt Damaskus. Die syrische Führung und die bewaffnete Opposition hatten sich am Donnerstag auf die Evakuierung der zerstörten Stadt geeinigt.

epa05512264 The Syrian Arab Red Crescent's staff assist people, who were evacuated, from the government-besieged city of Darayya on the southwestern countryside of Damascus, upon arrival at Herjelleh shelter near Damascus, Syria, 27 August 2016. According to media reports, the second phase of the settlement agreement that was recently reached to evacuate Darayya city from gunmen, has started and ten buses entered the city. Around 700 gunmen are to be allowed safe passage to the opposition-held northern province of Idlib, while some 4,000 civilians will be taken to temporary shelter in government-controlled areas in the countryside of Damascus. All the militants will leave their medium and heavy weapons in Darayya. The reports said that a number of gunmen demanded that their legal status be settled.  EPA/YOUSSEF BADAWI

Busse der syrichen Regierung evakuieren Bewohner aus Daraja. Bild: YOUSSEF BADAWI/EPA/KEYSTONE

In der nordsyrischen Millionenmetropole Aleppo geht das Sterben indessen weiter. So berichtete die in Grossbritannien ansässige oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) über zwei von der syrischen Luftwaffe über einem Rebellenviertel abgeworfene Fassbomben. Dabei seien mindestens 15 Zivilisten getötet worden. (sda/reu/dpa/afp)

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