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Analyse

Trumps Brief an Norwegen: «Das ist selbst für ihn zu dumm»

Fotomontage zeigt US-Präsident Donald Trump über seinem Brie an den norwegischen Premierminister Jonas Gahr Støre. Daneben eine Karte von Norwegen und eine Flagge des Landes.
Bild: watson/getty/imago
Analyse

Trumps Brief an Norwegen: «Das ist selbst für ihn zu dumm»

Mary Trump, die Nichte des US-Präsidenten, kommentiert dessen Brief an den Premierminister von Norwegen.
20.01.2026, 13:2111.02.2026, 09:12

Mary Trump ist nicht nur die Nichte des Präsidenten, sie ist auch eine seiner härtesten Kritikerinnen. Und sie ist Psychologin, die mehrere Bücher über ihren Onkel verfasst hat. Allein der Titel ihres jüngsten Werkes spricht Bände, er lautet: «Amerikas Albtraum». Sie ist auch eine der Fachfrauen, die überzeugt sind, dass Trump nicht nur ein pathologischer Narzisst ist, sondern auch Merkmale fortschreitender Demenz aufweist.

Doch selbst für Mary Trump war der Brief, den ihr Onkel übers Wochenende an Jonas Gahr Støre, den Premierminister von Norwegen, geschickt hat, zu viel. Darin schreibt der US-Präsident:

«In Anbetracht dessen, dass Ihr Land sich entschieden hat, mir den Nobelpreis nicht zu verleihen, obwohl ich 8 PLUS Kriege gestoppt habe, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, an Frieden zu denken, obwohl das immer noch dominant sein wird, aber ich kann mich nun darum kümmern, was gut und recht für die Vereinigten Staaten von Amerika ist.»
[Sorry für den holprigen Satz, aber so schreibt Trump nun mal.]

Dann erwähnte Trump auch noch Dänemarks Anspruch auf Grönland und fügte hinzu: «Die Welt ist nicht sicher, bis wir nicht die vollständige Kontrolle über Grönland haben. Thank you!»

FILE - Mary Trump discussing her book "Who Could Ever Love You: A Family Memoir" at The 92nd Street Y on Thursday, Sept. 12, 2024, in New York. (Photo by Evan Agostini/Invision/AP, File)
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Mary Trump, Nichte des US-Präsidenten.Bild: keystone

Als erste Meldungen über diesen Brief auftauchten, lautete die erste Reaktion überall, auch auf der watson-Redaktion: «Das kann nicht sein, das muss ein Deepfake sein.» Ist es aber nicht. Deshalb stimmen alle Menschen, deren Gehirn noch halbwegs intakt ist, Mary Trump zu, die auf X folgenden Post abgesetzt hat: «Das ist selbst für ihn zu dumm.»

Tatsächlich ist es unmöglich, rationale Gründe für Trumps Besessenheit mit Grönland zu finden. Was die militärische Sicherheit betrifft, hat der US-Präsident dank eines Abkommens mit der Schutzmacht Dänemark aus dem Jahr 1951 alle Freiheiten, die er sich wünscht. Was den wirtschaftlichen Nutzen betrifft, ist dieser fraglich. In Grönland werden zwar wichtige Rohstoffe wie Seltene Erden, Gold und auch Öl und Gas vermutet, doch sie befinden sich trotz Klimaerwärmung noch lange unter einer dicken Eisschicht, die den Abbau wenig lohnend erscheinen lässt.

Einige spekulieren deshalb, dass Trump mit Grönland die ultimative Ablenkung von den Epstein-Files gefunden hat, deren Herausgabe das Justizministerium trotz eines vom Kongress verabschiedeten Gesetzes sträflich hinauszögert. Am wahrscheinlichsten ist jedoch die These, dass die Ursache Trumps grenzenloser Narzissmus ist.

President Donald Trump speaks to reporters before boarding Air Force One at Palm Beach International Airport, Monday, Jan. 19, 2026, in West Palm Beach, Fla. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
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Grenzenloser Narzisst: Donald Trump.Bild: keystone

Sollte es ihm gelingen, Grönland den USA einzuverleiben, dann wäre ihm ein Eintrag in die Geschichtsbücher sicher. Wie Thomas Jefferson einst Napoleon Louisiana und der Aussenminister William Seward den Russen Alaska abgekauft haben, so hätte Trump dann einen spektakulären Deal durchgezogen. Immerhin ist Grönland mehr als doppelt so gross wie Texas.

Trump ist offensichtlich gewillt, sein Eitelkeits-Projekt gegen alle Widerstände durchzuziehen. Am WEF will er sich zwar mit den europäischen Staatsoberhäuptern über Grönland unterhalten, doch an seinem Anspruch auf absolute Kontrolle hält er fest. Alles andere als ein vollständiger Verkauf Grönlands an die USA sei «unakzeptabel», bekräftigt er weiterhin.

Dieser Anspruch ist tatsächlich «dumm», und zwar in doppelter Hinsicht.

Um seinen Anspruch durchzusetzen, greift Trump einmal mehr zum Zollhammer. Er will die acht Länder, die Soldaten nach Grönland geschickt haben, mit Strafzöllen belegen. Doch diesmal sind die Europäer offenbar nicht gewillt, sich abschlachten zu lassen. Deshalb steigt die Gefahr eines ausser Kontrolle geratenden Handelskrieges.

Das würde auch die amerikanische Wirtschaft schwer schädigen, und das wiederum wäre paradox, denn trotz der erratischen Zollpolitik des Präsidenten hat sich die Wirtschaft bisher gut gehalten. Dank der Steuergeschenke in der «big and beautiful bill» besteht gar die Aussicht auf einen zumindest kurzfristig kräftigen Aufschwung. Und das wiederum würde die Wahlchancen der Republikaner bei den kommenden Zwischenwahlen massiv erhöhen.

From left to right, Chinese Vice Premier He Lifeng, Switzerland's Federal President Guy Parmelin and Switzerland's Foreign Minister Federal councillor Ignazio Cassis, pictured before a bilat ...
Bereits in Davos eingetroffen: He Lifeng, chinesischer Vize-Premierminister, mit Guy Parmelin und Ignazio Cassis. Bild: keystone

Eskaliert hingegen der Handelskrieg, besteht die Gefahr einer Verelendungs-Spirale. Die wegen Trumps Angriffe auf die Unabhängigkeit der Notenbank bereits verunsicherten Finanzmärkte könnten crashen. Erste Anzeichen dazu gibt es bereits. Nach der Ankündigung neuer Zölle sind der Dollar und die Futures gesunken, der Preis für Gold und die Rendite für T-Bonds gestiegen.

Weil die Finanzmärkte wegen eines Feiertages am Montag geschlossen waren, lässt sich die Stimmung nur schwer einschätzen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Investoren auf TACO-Trump setzen und sich daher kaum von seinen Zolldrohungen beeindrucken lassen.

Das trifft hingegen nicht für den politischen Schaden zu, den Trump mit seinem Eitelkeits-Projekt bereits verursacht hat. In Europa steigt nicht nur die Wut auf den US-Präsidenten, sondern auch die Einsicht, dass man den USA nicht mehr vertrauen kann. Das wiederum bedeutet das Ende einer regelbasierten Weltordnung, die unter amerikanischer Führung nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden ist und 80 Jahre lang für eine historisch einmalig prosperierende und relativ friedliche Welt gesorgt hat.

Wir haben uns an diese Welt gewöhnt und nehmen sie für gegeben hin. Das könnte sich als fataler Irrtum erweisen. So warnt der Historiker Robert Kagan im «Atlantic»: «Die Amerikaner (und auch wir) treten in die gefährlichste Welt seit dem Zweiten Weltkrieg ein, in eine Welt, welche den Kalten Krieg wie eine Sonntagsschule und die Zeit nach dem Kalten Krieg wie das Paradies aussehen lässt. Die neue Welt wird in vieler Hinsicht aussehen wie die Welt vor 1945 mit mehreren Grossmächten und krebsartig wuchernden Konflikten.»

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