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Die Jubel-Bilder der Projurassier:

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Moutier sagt Ja zum Kantonswechsel und wird jurassisch
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Moutier sagt Ja zum Kantonswechsel und wird jurassisch – Übertritt wohl 2026

Die bernjurassische Kleinstadt Moutier will sich dem Kanton Jura anschliessen. Unerwartet deutlich haben sich die Stimmberechtigten für den Kantonswechsel ausgesprochen. Der Bund und die beiden involvierten Kantone sehen damit die Jurafrage als abgeschlossen an.
28.03.2021, 22:13

Das Ergebnis der historischen Abstimmung wurde am Sonntag punkt 18 Uhr verkündet: Mit 2114 Ja- gegen 1740 Nein-Stimmen entschieden sich die Stimmberechtigten für den Wechsel vom Kanton Bern zum Jura. Mit 54,9 Prozent Ja-Stimmen fiel das Resultat klar aus.

Tausende Projurassier feierten das Ergebnis am Abend ausgelassen in der Altstadt. Die Menschen lagen sich in den Armen, Knallpetarden wurden gezündet. Corona-Regeln wie die Maskenpflicht und das Abstandhalten wurden nur von wenigen beachtet. Die Berner Polizei schritt aber nicht ein. Aus ihrer Sicht verlief der Sonntag «weitgehend friedlich».

Justizministerin Karin Keller-Sutter würdigte in einer Erklärung den demokratischen Prozess in Moutier. «Die Lösung der Jurafrage geht als Beispiel für gelebte Demokratie in die Geschichte des Bundesstaates ein.» Der Entscheid vom Sonntag sei «der letzte Schritt, um die Jurafrage mit friedlichen Mitteln beizulegen».

Klares Verdikt

374 Stimmen machten dieses Mal den Unterschied, fast dreimal mehr als beim ersten, später annullierten Urnengang vom Juni 2017. Das sei ein erstaunlich klares Resultat, sagte Jean-Christophe Geiser vom Bundesamt für Justiz. Der Bund hatte bei der Vorbereitung und Durchführung des neuerlichen Urnengangs eine Schlüsselrolle gespielt. Seine Wahlbeobachter stellten keinerlei Unregelmässigkeiten fest.

Auch Valentin Zuber, Chef der Jura-Delegation des Gemeinderats von Moutier, strich das deutliche Resultat hervor. Die Jurafrage sei damit an der Urne geregelt worden und nicht in Gerichtssälen.

Der Aufmarsch der Separatisten am Bahnhofplatz Moutier.
Der Aufmarsch der Separatisten am Bahnhofplatz Moutier.
Bild: keystone

Jura will Wechsel Anfang 2026

Die jurassische Regierung geht davon aus, dass der Kantonswechsel per 1. Januar 2026 vollzogen werden kann. 54,9 Prozent der Bevölkerung hätten sich für ein «Zukunftsprojekt» im Kanton Jura ausgesprochen, freute sich Regierungspräsidentin Nathalie Barthoulot.

Die Berner Regierung äusserte Bedauern über das Resultat, das aber akzeptiert werde. Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg rief die Einwohnerinnen und Einwohner von Moutier auf, die Querelen der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Stattdessen sollten sie ihre Energie gemeinsam auf die Weiterentwicklung ihrer Stadt richten.

Die Berntreuen reagierten gefasst auf ihre Niederlage. Es bleibe zu hoffen, dass die Sieger recht behielten mit ihrer Einschätzung, dass Moutier als jurassische Stadt die besseren Perspektiven habe.

Alte Wunden aufgerissen

Vor vier Jahren hatten bloss 137 Stimmen den Ausschlag gegeben. Die Abstimmung wurde später von der Berner Justiz wegen Unregelmässigkeiten für ungültig erklärt. Das liess die Wogen im Berner Jura nach einigen ruhigeren Jahren im Jurakonflikt wieder hochgehen.

Feierstimmung in Moutier.
Feierstimmung in Moutier.
Bild: keystone

Für die Wiederholung der Abstimmung an diesem Sonntag wurde ein beispielloser Aufwand betrieben. Ob das Resultat diesmal Bestand hat, wird sich weisen. Bis zuletzt gab es eine Polemik um das Stimmregister, nachdem bereits 2017 Vorwürfe über Abstimmungstourismus laut geworden waren.

Rechtskräftig ist das Ergebnis jedenfalls noch nicht. Danach werden die Kantone Bern und Jura die praktischen Einzelheiten des Kantonswechsels in einem Konkordat aushandeln. Zunächst sind dafür die Stimmberechtigten beider Kantone am Zug, abschliessend dann die Bundesversammlung. (sda)

Laut Beobachtern keine Unregelmässigkeiten bei Moutier-Abstimmung
Die Beobachter des Bundes haben am Sonntagabend eine positive Bilanz ihrer Mission in Moutier gezogen. Es seien keine Unregelmässigkeiten festgestellt worden, teilte das Bundesamt für Justiz (BJ) mit.

Am Sonntag waren insgesamt 18 BJ-Mitarbeitende vor Ort. Sechs Abstimmungsbeobachter, die weder im Kanton Bern noch im Kanton Jura wohnen, überwachten die Auszählung der Stimmen und validierten jede Entscheidung des Stimmbüros, wie es in der Medienmitteilung heisst. Zehn weitere Mitarbeitende überprüften systematisch die Stimmausweise.

Die Beobachter lobten «die ausgezeichnete Zusammenarbeit» mit den kommunalen und bernischen Behörden vor und während der Abstimmung. Zudem stellten die Beobachter fest, dass die Kampagne ruhig verlaufen sei und die Behörden «äusserste Zurückhaltung» gezeigt hätten.

Beim Stimmregister beschränkte sich die Rolle des BJ auf die Vermittlung zwischen der Gemeinde Moutier und dem Kanton Bern.
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Trennungsgelüste überall: Wer es Moutier gleichtun könnte

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