Eismeister Zaugg
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Berns Philippe Furrer, Mitte, jubelt nach seinem Tor zum 1-0 mit seinen Teamkollegen im fuenften Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem Lausanne HC, am Dienstag, 10. Maerz 2015 in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Etwas weniger «Guy-Boucher-Hockey» beim SCB und schon überzeugen die Berner. Bild: KEYSTONE

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Nach 21.45 Uhr ist die Zeit der Aussenseiter abgelaufen – der SC Bern und die ZSC Lions stehen im Finale

Die ZSC Lions und der SC Bern haben das fünfte Spiel mit dem gleichen Resultat (3:0) gewonnen. Das ist kein Zufall. Die Parallelen sind unübersehbar. Der Donnerstag wird für die Aussenseiter nun zum Tag der Fronarbeit. Der SC Bern und die ZSC Lions werden ins Halbfinale und anschliessend ins Finale einziehen.



Je weniger Hollywood, desto besser für die ZSC Lions. Je weniger «Guy Boucher-Hockey», desto besser für den SC Bern. Zum ersten Mal waren Partien in der Viertelfinal-Serie der Zürcher und der Berner im eishockey-technischen Sinne gut, normal, weitgehend rumpelfrei und logisch. Gut, normal, weitgehend rumpelfrei und logisch führt unweigerlich zu einem Sieg der viel talentierteren Zürcher und Berner.

Die Zuercher bejubeln das 1-0 durch Patrik Baertschi, rechts, im fuenften Eishockey Play-off Viertelfinal Eishockeyspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel, am Dienstag, 10. Maerz 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Wenn alles logisch läuft, sind auch die Lions klar im Vorteil. Bild: KEYSTONE

Erstmals in diesen Playoffs hatte Chefmechaniker Marc Crawford seine grosse, mächtige, teure Hockeymaschine auf allen Formationen und Positionen richtig abgestimmt.

Erstmals in diesen Playoffs bestimmte nicht die Angst vor dem Verlieren das Spiel des SC Bern. Sondern das arrogante, meisterliche Selbstvertrauen und die spielerischen Qualitäten.

Das Quäntchen hat entschieden

Biel und Lausanne waren auf den ersten Blick zwar wieder beinahe ebenbürtig und spielten auf Augenhöhe mit dem Titanen. Erst auf den zweiten Blick zeigten sich die kleinen, aber entscheidenden Unterschiede. Die Zürcher und die Berner waren nur ein wenig, aber eben doch und in allen Situationen um ein entscheidendes Quäntchen schneller, präziser, kaltblütiger. Sie gerieten nie mehr in Gefahr, das Spiel zu verlieren.

Beim letztlich recht knappen Ausgang ist die Frage reizvoll, was gewesen wäre, wenn. Wenn Biel eine seiner wenigen Chancen zum 0:1 oder später zum 1:1 bis zur zweiten Pause genutzt hätte. Biel hatte diese Chancen in den zwei ersten Dritteln. Lausanne nicht.

10.03.2015; Zuerich; Eishockey NLA Playoff - ZSC Lions - EHC Biel; Torhueter Lukas Flueeler (ZSC) (Patrick Straub/freshfocus)

Auch die Bieler hatten ihre Chancen, doch der wiedererstarkte Lukas Flüeler hielt seinen Kasten sauber. Bild: Patrick Straub/freshfocus

Aber erstens hat es eben seine Ordnung und Logik, dass diese Chancen nicht ausgewertet worden sind. Torhüter Lukas Flüeler, im ersten Spiel beim Stande von 0:4 ausgewechselt (Schlusstand 0:5), spielt wieder sein bestes Hockey und ist einer der besten Torhüter im Land. Und selbst bei einem vorübergehenden 0:1 oder einem 1:1 hätten am Ende doch die Zürcher gesiegt. Sie brauchten erstmals in dieser Serie kein Glück, um ein Spiel zu gewinnen.

«Wäre», «hätte»: Die Sprache der Verlierer

Die ZSC Lions und der SC Bern waren zum ersten Mal in diesem Viertelfinale ganz einfach in jeder Beziehung besser. Selbst Biels Trainer Kevin Schläpfer gestand nach dem Spiel: «Die ZSC Lions waren diesmal einfach klar besser. Aber wir waren trotzdem nicht chancenlos. Wir kassierten das 3:0 ins leere Tor und wer weiss, wenn uns das 2:1 gelungen wäre – dann hätten wir auf einmal wieder ein Nervenspiel gehabt.» Aber eben: Nun wird bereits in der Sprache der Verlierer gesprochen: «wäre», «hätte», …

Der Bieler Trainer Kevin Schlaepfer beim ersten Playoff-Viertelfinalspiel der National League A zwischen den ZSC Lions und dem EHC Biel-Bienne am Samstag, 28. Februar 2015, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Der Biel-Coach muss bereits auf den Konjunktiv zurückgreifen.  Bild: KEYSTONE

Biels Tapferkeit, Leidenschaft und taktische Klugheit und eine weitere grosse Leistung von Torhüter Simon Rytz verhinderten lediglich eine höhere Niederlage. In der 48. Minute parierte er beim Stande von 2:0 sogar einen Penalty von Patrik Bärtschi und später rettete er bei einem Powerplay seines Teams gegen den alleine anstürmenden Ryan Keller (53.).

Lausannes Tapferkeit, Leidenschaft und taktische Klugheit reichten nicht mehr aus, um bei SCB-Trainer Guy Boucher Angst vor dem Versagen und beim SCB eine spielerische Blockade auszulösen. Und zum ersten Mal in dieser Serie war Cristobal Huet «nur» ein sehr guter, aber nicht mehr ein grosser Goalie. Zum ersten Mal in dieser Serie war Marco Bührer besser. Er strahlte die Sicherheit eines Meistergoalies aus.

Die gleiche Leistung wie am Dienstag in Zürich hatte Biel zuvor zweimal zum Sieg gereicht. Aber jetzt ist die Normalität eingekehrt und nichts ist für den Aussenseiter schlimmer als die Normalität. Sie liess sich gestern sogar an der Uhr ablesen. Wenn ein Playoffspiel, das um 19.45 Uhr beginnt, vor 21.45 Uhr zu Ende ist, dann ging für den Aussenseiter alles zu schnell. Am Dienstag war im Hallenstadion um 21.44 Uhr Feierabend.

Lausanne reicht auch ein Exploit nicht mehr

Lausanne erreichte in Bern nicht mehr das gleiche Niveau und die gleiche Intensität wie in den vorangegangenen vier Partien.

Durchaus möglich, dass am Donnerstag Biel selbst die beste Saisonleistung nicht reichen wird, um die endlich, endlich, endlich erwachten ZSC Lions zu besiegen und das vorzeitige Ende der Serie zu verhindern.

Mit ziemlicher Sicherheit wird am Donnerstag Lausanne selbst die beste Saisonleistung nicht reichen, um die endlich, endlich, endlich erwachten Berner zu besiegen und das vorzeitige Ende der Serie zu verhindern.

Die NLA-Playoffs 2015

Der Donnerstag galt einst in der Schweiz als der Tag, an dem vom gemeinen Volke für die Gutsherren Frondienst zu leisten war. Also Arbeit ohne Lohn. Vieles deutet jetzt darauf hin, dass die sechste Partie für Biel und Lausanne am Donnerstag zur Fronarbeit wird. Zur schweren Eishockey-Arbeit ohne Lohn gegen die in Gutsherrenart spielerisch überlegenen Zürcher und Berner.

Finales Lob von Schläpfer offenbart Resignation

Das Handtuch mag Kevin Schläpfer nicht werfen und er will am Donnerstag noch einmal alles mobilisieren, damit diese Partie noch nicht die allerletzte im alten Bieler Eisstadion wird. Hollywood-Aktionen werde es keine geben. Spielerische und taktische Mittel sollen reichen. Und dann rühmt er seine Jungs. «Ich bin stolz auf das, was unsere Mannschaft geleistet hat.» Er betont, dass dies unabhängig vom Ausgang dieser Serie gelte. Kevin Schläper hat zweifelsohne recht. Bereits die Qualifikation für die Playoffs war eine grosse Leistung. Aber ein Trainer sollte das finale Lob erst spenden, wenn alles vorbei ist. Tut er es vorher, tönt es immer ein bisschen nach Resignation.

Sind die Serien für Biel und Lausanne gelaufen?

Eine Überraschung ist nur noch möglich, wenn die Bieler einen Weg zurück zu ein bisschen Hollywood-Hockey finden und verhindern können, dass das Spiel nicht im eishockey-technischen Sinne gut, normal, rumpelfrei und logisch verläuft.

Eine Überraschung ist für Lausanne nur noch möglich, wenn es noch einmal gelingt, beim Guy Boucher und beim SCB eine spielerische «Angst-Blockade» auszulösen.

Die Normalität ist eingekehrt

Die Serie zwischen dem SC Bern und Lausanne hatte ihren Kulminationspunkt im vierten Spiel nach 33:20 Minuten mit dem Ausgleichstreffer der Berner zum 1:1 erreicht. Seither ist dieses Viertelfinale in eine neue Phase getreten. Bis in dieses vierte Spiel hinein reichte bei Lausanne eine Kombination aus Taktik, Emotionen und Energie, um die eigenen spielerischen Limiten zu kompensieren und den Titanen ins Wanken zu bringen. Jetzt fehlt die Energie.

Biel hat in Zürich mit dem gleichen Resultat verloren wie Lausanne in Bern (0:3). Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Die Normalität ist eingekehrt, am Donnerstag bleibt für die beiden Aussenseiter nur noch ehrenvolle Fronarbeit.

Auch mit Niederlagen am Donnerstag: Der SCB und die Lions stehen im Finale

Nun heisst es erst einmal, dass der vierte Sieg in einer Serie immer der schwierigste sei. Tatsächlich sind die ZSC Lions und der SC Bern noch nicht im Halbfinale. Aber beide werden das Halbfinale auch dann erreichen, wenn sie am Donnerstag eine sensationelle Niederlage erleiden sollten.

Der Berner Topskorer Martin Pluess, rechts, freut sich ueber den ersten Treffer gegen den Zuercher Topskorer Roman Wick, links, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions am Dienstag, 23. September 2014 in der PostFinance-Arena in Bern. (PHOTOPRESS/Lukas Lehmann)

Diese beiden Quali-Topskorer werden sich im Finale bekämpfen: Roman Wick und Martin Plüss. Bild: PHOTOPRESS

Für die ZSC Lions und für den SC Bern hat in diesen Playoffs nach der Überwindung der Anfangsschwierigkeiten eine neue Phase begonnen: Der wahre Titelkampf. Wenn jetzt im eishockey-technischen Sinne alles gut, normal, weitgehend rumpelfrei und logisch läuft, dann werden die Zürcher und Berner auch das Finale bestreiten.

P.S. Der deutsche Dichter und Karikaturist Wilhelm Busch (1832 bis 1908) wusste noch nichts vom SC Bern und den ZSC Lions und den Playoffs im Eishockey. Und doch sagte er: «Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.»

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wagner 14.03.2015 07:36
    Highlight Highlight Vermutlich die nächste Fehlprognose...
  • navigator 12.03.2015 21:52
    Highlight Highlight Klaus hat sich getäuscht, bzw. Biel unterschätzt !!!!

    super bravo EHC Biel
    • Patrick C. 12.03.2015 22:55
      Highlight Highlight Biel hat gut gekämpft, der ZSC hat sich ein Mal mehr selbst geschlagen. Die Chancen Auswertung heute war wieder mehr als nur dürftig, der Auftritt war alles andere als lustvoll. Zu oft liess man Biel einfach gewähren die Niederlage wäre vermeidbar gewesen. Nun den der ZSC wird am Samstag in der Halle den Sack zumachen. Siebte Spiele zuhause kennen wir zur Genüge, die Halle wird hinter den Jungs stehen und der Sieg wird dem ZSC nicht zu nehmen sein.
  • tower204 11.03.2015 12:51
    Highlight Highlight SCBvs HCL : Schön bist du wieder da und wie " Bertschy"
  • liveehcb 11.03.2015 10:53
    Highlight Highlight Von Normalität kann morgen Donnerstag im Eisstadion Biel keine Rede sein. Man will ja für das mögliche letzte Spiel im alten Stadion nochmals alles geben. Das mögliche letzte Spiel im Eisstadion zu gewinnen ist sehr reizvoll. Über das 'was wäre wenn' kann man morgen um 22:00 Uhr darüber reden. Vorher nicht, wenn überhaupt...
  • rYtastiscH 11.03.2015 10:15
    Highlight Highlight Der wahrscheinlich schlechteste Artikel von Ihnen Herr Zaugg... Bin gerade etwas enttäuscht. Wollen wir wetten, dass das Finale nicht ZSC:SCB sein wird?

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