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FILE - In this Oct. 11, 2012, file photo, Hunter Biden waits for the start of the his father's, Vice President Joe Biden's, debate at Centre College in Danville, Ky. In 2014, then-Vice President Joe Biden was at the forefront of American diplomatic efforts to support Ukraine's fragile democratic government as it sought to fend off Russian aggression and root out corruption. So it raised eyebrows when Biden's son Hunter was hired by a Ukrainian gas company. President Donald Trump prodded Ukraine's president to help him investigate any corruption related to Joe Biden, now one of the top Democrats seeking to defeat Trump in 2020. (AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, File)
Jill Biden,Beau Biden,Hunter Biden

Im Mittelpunkt der präsidialen Attacken: Hunter Biden. Bild: AP

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Warum Donald Trump die seltsame Hunter-Biden-Story pusht

Der Präsident will in der letzten Debatte den Sohn seines Herausforderers ins Zentrum stellen. Koste es, was es wolle – auch wenn es das Weisse Haus ist.



Eindringlich fordert Donald Trump von seinem Justizminister William Barr, endlich Schritte gegen die Bidens zu unternehmen. «Der Justizminister muss jetzt handeln», so der Präsident in einem Interview mit Fox News. «Er muss handeln, und zwar rasch. Er muss jemanden ernennen. Es geht hier um gewaltige Korruption, und die Sache muss noch vor den Wahlen ans Tageslicht kommen.»

Trump spielt dabei auf einen Artikel an, der kürzlich in der «New York Post» erschienen ist. Dieses Boulevard-Blatt ist gewissermassen der Print-Zwilling von Fox News. Es gehört ebenfalls Rupert Murdoch, ist stockkonservativ und Trump treu ergeben.

Barr hat bisher die meisten Anliegen seines Präsidenten geflissentlich erfüllt und dabei die Grenzen zur Korruption mehr als nur gestreift. Doch nun zögert selbst er – und zwar aus guten Gründen. Das zeigt eine genauere Analyse der fraglichen Story in der «New York Post».

epa07873332 (FILE) - US President Donald J. Trump (L) hands over the podium to US Attorney General William Barr (R) while participating in an announcement on US citizenship and the census, in the Rose Garden of the White House in Washington, DC, USA, 11 July 2019 (reissued 27 September 2019). An impeachment inquiry against US President Donald J. Trump has been initiated following a whistleblower complaint over his dealings with Ukraine. The whistleblower alleges that Trump had in a phone conversation with Ukraine President Zelensky demanded Ukrainian investigations into US Presidential candidate Joe Biden and his son Hunter Biden's business involvement in Ukraine. In the telephone call, Trump refers to his personal lawyer Rudy Giuliani and US Attorney General William Barr several times.  EPA/MICHAEL REYNOLDS *** Local Caption *** 55331680

Nicht mehr ein Herz und eine Seele: der Präsident und sein Justizminister. Bild: EPA

Die Story dreht sich um einen Laptop von Hunter Biden, dem Sohn von Joe Biden. Hunter Biden soll das fragliche Gerät im April 2019 in einem Computer-Shop in Delaware abgegeben haben, um die Harddisk reparieren zu lassen, und soll es nie mehr abgeholt haben.

Der Inhaber des Ladens – ein Mann namens John MacIsaac – soll daraufhin den Laptop genauer untersucht haben. Dabei sei er auf ein Mail eines gewissen Vadym Pozharskyi gestossen sein. Dieser sass einst zusammen mit Hunter Biden im Verwaltungsrat von Burisma. Diese ukrainische Gasgesellschaft hat eine zentrale Rolle im Impeachment gegen Trump gespielt.

Warum ist dies brisant? Der mit monatlich 50’000 Dollar dotierte Verwaltungsratsposten von Hunter Biden bei Burisma war tatsächlich fragwürdig. Biden ist weder Gasspezialist, noch kennt er sich in der Ukraine aus. Der Verdacht, dass er diesen lukrativen Posten wegen seines Vaters, der damals Vizepräsident war, erhalten hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Selbst Hunter Biden gesteht dies heute mehr oder weniger ein.

Swing-States: Biden weit voraus. Das war Clinton auch. Aber nicht so
Sowohl Twitter als auch Facebook haben am Mittwoch ausserordentliche Zensurmaßnahmen gegen The York Post wegen ihrer Enthüllungen über die E-Mails von Hunter Biden ergriffen - und haltlose Anschuldigungen erhoben, dass die Berichte

Um diese Story in der «New York Post» geht es. Bild: comments://957890220/2962444

Hartnäckig bestreiten jedoch beide Bidens, dass der Vater vom Engagement seines Sohnes gewusst habe. Es gibt bisher auch keinen Beweis dafür. Nun aber will die «New York Post» eben diesen Beweis erbracht haben. Auf dem erwähnten Laptop sei ein Mail aufgetaucht, das schlüssig nachweise, dass die Bidens lügen würden. Auf dem Mail schreibe besagter Pozharskyi nämlich:

«Lieber Hunter, danke für deine Einladung nach Washington DC und die Gelegenheit, deinen Vater zu treffen und einige Zeit mit ihm zu verbringen. Das ist mir eine grosse Ehre und ein grosses Vergnügen.»

Beide Bidens erklären, dass dieses fragliche Treffen mit Pozharskyi niemals stattgefunden habe und das Vater Biden den Mann nicht kenne. Sollte dieses E-Mail echt sein, dann wäre es in der Tat mehr als peinlich für Joe Biden. Doch alles spricht dafür, dass es sich um einen Fake handelt, der vielleicht sogar einmal mehr mit Hilfe des russischen Geheimdienstes inszeniert wurde. Und das sind die Indizien für diese These:

Trump hingegen tobt. Er beschimpft die Sozialen Medien aufs Übelste und spricht von Zensur. Zudem fordert er neuerdings gar, dass die «kriminellen Bidens hinter Gitter» gehörten. Das ist nicht nur eine peinliche Wiederholung seiner Beschimpfung gegen Hillary Clinton vor vier Jahren («Lock her up»). Es ist auch politisch dumm. Ausser seinen ohnehin überzeugten Anhängern erreicht er niemanden. Im Gegenteil, die letzten verbliebenen unabhängigen Wählerinnen und Wähler stösst er damit vor den Kopf.

Deshalb sind auch Hardcore-Trump-Fans entsetzt. Einer davon ist Marc Thiessen, Kolumnist in der «Washington Post». Er schreibt:

«Leider spricht der Präsident unaufhörlich über die Biden-Familie. Er nennt sie ein ‹kriminelles Unterfangen›. Doch das ist nicht das abschliessende Argument, das er vor dem Wahltag abgeben sollte. Er sollte vielmehr verkünden: Ich werde die kräftige Wirtschaft wiederherstellen, wie sie vor der Pandemie war, und die Biden mit massiven Steuererhöhungen zerstören will.»

Trump wird kaum auf ihn hören. Er hat sich so in die Bidens verbissen, dass er alles daran setzen wird, Hunter und die Story der «New York Post» in den Mittelpunkt der Debatte zu setzen. Joe Biden kann dies nur recht sein.

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