Deutschland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Amoklauf in München: Was wir bislang über Tat und Täter wissen

Ein 18-jähriger Deutsch-Iraner tötete am Freitagabend in München neun Menschen und verletzte 16 weitere zum Teil schwer, bevor er sich selbst richtete. Wir listen hier die Fakten der Gewalttat auf, soweit sie bekannt sind.



>>> Über die aktuellen Entwicklungen in München berichten wir hier.

Wer ist der Täter?

Nach dem Blutbad von München mit neun Todesopfern und stundenlangem Ausnahmezustand hat die Polizei Entwarnung gegeben: Der Täter, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit alleine gehandelt und sich danach selbst erschossen, teilten die Ermittler am frühen Samstagmorgen mit. Ein Nachbar beschrieb ihn gegenüber der «Bild»-Zeitung als «eher ruhigen Typ».

Die Polizei äusserte am Samstag Mittag die Vermutung, der Täter habe sich psychiatrischer Behandlung befunden und habe unter einer Depression gelitten. 

Was sind die Motive?

Die Hintergründe der Tat und das Motiv seien noch völlig unklar, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä am frühen Samstagmorgen. Die Leiche des jungen Mannes wurde etwa einen Kilometer vom Olympia-Einkaufszentrum entfernt aufgefunden. Der Mann, der zuletzt mehrere Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt gelebt hatte, war bislang noch nicht polizeilich aufgefallen.

Die Hausdurchsuchung seiner Wohnung habe ergeben, dass es sich wohl eher um einen typischen Amoklauf gehandelt habe, als um ein dschihadistisches Tatmotiv. Der Täter steht in keinerlei Verbindung zum «IS». Auffallend hingegen ist, dass die Schiesserei genau am Jahrestag des Breivik-Attentates stattgefunden hat. Ausserdem habe sich der Täter im vornherein gründlich mit dem Thema Amok auseinandergesetzt. 

epa05437358 Vehicles of the police are seen near a shopping centre in Munich, Germany, 23 July 2016. According to authorities, at least 10 people died, including the suspect, and 16 were hospitalized after a shooting at the Olympia shopping centre in Munich on 22 July 2016. By the current status of the investigations, the perpetrator was an 18-year-old German-Iranian from Munich, police said. The motive of the incident is yet unclear.  EPA/MATTHIAS BALK

Grosseinsatz der Münchner Polizei nahe eines Shoppingcenters in der Innenstadt: Insgesamt waren 2300 Beamte im Einsatz. Bild: EPA/DPA

Wie viele Verletzte gibt es?

27 weitere Personen wurden bei dem Anschlag verletzt, drei von ihnen schweben noch in Lebensgefahr, darunter auch ein 12-Jähriger. Unter den Opfern sind fünf Jugendliche, teilte die Polizei mit.

Nach Angaben Andräs hatte der 18-Jährige die ersten Schüsse in einem Schnellrestaurant abgegeben, anschliessend feuerte er aus seiner Pistole auch in einem Einkaufszentrum und ergriff die Flucht.

Bild

Gewalttat in München: Hier fanden die Angriffe statt.
Bild: screesnshot/tinfancial times

Handelte der Täter alleine?

Es sei nicht davon auszugehen, dass es weitere Täter gegeben habe, so die Münchner Polizei.

Handelt es sich um einen Terroranschlag?

Die Hinweise deuten auf einen Amoklauf und nicht auf einen Terroranschlag hin.

Wann wurde der Schütze gestellt?

Eine Zivilstreife sei schon früh auf den Täter gestossen und hatte auch auf ihn geschossen. Der Täter wurde dabei nicht getroffen. Zwischenzeitlich habe man den Mann aus den Augen verloren. Geklärt werden soll noch, ob er mit dem Auto zum Tatort gefahren sei.

epa05437238 An entrance to the Munich Central station is blocked with police tape after a shootout in Munich, Germany, 22 July 2016. After a shootout at the Olympia shopping centre during Friday evening, the police reports several injuries and possible deaths. The situation is still unclear.  EPA/FELIX HOERHAGER

Zeitweise war die Stadt völlig abgeriegelt: Gesperrter Zugang zum Münchner Hauptbahnhof. Bild: EPA/DPA

Welchen Hintergrund hat der Täter?

Weitere Details aus dem Leben des mutmasslichen Todesschützen seien noch nicht bekannt. Das Hauptaugenmerk habe nach den Schüssen vor allem darauf gelegen, die Sicherheit in München zu gewährleisten, sagte Polizeipräsident Andrä. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass es sich bei dem Mann, der auf einem im Internet kursierenden Video auf einem Parkdeck zu sehen ist, um den Täter handeln könnte.

Die Leiche des Deutsch-Iraners sei in einer Nebenstrasse in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums gefunden worden, sagte Andrä. Es sei zudem eine Pistole sichergestellt worden.

Welche Waffen benutzte der Schütze?

München Schiesserei

Der mutmassliche Schütze vor einer McDonald's-Filiale in der Münchner Innenstadt. bild. pd

Die Tatwaffe war eine 9mm Glock. Die Seriennummer war ausgefeilt. Da der Täter keinen Waffenschein besass, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Waffe illegal besorgt wurde. Anhaltspunkte, dass eine sogenannte Langwaffe im Einsatz gewesen sei, gebe es nicht. Zunächst war aufgrund von Zeugenaussagen noch von drei flüchtigen Männern mit «Langwaffen» ausgegangen worden. Dies könne mit einem Auto zusammenhängen, das mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort davongefahren sei. Dies habe aber nichts mit den schrecklichen Geschehnissen zu tun gehabt.

Steht die Tat in einem Zusammenhang mit der Axt-Attacke in Würzburg?

Es ist bereits die zweite schwere Gewalttat in Deutschland innerhalb weniger Tage. Am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Die Tat soll einen islamistischen Hintergrund haben. Die Polizei sieht keine Parallelen des Münchner Falls mit dem Zugangriff. (leo/wst/sda/dpa)

Attentat in München

David S. – ein depressiver 18-Jähriger mit mörderischer Zielstrebigkeit

Link zum Artikel

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Link zum Artikel

Augenzeugen aus München: «Einer hat es nicht geschafft. Ich bin bis zum Schluss bei ihm geblieben.»

Link zum Artikel

Trump verlässt Pressekonferenz

Link zum Artikel

Ob München oder Nizza – dieser Journalist ist offenbar überall

Link zum Artikel

Video soll mutmasslichen Schützen zeigen, wie er sich auf einem Dach ein Wortgefecht mit einem Anwohner liefert

Link zum Artikel

Dieses Bild in deinem Facebook-Feed soll angeblich den Tatort in München zeigen: Achtung, es ist ein Fake!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • El Schnee 23.07.2016 14:06
    Highlight Highlight
    Play Icon
    .
    Film-Trailer für Leute, die es immer noch nicht begreifen wollen oder können. Die erste Welt installiert munter weiter mehr oder weniger kleine, tickende Zeitbomben: chemisch, unkontrollierbar, unsichtbar. Tendenz sogar steigend. Die etwas intelligenteren Fachleute aus Medizin und Sicherheit haben das schon längst erkannt, aber diese Titantic, Flaggschiff der Pharma- und Psychoindustrie ist auf diesem flotten Kurs der Destruktion schwer zu bremsen.
  • Angelo C. 23.07.2016 09:29
    Highlight Highlight Was ich bei manchen solcher Taten oft als symptomatisch empfinde, sind die völlig unzuverlässigen Zeugenaussagen : Es wurden mehrfach drei Männer "gesehen", dazu ihre angeblichen Langwaffen, also Gewehre statt einer einzigen Pistole - und dies nicht nur im Mc Donalds und im Einkaufszenter, sondern gleich an 2-3 Stellen der Stadt 🙄!


    Auch wenn man die Motivation des ebenfalls jugendlichen Täters noch nicht kennt (Islamismus, psychische Probleme o.ä.) gehe ich aber doch davon aus, dass der definitive Auslöser die Vorgängertat in Würzburg durch den nahezu gleichaltrigen gewesen sein mag...
    • DerGrund 23.07.2016 10:08
      Highlight Highlight Es wurde auch gemeldet es seien "drei Rechtsextreme mit Springerstiefeln, die 'scheiss Ausländer' herumbrüllten und um sich schossen". Kann man sich wirklich so täuschen oder waren das absichtliche Falschinformationen von "Augenzeugen"??
    • Homes8 23.07.2016 10:52
      Highlight Highlight Vieleicht hängen diese Aussagen mit der Zivilstreife zusammen, welche die Verfolgung des Täters aufnahm.
    • Karl Müller 23.07.2016 11:06
      Highlight Highlight Naja, ich denke, diese Zeugen haben mit eigenen Augen

      1. in den Medien gelesen, dass anfänglich drei Täter gemeldet wurden (was in der Panik und dem Durcheinander erklärlich ist)

      2. das Video vom McDo gesehen, in dem es aussieht, als trage der Täter eine Art Stiefel

      3. das Video vom Parkdeck gesehen, in dem evtl. der Täter "Scheiss-Türken" sagt, und als er als "Scheiss-Kanake" beschimpft wird, entgegnet, er sei Deutscher.

      Für eine eilige Twittermeldung, die man schnellstmöglichst vor allen anderen posten muss, ist das Grundlage genug, um drei Rechtsextreme mit Springerstiefeln zu basteln.
    Weitere Antworten anzeigen

Sasek-Sekte sammelt Adressen von Schulen und Kindergärten für Propaganda

Fundamentalisten sammeln für ihre Sektenwerbung massenhaft Adressen von Bildungseinrichtungen für Kinder. Das zeigen interne Dokumente.

Christliche Fundamentalisten um Sektenführer Ivo Sasek sammeln Tausende Adressen von Schulen und Kindergärten. Das belegen interne Dokumente der sogenannten Organischen Christus-Generation (OCG), die t-online.de vom Hacker-Kollektiv Anonymous zugespielt wurden. Die Liste ist offenkundig mit dem Zweck angelegt worden, sie für die Verbreitung von Propaganda zu nutzen. Eine Anfrage von t-online.de dazu beantwortete Sasek nicht.

Die Verschwörungsmythen der Sekte sind antisemitisch aufgeladen. Die …

Artikel lesen
Link zum Artikel