International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05437447 Police officers are seen behind a cordoned off area blocking the access to the underground station Olympia shopping center in Munich, Germany, 23 July 2016, after a shootout on the previous day. According to authorities, at least 10 people died, including the suspect, and 16 were hospitalized after a shooting at the Olympia shopping centre in Munich on 22 July 2016. By the current status of the investigations, the perpetrator, an 18-year-old German-Iranian from Munich, had apparently acted alone, police said. The motive of the incident is yet unclear.  EPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND

Der Amokläufer von München ist identifiziert. Er soll in der Schule gemobbt worden sein. Bild: EPA/DPA

David S. – ein depressiver 18-Jähriger mit mörderischer Zielstrebigkeit



Der junge Mann, der München am Freitag in den Ausnahmezustand versetzte, ist selbst ein Münchener Kind: Vor 18 Jahren kam David S. in der bayerischen Landeshauptstadt zur Welt. Von einer Nachbarin als «guter Mensch» beschrieben, scheint der Schüler am Ende von Hass getrieben gewesen zu sein – ein Mix aus einer psychischen Erkrankung und Schulproblemen könnte seinen Amoklauf mit zehn Toten ausgelöst haben.

S. lebte bis zuletzt bei seinen aus dem Iran stammenden Eltern. Der Vater ist Taxifahrer, die Mutter arbeitete nach den Worten einer Nachbarin als Verkäuferin bei einer Warenhauskette. Zur Familie gehört noch ein weiterer Sohn. Die Wohnung der Familie befindet sich an der Dachauer Strasse, eine der wichtigen Hauptstrassen mitten in München.

Intensiv mit dem Thema Amok beschäftigt

Zum Leben der Familie konnten die Ermittler zunächst wenig sagen. Polizeipräsident Hubertus Andrä beschrieb die Eltern als viel zu schockiert, um weitergehende Aussagen zu machen. Die Polizei erhielt Hinweise, dass der Heranwachsende psychische Probleme hatte, es soll sich um Depressionen handeln.

Polizeipräsident Hubertus Andrä an der Pressekonferenz am Samstagmittag.
Video: reuters

Ausserdem fanden die Ermittler in dem Zimmer des Jungen viele Hinweise darauf, was in seinem Kopf vorging. Es seien Unterlagen gefunden worden aus dem Bereich Amok, sagte Andrä. «Mit dem Thema hat sich der Täter offensichtlich intensiv beschäftigt.»

Parallelen zu Breivik

Zeitungsberichte zu Amokläufen entdeckten die Polizisten. Auch das Buch «Amok im Kopf – Warum Schüler töten». Besonders auffällig nannte der Polizeichef, dass die Tat von München genau am fünften Jahrestag der Tat des rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik stattfand. Insofern liege eine «Verbindung auf der Hand».

Andrä zog diese Verbindung deshalb, weil es sich bei beiden Fällen um Amokläufe gehandelt habe. Aber womöglich gibt es auch eine andere Parallele. Der Norweger Breivik tötete 2011 aus rechtsextremen Motiven. Und auch bei S. wird über Fremdenhass spekuliert.

An der Schule gemobbt

Trotz seiner iranischen Wurzeln sah sich der Attentäter nicht als Ausländer. «Ich bin Deutscher» ist von ihm auf einem während der Tat entstandenen Video zu hören, das die Polizei als authentisch einstuft. Die «Bild»-Zeitung berichtet, er habe sich an seiner Schule von Türken und Arabern gemobbt gefühlt.

«Ich bin Deutscher»

abspielen

YouTube/usainboltlive

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft will dieses konkrete Mobbing zunächst nicht bestätigen. Er spricht aber davon, dass es «Anhaltspunkte» für solche Schulprobleme gebe. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht von Problemen im Bildungsweg.

Falle gestellt

Unter den neun zum grossen Teil jugendlichen Opfern waren auffällig viele mit ausländischer Herkunft. Alle lebten zwar in München oder Umgebung. Drei waren Kosovo-Albaner, drei waren Türken und einer Grieche. Unklar ist, ob sie zum Teil in eine perfide geplante Falle des Amokschützen liefen.

Der offensichtlich mit guten Computerkenntnissen ausgestattete 18-Jährige hackte nämlich nach den Erkenntnissen der Polizei den Facebook-Account eines Mädchens mit einem türkischen Namen. «Kommt heute um 16 Uhr Meggi am OEZ», schrieb er dort – Meggi ist Jugenddeutsch für McDonald's. Die vermeintliche Einladung verstärkte er mit der Ankündigung, etwas zu spendieren.

Bild

Die perfide Facebook-Falle.
screenshot facebook

S. scheint die Tat also länger geplant zu haben. So besorgte er sich auch auf ungeklärtem Weg illegal eine 9mm-Glock-Pistole. Die Seriennummer war aus der Waffe ausgefeilt. Ausserdem hatte er 300 Schuss Munition in einem Rucksack bei sich. Zu dem Zeitpunkt, als er sich selbst das Leben nahm, befanden sich noch weitere Schuss Munition im Lauf der Waffe.

Die Fassungslosigkeit ist riesig in München. Wir sprechen mit einem Mann, der die Tat hautnah erlebte.

tele züri

(leo/sda/afp)

Das Attentat in München

David S. – ein depressiver 18-Jähriger mit mörderischer Zielstrebigkeit

Link zum Artikel

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Link zum Artikel

Augenzeugen aus München: «Einer hat es nicht geschafft. Ich bin bis zum Schluss bei ihm geblieben.»

Link zum Artikel

Trump schürt weiter Zweifel an Machtübergabe

Link zum Artikel

Ob München oder Nizza – dieser Journalist ist offenbar überall

Link zum Artikel

Video soll mutmasslichen Schützen zeigen, wie er sich auf einem Dach ein Wortgefecht mit einem Anwohner liefert

Link zum Artikel

Dieses Bild in deinem Facebook-Feed soll angeblich den Tatort in München zeigen: Achtung, es ist ein Fake!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Zehn Tote, grosse Unsicherheit, massives Polizeiaufgebot: Impressionen aus München

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Darkside 24.07.2016 02:23
    Highlight Highlight Die PCPs auf dem Vormarsch...
  • Bruno S.1988 24.07.2016 00:19
    Highlight Highlight Alle krampfhaft am versuchen ihn in irgendeine schublade zu stecken. Was wenn er einfach nur ein gemobter, psychisch Kranker vollidiot ist der sich einfach nur wichtig machen wollte? Es ist wohl kein IS-angriff, kein terror angriff und kein islamistischer Angriff. Sein Vorbild war wohl ein Rechtsradikaler (Breivik). Er gab sich selber einen jüdischen Namen und seine Opfer waren fast nur Ausländer. Ich sehe hier irgendwie kein klares poltisches Motiv.
    • Turi 24.07.2016 03:46
      Highlight Highlight "Alle krampfhaft am versuchen ihn in irgendeine schublade zu stecken. Was wenn er einfach nur ein gemobter, psychisch Kranker vollidiot ist"

      Stell dir vor, er sei kein kranker Vollidiot.
  • Miikee 23.07.2016 21:01
    Highlight Highlight Liebe Watson Redaktion hier fehlt der Hinweis:

    #Es handelt sich um ein Blick und 20 Minuten Artikel#

    Warum ist plötzlich auch der zweit Name Ali wichtig? Nur um hervorzuheben das er Ausländer ist...gibt wohl mehr klicks.

    Warum wird erwähnt in welcher Strasse die Eltern wohnen? Die dürften die Medien auch ein wenig schützen, ist ja nicht so das die das wollten ... unverständliche unnötige Information.

    • Sir Lanzelot 23.07.2016 21:56
      Highlight Highlight Die Frage müsste doch lauten warum reden plötzlich alle von David wenn er doch Ali heisst?
      Etwa weil man dann besser davor ablenken kann, dass er Iraner ist?
    • DerRaucher 23.07.2016 22:25
      Highlight Highlight Habe mich auch schon gefragt was das soll. Der Typ heisst David, oder seit wann werden Personen plötzlich mit ihrem Zweitnamen geschrieben?
  • Go-away 23.07.2016 19:59
    Highlight Highlight Findet ihr es nicht pietätlos gegenüber der Familie das so genaue Informationen über die Familie (Beruf, Wohnort etc.) veröffentlicht?

Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in der Schweiz und der internationale Vergleich

Die Corona-Pandemie wütet weiter. Die Neuansteckungen steigen auch in Schweizer Kantonen erneut. Hier findest du alle relevanten Statistiken und die aktuellen Corona-Fallzahlen von Corona-Data und dem BAG zur Schweiz sowie im internationalen Vergleich.

Das Coronavirus hält die Schweiz weiterhin in Atem. Die Zahl der Neuansteckung steigt in den unterschiedlichen Kantonen seit dem August wieder und viele sprechen bereits von einer zweiten Corona-Welle in Europa und in der Schweiz.

Damit du den Überblick über die sich stetig verändernde epidemiologische Lage behältst, zeigen wir dir hier alle relevanten Statistiken zu den Neuansteckungen, Positivitätsrate, Hospitalisierungen und Todesfällen in den Schweizer Kantonen sowie im internationalen …

Artikel lesen
Link zum Artikel