Kinder
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bundesrat will 14 Wochen Betreuungsurlaub für Eltern kranker Kinder



Gute Rahmenbedingungen für berufstätige Eltern: eine von sechs Forderungen der SP-Bundeshausfraktion zur Gleichstellung für die kommende Legislatur. (Themenbild)

Bild: KEYSTONE

Wer kranke oder verunfallte Angehörige betreut, muss Einkommenseinbussen hinnehmen oder sogar den Job aufgeben. Das will der Bundesrat ändern. Er schlägt unter anderem einen Betreuungsurlaub von 14 Wochen für Eltern schwer beeinträchtigter Kinder vor.

Jedes Jahr betrifft das rund 4500 Familien. Berufstätige Eltern haben heute keine andere Wahl als unbezahlten Urlaub zu nehmen, sich selbst krankschreiben zu lassen oder die Arbeit vorübergehend ganz aufzugeben. «Eine brutale Situation», sagte Sozialminister Alain Berset vor den Bundeshausmedien. Wer Betreuungsarbeit leiste, brauche Unterstützung, um erwerbstätig bleiben zu können.

Gemäss dem Gesetzesentwurf, den der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet hat, sollen Eltern künftig 14 Wochen Urlaub beziehen können, wenn ihr Kind durch eine Krankheit oder einen Unfall schwer beeinträchtigt ist. Der Urlaub kann innerhalb von 18 Monaten tageweise oder am Stück bezogen werden.

Problem nur teilweise gelöst

Die beiden Elternteile können die Zeit frei unter sich aufteilen. Alleinerziehende haben Anspruch auf den ganzen Betreuungsurlaub. Während der ersten sechs Monate sind die Eltern vor Kündigung geschützt, auch ihre Ferien dürfen nicht gekürzt werden.

«Wo finde ich jetzt dieses internet.ch?» – Eltern und Technik

abspielen

Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

Das Gesetz schränkt den Anspruch auf Betreuungsurlaub auf Beeinträchtigungen ein, deren Verlauf ungewiss ist oder in welchen mit bleibenden Schäden oder mit dem Tod gerechnet werden muss. In vielen Fällen dürfte es sich um Kinder handeln, die an Krebs erkrankt sind.

Dafür sind die 14 Wochen knapp bemessen. Nach Angaben des Schweizer Kinderkrebsregisters sind allein für Spitalbesuche im ersten Krankheitsjahr durchschnittlich 155 Arbeitstage nötig. Insgesamt fallen die Eltern gemäss der Statistik während 320 Arbeitstagen aus. Auch in anderen Krankheitsfällen decke der Betreuungsurlaub den Bedarf unter Umständen nicht vollständig ab, betont der Bundesrat in der Botschaft.

Kein Urlaub für Pflege der Eltern

Finanziert werden soll der Ausfall über die Erwerbsersatzordnung (EO). Der Bundesrat schätzt die Mehrkosten auf 74 Millionen Franken pro Jahr. Eine Erhöhung des EO-Beitragssatzes ist dafür wider Erwarten nicht nötig.

Vier Wochen Vaterschaftsurlaub – bald Realität in Neuenburg

abspielen

Video: srf

Einen Urlaub für die Betreuung älterer Angehöriger schlägt der Bundesrat nicht vor. Er orientiert sich damit am politisch Machbaren. Zudem gebe es für die Betreuung älterer Angehöriger auch andere Möglichkeiten, sagte Berset.

Eine weitere Erleichterung ist die Ausweitung des Kurzurlaubs. Heute können Eltern drei Tage frei nehmen, wenn ein Kind krank oder verunfallt ist. Künftig sollen die Arbeitgeber auch dann Lohn zahlen müssen, wenn es andere Familienmitglieder, die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner zu betreuen gilt. Viele Arbeitgeber handhabten das heute schon so, sagte Berset. Nun würden gleiche Bedingungen für alle Arbeitnehmenden geschaffen.

Der Kurzurlaub ist auf drei Tage pro Ereignis und zehn Tage pro Jahr beschränkt. Die Obergrenze schlägt der Bundesrat aufgrund von Einwänden in der Vernehmlassung vor. Die Mehrkosten für die Wirtschaft werden auf 90 Millionen bis 150 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Darin seien auch die Kosten für den Ersatz am Arbeitsplatz berücksichtigt, betonte Berset.

Anerkennung für Betreuungsarbeit

Der Bundesrat will auch den Anspruch auf AHV-Betreuungsgutschriften ausweiten. Dieser soll künftig bereits bei einer leichten Hilflosigkeit der zu betreuenden Person gewährt werden. Heute ist dafür eine mittlere oder schwere Hilflosigkeit nötig.

Die Mehrkosten für die AHV belaufen sich auf 1 Million Franken pro Jahr. Zudem soll der Anspruch künftig auch bei der Pflege der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners gewährt werden. Voraussetzung ist, dass seit mindestens fünf Jahren ein gemeinsamer Haushalt besteht.

Baby-Tipps für Eltern in 29 einfachen Bildern

Schliesslich sollen die Hilflosenentschädigung und der Intensivpflegezuschlag der IV erst dann eingestellt werden, wenn ein Spitalaufenthalt eines Kindes mehr als einen Kalendermonat dauert. Heute wird der Anspruch für jeden Tag sistiert, den das Kind im Spital verbringt. Das will der Bundesrat aufgrund von Anregungen in der Vernehmlassung ändern.

Damit will er die Situation von Eltern von behinderten Kindern verbessern. Diese hätten so die Möglichkeit, ihr Kind während eines Spitalaufenthaltes zu begleiten, ohne einen erheblichen Einkommensverlust zu erleiden. Der IV entstehen dadurch Mehrkosten von rund 2.5 Millionen Franken.

Weniger Frauen zu Hause

Die Arbeit von pflegenden Angehörigen sei ein unschätzbarer Beitrag zur Krankenpflege und ein grosser Beitrag für die ganze Gesellschaft, sagte Berset. Die Vereinbarkeit der Betreuung von Angehörigen und Erwerbstätigkeit stelle die Betroffenen heute jedoch oft vor grosse Probleme.

Das ist nicht neu. Gesetzgeberischer Handlungsbedarf hat sich nicht zuletzt dadurch ergeben, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind. Die Vorschläge des Bundesrats haben in der Vernehmlassung unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die meisten Kantone, die Parteien sowie Organisationen aus dem Sozialwesen und dem Gesundheitsbereich sprachen sich grundsätzlich dafür aus.

Widerstand kommt von den Wirtschaftsverbänden, den Arbeitgebern und von der SVP. Ihrer Meinung nach würden die Absenzen die Unternehmen über Gebühr belasten. Neben den Zusatzkosten müssten diese organisatorische Probleme bewältigen. Die Gegner wollen bei den heutigen individuellen Lösungen bleiben. (aeg/sda)

31 Spielplätze des Grauens

«Viele Kinder gamen zu viel»

Play Icon

Eltern und Kinder

Das Leben ist sooo ungerecht: 45 (total bescheuerte) Gründe, warum Kinder weinen

Link zum Artikel

Diese Mutter schreibt ein Gedicht an alle anderen Mütter, die (auch) nicht perfekt sind

Link zum Artikel

19 Fälle, in denen uns unsere Eltern schamlos anlogen!

Link zum Artikel

Diese Reaktion einer alten Frau auf eine stillende Mutter erobert das Internet im Sturm

Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sherlock_Holmes 23.05.2019 05:46
    Highlight Highlight Wenn die Wirtschaft und Politik weiterhin bestrebt ist, das volle Arbeitspotential von Frauen und Männern abzuschöpfen, muss sie auch bereit sein, die sozialen gesundheitlichen Risiken mitzutragen.

    Leider ist es jedoch so, dass Menschen und Familien mit schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch von Versicherungsseite immer mehr unter Druck geraten.

    Das Leben richtet sich nicht nach den Vorstellungen von jederzeit verfügbaren, jungen, dynamischen und stets gesunden Arbeitskräften.

    Die negative Entwicklung wäre eine zunehmend, entsolidarisierte dystopische Gesellschaft.

  • Projektionsfläche 22.05.2019 19:07
    Highlight Highlight Einfach so als Info: Das Schweizerische Rote Kreuz hat für beide Bedürfnisse (Kinder- resp. Angehörigenbetreuung) bezahlbare Entlastungsdienste im Angebot.

    Ich finde es aber durchaus richtig und wichtig, dass in diesen Bereichen auch gewisse staatliche Abfederungsmechanismen installiert werden.
  • Karl33 22.05.2019 18:13
    Highlight Highlight Und wir Männer und Väter warten immer noch auf einen zweiten Tag Vaterschaftsurlaub. Gut gemacht, Frau Bundesrätin, Väteranliegen können ja elegant ignoriert werden, die Väter und Männer sind ja eh nichts wert. Macht mich wütend, solche männerignorierende Politik.
  • Mutbürgerin 22.05.2019 16:43
    Highlight Highlight Wozu braucht es eigentlich noch Versicherungen? Kann nicht der Staat jedes Erwerbs- und Krankeitsrisiko bei voller Lohnzahlung übernehmen?
  • Bosshard Matthias 22.05.2019 16:37
    Highlight Highlight Das Vorstellungsgespräch wird dann wohl bald so verlaufen;
    Arbeitgeber; Haben Sie Kinder
    Arbeitnehmer; Ja
    Arbeitgeber; Sorry Stelle ist schon vergeben.
    Noch fragen .. es darf geträumt werden.
    • ingmarbergman 22.05.2019 19:10
      Highlight Highlight Bewerber: Wie steht es mit Vaterschaftsurlaub und Pflegeurlaub?
      Arbeitgeber: Nö.
      Bewerber: Tja, es ist erwiesen, dass Firmen die Diversität leben, wirtschaftlich erfolgreicher sind. Sorry, ich will nicht für eine Firma arbeiten, die wirtschaftlich dumme Entscheide fällt. Auf Wiedersehen!
    • Alnothur 22.05.2019 19:43
      Highlight Highlight Gerade kleine Firmen werden damit Probleme haben; das ist doch heute schon problematisch, da müssen wir uns nichts vormachen.
  • Garp 22.05.2019 16:18
    Highlight Highlight Dass ältere Angehörige ausgenommen sind, find ich sehr schade und nicht passend. Man ist als Angehöriger extrem gefordert, wenn ein älteres Familienmitglied länger krank ist und z.B. bereits dement. Es gibt gewisse Angebote, die muss man sicht aber auch leisten können. Und meist wohnt man ja auch nicht im gleichen Haushalt.
    • Na_Ja 22.05.2019 17:00
      Highlight Highlight Als Betroffener mag sich das unfair anhören. Für ältere und kranke Mitbürger gibt es viele unterstützende Institutionen wie Spitex, Haushaltshilfe, Pflegeheime, ... Für die Pflege kranker Kinder sind die Angebote wenig vorhanden. Für ein Kind ist es einschneidender von der Familie getrennt zu sein, weil Mami und Papi sich nicht um sie kümmern können. Um Missverständnisse zu vermeiden, ich will damit nicht sagen, dass alte Leute nicht darunter leiden, wenn Angehörige wenig Zeit haben.
    • Garp 22.05.2019 17:29
      Highlight Highlight Du klingt alles schön und gut, die Realität sieht anders aus.

Neue Zahlen zeigen: So steht es um die Gleichstellung in der Schweiz

Das Bundesamt für Statistik (bfs) hat am Montag Zahlen zur Gleichstellung von Mann und Frau in der Schweiz veröffentlicht. In manchen Bereichen wie in der Bildung und in der Erwerbstätigkeit gibt es Erfolge zu vermelden, noch sind aber nicht alle Ungleichheiten beseitigt. Hier ein Überblick.

In Sachen Bildung haben die Frauen die Männer überholt. 1999 absolvierten nur 9,8 Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen eine Ausbildung auf Hochschulniveau, bei den gleichaltrigen Männern waren es 14,4 Prozent.

Im Jahr 2018 hingegen verfügen 42,3 Prozent der jungen Frauen über einen Abschluss auf Tertiärstufe. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 34,7 Prozent. Ebenfalls erfreulich: Immer mehr Frauen wagen sich in bisher von Männern dominierte Fächer vor.

So studieren heute immer mehr Frauen …

Artikel lesen
Link zum Artikel