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Nur noch Geimpfte an Bord? Swiss zeigt Interesse an brisanter Idee

Airlines wie die Lufthansa bemühen sich um exklusive Partnerschaften mit Ländern, die strenge Covid-Regeln haben, um die Einreise zumindest für geimpfte Passagiere zu erleichtern. Auch die Swiss und das Bundesamt für Zivilluftfahrt führen Gespräche.
03.09.2021, 06:3703.09.2021, 06:38
Benjamin Weinmann / ch media
Sorgen so genannte «Vaccinated Travel Flights» bald für mehr Reiseoptionen für geimpfte Passagiere?
Sorgen so genannte «Vaccinated Travel Flights» bald für mehr Reiseoptionen für geimpfte Passagiere?Bild: keystone

Die alte Reisefreiheit ist noch immer nicht zurück, insbesondere wenn es um Langstreckendestinationen geht. Die USA haben die Grenzen für ausländische Gäste praktisch komplett verriegelt, und auch in vielen asiatischen Destinationen gelten strenge Regeln mit PCR-Test- oder Quarantäne-Pflicht. Mit der Folge, dass die Buchungen ausbleiben und die Airlines noch immer darben.

Die Lufthansa geht nun neue Wege. Sie hat eine Kooperation mit Singapore Airlines und dem Stadtstaat in Südostasien angekündigt. Ab dem 8. September ist die Einreise nach Singapur für vollständig geimpfte Reisende aus Deutschland wieder möglich. Die bislang verordnete Quarantäne bei Ankunft entfällt. Laut Lufthansa ist Deutschland das erste Land, mit dem die Millionenmetropole ein entsprechendes Abkommen vereinbart hat.

«Wir sind an solchen Kooperationen interessiert»

In der Branche ist von «Vaccinated Travel Flights» die Rede, zu Deutsch: Geimpfte Reiseflüge. An Bord dürften sich somit praktisch ausschliesslich geimpfte Passagiere befinden. Eine derartige Kooperation mit Singapur gefällt auch der Lufthansa-Tochter Swiss. «Wir sind an solchen Kooperationen durchaus interessiert und wir stehen hierfür in stetem Austausch mit den Behörden», sagt Sprecher Marco Lipp auf Anfrage. Derartige Flüge seien für die Swiss eine Option. Es liege jedoch an den Behörden, hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

Auch der Flughafen Zürich scheint der Idee der «Vaccinated Travel Flights» nicht abgeneigt zu sein: «Wir begrüssen grundsätzlich alle Massnahmen und Bestimmungen, die das Reisen einfacher und wieder planbarer machen», sagt Sprecherin Raffaela Ackermann. Ob dazu allenfalls Infrastrukturanpassungen am Flughafen nötig wären, verrät sie nicht.

Flugprivilegien mit komplizierten Vorschriften

Die Lufthansa wird die «Vaccinated Travel Flights» laut einer Mitteilung von letzter Woche ab Mitte September zusammen mit Singapore Airlines starten, ab Frankfurt und München. Berechtigt sind Passagiere, die vollständig geimpft sind unter anderem mit einem Impfstoff von Pfizer-Biontech oder Moderna. Zwar ist die deutsche Staatsbürgerschaft nicht nötig. Dennoch ist aus Schweizer Sicht ein Mitflug nur beschränkt möglich. Denn die Impfung muss in Deutschland oder Singapur durchgeführt worden sein. Und vor Abflug muss man 21 aufeinanderfolgende Tage in Deutschland verbracht haben.

Die Fluggesellschaften leiden immer noch unter dem Passagierrückgang.
Die Fluggesellschaften leiden immer noch unter dem Passagierrückgang.Bild: KEYSTONE

Zudem ist nach wie vor ein negativer PCR-Test nötig – einer vor Abflug und einer bei der Ankunft. Bis zum Erhalt des Testresultats nach der Einreise muss man in der Unterkunft vor Ort bleiben. Zudem werden je nach Aufenthaltsdauer weitere PCR-Tests fällig.

Auch die Schweiz wurde von Singapur kontaktiert

Der Reiseaufwand bleibt also gross. Umso mehr zeigt die Lösung jedoch, wie verzweifelt die Fluggesellschaften darum bemüht sind, die Buchungszahlen wieder zu steigern – oftmals auf eigene Faust, da sich viele Regierungen Zeit lassen.

Und in der Schweiz? Beim Bundesamt für Gesundheit und beim Departement für Auswärtige Angelegenheiten zeigen sich von einer der entsprechenden Anfrage von CH Media überrascht. Christian Schubert, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt sagt hingegen, dass man ebenfalls von Singapur kontaktiert worden sei. Gemeinsam mit dem Stadtstaat habe man sich aber entschlossen, zuerst auf erste Erfahrungen der Lufthansa-Flüge abzuwarten, sagt Schubert. «Im Interesse der Flugreisenden und Airlines sind wir an weiteren Möglichkeiten interessiert, Fliegen trotz Covid-19 wieder leichter und planbar zu machen.»

USA-Öffnung erst Ende Jahr?

Welche Länder für die Swiss für «geimpfte Flüge» besonders in Frage kommen, sagt Sprecher Marco Lipp nicht. Klar ist jedoch, dass die Airline seit längerem auf die Öffnung der USA hofft, dem wichtigsten Markt der Swiss. Denn noch immer können praktisch nur US-Bürgerinnen und Bürger, ihre Ehepartner und Geschäftsleute mit Visum nach New York, San Francisco oder Boston reisen – Impfung hin oder her.

Die Lufthansa geht derweil von einer Öffnung der USA erst gegen Ende des Jahres aus, wie Vize-Chef und Ex-Swiss-CEO Harry Hohmeister am Donnerstag an einem Branchenkongress in Deutschland sagte: Realistischerweise werden wir das erst im späten vierten Quartal erwarten können, zitiert ihn das «Handelsblatt». Er sei in der Vergangenheit zu optimistisch gewesen mit der Erwartung, dies werde schon im Juli geschehen. (bzbasel.ch)

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