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Beeinflusst Patrick Fischer die WM als «Schatten-Nationaltrainer»?

Lars Weibel, Director Sport Swiss Ice Hockey Federation, beobachtet JPatrick Fischer, Cheftrainer der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, rechts, bei bei der Verkuendung von Patrick Fischers Rueck ...
Jan Cadieux hat Patrick Fischer als Trainer der Eishockey-Nati abgelöst.Bild: keystone
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Beeinflusst Patrick Fischer die WM als «Schatten-Nationaltrainer»?

Trotz des Wirbels um die Absetzung von Patrick Fischer: Noch nie waren die Bedingungen bei der WM-Vorbereitung in der Neuzeit so gut. Eine neue Ära mit Nationaltrainer Jan Cadieux hat begonnen.
09.05.2026, 11:1509.05.2026, 12:14
Klaus Zaugg, Ängelholm

Beeinträchtigt der Fall Patrick Fischer die Leistungen der Schweizer bei der anstehenden WM in Zürich und Fribourg? Ist Patrick Fischer immer noch als «Schatten-Nationaltrainer» präsent? Wie geht SRF – Leutschenbach überträgt alle Spiele live – mit der Causa Fischer um? Gibt es bei SRF interne Weisungen zu diesem für Leutschenbach hochheiklen Thema? Steht die Mannschaft geschlossen hinter dem neuen Nationaltrainer Jan Cadieux?

Solche Fragen sind vor dem WM-Start am nächsten Freitag in Zürich gegen die USA durchaus berechtigt. Das Mandat von Nationaltrainer Patrick Fischer ist ja Mitte April aufgrund einer geplanten SRF-Enthüllung beendet worden und sein Assistent Jan Cadieux ist vorzeitig – und nicht wie geplant erst nach der WM – sein Nachfolger geworden. In einem Brief an Verbandspräsident Urs Kessler hat sich Captain Roman Josi für eine Rückkehr von Patrick Fischer eingesetzt. Mit diesem Vorgehen waren jedoch nicht alle Spieler einverstanden. Genug Gründe also für Unruhe und Fragen.

Schlussphase der WM-Vorbereitung liefert erste Antworten

Erste Antworten liefert nun erstmals die Schlussphase der WM-Vorbereitung im südschwedischen Ängelholm, anderthalb Autostunden nördlich von Kopenhagen. Hier tragen die Schweizer die drei letzten Vorbereitungspartien im Rahmen der Euro Hockey Tour aus. Am Donnerstag ist Finnland besiegt worden (5:4 n.P.). Am Samstag treten die Schweizer gegen Schweden (16 Uhr) und am Sonntag gegen Tschechien (12 Uhr) an.

Vor Ort für die Live-Übertragungen aller drei Partien ist die «heilige SRF-Hockey-Dreifaltigkeit»: Kommentator Reto Müller, Experte Philippe Furrer und Interviewer Lukas Ninck. Männer ohne Fehl und Tadel und ihre Kompetenz steht nicht zur Debatte. Das politische Gespür auch nicht. Auf die Frage, ob das Thema Patrick Fischer nun bei der WM-Berichterstattung tabu sei, ob etwa Philippe Furrer bei einer Analyse sagen dürfe, der «Fischi» hätte das wahrscheinlich anders gemacht, gehen alle drei wohlweislich nicht ein. SRF-Mediensprecher Roger Muntwyler hingegen schon und auf eine entsprechende Frage richtet er aus:

«Nein, bezüglich der Causa Fischer gibt es für die Kommentierenden, Expertinnen und Experten sowie Moderationspersonen keine Weisungen und Vorgaben. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten gemäss den Publizistischen Leitlinien unabhängig, sachgerecht und vielfältig – wie auch bei vergangenen Eishockey-Weltmeisterschaften. Die redaktionelle Berichterstattung orientiert sich wie gewohnt an der aktuellen sportlichen Relevanz und dem öffentlichen Interesse.»

SRF hat alle Live-Rechte für die nationale Meisterschaft (National League) verloren, konzentriert sich auf die Übertragung der Länderspiele und der Titelturniere. Im Rahmen der kompetenten und umfangreichen TV-Berichterstattung dürfte Patrick Fischer als «Schatten-Nationaltrainer» klugerweise tabu und kein Thema sein. Zumal SRF ja seine Absetzung provoziert hat.

Cadieux: «Wir hatten ja nie Streit»

Aber wie ist es bei seinem Nachfolger Jan Cadieux? Schwebt über ihm noch der Schatten seines Vorgängers? Wird er sich während der WM mit seinem Vorgänger austauschen? Er sieht die ganze Sache entspannt und souverän: «Ja, es ist möglich, dass wir uns während der WM unterhalten. Über dies und das, aber natürlich nicht über die Mannschaft, das ist klar. Und warum sollten wir uns denn nicht unterhalten? Wir hatten ja nie Streit und ich verdanke ihm sehr viel. Er hat mir nach meinem ersten Sieg in der Slowakei gleich gratuliert.» Alles natürlich fernmündlich am Hosentelefon.

epa12927720 Switzerland's head coach Jan Cadieux reacts during the Fortuna Hockey Games 2026 match between Switzerland and Finland in Ceske Budejovice, Czech Republic, 02 May 2026. EPA/MARTIN DIV ...
Jan Cadieux schliesst nicht aus, mit Fischer während der WM zu sprechen.Bild: keystone

Auch bei den Spielern hat sich die ganze Aufregung gelegt und der Alltag ist wieder eingekehrt. Dass nicht alle mit dem Brief von Roman Josi einverstanden waren, ist für Nino Niederreiter – er war gegen den Brief – überhaupt kein Problem: «Verschiedene Meinungen gehören zu einer Mannschaft.» Für Roman Josi ist die Angelegenheit inzwischen ausdiskutiert und er sagt, es könne durchaus sein, dass die Mannschaft nun noch enger zusammengerückt sei.

Kommt dazu, dass die Spieler Jan Cadieux bereits kennen – er war Patrick Fischers Assistent – und der neue Nationaltrainer uneingeschränkt Vertrauen und Respekt geniesst. Immerhin hat er Servette zum ersten Titel der Geschichte und zum Triumph in der Champions League geführt.

Natürlich lobt jeder, der bei Sinnen ist, in dieser Situation vor einer Heim-WM den Chef. Aber in diesem Fall sind es mehr als die üblichen Worte. Vielleicht ist es sogar so, dass Jan Cadieux in seiner eigenen, eher introvertierten und ganz auf die Arbeit konzentrierten Art der perfekte Nachfolger von Patrick Fischer ist und es versteht, für eine positive «Wir-gegen-den-Rest-der-Welt» aufzubauen.

Fast vollständiges WM-Team

Aber die Wahrheit steht am Ende oben auf der Resultatanzeige des Videowürfels. Der Penalty-Sieg gegen die Finnen (5:4) am Donnerstag war ein gutes Zeichen. Die Ansätze hier in Ängelholm sind vielversprechend und nie in der Neuzeit waren die Bedingungen so gut: Zum ersten Mal, seit die NHL-Titanen eine Schlüsselrolle spielen, können die Schweizer die letzte Phase der Vorbereitung praktisch mit dem vollständigen WM-Team bestreiten. Pius Suter, Nino Niederreiter, Roman Josi, Timo Meier und Nico Hischier sind bereits dabei. «Ich kann mich nicht erinnern, dass wir alle so früh schon dabei waren», sagt Roman Josi. «Bisher kamen die meisten von uns erst im Laufe des Turniers zum Team und mussten den Jetlag verdauen …»

Roman Josi disputera bien le Mondial
Roman Josi hatte dem nationalen Eishockeyverband einen Brief geschrieben, in welchem er die Rückkehr Fischers forderte.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Janis Moser ist zwar noch nicht beim Team, wird aber beim WM-Start gegen die USA am nächsten Freitag zur Verfügung stehen. Offen ist noch die Freigabe von Philipp Kuraschew. Diese nahezu optimalen Bedingungen bei der finalen WM-Vorbereitung erleichtern Jan Cadieux die Suche nach der passenden Linienzusammenstellung und erhöhen Stilsicherheit und defensive Stabilität des Teams.

Der Eindruck vor Ort ist durchwegs positiv: Die Stimmung ruhig und entspannt, die Turbulenzen der letzten Wochen sind weit weg, von Unruhe keine Spur. Eher ist eine Art positiver Trotz, ein «So-jetzt-erst-recht» zu spüren, wohl auch ein wenig für ein letztes Hurra für Patrick Fischer. Aber der Silberschmied von 2018, 2024 und 2025 beeinflusst die WM 2026 nicht mehr als «Schatten-Nationaltrainer». Er ist bereits Vergangenheit und am nächsten Freitag beginnt mit dem WM-Auftakt gegen die USA eine neue Ära.

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hoscheho 2049
09.05.2026 13:30registriert Oktober 2017
Was mich interessiert:

1. wann spielt die Schweiz
2. wer schaffts ins Kader
3. wer ist der Gegner
4. wie weit kommt die Schweiz

Was mich nicht interessiert:

1. Fall Fischer
2. Durchschnittsgewicht von Meerschweinchen (aber voll okay wers mag)
3. Fall Fischer
4. Koffeinfreier Kaffee
5. Fall Fischer
Etc…

Viel Glück den Jungs und Spass den Zuschauern!
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gulf
09.05.2026 13:54registriert März 2020
jetzt Hockey bitte !
wenn jetzt die Medien, und das betrifft ganz besonders auch watson, einfach sich jetzt aufs Hockey konzentrieren, dann können sich auch die Mannschaft inkl. Trainer auf das Turnier konzentrieren und alles ist auf gutem Weg.
ich glaube auch nicht, dass durch das stetige aufwärmen dieser Geschichte und das Heraufbeschwören von potenziellen Schwierigkeiten viele Klicks generiert werden können.
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toemsterli
09.05.2026 12:38registriert Juni 2022
Leute wie Klaus Zaugg tragen massgeblich dazu bei, dass die Unruhe medial bleibt. Ich weiss, Boulevard lebt davon. Trotzdem wünsche ich mir so langsam aber sicher mediale Konzentration auf die WM. Natürlich lautet das Kredo eines jeden WM-Spielers Medien zu meiden. Ob das immer klappt sei dahingestellt. Das Thema künstlich zu bewirtschaften grenzt meines Erachtens ganz nahe an Sabotage. Lieber Klaus, es gibt so viele Themen die auch boulevardverträglich sind. Wenn schon Gossip, dann bitte wenigstens die Gegner betreffend.
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Achtungserfolg für die Hockey-Nati! Die Schweiz schlägt Finnland im Penaltyschiessen
Die Schweiz startet mit einem Sieg in die letzte Vorbereitungswoche für die Heim-WM. Das Team von Trainer Jan Cadieux gewinnt in Ängelholm im Rahmen der Euro Hockey Tour gegen Finnland 5:4 nach Penaltyschiessen.
Als Matchwinner der Schweizer kann Théo Rochette bezeichnet werden. Der Stürmer von Lausanne schoss zwei Tore und traf wie Tyler Moy auch im Penaltyschiessen. Goalie Leonardo Genoni liess sich im Shootout einzig von Aleksander Barkov bezwingen. In der regulären Spielzeit hatten die Schweizer 2:0, 3:2 und 4:3 vorne gelegen. Doch weil sie hinten noch einige Mängel offenbarten, kamen die Finnen stets zurück. Zuvor hatte es drei Niederlagen in Folge gegen die Nordländer gegeben.
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