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Ganz so voll soll es nicht sein, doch ein Komitee will wieder Fans in den Schweizer Stadien.
Ganz so voll soll es nicht sein, doch ein Komitee will wieder Fans in den Schweizer Stadien.
Bild: imago images/Just Pictures
Interview

«Tausende Jobs stehen auf dem Spiel» – Sportfans wollen die 1000-Personen-Grenze sprengen

Gestern lancierten Schweizer Sportfans eine Online-Petition, die den Bundesrat dazu aufruft, das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen nicht zu verlängern. In einem Tag kamen schon mehr als 6000 Unterschriften zusammen. Fabienne Fisch, Mit-Initiantin des Komitees #SaveSwissSports, gibt Auskunft.
07.08.2020, 16:2507.08.2020, 16:50

Was hat euch dazu bewogen, eine Online-Petition zur Rettung des Schweizer Sports zu starten?
Fabienne Fisch:
Wir wollten als Fans auch unseren Beitrag zu dieser Debatte leisten. Obwohl im Schweizer Sport viel auf dem Spiel steht, war es in dieser Sache bislang relativ ruhig von Seiten der Klubs, Ligen und Verbände. Deshalb hatten wir das Gefühl, wir sollten da nochmals eine Schippe drauflegen. Wir Fans sind emotional auch stark von dieser Regel betroffen und wollten uns deshalb auch eine Stimme verschaffen.

«Es stehen viele Jobs auf dem Spiel.»

Haben eurer Meinung nach Klubs/Liga/Verband zu wenig offensiv kommuniziert?
Es wäre schön gewesen, wenn da mehr gelaufen wäre und die Klubs beispielsweise die eigenen Fans mobilisiert hätten. Ich vermute aber auch, dass bei den Klubs ebenfalls eine grosse Unsicherheit da war. Und dass sie im Hintergrund viel Arbeit geleistet haben, von der wir wenig mitgekriegt haben. Mit unserer Petition wollten wir die Debatte auch in der Öffentlichkeit lancieren.

Fabienne Fisch ist Mit-Initiantin der Online-Petition #SaveSwissSports.
Fabienne Fisch ist Mit-Initiantin der Online-Petition #SaveSwissSports.
Bild: zvg

Warum ist das Anliegen so wichtig?
Ohne Fans oder mit nur einer beschränkten Anzahl Fans gehen den Vereinen und den Ligen sehr viele Einnahmen verloren. Viele Ausgaben werden von den Einnahmen des Ticketverkaufs und der Gastronomie gedeckt. Es stehen viele Jobs auf dem Spiel, mehrere tausend, wie man lesen konnte. Und es wäre schade, wenn Fussball, Eishockey und andere Sportarten einfach verschwinden würden. Es gibt aber auch einen emotionalen Aspekt. Ohne Fans fehlt einfach auch etwas im Stadion. Gerade hier in der Schweiz, wo wir eine wirklich tolle Fankultur haben.

Was zieht ihr nach den ersten 24 Stunden für eine Bilanz?
Wir sind sehr zufrieden. Wir haben in etwas mehr als 24 Stunden schon über 6000 Unterschriften gesammelt. Viele Fans, Klubs und Spieler teilen die Petition, was ebenfalls sehr erfreulich ist. Wir sehen, dass ein grosses Interesse da ist, dass Fans wieder ins Stadion können.

Habt ihr Rückmeldungen von Klubs oder Spielern erhalten, die sich für den Einsatz bedanken?
Vereinzelt haben sich Personen aus dem Umfeld der Klubs gemeldet, aber das ist auch nicht zentral. Wir sehen, dass Klubs und Spieler unser Anliegen und die Petition teilen. Das ist viel wichtiger.

«Die Öffnung der Stadien muss auf einer verantwortungsvollen Basis passieren.»

Glaubt ihr, dass ihr so tatsächlich Druck auf den Bundesrat aufsetzen könnt?
Das ist natürlich schwierig einzuschätzen. Aber es ist wichtig, dass wir uns zumindest einmal Gehör verschaffen. Dass wir den Behörden aufzeigen, dass es ein Anliegen von sehr vielen Leuten ist. Je mehr Leute unterschreiben und mitmachen, desto grösser wird der Druck auf die Politik. Dann lässt sich die Bewegung irgendwann auch nicht mehr ignorieren.

Aber um jeden Preis die Stadien wieder zu öffnen, ist auch keine Lösung.
Nein, und es ist uns auch ein grosses Anliegen, dass dies nicht passiert. Uns ist wichtig, dass es Schutzkonzepte von den Vereinen und den Ligen gibt und dass diese dann auch eingehalten werden. Die Öffnung der Stadien muss auf einer verantwortungsvollen Basis passieren. Wir sind aber auch der Meinung, dass es besser ist, individuelle Lösungen zu finden und nicht einfach generell Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern auszuschliessen.

Ihr wollt auf Schutzkonzepte und Massnahmen wie Maskentragen, Abstandhalten und Contact Tracing setzen. Kann man Fans vertrauen, dass sie diese auch tatsächlich einhalten werden?
Es muss möglich sein. Wenn du als Fan zurück ins Stadion willst, musst du dich halt auch an neue Regeln halten. Es ging der ganzen Schweiz so, als der Bundesrat im März die ausserordentliche Lage ausrief und man sich plötzlich an neue Regeln halten musste. Es braucht Selbstverantwortung der Fans. Ihnen muss bewusst sein, dass Saisons möglicherweise wieder abgebrochen werden, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Ihr Verhalten ist absolut massgebend für den Erfolg dieser Aktion. Und wenn sich Einzelpersonen nicht an die Massnahmen halten, sollen sie auch gemäss den Vorgaben der Schutzkonzepte bestraft werden.

Was sind die nächsten Schritte bei eurer Initiative?
Im Moment beantworten wir Medienanfragen, und setzen alles daran, möglichst viele Leute zu mobilisieren. Dafür stellen wir auch Kontakt zu Verbänden, Ligen und Klubs her.

Was macht ihr, wenn der Bundesrat am Mittwoch die 1000er-Grenze beibehält?
Dann müssen wir abklären, was sich weiterhin machen lässt. Wir wären natürlich sehr enttäuscht. Entscheide des Bundesrates muss man dann halt auch respektieren. Ob wir dann eine neue, angepasste Petition lancieren, klären wir dann ab. Sollte der Entscheid so fallen, liegt der Ball dann aber auch bei den Vereinen und den Ligen, dass sie Lösungen finden, um zu überleben. Wir können Lärm machen, aber der Rest liegt nicht in unserer Hand.

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