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Der Topterrorist von Obersiggenthal

Ein Aargauer soll in die Führungsriege des «Islamischen Staates» aufgestiegen sein. Schon in der Schule fiel er durch Gewalt auf.
17.11.2019, 21:01
pascal ritter / schweiz am wochenende

Das Aargauer Dorf Obersiggenthal erlebte diese Woche einen Schockmoment. Das Gesicht eines ehemaligen Dorfbewohners erschien gross auf der Webseite der «Bild». Thomas C. soll gemäss der deutschen Zeitung unter dem Namen Abu Musab einer der führenden Köpfe der islamistischen Terrorgruppe IS und «der gefährlichste Terrorplaner Europas» sein.

Vor vier Jahren sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem Stade de France in die Luft. Kurz darauf richteten islamistische Terroristen im Konzertlokal Bataclan ein Blutbad an. Insgesamt kamen 130 Menschen ums Leben. Thomas C. soll die Terroristen trainiert haben.

Ort des Geschehens: Das Bataclan.
Ort des Geschehens: Das Bataclan.Bild: EPA

Er zeigte vor, wie man jemandem das Genick bricht

Schon vorher geisterte Thomas C. als Terrorist mit Schweizer Wurzeln durch die Medien. Doch erst diese Woche zeigte «Bild» den Obersiggenthaler mit Foto und vollem Namen. Ein ehemaliger Schulkamerad sah das Bild und wusste sofort: «Das ist mein Schulkolleg Tömmel.»

Thomas C. stiess im Jahr 2000 mitten im ersten Schuljahr zur Bezirksschulklasse (BEZ) im Oberstufenzentrum und bestand die Probezeit mit Note 4 nur knapp. Er fiel auf, weil er immer den gleichen dunklen Pullover der Marke «Da Soul» trug, war übergewichtig und trank gerne Süssgetränke.

Die Einschätzungen der Lehrer von damals geben ein zwiespältiges Bild ab. Er sei vorlaut und frech gewesen, heisst es. Eine andere Lehrperson hielt fest, er sei ein lieber und sensibler Kerl. Seine damaligen Gspändli sind weniger differenziert, wenn sie sich an Tömmel erinnern. «Dieser Typ war richtig, richtig böse. Er plagte andere physisch und psychisch. An Mobbing beteiligten sich zwar auch andere Schüler, aber Tömmel setzte immer noch einen drauf», sagt jemand, der ihn damals kannte.

Er sei ein Waffennarr gewesen und habe mit Softairpistolen und Messern geprotzt. Zudem habe er sich schon damals für Spezialeinheiten und deren Kampftechniken interessiert. Einmal habe er im Schulhaus vor anderen Schülern demonstriert, wie man einer Person das Genick brechen kann.

Ein damaliger Wegbegleiter erzählt eine besonders fiese Episode. Thomas C. sei einmal zu einem Mitschüler nach Hause gegangen. Dort habe er diesen gefesselt und alleine zurückgelassen. Er habe ausharren müssen, bis seine Mutter zurückkam und ihn befreite. Gemäss der Schule sind solche Episoden weder bei den damaligen Lehrern noch bei der Schulpflege bekannt. Thomas C. sei zwar ein auffälliger Schüler gewesen, nicht aber ein Problemfall. Es sind keine disziplinarischen Massnahmen gegen ihn aktenkundig.

Die Leistung von Thomas C. verschlechterte sich im zweiten Jahr der Bezirksschule. Er hatte zunehmend Mühe, den nötigen Schnitt einer 4 zu erreichen. Mit den Noten verschlechterte sich offenbar auch sein Verhalten in der Klasse. Er habe gegen Schluss aufgegeben und sich nicht mehr beteiligt, ist aus der Schule zu erfahren. Im Juli 2001 hätte Thomas C. entweder die zweite BEZ-Klasse wiederholen oder in die Sekundarschule absteigen müssen.

Doch es kam nicht so weit. Er verschwand wieder aus der Gemeinde. Wohin, ist nicht ganz klar. Es gibt Hinweise darauf, dass er wieder zu seinem Vater an die Cote d’Azur zog, wo er auch zwischen 1998 und 2000 lebte und privat unterrichtet wurde.

Lebt Thomas C. trotz Angriffen noch?

Gemäss «Bild» lebte er ab 2006 mit seiner Mutter in Frankfurt. Dort fand der reformierte Obersiggenthaler zum Islam. Er konvertierte und radikalisierte sich. Er machte ein Abitur, zog nach Bonn und begann ein Studium. Im Jahr 2013 soll er sich in Syrien den Terroristen des «Islamischen Staates» angeschlossen haben und in deren Hierarchie schnell aufgestiegen sein. Schliesslich habe er Terroristen für Auslandseinsätze trainiert. Gemäss Recherchen von «Bild» ist Thomas C. in einem Propagandavideo zu sehen, wie er einen der Paris-Attentäter im Schiessen ausbildet.

Dank dem für die Terroristen sehr erfolgreichen Anschlag von Paris, soll Thomas C. zum Kommandeur der Auslandsoperationen des IS aufgestiegen sein. Er habe einen weiteren Anschlag in Deutschland geplant, der aber vereitelt wurde. Ob Tömmel aus Obersiggenthal, der zum Terroristen wurde, noch lebt, ist offen. Es soll mehrere Angriffe auf ihn gegeben haben.

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IS zerstört Weltkulturerbe in Hatra

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quelle: militant video / uncredited
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Manchester gedenkt der Opfer

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Flöte
17.11.2019 21:58registriert Juni 2017
Warum zeigt ihr sein Gesicht nicht? Hier stehen sicher nicht seine Persönlichkeitsrechte im Vordergrund!
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qolume
17.11.2019 21:37registriert Februar 2014
Oh, hoppla, ich war 1998-2002 auf der selben Schule 😳
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Me, my shelf and I
17.11.2019 21:18registriert Februar 2017
Zwar unpassend, aaaaber...

Die Headline, ich kann nicht mehr xD
Im Kopfkino läuft bei mir schon die Fernsehsendung "Switzerlands next Topterrorist"
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Oslo-Attentat: Zwei Schweizer waren im Nachtclub – das berichten sie
Zwei Schweizer, Nathanaël Stoeri und Kevin Schweizer, 36 und 31 Jahre alt, befanden sich in der Schwulenbar, die am Freitagabend in Oslo von einem islamistisch vorbelasteten Täter ins Visier genommen worden war. Der Amoklauf richtete sich gegen zwei Nachtlokale. Es gab zwei Tote und 21 Verletzte.

Warum befinden Sie sich derzeit in der norwegischen Hauptstadt Oslo und warum waren Sie am Freitagabend in der London Bar, einem der beiden Orte, die Ziel eines Anschlags waren?
Kevin Schweizer: Nathanael und ich sind auf einer Fahrradtour. Wir sind am 27. April in Tavannes im Berner Jura, wo ich herkomme, aufgebrochen, um zum Nordkap zu gelangen, das sich ganz oben in Norwegen befindet. Wir kamen am Samstag, dem 18. Juni, in Oslo an und wussten überhaupt nicht, dass am Wochenende darauf die «Gay Pride» stattfinden würde. Am Freitag, dem Abend der Tragödie, gingen wir mit einigen Freunden, die wir vor Ort hatten, in die London Bar, eine der wichtigsten Schwulenbars in Oslo.

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