DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nach ihrem Finalsieg gegen Neuseeland können die Fidschianer den zweiten Olympia-Sieg ihres Landes feiern.
Nach ihrem Finalsieg gegen Neuseeland können die Fidschianer den zweiten Olympia-Sieg ihres Landes feiern.
Bild: keystone

Fidschi singt sich in die Herzen der Welt – warum Rugby-Gold dem Land gut tut

Fidschis Nationalteam wird zum zweiten Mal Olympia-Sieger und begeistert die ganze Welt mit unglaublichem Teamgeist und Zusammenhalt. Doch die Bedeutung des Erfolgs im Siebener-Rugby geht weit über die Goldmedaille hinaus – es ist eine Ablenkung für die ganze Nation in einer schwierigen Zeit.
30.07.2021, 09:5731.07.2021, 09:44

Fidschis Nationalteam ist zum zweiten Mal Olympiasieger im Siebener-Rugby. Mit ihrem einmaligen Teamgeist euphorisierten sie eine ganze Nation und begeisterten die Welt. Die Fidschianer zeigten, was die Olympischen Spiele ausmacht und was mit guter Stimmung und Zusammenhalt im Team alles möglich ist. Nach dem Finalsieg gegen Neuseeland sangen die glücklichen Olympioniken die Nationalhymne und liessen ihren Emotionen freien Lauf. Die Bedeutung des Siegs war aber nicht nur für die Beteiligten riesig.

Die Goldmedaillen-Gewinner sorgten für eine dringend nötige Abwechslung in ihrem Heimatland. Fidschi hat weiterhin mit vielen Corona-Fällen zu kämpfen, die Spitäler sind überfüllt und das Gesundheitspersonal überarbeitet. So mussten auch die Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer auf eine ungewöhnliche Art nach Japan reisen. Da aufgrund der Pandemie kaum Linienflüge von der Hauptinsel aus losfliegen, musste die Delegation auf einen Fracht-Flieger ausweichen. Das Flugzeug brachte die 51 Athletinnen und Athleten gemeinsam mit einer Ladung gefrorenem Fisch zum Austragungsort Tokio.

Nicht nur das zeigt, dass die Fidschianer ein besonderes Team haben. Die Nationalspieler sind in der heimischen Gesellschaft verwurzelt. Es handelt sich vorwiegend um Amateur-Sportler, die weiterhin arbeiten und auf einer der Inseln leben. Diejenigen, die es geschafft haben, den Sport zum Beruf zu machen, schicken einen grossen Teil ihrer Einnahmen zu ihren Familien und ihren Herkunftsorten. Das erklärt die grosse Bedeutung des Olympiasiegs für die gesamte Nation. Fast jede Einwohnerin und jeder Einwohner hat schon einmal einen der Nationalspieler getroffen, wie Ben Ryan im «Guardian» schreibt.

Auf den Inseln im Pazifik wird der Zusammenhalt grossgeschrieben – so gibt eine alte fidschianische Redensart vor: «vei lomani». Das heisst so viel wie: «Haltet zusammen!» Das haben die fidschianischen Nationalspieler getan und so zum zweiten Mal Olympia-Gold gewonnen. Es war insgesamt erst die zweite Medaille bei Olympischen Spielen für das Land mit rund 900'000 Einwohnern.

Sechzig Jahre musste Fidschi auf die erste Goldmedaille bei Olympischen Spielen warten. 1956 nahm der Inselstaat aus Ozeanien zum ersten Mal an den Sommerspielen teil, doch es ging bis 2016 in Rio de Janeiro, bis Fidschi die erste Medaille überhaupt gewinnen konnte. Das Nationalteam im Siebener-Rugby konnte beim Debüt der Sportart bei Olympia ohne Niederlage durch das Turnier pflügen und Grossbritannien im Final mit 43:7 abfertigen.

Fünf Jahre später konnten die Fidschianer den Erfolg in Tokio wiederholen und die Bevölkerung im Land wieder zusammenschweissen und kurzzeitig vom Alltag ablenken. Dieses Jahr beschäftigten die Fidschi-Inseln neben der Pandemie auch politische Unruhen. Die Fidschianerinnen und Fidschianer fieberten mit ihren Olympia-Helden mit und liessen sich von der Begeisterung der Sportler anstecken.

Nach dem Olympia-Sieg wurde in der Heimat gefeiert und auch an anderen Orten machte sich die fidschianische Community bemerkbar. Der Journalist Filipe Naikaso zeigt Feierlichkeiten nach dem Olympia-Sieg im Heimatland der Helden. Ein Twitter-Nutzer filmt ein Hupkonzert von euphorisierten Fidschianern.

Die Sportart Siebener-Rugby bekommt hierzulande nur wenig Aufmerksamkeit und gehört wohl für wenige zu den Highlights im Olympia-Programm. Doch der Sieg der kleinen Nation zeigt, wie gross die Bedeutung von Sport sein kann. Die meisten der Gold-Helden kommen aus armen Verhältnissen – nun bekommen sie vielleicht die Möglichkeit, den Sport wie Captain Jerry Tuwai zum Beruf zu machen. Tuwai ist der einzige, der schon 2016 dabei war und sich nun zwei Goldmedaillen in den Schrank hängen kann.

Der Erfolg der Fidschianer ist aber auch bezeichnend dafür, was die Olympischen Spiele so besonders macht. Auch wenn es eine Floskel ist, gilt weiterhin: Solche Geschichten schreibt nur der Sport.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Medaillenentscheidungen vom 30. Juli in Tokio

1 / 23
Alle Medaillenentscheidungen vom 30. Juli in Tokio
quelle: keystone / kin cheung
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Japanische Olympia-Heldin: Mit diesen Videos verblüfft die 13-Jährige auf Social-Media

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Tech-Revolution oder Schrott? Tesla erhält Patent für Laser-Scheibenwischer

Das Patent für den ersten funktionierenden Scheibenwischer wurde am 10. November 1903 der US-Amerikanerin Mary Anderson ausgehändigt. Der gelenklose Flachbalken-Wischer, in der Form wie er heute praktisch bei allen Fahrzeugen zum Einsatz kommt, wurde 1999 eingeführt. Und nun will Tesla die Technik revolutionieren – mit Laserstrahlen.

Elon Musks Unternehmen hat sich um ein Patent für Laser-Scheibenwischer beworben, wie das E-Auto-Portal Electrek berichtet. In der Bewerbung wird die Erfindung wie …

Artikel lesen
Link zum Artikel