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Zu wenig Lokführer: SBB legen Linie still

Die SBB haben wegen Lokführermangels auf einer Nebenlinie zwischen Olten und dem Baselbiet einen Tag lang den Zugverkehr eingestellt. Zudem schützt am Gotthard auch eine Platzreservation nicht vor einem Rausschmiss.
14.10.2019, 07:31
Dominic Kobelt / ch media

Dass ein Zug ausfällt, weil der Lokführer oder die Zugchefin kurzfristig entfällt, kommt immer mal wieder vor. Dass die SBB eine ganze Linie einen Tag lang stilllegen muss, weil das Personal fehlt, ist wohl einzigartig in der jüngeren Bahngeschichte.

So geschehen am Samstag auf der Linie Olten – Läufelfingen – Sissach. Von früh bis spät bot die Bahn Ersatzbusse auf. Grund: «kurzfristige Änderung im Personaleinsatz». Informiert darüber hat die SBB am Freitagabend um 23.51 Uhr.

Ein Bild, das so am letzten Samstag nicht zu sehen war: Ein SBB-Regionalzug überquert das Viadukt bei Rümlingen.
Ein Bild, das so am letzten Samstag nicht zu sehen war: Ein SBB-Regionalzug überquert das Viadukt bei Rümlingen.Bild: KEYSTONE

Fokus auf grosse Linien und Reiseverkehr

Am Samstag erklärte SBB-Sprecherin Sabine Baumgartner: «Grund ist der aktuell angespannte Personalbestand bei den Lokführern.» Lokführer fehlten nicht zuletzt wegen des «erwarteten hohen Passagieraufkommens am Wochenende wegen des Freizeitverkehrs und den diesbezüglich von uns getroffenen Massnahmen».

Sprich: Statt die lokale Verbindung zwischen dem Bahnknoten Olten und dem Baselbiet sicherzustellen, wurde Personal auf die Regio- und Fernverkehrslinien verschoben. Auf der «Läufelfingerli»-Linie verkehrten Ersatzbusse. Man bedauere die Unannehmlichkeiten und entschuldige sich dafür, so die SBB-Sprecherin.

Nach massiven Verspätungen respektive Ausfällen wegen eines Öllecks und eines Gleisbruchs auf der SBB-Bahn-2000-Strecke zwischen Olten und Bern sowie Platzmangel auf der Gotthard-Strecke (siehe Kasten unten) ist dies das jüngste Kapitel in der Pech-und-Pannen-Serie der SBB.

Doch auch die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die BLS kämpfen mit Personalmangel. Während erstere letzte Woche zu Randzeiten die Verbindung Brig-Fiesch mit Bussen sicherstellen musste, versucht es die BLS mit Boni für zusätzliche Schichten à 100 Franken pro Tag. Bei der SBB gibt es derzeit 80 Franken für Sondereinsätze.

Den Unternehmen fehlen etwa 30 Lokführer pro Tag. «Mit verschiedenen Massnahmen gibt die SBB hier Gegensteuer», sagt Sprecherin Baumgartner. «So rekrutieren wir laufend neue Lokführerinnen und Lokführer etwa mittels der eben gestarteten Kampagne, die speziell Menschen ab 40 anspricht.»

Auch Platzreservation schützt nicht vor einem Rausschmiss
Um auf der sicheren Seite zu sein, erklärte der abtretende SBB-Chef Andreas Meyer immer wieder, reserviere er sich auf langen Reisen stets einen Sitz. Doch auch eine Reservation schützt nicht vor einem Rausschmiss. Das zumindest berichtet die «Sonntags-Zeitung». Unter dem Titel «Das Chaos auf der Gotthardstrecke ist offenbar grösser, als die SBB zugeben» schildert sie, wie letzte Woche auch 1.-Klasse-Passagiere mit Reservationen wegen überfüllter Wagen in Rotkreuz aussteigen mussten. Wie am Freitag der Vorwoche bereits weitere Dutzende Passagiere. Die SBB bestätigen den jüngsten Vorfall, tun ihn aber als Einzelfall ab. Es sei eine Ersatzkomposition im Einsatz gewesen. (sat)
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74 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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LieberTee
14.10.2019 09:41registriert Dezember 2017
Es tönt natürlich besser zu sagen "wegen den vielen Ausflüglern hat das Personal nicht gereicht" als "wir haben versagt und seit langem zu wenig Lokführer ausgebildet."
Ich bin mit einem Lokführer verheiratet. Es nervt, dass er an jedem freien Tag gefragt wird, ob er einspringen könne.
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CHSpeedy
14.10.2019 10:02registriert Juni 2017
Diesen März für eine Ausbildungsstelle Lokführer beworben. Die SBB liess sich bis Ende August Zeit um sich mal meine Bewerbung anzusehen. Dann hatte man festgestellt, dass ich ja gut ins Profil passen würde und wollte mich Einladen. Tja, bin seit Juli anderweitig auf Schienen unterwegs und bereue nichts. Ich hatte der SBB vorgeschlagen mein Dossier zu behalten und in ein bis zwei Jahren darauf zurück zu kommen. Will man nicht... zu viel Aufwand... Ein solches Personalmanagement spricht nicht gerade für den Betrieb
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c_meier
14.10.2019 10:50registriert März 2015
CEO Meyer könnte doch jetzt die Ausbildung zum Lokführer anfangen und dann die restlichen Jahre bis zur Pensionierung als Lokführer arbeiten damit der Personalmangel wieder etwas aufgefangen wird...
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