DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
So würde das neue Fussballstadion von aussen aussehen.
So würde das neue Fussballstadion von aussen aussehen.Bild: HRS REAL ESTATE AG

Zürich steuert auf eine erneute Abstimmung über das Hardturm-Stadion zu

23.10.2019, 21:32

Der Anpfiff eines Spiels im geplanten neuen Fussballstadion auf dem Zürcher Hardturm-Areal dürfte noch länger auf sich warten lassen. Zwar hat das Parlament am Mittwochabend dem privaten Gestaltungsplan zugestimmt. Aber es droht dennoch eine erneute Volksabstimmung.

Denn gegen den privaten Gestaltungsplan «Areal Hardturm - Stadion» wird von der IG Freiräume Zürich West das Referendum ergriffen. Die IG fordert eine sozial- und klimaverträglichere Entwicklung des Areals. Ihr gehören vor allem Politikerinnen und Politiker der Grünen an, darunter auch Gemeinderat Markus Knauss.

Die Grünen sagten denn auch im 125-köpfigen Zürcher Stadtparlament Nein zum privaten Gestaltungsplan. Sie wollen «keine Europaallee 2 mit all den negativen Auswirkungen auf die Stadt», wie ein Sprecher sagte. Die Stadt dürfe nicht «von Hitze überflutet werden». Das Stadion sei ein Kollateralnutzen, die Wohnungen ein Feigenblatt. Die Credit Suisse sei die einzige grosse Profiteurin.

Kämpft an vorderster Front gegen das Fussballstadion: Der Grüne Markus Knauss.
Kämpft an vorderster Front gegen das Fussballstadion: Der Grüne Markus Knauss.Bild: KEYSTONE

FDP, SVP, GLP, EVP und AL sagten Ja zum Gestaltungsplan. Es gelte, den Volkswillen vom November 2018 zu akzeptieren. Die SP enthielt sich mit demselben Argument.

Wie ein Befürworter sagte, braucht Zürich nun «endlich ein richtiges Fussballstadion». Und dass es Wohnungen brauche, sei ja allseits unbestritten.

Stadtrat ist zuversichtlich

Hochbauvostand André Odermatt (SP) zeigte sich erfreut über das Ja zum Gestaltungsplan. Denn sowohl der Gemeinderat als auch das Volk hätten diesen bestellt.

Das Projekt «Ensemble» sei ein ausgezeichnetes Projekt, sagte Odermatt weiter. Er sehe einer allfälligen Abstimmung gelassen entgegen. Diese dürfte wahrscheinlich im Mai 2020 stattfinden.

Änderungsanträge kann man zu einem privaten Gestaltungsplan nicht einbringen im Parlament. Eine erneute Diskussion zum Thema kann nur über ein Referendum zum Gestaltungsplan erfolgen.

SP-Stadtrat André Odermatt sieht einer Abstimmung gelassen entgegen.
SP-Stadtrat André Odermatt sieht einer Abstimmung gelassen entgegen.Bild: KEYSTONE

Die Unterschriftensammlung für das Referendum startet voraussichtlich Ende Oktober. Kommen innert 60 Tagen mindestens 2000 Unterschriften zusammen, gibt es im kommenden Jahr eine weitere städtische Volksabstimmung zum Hardturm-Areal inklusive Stadion.

Der private Gestaltungsplan «Areal Hardturm - Stadion» schafft die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Realisierung. Zudem werden darin auch Festlegungen zu den Bau- und Nutzungsbestimmungen, zur Erschliessung, zu Freiräumen, zum Lärmschutz sowie zu weiteren Umweltaspekten getroffen.

Erforderlich ist er vor allem aufgrund der Gebäudehöhe der beiden geplanten Hochhäuser. Diese übersteigen mit 137 Metern die in Zürich maximal erlaubten 80 Meter.

Nach Ansicht der IG Freiräume hält sich der Gestaltungsplan weder an die kommunalen Richtlinien für sozialen Wohnungsbau noch an die gültigen Hochhausrichtlinien oder an den kommunalen Siedlungsplan in Sachen Grün- und Freiräume.

Die beiden Hochhäuser sind den Gegnern ein Dorn im Auge.
Die beiden Hochhäuser sind den Gegnern ein Dorn im Auge.Bild: HRS REAL ESTATE AG

Die IG fordert «die Gestaltung des Areals mit gemeinnützigem Wohnungsbau sowie einem grossen Park für Spiel, Breitensport, Naherholung und Kultur». Ihrer Ansicht nach hat das Bauprojekt «kaum urbane Qualitäten». Zudem bewirkten Hochhäuser mit teuren Wohnungen «nur eine Scheinverdichtung».

Lange Abstimmungsgeschichte

Die Stadtzürcher Stimmberechtigten mussten sich immer wieder zur Stadion-Frage äussern. 2003 hatten sie das privat finanzierte Projekt Pentagon an der Urne bewilligt, es kam aber nie zustande. 2013 lehnten sie ein städtisch finanziertes Projekt ab.

Im vergangenen November haben sie das Projekt «Ensemble» mit 53,8 Prozent Ja-Stimmenanteil angenommen. «Ensemble» stammt von den Investoren HRS, Immobiliengefässe der Credit Suisse sowie Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ).

Es sieht auf dem rund 55'000 Quadratmeter grossen Areal 174 Genossenschaftswohnungen, ein Stadion für rund 18'000 Zuschauer und zwei 137 Meter hohe Wohn- und Bürotürme mit rund 570 Wohnungen vor. Die gesamten Investitionen belaufen sich auf rund 570 Millionen Franken.

Der Investor will mit den Wohntürmen das Stadion querfinanzieren. Dadurch muss sich die Stadt weder am Bau noch am Betrieb finanziell beteiligen. Mit einem reduzierten Baurechtszins auf dem Baufeld, auf dem die Türme stehen werden, unterstützt sie das Projekt aber dennoch. Denn aus der Reduktion resultiert ein wiederkehrender Einnahmenverzicht von jährlich maximal 1,7 Millionen Franken.

Das Stadion soll gemäss bisherigen Plänen 2022 fertig sein. Der erste Ball könnte in der Saison 2022/23 rollen. Die Hochhäuser und der gemeinnützige Wohnungsbau werden etappiert ab 2023 fertiggestellt. Dieser Zeitplan dürfte sich allerdings zumindest etwas verzögern. (cma/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Wehmütige Bilder aus dem Hardturm

1 / 19
Wehmütige Bilder aus dem Hardturm
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

GC-Fan Fabian freut sich sehr über das Stadion-Ja

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

94 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Magd
23.10.2019 21:48registriert September 2019
Was wird als erstes fertiggestellt?
A. Ein neues Hardturm-Stadion
B. Der Berliner Flughafen
C. Beides wird nie fertig werden.

Ist das Wahnsinn oder bereits Comedy?
32114
Melden
Zum Kommentar
avatar
Beggride
23.10.2019 22:28registriert November 2015
Die Grünen sind die neuen Bünzlis, jetzt kommen sie schon aus mehreren Lagern. Wie soll das in Zukunft aussehen? Hauptsache alles wird kleiner, ruhiger, ungenutzter. Wer will schon Spass haben am Leben, wir leben ja nur ein Mal. Ah der Spruch ging doch anders?
24052
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dummbatz Immerklug
23.10.2019 21:38registriert Februar 2016
Der Bau eines neuen Stadions in Zürich ist wie die Farce um Donnie Trump: es nimmt nie ein Ende 🤷🏼‍♂️
1707
Melden
Zum Kommentar
94
6 Trainer-Typen, die Ancillo Canepa für den FCZ in Betracht ziehen sollte
Nachdem Franco Foda als Nachfolger von Meistertrainer André Breitenreiter nicht funktionierte, übernimmt nun interimsweise der U21-Coach Genesio Colatrella. Er dürfte eher keine Dauerlösung sein. Wir haben 6 Trainer-Typen, die perfekt zum FC Zürich passen könnten.

Mit Heiko Herrlich würde man einen Trainer verpflichten, der ähnlich wie André Breitenreiter bereits in der Bundesliga Erfahrung als Cheftrainer sammeln konnte. Auch für Herrlich könnte der FCZ eine Chance sein, seiner Trainerkarriere nochmals neuen Schwung zu verleihen. Bei Jahn Regensburg konnte er zudem schon unter Beweis stellen, dass er in einem Klub mit begrenzten finanziellen Mitteln gute Arbeit leisten kann.

Zur Story