Rassismus
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Auch Coca-Cola schliesst sich Werbe-Boykott an – Druck auf Facebook steigt



FILE - This combination of photos shows logos for social media platforms, from left, Facebook, Twitter and Instagram.  The company behind Ben & Jerry’s ice cream, Dove soap and a host of other consumer products says it will stop advertising on Facebook, Twitter and Instagram in the U.S. through at least the end of 2020 because of the amount of hate speech online.   (AP Photo)

Bild: keystone

Immer weitere Unternehmen schliessen sich aus Protest gegen den Umgang von Facebook mit Hasskommentaren und abwertenden Inhalten in seinen Diensten einem Werbeboykott an. Der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda gaben am Freitag bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte am Freitag in einem Livestream an, künftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen, Falschmeldungen unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl zu löschen sowie die Standards für Werbung zu erhöhen. Doch einige Unternehmen äusserten Medienberichten zufolge anschliessend Zweifel daran.

«Wir glauben nicht, dass Facebook gewalttätige und spalterische Reden auf seinen Plattformen effizient verwalten wird», teilte der US-Schokoladenproduzent Hershey in einer von der US-Zeitung «USA Today» zitierten Erklärung mit. «Trotz wiederholter Zusicherungen von Facebook, Massnahmen zu ergreifen, haben wir keine bedeutsamen Veränderungen gesehen.» Das Unternehmen, eines der weltweit führenden in seiner Branche, bestätigte «USA Today» zudem, sich dem Boykottaufruf anzuschliessen und bis Juli alle Anzeigen zu stoppen. Zudem wolle es seine Ausgaben für Facebook und Instagram für den Rest des Jahres um ein Drittel kürzen.

Auch der Getränkekonzern Coca-Cola erwägt der Zeitung zufolge, seine Anzeigen auf allen Plattformen der Sozialen Medien für mindestens 30 Tage auszusetzen und seine Werbestrategie zu überdenken. «Wir erwarten auch eine grössere Verantwortlichkeit und Transparenz von unseren Social-Media-Partnern», hiess es demnach in einer Erklärung von James Quincey, dem Präsidenten und Geschäftsführer von The Coca-Cola Company.

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen Mitte Juni zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump einzuschreiten. Dafür gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern.

Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen «Hass und Rassismus» zu setzen. Unilever will sogar das ganze restliche Jahr auf bezahlte Werbung verzichten – nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Twitter. Der Kurznachrichtendienst, auf dem Trump mit Vorliebe seine häufig umstrittenen Botschaften veröffentlicht, steht ebenfalls schon länger in der Kritik.

Unilever begründete die Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes. Sein US-Werbebudget will der niederländisch-britische Konzern indes nicht kürzen, sondern nur auf andere Unternehmen umverteilen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat Änderungen bei seinem Sozialen Medium wegen umstrittener Posts angekündigt. (Archivbild)

Zuckerberg. Bild: sda

«Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt», sagte Zuckerberg in einem Livestream am Freitag am Firmensitz in Palo Alto, in dem er die geplanten Massnahmen seines Unternehmens ankündigte. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Präsidentschaftswahl im November vom Wählen abhalten sollen, werden seinen Worten zufolge entfernt. Ausserdem sollen auch in der Werbung abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben blockiert werden. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstossen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtenrelevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren.

Facebook hatte zudem in einer Stellungnahme betont, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren. Dank dieses Engagements würden fast 90 Prozent der Hasskommentare gefunden, bevor Nutzer auf sie aufmerksam machten. «Wir wissen, dass wir mehr zu tun haben», erklärte ein Unternehmenssprecher. Facebook werde deshalb noch weitere Instrumente, Technologien und Richtlinien entwickeln.

Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. Unilever – dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war – geht nun aber noch einen Schritt weiter – denn eigentlich ging es bei der Aktion zunächst nur um einen Werbe-Boykott im Juli. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des Konsumgüterkonzerns stark unter Druck. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

28 Designer, die einfach alles richtig gemacht haben

Facebook überlegt Werbung auf WhatsApp zu schalten

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

30
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • redeye70 27.06.2020 14:39
    Highlight Highlight Zerschlagen und auflösen wäre der beste Weg. Zuckerberg ist ein charakterloser Lump, der wird sich nie ändern!
  • Octavius 27.06.2020 13:31
    Highlight Highlight Zuckerberg, hiess diese Figur früher nicht Pinocchio ?
  • Ökonometriker 27.06.2020 12:01
    Highlight Highlight Die Schweiz sollte das Antidiskriminierungsgesetz einfach auf soziale Netzwerke ausweiten und gut ist. Nutzern in der Schweiz müsste dann zuerst ein spoiler angezeigt werden, hinter dem sich die diskriminierende Botschaft verbirgt. Sonst Busse für das Internetunternehmen.

    Zensur sollte demokratisch kontrolliert durch den Rechtsstaat erfolgen. Nicht durch Internetkonzerne.
  • Hoku 27.06.2020 11:18
    Highlight Highlight Gut gemeint, aber das Problem bzw. Scheinheillige an der ganzen Sache ist:

    Viele dieser Firmen machen das bisher nur in den USA, also nicht global, andere wiederum geben trotz dem "Facebook" Stop weiterhin Werbegelder an die "Facebook Family" via Instagram, What's App oder das Audience Network.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 27.06.2020 10:06
    Highlight Highlight Gegen Rassismus sein, gut und richtig. Auch aktiven Antirassismus befürworte ich. Bravo Coca Cola.

    Aber warum schafft ihr eure Zuckergetränke nicht ab, das würde Millionen von Menschen ein gesünderes und weniger fettleibiges Leben ermöglichen. Ihr macht die Menschen krank.
    • Ribosom 27.06.2020 11:31
      Highlight Highlight Jeder kann doch trinken, was er will. Es wird niemand dazu gezwungen und deshalb ist jeder selber Schuld, wenn er zu dick wird.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 27.06.2020 12:23
      Highlight Highlight @Ribosom. Die Gesundheitskosten darf dann die Allgemeinheit tragen.
    • Heidi Weston 27.06.2020 13:03
      Highlight Highlight @Stefan Morgenthaler-Müller
      Es gib keine Garantierte Gesundheit. Jeder kann erkranken.

      Zudem konnte ich noch keine Studie finden in der geklärt wird, wer mehr Kosten für das Gesundheitswesen generiert. Derjenige der ungesund isst und früh stirbt oder derjenige der gesund isst und ein langes Leben hat.

      Wenn man sieht was alte Menschen täglich an Medikamente zu sich nehmen und Pflege brauchen, wäre ich mir nicht so sicher ob ihre Aussage von oben stimmt.

      Wen
    Weitere Antworten anzeigen
  • No fear 27.06.2020 10:04
    Highlight Highlight Interessant, nur: Grosskonzerne sind nicht sozial. Grosskonzerne reagieren auf Tendenzen und polieren ihr image auf.
    Auf facebook sind nunmal nur noch alte und die Nutzerzahlen schrumpfen. Da kommt es den Grosskonzernen gerade entgegen sich etwas zu distanzieren. Die Zielgruppe, gerade bei Coca Cola ist ja schon lange abgewandert. Ob Grosskonzeene dafür auf TikTok jetzt million ausgeben wird hier nicht klar.
  • Kronrod 27.06.2020 09:59
    Highlight Highlight Es gab eine Zeit, das glaubte man, dass der freie Austausch von Ideen im Internet etwas gutes ist und dass am Ende das beste Argument gewinnen wird. Jede zweite Webseite hatte einen Sticker der “Blue Ribbon Campaign - Free Speech Online”. Ich bedaure, dass sich das geändert hat.
    • John Galt 27.06.2020 10:13
      Highlight Highlight Das Problem ist, das die Algorithmen Echokammern fördern. Die Leute bekommen nur Posts von Gleichdenkenden zu sehen; eigentlich sollte es genau umgekehrt sein.
    • The Destiny // Team Telegram 27.06.2020 14:02
      Highlight Highlight @John, das rechtfertigt allerdings die Zensurbewegung nicht. Ein Warheitsministerium ist nicht die Lösung!
      Wennschon sollte man Facebook dazu bewegen den Algorithmus entsprechend anzupassen, dass er diversere Meinungen anzeigt.
    • Alnothur 28.06.2020 14:56
      Highlight Highlight Man könnte auch einfach Plattformen nutzen, hinter denen keine Grosskonzerne mit Filterblasen stehen, um sich auszutauschen.
  • Füürtüfäli 27.06.2020 08:30
    Highlight Highlight Das Schlimme ist, ich bin nicht mal auf Facebook und habe trotzdem mit jedem Kauf einer Dose Cola die Ausgaben für FB-Werbung mitfinaziert.

    Das ist ungefähr so, als würde man an der Tankstelle den islamistischen Fundamentalimus finanzieren!

    Moment....
  • N0pe 27.06.2020 08:26
    Highlight Highlight Geil. Werbebudget sparen und dabei publicity generieren...
    • Gin&Tonic 27.06.2020 11:18
      Highlight Highlight ziemlich effizient eingesetzte Ressourcen. 😉📈
    • N0pe 27.06.2020 23:19
      Highlight Highlight Martel - sie verteilen das um und kriegen dennoch fast / etwa die Reichweite der FB Kampagne. Das Geld haben sie gespart. Ob sie das andersweitig einsetzen ist ja dann auch irgendwie egal, nöd?
  • Potzholzöpfel 27.06.2020 08:19
    Highlight Highlight Facebook, ah das hatte ich auch mal vor langer Zeit. Habs die letzten Jahre keine Sekunde vermisst, dafür viele Sekunden mehr Zeit für anderen Blödsinn, hehe.
    • Hierundjetzt 27.06.2020 09:27
      Highlight Highlight Iiiiinteressant, was den so? Frage für einen Freund.
    • Jürg Müller - Der Katzenmann 28.06.2020 01:22
      Highlight Highlight Hierundjetzt: Sag deinem Freund - a life. Das sollte genügen.
  • Klarname 27.06.2020 08:15
    Highlight Highlight Money talk, bullshit walks
    • Klarname 27.06.2020 09:45
      Highlight Highlight Wobei, angesichts der grassierenden Lobby-Plage seitens gerade dieser grossen Konzerne mit direkter Einflussnahme auf die Politik ist das ganze auch reichlich scheinheilig.
  • Lustiger Baum 27.06.2020 08:13
    Highlight Highlight Die einzige Sprache die alle verstehen: Geld. Schön diese Entwicklung. Nächster Schritt wäre es dies beizubehalten.

    Simultan sollten wir, die Konsumenten, das Selbe tun. Vermeidet Ausbeuterkonzerne oder Firmen mit fragwürdiger Ethik - sofern machbar. Zum Glück habe ich vor Jahren bereits der Datenkrake Facebook den Rücken zugekehrt.
  • Finöggeli 27.06.2020 07:56
    Highlight Highlight Budgetkürzungen werden immer innovativer
  • Therealmonti 27.06.2020 07:54
    Highlight Highlight Es ist wohl die einzige Sprache, die Zuckerberg versteht.
    • John Henry Eden 27.06.2020 12:55
      Highlight Highlight Dummerweise würde dein Post wohl auch als Hate gelten.

      Die Erwähnung eines explizit jüdischen Namens im Zusammenhang mit Geldgier.

      Genau darum wird auch diese Revolution früher oder später ihre eigenen Kinder fressen.
    • der nubische Prinz 27.06.2020 13:49
      Highlight Highlight Hahaha ja genau herr aluhut
    • The Destiny // Team Telegram 27.06.2020 14:04
      Highlight Highlight @Prinz, lass bitte das Cybermobbing.

Facebook geht neu gegen «Blackfacing» vor – das musst du wissen

Der US-Konzern ändert seine Hausregeln und will angeblich verstärkt gegen Rassismus und Antisemitismus vorgehen.

Facebook verschärft laut Ankündigung die Gangart gegen rassistische und antisemitische Stereotypen und will deshalb Fotos von Weissen mit schwarzer Schminke im Gesicht sowie Behauptungen, dass Juden die Welt kontrollierten, von der Plattform verbannen. «Solche Inhalte verstiessen schon immer gegen den Geist unserer Regeln», betonte die zuständige Facebook-Managerin Monika Bickert am Dienstag.

Eine Folge ist nun, dass der umstrittene niederländische Nikolaushelfer «Zwarte Piet» künftig nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel