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Alex Wilson darf in Tokio wegen einer positiven Dopingprobe nicht an den Start gehen.
Alex Wilson darf in Tokio wegen einer positiven Dopingprobe nicht an den Start gehen.
Bild: keystone
Interview

Wilson wehrt sich gegen Doping-Sperre: «Trenbolon würde mir als Sprinter nicht helfen»

Der Schweizer Sprinter Alex Wilson ist wegen einer positiven Dopingprobe provisorisch gesperrt. Er darf darum an den Olympischen Spielen von Tokio nicht starten. Im Interview erklärt er, warum es zu dieser positiven Probe kommen konnte. Und er bekräftigt seine Unschuld.
28.07.2021, 13:3428.07.2021, 14:11
rainer Sommerhalder / ch media

Alex Wilson, die bei Ihnen in der Dopingprobe gefundene Substanz gilt als prädestiniert für Doping im Sprintbereich. Haben Sie gedopt?
Alex Wilson: Nein, das habe ich nicht.

Wie können Sie sich die Probe erklären?
Zunächst: Trenbolon würde mir als Sprinter nicht helfen, das würde mich höchstens schwerer machen. Dann würde ich zu einem riesigen Kasten, das kann ja kein Sprinter brauchen. Zweitens: Warum sollte ich Trenbolon nehmen?

Um Ihre Leistungen zu verbessern!
Dieses Mittel würde mich nicht besser machen.

Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Wie möchten Sie Ihre Unschuld beweisen?
Das habe ich eigentlich bereits getan. Ich habe der Disziplinarkammer von Swiss Olympic meine Sicht der Dinge erklärt und sie haben meine provisorische Sperre dann aufgehoben. Ich habe sowohl 72 Stunden als auch 48 Stunden vor der Urinprobe eine grosse Menge Rindfleisch in einem Restaurant in Las Vegas konsumiert. Viel mehr kann ich nicht tun. Es ist ein laufender Prozess. Jetzt muss ich abwarten. Noch gilt ja die Unschuldsvermutung. Und ich weiss, dass ich nie etwas genommen habe.

Alex Wilson glaubt weiterhin fest an seine Unschuld.
Alex Wilson glaubt weiterhin fest an seine Unschuld.
Bild: KEYSTONE

War das beides Mal dasselbe Restaurant, 72 Stunden und 48 Stunden vor der Probe?
Ja, wir haben regelmässig in diesem Restaurant gegessen.

Ein Pfund Rind und sechs Burger-Patties
Gemäss dem «Blick» hat Alex Wilson am 11. und 12. März in einem jamaikanischen Grill-Restaurant jeweils «ein Pfund Rind (‹Ochsenschwanz›) zum Mittagessen und sechs Burger-Patties zum Abendessen» zu sich genommen. Als Beleg reichte er schriftliche Unterlagen und eine eidesstattliche Erklärung des Restaurantbesitzers ein, wie aus dem Schiedsspruch hervorgeht.

Sie sind nun zweimal innert den letzten zwei Wochen in Zusammenhang mit Doping genannt worden. Ist das einfach riesiges Pech?
Wissen Sie, am Ende kenne nur ich die Wahrheit. Dieses Video, das aufgetaucht ist, das ist natürlich Pech. Ich kenne diesen Trainer nicht, mein Interimstrainer hat ihn «geholt», es war eine Zufallsbegegnung. Aber ich kann nicht kontrollieren, was andere Menschen machen. Ich kann nur kontrollieren, was ich tue. Und ich weiss: Ich habe nie etwas genommen. Und würde auch nie etwas nehmen.

Dass in Nordamerika im Fleisch ab und zu Hormone drin sind, ist bekannt. Müsste man da als Athlet nicht vorsichtiger sein?
Soll ich denn in jedem Restaurant, in dem ich esse, fragen: «Ist das Fleisch zu 100 Prozent Bio und sind Sie sicher, dass es nie mit Trenbolon gespritzt wurde?» Das würde zu weit führen. Es ist in Amerika legal, Fleisch mit Trenbolon zu spritzen. Deswegen verstehe ich die Aufregung von Antidoping Schweiz nicht. Denn sie wissen: So eine Verunreinigung von Fleisch kann es geben. Die Wada hat ja diesbezüglich auch ihre Richtlinien angepasst.

Haben Sie Verständnis dafür, dass es Leute gibt, die nun an Ihnen zweifeln?
Schauen Sie, es gibt Leute, die mich gut kennen, die werden keine Zweifel an mir haben, weil sie wissen, ich würde so etwas nie machen. Aber man darf auch eine andere Meinung haben, das ist normal, jeder darf das. Und ich kann nichts dagegen tun. Entweder man hat mich gern. Oder man hat mich nicht gern. So ist das eben.

Alex Wilson gehört wie Kariem Hussein zu den grossen Aushängeschildern der Schweizer Leichtathletik.
Alex Wilson gehört wie Kariem Hussein zu den grossen Aushängeschildern der Schweizer Leichtathletik.
Bild: KEYSTONE

Sie gehen fest davon aus, dass Sie von der Disziplinarkammer freigesprochen werden?
Ja, weil ich weiss, dass ich nichts falsch gemacht habe.

Wie gross ist die Enttäuschung, dass Sie nicht in Tokio starten dürfen?
Es ist schon ziemlich heftig. Aber so, wie alles abgelaufen ist vor dem Gericht, haben wir fast damit gerechnet, dass es so weit kommt. Wir hatten weniger als 48 Stunden, um unsere Argumente vorzubringen, wir hatten keinen fairen Prozess.

Können Sie schon nach vorne schauen?
Klar, ich bin ein Mensch, der nie seinen Kopf hängen lässt. Und das bleibt auch so. Schliesslich habe ich nichts falsch gemacht. Wenn ich etwas falsch gemacht hätte, dann hätte ich vielleicht den Kopf hängen lassen. Jetzt kann ich gerade hinstehen und sagen: Nichts war falsch.

Haben Sie bereits wieder sportliche Ziele?
Nächstes Jahr gibt es eine WM und eine EM. Ich werde mich vorbereiten und zeigen, dass ich schnell laufen kann.

Nochmals: Sie sind überzeugt, dass Sie dort starten dürfen?
Ja, das bin ich.

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