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Joko und Klaas erhalten 15 Minuten Sendezeit auf ProSieben und machen auf die Zustände in Moria aufmerksam

Joko und Klaas bekamen 15 Minuten Sendezeit von ProSieben und nutzten diese für ein ernstes Thema. Bild: screenshot prosieben

Joko und Klaas zeigen in 15 Minuten, wie dramatisch die Situation in Moria wirklich ist

Janna Eiserbeck / watson.de



Nachdem sie in der ersten Show der neuen Staffel eine Niederlage im Kampf gegen ihren Haus- und Hofsender eingefahren hatten, hatten Joko und Klaas am Dienstagabend Glück. Sie erspielten gegen ProSieben die heissbegehrten 15 Minuten Live-Sendezeit und gingen am Mittwochabend um 20.15 Uhr auf Sendung – wie immer, ohne vorher zu verraten, was die Zuschauer erwartet. Wie schon in der Vergangenheit nutzten sie ihre 15 Minuten wohlüberlegt. Doch das Hinschauen fiel einem nicht leicht, denn es waren flüchtende Menschen, weinende Kinder und brennende Zelte, die der Zuschauer zu sehen bekam.

Joko und Klaas nutzten ihre Zeit nämlich, um auf Moria aufmerksam zu machen. Etwas, was ihnen schon lange ein Anliegen ist, wie sie direkt zu Beginn berichten. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf berichten, dass die am Dienstag ausgestrahlte Show bereits vor einem Monat aufgezeichnet worden sei und sie anschliessend beschlossen hätten, in ihrer Sendezeit auf die vergessenen Schicksale im Camp Moria einzugehen. Dafür hätten sie mit dem afghanischen Flüchtling Milad gesprochen.

Nur mittlerweile sei nicht mehr die fehlende Aufmerksamkeit das eigentliche Problem, sondern die dramatische Situation der Menschen, die seit dem grossen Feuer in Moria erneut nicht wissen, wohin sie sollen, die teils mit Tränengas beschossen und nicht versorgt werden.

Ihr Anliegen jetzt, wie Joko erklärt: «Wir wollen, dass künftig jeder weiss, welche Zustände mitten in Europa herrschen.» Und Klaas warnt, die kommenden Bilder seien nicht für Kinder geeignet. Und dann beginnt sie, die «Short-Story of Moria».

Joko und Klaas gegen ProSieben: Sie zeigen, wie schlimm die Situation in Moria wirklich ist

Milad flüchtete aus Afghanistan. Bild: screenshot prosieben

Joko und Klaas zeigen «Short-Story of Moria»

In dem Film schildert der Flüchtling Milad, wie er aus Afghanistan nach Moria kam. Sein, wie er es nannte, «grösster Fehler». Es brauchte drei Fluchtversuche, bis er es auf die griechische Insel schaffte. Bei seinem zweiten Versuch kam er mit einem Boot und zahlreichen anderen Flüchtlingen – Frauen, Kinder und Männer – bis in griechisches Gewässer, doch dort habe die Küstenwache den Motor des Bootes zerstört und sie zurück aufs Meer, zurück in türkisches Gewässer gezogen. Von dort gelangte er erst in die Türkei, dann auf die Insel Lesbos.

15 Minuten «A Short Story of Moria»:

abspielen

Video: YouTube/Joko & Klaas

Es sind schreckliche Szenen. Szenen der Flucht, vom Boot. Weinende Kinder, flehende, appellierende Männer. Sie hätten seit drei Tagen nicht gegessen und getrunken, berichtet Milad. Bilder, die nur schwer zu ertragen sind.

Als Milad bei seinem dritten Versuch, nach Europa zu kommen, endlich in Moria angekommen war, machte sich schnell Enttäuschung breit. Das Camp, das für 3000 Menschen ausgelegt war, war mit bis zu 19'000 Menschen gefüllt. Es folgen Aufnahmen der heruntergekommenen Zelte, der schmutzigen Sanitäranlagen, von Müll und Unrat.

Flüchtling schildert die Flucht aus Moria

Und dann das Feuer. Milad schildert, dass er wach war, als es ausbrach. Er habe alles mitbekommen. Es sind Handyaufnahmen zu sehen, die zeigen, wie sich das Feuer ausbreitet und wie die Menschen flüchten. «Wir mussten schnell weg, um unser Leben zu retten», sagt er. Doch sie kamen nicht weit, die Armee riegelte die Strassen ab, wie Milad weiter berichtet. «Frauen und Kinder haben geweint und geschrien», beschreibt er die Situation und appelliert:

«Ändert die Zustände! Ändert unsere Situation!»

Er sei geschockt gewesen, wie die Polizei gegen die Menschen vorgegangen sei. Es werden Videos eingespielt, in denen zu sehen ist, wie Tränengas versprüht und geschossen wird. Kinder weinen und schreien vor Schmerzen und Angst. «Wir waren von Europa enttäuscht. Wir waren vom Leben enttäuscht», fasst Milad zusammen. Er dachte, in Europa herrsche Gleichberechtigung und Frieden, dass man sich gegenseitig respektiere. Doch er wurde enttäuscht. Er ruft auf:

«Lasst uns sie unterstützen und helfen und kümmert euch um dieses Chaos!»

Zuschauer reagieren bestürzt

Die Reaktionen der TV-Zuschauer? Erschüttert.

Zum Schluss des bewegenden Beitrags ist übrigens der Hashtag #leavenoonebehind zu lesen und der Link zu www.leavenoonebehind2020.org. Dann wird es schwarz.

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86 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Basti Spiesser
17.09.2020 10:14registriert March 2019
Das ist Mina, 8km von Mekka in Saudi-Arabien entfernt. 3 Mio vollklimatisierte, leere Pilgerzelte auf 20km².
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l.roggli
17.09.2020 08:25registriert September 2020
Die Zustände sind fraglos menschenunwürdig und erschreckend. Das Verhalten der griechischen Armee/Polizei ist skandalös und erschreckend.
Aber was soll Europa denn tun? Wir können nicht jeden Menschen der zu uns möchte mit offenen Armen empfangen und ihm Freiheit und ein neues Leben schenken.
Wir müssen das Problem bei der Wurzel packen, Entwicklungshilfe leisten und klar kommunizieren, was die Flüchtlinge in Europa erwartet bzw. dass wir Ihnen (leider) nicht ihr Traumleben ermöglichen können.
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Quo Vadis
17.09.2020 10:26registriert April 2020
Natürlich verstehe ich, dass sich Menschen aus Afghanistan auf den Weg zu uns machen um ein besseres Leben zu haben. Ein kurzer Blick auf den Atlas zeigt jedoch auf, dass Afghanistan selbst gemäss Risk Map von lauter 'sicheren' Ländern umgeben ist.
Selbst ein UN Bericht besagt, dass 65% der 'Flüchtlinge' nicht mehr Grund haben in Europa zu sein, als der ganze Rest der Welt... Mir tun die Menschen echt leid, sind sie Opfer einer inkompetenten und VÖLLIG verfehlten Migrationspolitik seitens der EU, welche es selbst seit 09/15 NICHT fertig gebracht hat eine Lösung zu finden 😡
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Interview

«96 Prozent der Frauen in unseren Zentren auf Lesbos sind Opfer sexueller Gewalt»

Raquel Herzog ist Gründerin einer NGO, die auf Lesbos und in Athen ein Tageszentrum für Frauen auf der Flucht betreibt. Im Interview erklärt sie, wieso Frauen, die im Lager Moria lebten, besonders auf Unterstützung angewiesen sind und wie es um die aktuelle Lage auf Lesbos steht.

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