Spanien
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Eine Nacht voller Ausschreitungen: So sieht es gerade in Barcelona aus

Barcelona hat die gewalttätigste Nacht seit dem Wiederaufflammen des katalanischen Unabhängigkeitskonflikts am vorigen Montag erlebt. Die Zusammenstösse zwischen Separatisten und der Polizei liessen in der Regionalhauptstadt erst nach Mitternacht nach.



Es war bereits die fünfte Nacht in Serie, in der teils mit Gewalt gegen die Verurteilung von neun Separatistenführern der abtrünnigen Region im Nordosten Spaniens demonstriert wurde.

Police take position during clashes with Catalan pro-independence protestors in Barcelona, Spain, Friday, Oct. 18, 2019.The Catalan regional capital is bracing for a fifth day of protests over the conviction of a dozen Catalan independence leaders. Five marches of tens of thousands from inland towns are converging in Barcelona's center for a mass protest. (AP Photo/Bernat Armangue)

Im Stadtzentrum gab es teils chaotische Szenen. Bild: AP

Radikale Separatisten, die Barrikaden errichtet hatten, warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die Polizei setzte erstmals auch Wasserwerfer ein. Im Stadtzentrum gab es chaotische Szenen. Der öffentlich-rechtliche TV-Sender RTVE sprach von einer «wahren Schlacht».

Nahe der Polizeizentrale Barcelonas entzündeten junge Demonstranten ein riesiges Feuer – es stieg dicker, schwarzer Rauch auf. Brände gab es auch nahe des Plaça de Catalunya am Ende der Touristenmeile Las Ramblas, wo sich hunderte Demonstranten der Polizei entgegenstellten. Diese versuchte, die Demonstranten mit Wasserwerfern auseinanderzutreiben. «Antifaschistisches Katalonien», riefen die meist vermummten Demonstranten. «Die Strassen werden immer unsere sein!»

Zahlreiche Polizeifahrzeuge waren mit Sirenengeheul auf den Strassen unterwegs. Die Regionalpolizei warnte Menschen auf Englisch im Kurzbotschaftendienst Twitter, sich vom Stadtzentrum fernzuhalten.

Innenminister: Noch nie solche Gewalt erlebt

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, «eine solche extreme Gewalt» habe es in Katalonien «noch nie gegeben». «Das sind natürlich keine Separatisten, das sind Gewalttätige», die es aber nicht schaffen würden, die Befürworter der Unabhängigkeit «zu besudeln», so der Vertreter der separatistischen Regionalregierung.

Protesters are dispersed by teargas thrown by national police officers, during clashes in Barcelona, Spain, Friday, Oct. 18, 2019.The Catalan regional capital is bracing for a fifth day of protests over the conviction of a dozen Catalan independence leaders. Five marches of tens of thousands from inland towns are converging in Barcelona's center for a mass protest. (AP Photo/Emilio Morenatti)

Der katalanische Innenminister Miquel Buch sagte dem TV-Sender La Sexta in der Nacht zum Samstag, «eine solche extreme Gewalt» habe es in Katalonien «noch nie gegeben». Bild: AP

Mindestens 15 zum Teil minderjährige Aktivisten seien am Freitag allein in Barcelona festgenommen worden, teilten die regionalen Sicherheitsbehörden mit. In ganz Katalonien habe es insgesamt 31 Festnahmen gegeben. Unruhen gab es am Freitag auch in anderen katalanischen Städten wie Tarragona, Lleida und Girona. Mindestens 60 Menschen wurden den amtlichen Angaben nach in Barcelona verletzt, darunter drei Polizisten und zwei Journalisten.

Die Zahl der gewalttätigen Demonstranten wurde auf mehr als 4000 geschätzt Unter ihnen seien rund 400 organisierte Chaoten, wie Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Die Behörden vermuten, dass einige von ihnen aus anderen Regionen Spaniens und möglicherweise auch aus dem Ausland angereist sind. Grande-Marlaska warnte, man werde das Strafrecht gegen Gewalttätige «mit aller Härte anwenden». Haftstrafen von bis zu sechs Jahren seien möglich.

Eine halbe Million Demonstranten

Hunderttausende hatten zuvor am Freitag im Zentrum von Barcelona friedlich für die Freilassung der Verurteilten und für das Recht auf Selbstbestimmung der Katalanen demonstriert. Die Teilnehmer allen Alters sangen in ausgelassener Stimmung auch die katalanische Hymne. Die Stadtpolizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 525'000. Separatistische Gewerkschaften hatten zudem einen 24-stündigen Generalstreik veranstaltet, der von sehr Vielen befolgt wurde.

Es war bereits die fünfte Krawall-Nacht in Serie, nachdem das Oberste Gericht in Madrid am Montag sieben ehemalige Politiker der Konfliktregion und zwei Anführer ziviler Organisationen des Aufruhrs für schuldig befunden hatte. Wegen ihrer Rolle bei dem als illegal eingestuften Abspaltungsreferendum vom Oktober 2017 wurden sie zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt. Seither gibt es in Katalonien massive Proteste von Separatisten.

Ein Ende der Proteste ist derweil nicht in Sicht. Die katalanische Tageszeitung «La Vanguardia» zitierte in der Samstagausgabe Sprecher der Regionalpolizei Mossos d'Esquadra, die sogar «eine Zunahme der Strassengewalt befürchten». Für das Wochenende waren aber vorerst keine neuen offiziellen Protestkundgebungen angesetzt. (sda/dpa/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Calvin Whatison 19.10.2019 11:39
    Highlight Highlight Wir fliegen im Herbst eigentlich immer nach Spanien. Ein bisschen Wärme tanken und so, aber dass ist mir dann doch zu warm.
  • DomKi 19.10.2019 11:13
    Highlight Highlight Nun, wenn die so weitermachen werden sie noch auch das Touristen Problem gelöst bekommen. Da wird ja sowieso schon lange geklagt dass es zuviele Touristen sind die in die Stadt strömen jedes Jahr...
  • Mario Kesselring 19.10.2019 11:12
    Highlight Highlight Marlaska war derjenige, welche verurteilt wurde, weil er Folter Vorwürfe nicht untersuchen lies. Buch der katalanische innenminister zusammen mit den Mossos haben jede Glaubwürdigkeit verloren. Seit die guten starken Führer (trapero, Forn, Laplana verfolgt und mundtot gemacht wurden traut sich da niemand mehr zu sagen was Sache ist. Es geht längst nicht mehr nur um die Unabhängigkeit Kataloniens. Es geht um Meinungs- und Demonstrationsfreiheit. Wer sich gegen das politische establishment stellt wird sofort als terrorist verfolgt und verurteilt.
  • Der Rückbauer 19.10.2019 11:07
    Highlight Highlight Föderalismus in einem Land, das jahrhundertelang Weltmacht war und ganze Erdteile kolonisierte, tyrannisierte und ausnahm, ist eben undenkbar. Die Verfassung und die staatlichen Strukturen sind noch immer noch auf Zentralismus ausgerichtet, der die Macht brutal ausübt. Spanien ist das einzige Land der Welt, in welchem ein brutaler Diktator noch einen Tempel hat.
    Was wäre Spanien ohne Cat und Pais Vasco?
    Und übrigens: Auch heute noch nimmt Spanien die "Brüder und Schwestern" in Mittel- und Südamerika aus. Es gibt da viele Beispiele.
  • Oh du goldigs Sünneli 19.10.2019 10:44
    Highlight Highlight Und die Abertausenden die alle friedlich demonstrieren werden in einem Satzt nebenbei erwähnt. Nicht die Demostranten sind es, die es mit Gewalt masslos übertreiben.
  • MeinAluhutBrennt 19.10.2019 10:11
    Highlight Highlight Ich frage mich wie lange es noch dauern wird bis man uns die Seperatiste als Terroristen verkaufen will und sie legitim tötet.

    Lest mal bitte Artikel 2 Abs. 2 Buchstabe C.
    https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19500267/index.html
    • ninolino 19.10.2019 14:37
      Highlight Highlight Uups, wusste ich nicht. Danke für den Hinweis!
    • Mario Kesselring 19.10.2019 17:04
      Highlight Highlight Ist schon heute so. Seit dem 23. September. 7 verhaftete unter terrorismus Verdacht. Einige davon haben seit Wochen kein Kontakt zu Angehörigen und Anwälten, was absolut unzulässig ist. Spanien schärt sich kein Deut darum. Alles schon mal angewandt im Baskenland. Copy / Paste. Einzuger Unterschied es gibt keine Terroristen in Katalonien. Wem kümmerts, dann erfindet man halt welche.....Sorry es gab Terroristen in Katalonien, jene welche in den Ramblas Tod und Verwüstung hinterließen. Und wer war deren Chef? Ein V-Mann der Guardia Civil. Untersuchung der Ereignisse? Keine. PP, PSOE + CS dagegen
  • Birdie 19.10.2019 09:58
    Highlight Highlight Man könnte schon etwas besser recherchieren. Einerseits sind die grössten Randalierer grossteils aus dem linksradikalen Block, zum Teil aus anderen Gegenden angereist, andererseits darf die Polizeigewalt nicht vergessen werden. Man schaue mal auf Twitter das Profil von Albano-Dante Fachin an, um sich davon ein Bild zu machen. Der absolute Grossteil der Unabhängigkeitsbefürworter verurteilt die Gewalt der Demonstranten, aber ebenso der Polizei.
  • AdiB 19.10.2019 09:37
    Highlight Highlight Also, wer die spanische polizei und ihre härte nicht kennt, der wird nicht verstehen wieso es zu solchen szenen kommt.
    Ihr müsst noch verstehen, dass die polizisten keine stolzen katalanen sondern meistens royalisten.
    Ich wünsche den katalanen viel kraft und erfolg.
  • Linksextremer Klima-Opportunist 19.10.2019 09:36
    Highlight Highlight Zum glück ist das in der schweiz undenkbar *hust*
  • Hirngespinst 19.10.2019 09:20
    Highlight Highlight "Wegen dem Gefühl, wegen der unterschiedlichen Mentalitäten zwischen uns und Spanien."

    Antwort eines Katalanen, als ich ihn am Donnerstag fragte, weswegen er möchte, dass sich Katalonien aus Spanien herauslöst und eigenständig wird.
  • The Destiny // Team Telegram 19.10.2019 09:13
    Highlight Highlight Wäre das Tunesien oder ein anderes Nordafrikanisches Land, dann hätte Merkel und Macron längst was getweetet ala "Der Willen der Menschen muss respektiert werden" oder "Polizeigewalt ist zu verurteilen", aber Spanien lässt man einfach machen.
    • dä dingsbums 19.10.2019 11:09
      Highlight Highlight Mit dem Unterschied, dass in Spanien kein Diktator herrscht, die Polizei Katalonisch ist und die Regierung in Barcelona demokratisch gewählt ist.

      Ist halt nicht ganz das selbe.
    • Roman h 19.10.2019 16:11
      Highlight Highlight @dingsbums
      Ja eine wunderbare Demokratie.
      Wie war das jetzt nochmals mit den Wahlen?
      Wahllokale blockieren, jemand der demokratisch gewählt wurde verfolgen weil er eine Abstimmung gemacht hat die Madrid nicht gefällt.
      Was bringt den eine gewählte Regierung wenn sie nur das machen darf was Madrid sagt?
    • dä dingsbums 20.10.2019 00:46
      Highlight Highlight @Roman h: Die Wahl der Regierung in Katalonien lief demokratisch. Blockiert wurde das illegale Referendum.

      Die Politiker in Katalonien müssen sich an das Gesetz halten. Man kann nicht die Gesetze ignorieren die einem nicht passen, Urnen aufstellen und das dann Demokratie nennen.

      Darum wurden sie verfolgt, nicht weil sie etwas gesagt haben das Madrid nicht passte.

      Ich bin für ein ordentliches Referendum. Ohne ein solches ist die Unabhängigkeitserklärung kriminell und auch entlarvend.

      Denn die Separatisten sind genau so Rücksichtslos in der Sache wie sie Madrid immer vorwerfen.
  • majortom79 19.10.2019 08:47
    Highlight Highlight Die Wohlstandsverwahrlosung unserer Zeit... Gelangweilte Jugendliche, die „Action“ suchen. Erschreckend - und kontraproduktiv, falls wirklich eine politische Meinung dahintersteckt. :-/
    • sa5 19.10.2019 10:01
      Highlight Highlight Nicht gelangweilte, sondern arbeitslose Jugendliche. Jugendliche die bis 35 Jahre und älter zuhause wohnen müssen, weil das Geld nicht für eine Wohnung reicht. Und normal bezahlte Arbeit nicht gibt und solange die Alten an der Macht sind nicht geben wird.
      Wer in Spanien jung ist, ist so was von gef***t.
      Benutzer Bild
    • Ueli der Knecht 19.10.2019 12:47
      Highlight Highlight Nicht nur in Spanien, sa5. Auch in der Schweiz regieren die alten weissen Männer auf dem Buckel und auf Kosten der Jungen und der nachkommenden Generationen.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 19.10.2019 08:46
    Highlight Highlight Nur wo es keine Menschen gibt, herrscht Frieden.
    • rodolofo 19.10.2019 12:51
      Highlight Highlight Und was hast Du dann davon?
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 19.10.2019 20:54
      Highlight Highlight Muss ich etwas davon haben?

      Fauna und Flora hat/hätte aber viel davon. Denen mag/würde ich es gönnen.
    • rodolofo 20.10.2019 12:01
      Highlight Highlight Du bist also VÖLLIG UNEIGENNÜTZIG?
      Wer's glaubt!
      Du machst Dir da selber etwas vor, beziehungsweise Deine "reine Vernunft" läuft auf etwas hinaus, das total unvernünftig ist, wenn nicht sogar selbstzerstörerisch!
      Glaube mir, ich weiss von was ich rede, denn ich war auch einmal ein "Öko-Fundi"!
      Die Welt wurde dadurch nicht besser, aber ich selber wurde immer griesgrämiger und freudloser.
      Nichts bringt mich mehr zum strahlen, als mein Enkel, der gerade seinen 1-jährigen Geburtstag erlebt hat!
      Eine Kerze ausblasen kann er noch nicht, aber Schokoladekuchen in den Mund stopfen schon.
      Hahahaa!
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 19.10.2019 08:10
    Highlight Highlight Siehst Du, Winny the Puh?
    Autoritäre Erziehungsmethoden funktionieren auch hier in Europa nicht mehr so gut, wie früher...
  • sa5 19.10.2019 07:18
    Highlight Highlight Ein Wunder ist nicht dass es jetzt knallt, sondern dass es solange ruhig blieb.
    Hohe Jugendarbeitslosigkeit, prekäre Arbeitsbedinungen und nicht vollständig überwunderer Faschismus.
    Bis jetzt strömte die Jugend in die Innenstädte zum kollektiven Bedäufnis, jetzt gibt es Ramba Zamba.
    Man nuss mal Frühmorgens durch eine vollgekotzte Innenstadt gelaufen sein nachzuvollziehen wie die Verhältnisse in Spanien sind. So selber erlebt in Burgos, Leon, Santiago ....
    Die Unabhänigkeitsbestrebungen sind nicht Inhalt sondern der Anlass an dem es sich entzündet.
    • xlt 19.10.2019 09:57
      Highlight Highlight Du kannst von den genannten Städten nicht auf Barcelona schliessen. Für die Katalanen geht es definitiv um die Autonomie.
    • sa5 19.10.2019 12:10
      Highlight Highlight @xlt
      Laut obigen Text sind es nicht die Katalanen, respektive die Seperatisten die die Innenstadt ausseinander nehmen.

      Also warum Gewalt? Ich tippe auf bezahlte Schläger aka Agent Provokateur & frustrierte Jugendliche. Lediglich eine Vermutung von mir, mehr nicht.

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