Religiöse Proteste in Pakistan enden mit Justizminister-Rücktritt

Religiöse Proteste in Pakistan enden mit Justizminister-Rücktritt

27.11.2017, 05:4827.11.2017, 05:48

Eine wochenlange Blockade der pakistanischen Hauptstadt Islamabad durch Tausende islamistische Demonstranten endet am Montagmorgen nach Medienberichten mit dem Rücktritt von Justizminister Zahid Hamid.

Diesen Schritt hatten die Protestierer, die seit dem 8. November an der wichtigsten Einfallstrasse der Stadt ein «Sit-In» veranstaltet hatten, verlangt. Sie warfen ihm Gotteslästerung vor: Er hatte den Text des Eides, den Parlamentarier ablegen müssen, ihrer Meinung nach zugunsten einer umstrittenen religiösen Minderheit, der Ahmadi, abgeändert. Ahmadis sind eine islamische Sondergemeinschaft, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden.

«Wir haben eine Vereinbarung mit der Regierung getroffen, und wir werden das Sit-In heute beenden», sagte der Sprecher der religiösen Partei Tehreek-i-Labaik Ya Rasool Allah (TLY), Pir Zubair Kasrui, der Nachrichtenagentur dpa.

Die Zeitung «Dawn» berichtete am Montag, dass der Rücktritt des Justizministers Teil einer über Nacht geschlossenen Vereinbarung zwischen Demonstranten und Regierung sei. Geo TV berichtete, ausserdem solle es ein «Ermittlungsverfahren» geben, um gegen jene vorzugehen, die für den abgeänderten Amtseid verantwortlich gewesen seien. Verhaftete Demonstranten sollten freigelassen und die Fälle gegen sie fallengelassen werden. Die Regierung scheint damit allen Forderungen der Demonstranten nachzugeben.

Fliegende Steine

Am Samstag hatten rund 8000 Polizisten und Paramilitärs versucht, den Protest aufzulösen, der drei Wochen lang Hunderttausende Pendler aus den Nachbarstädten Islamabad und Rawalpindi schwer behindert hatte. Sie setzten Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Demonstranten warfen Steine und zündeten Autos und Reifen an. Sechs Menschen starben, rund 200 wurden verletzt. Aus Angst vor Eskalation wurde die Aktion abgebrochen.

Das religiöse Lager in Pakistan ist mächtig und Fernsehbilder der Polizeioperation hatten zusätzliche Demonstranten in die Stadt strömen lassen. Auch in anderen Grossstädten gab es spontan Proteste. Die Regierung rief schlussendlich die Armee zu Hilfe, aber auch die war zögerlich, aktiv zu werden. (sda/dpa)

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