Zehn Festnahmen nach Protesten von Ultraorthodoxen in Jerusalem

Zehn Festnahmen nach Protesten von Ultraorthodoxen in Jerusalem

23.10.2017, 20:2023.10.2017, 20:20

Mehrere tausend ultraorthodoxe Juden haben in Jerusalem erneut gegen eine mögliche Einführung der Wehrpflicht für Strenggläubige protestiert. Demonstranten blockierten am Montag den Busbahnhof, den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der Stadt.

Die Polizei nahm nach eigenen Angaben zehn Demonstranten fest. Zur Auflösung der Blockaden setzte die Polizei ausserdem einen übelriechenden, auch unter dem Namen «skunk» (Stinktier) bekannten Spray ein.

Die jüngsten Demonstrationen knüpfen an die Proteste der vergangenen Wochen an. Zuletzt waren am Donnerstag insgesamt 120 Ultraorthodoxe festgenommen worden, die gegen eine Wehrpflicht auf die Strasse gegangen waren.

Nicht rechtens

Anlass der Proteste ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofes, demzufolge die Befreiung vom Wehrdienst für Ultraorthodoxe nicht rechtens ist. Die israelischen Gesetze verpflichten Männer über 18 Jahren zu zwei Jahren und acht Monaten Wehrdienst, Frauen müssen zwei Jahre Dienst leisten.

Strenggläubige Juden sind seit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 zugunsten der Talmudstudien von der Wehrpflicht ausgenommen. Gemäss dem Urteil des Obersten Gerichtshofes von September ist diese Ausnahmeregelung allerdings nicht berechtigt. Die Richter legten eine einjährige Übergangsfrist fest, in der nach einem Kompromiss gesucht werden kann.

Seit der Urteilsverkündung reissen die Proteste der ultraorthodoxen Juden in Israel nicht ab. Die Gründe für die Haltung der Orthodoxen sind vielfältig. Viele von ihnen weigern sich, Israel als Staat anzuerkennen. Andere legen grossen Wert auf ganztägige Talmudstudien und wollen nicht mit den rauen Umgangsformen beim Militär konfrontiert werden. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!