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Polizei beendet Sitzprotest von Islamisten in Islamabad mit Gewalt



Ein wochenlanger Sitzprotest islamistischer Demonstranten in Pakistans Hauptstadt Islamabad ist am Samstag in Gewalt umgeschlagen. Tausende Elitepolizisten und Paramilitärs gingen mit Gummigeschossen und Tränengas gegen rund 2000 Teilnehmer des Sitzstreiks vor.

Wie AFP-Reporter berichteten, bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen. Ein Polizist wurde getötet, mehr als 130 Menschen wurden verletzt.

Rauch und Tränengas füllten die Luft, Polizisten und Paramilitärs wurden beobachtet, wie sie ebenfalls Steine auf Demonstranten warfen, die im Streit um einen Wahleid den Rücktritt von Justizminister Zahid Hamid fordern. Rund 8500 Sicherheitskräfte waren im Einsatz.

Wie AFP-Reporter berichteten, trafen dutzende weitere Demonstranten ein. Bäume wurden gefällt, um die Strassen zu blockieren. Protestteilnehmer setzten Polizeifahrzeuge und Autoreifen in Brand. Die pakistanische Medienaufsicht untersagte örtlichen Fernsehsendern angesichts der zunehmenden Gewalt die Live-Berichterstattung.

Mindestens 139 Verletzte wurden ins Spital gebracht, wie ein Kliniksprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. 93 davon seien Mitglieder der Sicherheitskräfte, hiess es.

Ein Polizeisprecher sagte, ein Polizist sei getötet worden, nachdem er von einem Stein am Kopf getroffen worden sei. Im Fernsehen waren ein brennendes Polizeiauto sowie ein brennendes Zelt der Demonstranten zu sehen.

Übergreifen auf andere Städte

Proteste flammten am Samstag auch in anderen Städten des Landes auf. In Karachi blockierten nach Polizeiangaben rund 200 Demonstranten eine Hauptstrasse, mindestens neun Menschen wurden nach Spitalangaben verletzt.

Märkte und Geschäfte schlossen, beunruhigte Bewohner blieben in ihren Häusern. Geistliche forderten weitere Demonstranten auf, auf die Strasse zu gehen. Örtlichen Medienberichten zufolge gab es auch in Lahore und anderen Städten Proteste.

Armeechef Qamar Javed Bajwa drang in einem Telefonat mit dem pakistanischen Regierungschef Shahid Khaqan Abbasi darauf, «friedlich» mit der Situation umzugehen. Gewalt sei «nicht im nationalen Interesse», teilte ein Armeesprecher mit.

Kind wegen Blockade zu spät im Spital

Die Islamisten in der Hauptstadt hatten mit der Sitzblockade seit Anfang November eine wichtige Hauptverkehrsstrasse in Islamabad blockiert. Mit der Aktion protestieren sie gegen eine von ihnen als Gotteslästerung bezeichnete Abmilderung des Eids, den Kandidaten für Wahlen leisten müssen.

Nach ihren Angaben soll die Abmilderung dazu dienen, auch der Minderheit der Ahmadis, einer seit langem verfolgten islamischen Sekte, eine Beteiligung an Wahlen zu ermöglichen.

Die Sitzblockade der Islamisten hatte die pakistanische Hauptstadt praktisch lahmgelegt. Die Behörden griffen zunächst nicht ein. Zur Begründung hiess es, es würden gewaltsame Szenen befürchtet, da die Islamisten angekündigt hatten, für ihre Sache zu sterben. Die wochenlange Untätigkeit der Regierung wurde von den Gerichten und Millionen Einwohnern Islamabads scharf kritisiert.

Der Protest führte bereits zum Tod eines achtjährigen Kindes, das nach Angaben von Pakistans oberstem Gericht mit einem Krankenwagen wegen der Strassenblockade nicht rechtzeitig ins Spitqal gebracht werden konnte. (sda/afp)

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