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Abgas-Affäre: Manipulationssoftware bei weltweit elf Millionen VW-Dieselautos



Die Software zur Manipulation von Abgaswerten ist nach Angaben des Volkswagen-Konzerns weltweit in elf Millionen Fahrzeugen eingebaut. Wegen der Affäre stellt VW nun 6.5 Milliarden Euro zurück.

Die Rückstellung erfolge noch im laufenden Quartal für «notwendige Servicemassnahmen» und weitere Anstrengungen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, teilte VW am Dienstag mit. Die Ergebnisziele für das Jahr 2015 würden «dementsprechend angepasst».

Die US-Umweltbehörde EPA hatte am Freitag bekanntgegeben, dass Volkswagen eine Software entwickelt hat, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Dieselautos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stiessen folglich im regulären Strassenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt.

Auffällig seien Motoren vom Typ EA 189, teilte Volkswagen mit. Bei diesem Motortyp sei eine «auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb» festgestellt worden.

Volkswagen arbeite daran, diese Abweichungen «mit technischen Massnahmen» zu beseitigen. Die beanstandete Software beeinflusse aber weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen.

An der Börse kamen die Neuigkeiten gar nicht gut an. Die Titel verloren in Frankfurt umgehend nach der Meldung zeitweise über 20 Prozent. Bereits am Vortag hatten die Papiere rund einen Fünftel ihres Werts eingebüsst.

Rollen bald Köpfe bei VW?

In der Affäre wird es nach Auffassung von Verwaltungsratsmitglied Olaf Lies am Ende auch personelle Konsequenzen geben. Zunächst sei jedoch eine gründliche Aufklärung nötig.

«Ich glaube, mit übereilten Forderungen nach Rücktritten haben wir das Problem nicht gelöst und das verlorengegangene Vertrauen nicht wiedergewonnen», sagte Lies, der auch niedersächsischer Wirtschaftsminister ist, im Deutschlandfunk. In den nächsten Tagen und Wochen würden die Details der Manipulation ans Tageslicht kommen, zeigte sich Lies überzeugt.

Wenn klar sei, welche Personen verantwortlich seien, könne man auch die nötigen Konsequenzen ziehen. «Und ich bin mir sicher, daraus wird es dann am Ende auch personelle Konsequenzen geben», betonte Lies. Einen Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn forderte er aber nicht explizit.

Das oberste Kontrollorgan des Wolfsburger Autokonzerns will sich am Mittwoch an einer Krisensitzung mit den Vorwürfen aus den USA befassen. Das Gremium soll die Verwaltungsratssitzung vom Freitag vorbereiten. Dann soll unter anderem über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Winterkorn um zwei Jahre bis Ende 2018 beraten werden.

US-Justiz ermittelt

Die manipulierten Abgastests bei VW-Dieselwagen in den USA schrecken die gesamte Autobranche auf und könnten für den Konzern laut US-Medien auch strafrechtliche Folgen haben. Das US-Justizministerium ermittle, ob dem Konzern kriminelle Machenschaften vorzuwerfen seien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Untersuchung vertraute Personen.

VW war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In Kriminalfällen können die Ermittlungen in den USA Monate oder Jahre andauern, ergebnislos enden, aber auch zu heftigen Strafen führen. Das Justizministerium wollte sich gegenüber Bloomberg nicht zu dem Fall äussern.

Der Amerika-Chef von VW, Michael Horn, entschuldigte sich unterdessen. «Wir waren unehrlich», sagte Horn am Montagabend bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. «Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es kurz zu sagen: Wir haben Mist gebaut.» (sda/afp/reu/dpa)

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