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Proteste im Iran: Das Informations-Blackout des Regime ist beispiellos

Mahsa Amini Death Protest At Trafalgar Square September 24, 2022, London, England, United Kingdom: A protester holds a sign which reads Internet blackout in Iran means supression and mass killing . Th ...
Die iranische Diaspora demonstriert gegen das Informations-Blackout des Mullah-Regimes (Archivbild). Bild: www.imago-images.de

«Das gab es noch nie» – beispielloses Informations-Blackout im Iran

Das Mullah-Regime reagiert auf Proteste im Iran jeweils mit einer gewohnten Strategie: dem Abschalten der Kommunikationsnetze. Doch bei den aktuellen Protesten geht die Regierung noch drastischer vor.
13.01.2026, 13:0613.01.2026, 14:30

Wenn Proteste im Iran ausbrechen, reagiert das Mullah-Regime mit der immer gleichen Taktik: einem Informations-Blackout. Die Menschen im Land werden vom globalen Internet abgeschnitten, mit dem Ziel, den Informationsfluss im In- und Ausland in der Bevölkerung zu unterbinden oder zumindest zu steuern. Die iranische Regierung nutzt das Internet längst als politische Waffe.

So war das bei den Protesten 2019 oder 2022 oder auch beim Krieg gegen Israel im Sommer 2025. Damals wurde das Land vom globalen Internet abgekapselt.

Allerdings mussten die Menschen nicht vollständig auf das Internet verzichten. Damals blieben Dienste innerhalb des Landes weiterhin erreichbar, nur die Kommunikation ins Ausland wurde unterbunden. Dies möglich macht das sogenannte National Information Network (NIN). Das NIN wurde massgeblich unter dem früheren Kommunikationsminister Mohammad-Javad Azari Jahromi, einem früheren Geheimdienstler, aufgebaut.

Es ist sozusagen das Intranet des Iran. Verschiedene digitale Dienste wie zum Beispiel Bankensysteme oder auch banalere Sachen wie Taxidienste oder Onlinemärkte, ähnlich wie Amazon, werden dann nur noch über dieses Intranet abgewickelt. Dies lief bei vergangenen Protesten meist uneingeschränkt weiter.

Das Ziel dabei ist eine autarke Infrastruktur: nur eigene Messenger-Dienste und Suchmaschinen, E-Mail- und Banking-Systeme. Die Idee kam erstmals 2005 auf, seit 2013 ist das Projekt am Laufen. Der Iran soll sich vollständig vom globalen Internet lösen können, falls die Situation dies nach Ansichten des Regimes verlangt.

December 10, 2018, Tehran, Tehran, IRAN: Iran s information and communications technology minister, Mohammad Javad Azari Jahromi, attends the Smart Tehran Congress in Tehran, Iran. Azari Jahromi is cu ...
Der «Vater» der digitalen Abschottung: Mohammad-Javad Azari Jahromi.Bild: www.imago-images.de

«Das gab es noch nie»

Doch die Massnahmen für ein Informations-Blackout, die die Regierung bei den jetzigen Protesten ergriffen hat, sind selbst für das Mullah-Regime beispiellos. Denn bei den aktuellen Protesten wurde sogar das NIN abgeschaltet, wie das Tech-Portal «Iran Wire» berichtet. Das heisst: Selbst im Iran entwickelte Internetdienste waren nicht mehr erreichbar.

Gegenüber der «Zeit» sagt Mark Pashmfouroush, ein Informatiker und Internetaktivist:

«So etwas gab es noch nie. Selbst im November 2019 oder während des Kriegs funktionierten zumindest inländische Dienste. Dieses Mal sind sogar die Verbindungen zwischen Rechenzentren und Netzbetreibern gekappt. Das ist ein echter Blackout.»
Mark Pashmfouroush

Die Abkopplung von Rechenzentren und Netzbetreibern führt momentan dazu, dass nicht mal mehr VPN-Dienste weiterhelfen. Zudem ist es gemäss Pashmfouroush zu DNS-Abschaltungen gekommen. Kurz gesagt heisst das: Aufrufe von Websites laufen ins Leere, es kommen keine Informationen mehr durch. Auch internationale Telefonverbindungen sind unterbrochen.

Für das iranische Regime dürfte die Sperre allerdings enorme Kosten verursachen. Wie die NZZ schreibt, dürfte der totale Shutdown stündlich rund 1,15 Millionen Dollar kosten. Ewig kann sich das Mullah-Regime das Blackout also nicht leisten.

Die Regierung fährt mittlerweile ausgewählte Informationsdienste schrittweise wieder hoch, wie Amir Rashidi, Menschenrechtsaktivist und Leiter der iranischen Organisation Miaan, gegenüber der NZZ sagt. So seien zum Beispiel Regierungsseiten für die Bevölkerung wieder aufrufbar.

Regierung geht auch gegen Starlink vor

Ein weiterer Punkt, in dem sich das Blackout von früheren Shutdowns unterscheidet, ist die teilweise Störung des Satelliteninternets.

Im Iran gibt es gemäss «Iran Wire» schätzungsweise 40'000 bis 50'000 Starlink-Terminale. Von diesen zehntausenden Geräten funktionieren einige gemäss Rashidi immer noch. Doch nicht überall: «Die Lage ist in jedem Quartier, in jeder Stadt anders», sagt er in der NZZ.

Und gegenüber «Iran Wire» sagt Rashidi, dass er in 20 Jahren Forschung noch nie eine solche Störung erlebt habe, die durch militärische Geräte, sogenannte Jammer, verursacht wird.

«Die verwendete Technologie ist hoch entwickelt und militärtauglich und wurde wahrscheinlich von Russland oder China geliefert, sofern sie nicht im Inland entwickelt wurde», sagt er.

Gegenüber der NZZ erklärte Manuel Eichelberger, der zu diesem Thema an der ETH geforscht hat, dass dies technisch gesehen einfach machbar sei.

«Für wenige tausend Franken lassen sich starke Jammer anschaffen, mit denen der Funk der Satelliten gestört werden kann.»
Manuel Eichelberger

Da die Störsender über das ganze Land verteilt sind, variiert die Qualität des Starlink-Dienstes je nach Standort. In manchen Gebieten ist die Verbindung relativ gut, in manchen deutlich schlechter.

Während also die Bevölkerung mehrheitlich im Dunkeln sitzt, protestiert die iranische Diaspora im Ausland gegen das Informations-Blackout. Viele fragen sich natürlich, wie lange die Zensur andauern wird.

Verschiedene Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen zeigen sich jedenfalls besorgt. Die deutsche Europaabgeordnete Hannah Neumann sagt gegenüber der «Zeit»: «Internetabschaltungen führen zu mehr Gewalt, mehr Verhaftungen und mehr Verschwindenlassen. Es ist eine gezielte Strategie, um Gewalt zu verschleiern.»

Auch Reporter ohne Grenzen warnt vor der vollständigen Isolation der iranischen Bevölkerung:

«De facto existiert derzeit nur noch die offizielle Darstellung des Regimes.»
Reporter ohne Grenzen.

Mehr zu den Protesten im Iran:

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Iran-Proteste 2026
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Seit rund zwei Wochen gehen in Iran Menschen auf die Strasse. Die Aufnahme zeigt Teheran am 9. Januar.

quelle: keystone
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Die beliebtesten Kommentare
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Ahura
13.01.2026 13:30registriert Februar 2024
Eine humanitäre Katastrophe, die leider einmal mehr zeigt, warum Staat und Religion strikt getrennt sein müssen.

So viele Menschen gingen hierzulande für Hamas und Gaza auf die Strassen, doch das Leid im Iran scheint diese Leute kaum zu interessieren.

💓 Für die Menschen im Iran, mögen sie Grosses bewirken.
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Mulumbi
13.01.2026 13:33registriert April 2024
Die Proteste sind wohl ernster und existenzbedrohender denn je für das Regime, deshalb auch diese, in ihrer Härte, nie dagewesenen Repressionen.
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LiquidIce
13.01.2026 14:19registriert Juli 2018
Und dabei fallen gesellschaftlich folgende Dinge auf:

Bei Iran sind die, die permanent "Free Gaza" geschrien haben, plötzlich alle ruhig.

Islamistische Extremisten gehen Hand in Hand mit Putin Trolle, weil sie eine Verschwörung sehen und denken, Israel wäre zuständig für die Demonstrationen in Iran. Und gleichzeitig wird man als Trump-Anhänger betitelt, wenn man das islamische Regime in Iran ablehnt. Für diese Putin/Islamisten Trollen wären hier alle hier auf watson auch Trump-Unterstützer.

Wäre es nicht die Realität, würde ich denken, wir leben in einer Simulation.
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