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Türkische Ermittler fahnden unter Hochdruck nach Club-Attentäter



Mit einem Grossaufgebot suchen die türkischen Sicherheitsbehörden den flüchtigen Täter des Istanbuler Nachtclub-Anschlags. Ministerpräsident Binali Yildirim liess am Sonntag offen, in welche Richtung ermittelt wird.

Die Ermittler arbeiteten «mit Nachdruck» daran, den Täter zu identifizieren, sagte Yildirim. Eine Bekennernachricht lag zunächst nicht vor. Yildirim sprach lediglich von einem «bewaffneten Terroristen».

Innenminister Süleyman Soylu sagte, der Attentäter habe sein Gewehr unter einem Mantel verborgen und womöglich die Kleidung gewechselt, bevor er den Club verliess. «Ich hoffe, er wird schnell gefasst, so Gott will.»

Bei dem Anschlag waren am Silvesterabend 39 Menschen getötet worden. Der UNO-Sicherheitsrat hat den Anschlag derweil als abscheuliche und barbarische Tat scharf verurteilt. Alle Terrorakte seien verbrecherisch und durch nichts zu rechtfertigen, unabhängig von ihrer Motivation, teilte das Gremium am Sonntag mit.

PKK-Chef weist Verantwortung zurück

Zuletzt hatte es in der Türkei immer wieder Anschläge gegeben, die auf das Konto der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) oder kurdischer Extremisten gingen. Im Falle des Nachtclub-Anschlags vermieden die Behörden zunächst Schuldzuweisungen, sie benannten keine Verdächtigen.

Von kurdischer Seite wurde die Verantwortung für das Attentat abgewiesen. Die Agentur Firat, die der verbotenen Kurdenpartei PKK nahesteht, zitierte deren Chef Murat Karayilan mit der Aussage, dass keine kurdische Gruppierung hinter der Tat stecke.

Viele Ausländer

Ein Grossteil der Toten stammt aus dem Ausland, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Als Herkunftsländer der identifizierten Opfern nannte Anadolu Saudi-Arabien (7), Libanon und Irak (je 3), Tunesien, Marokko, Indien, Jordanien (je 2), Kuwait, Kanada, Israel, Syrien, Russland (je 1).

Der Attentäter hatte früh am Neujahrstag laut türkischen Behörden zunächst einen Polizisten und einen Zivilisten erschossen, dann tötete er wahllos Partygäste im Club «Reina». Er attackierte den bei Prominenten und Touristen beliebten Nachtclub am Bosporus-Ufer, als das neue Jahr in der Türkei gerade einmal eine gute Stunde alt war.

In dem auf der europäischen Seite von Istanbul gelegenen Club mit mehreren Restaurants und Tanzflächen hielten sich zur Silvesterfeier bis zu 800 Menschen auf.

Einer von ihnen war der Fussballprofi Sefa Boydas. «Gerade als wir uns am Eingang niedergelassen hatten, gab es plötzlich Schüsse. Alles war voller Staub und Rauch», berichtete der Spieler des Istanbuler Clubs Beylerbeyi. «Als ich hinausrannte, traten die Leute auf andere Menschen.»

Chaos verbreiten

«Sie wollen die Moral unseres Landes zerstören und Chaos verbreiten, indem sie mit diesen schändlichen Angriffen gezielt Zivilisten attackieren», erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Türkei sei aber entschlossen, «den Kampf gegen den Terror» fortzusetzen.

Der Clubbesitzer Mehmet Kocarslan verurteilte den Angriff. «Unser Herz blutet», schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Das Attentat weckte auch Erinnerungen an die islamistische Attentatsserie in Paris vom November 2015, als in der Pariser Konzerthalle Bataclan dutzende Menschen getötet wurden.

Das «Reina» ist eine der schicksten Adressen in Istanbul und bei Prominenten sehr beliebt. Nur wenige hundert Meter weiter fanden die offiziellen Silvesterfeierlichkeiten statt. Wegen der Anschlagsgefahr waren in Istanbul 17'000 Polizisten im Einsatz, es galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in der Innenstadt. (sda/afp/dpa)

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