Gotthard 2016: Buntes Farbspektakel zu ersten Zugfahrten durch den neuen Gotthard

Gotthard 2016: Buntes Farbspektakel zu ersten Zugfahrten durch den neuen Gotthard

01.06.2016, 13:3201.06.2016, 13:32

Die ersten Züge sind durch den neuen Gotthard-Basistunnel gefahren. Sie kamen gleichzeitig - unter Pfiffen und tosendem Applaus - im Süden und im Norden an. Eine bunte Show auf der Freilichtbühne vor dem Südportal rundete das Spektakel ab.

Die Freilicht-Inszenierung in Pollegio TI ging nach tagelangen Regenfällen im Tessin am Mittwoch sogar trocken über die Bühne. Ein buntes Ensemble aus Tänzern, Sängern und Akrobaten entführte in die Welt der Mythen und Mineure, auch im Norden des Tunnels.

Mit 600 Darstellerinnen und Darstellern inszenierte der Theaterregisseur Volker Hesse ein Spektakel zum Mythos Gotthard und dem hochmodernen neuen Tunnel. Auch diverse Musiker, darunter Alphornbläser, das Armeespiel und lokale Chöre hatten ihren Auftritt. Die internationalen Künstler stammen aus Chile, Spanien, Frankreich und Deutschland - sie arbeiten zusammen mit Laien aus der Gotthard-Region.

Bereits im Vorfeld hatte Hesse bei einer Probe verlauten lassen, dass ein «nichtsprachliches Programm» geschaffen werden solle, sodass alle Gäste die Inszenierung problemlos verfolgen können. Wesentliche Unterstützung für die Inszenierung kam von der Accademia Teatro Dimitri aus Verscio TI.

Die Inszenierung in Rynächt UR fand in einer langen und kahlen Betonhalle statt. Sie wurde durch Licht und Ton in eine gespenstische Atmosphäre getaucht. Eine Reprise der Inszenierung ist für den Publikumsanlass vom 4. und 5. Juni am Südportal vorgesehen.

VIPs sind vor Ort

Zu den weiteren Feierlichkeiten sind nun alle «Very VIPs» da: Als Letzter der Staatsoberhäupter landete der französische Präsident François Hollande in Rynächt. Er wurde wie zuvor die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Italiens Regierungschef Matteo Renzi von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann empfangen.

Als erster ausländischer Staatschef war der liechtensteinische Regierungschef Hasler auf dem Festplatz in Rynächt eingetroffen. Hasler fuhr in einer schwarzen Limousine auf dem Festgelände vor und wurde von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann empfangen.

Anschliessend begrüsste Aussenminister Didier Burkhalter Hasler herzlich mit einer kurzen Umarmung, und auch Verteidigungsminister Guy Parmelin schüttelte dem Gast aus Liechtenstein die Hand.

Der neue österreichische Bundeskanzler Christian Kern traf um circa 12 Uhr auf dem Festgelände ein. Schneider-Ammann empfing Kern, der in einem Konvoi mit fünf Fahrzeugen vorgefahren kam.

«Bahn frei!»

Kurz nach 12.15 Uhr hatte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann das Signal für die beiden Eröffnungszüge gegeben. An Bord waren jene 1000 Personen, die in der Verlosung Anfang Jahr ein Ticket ergattert konnten.

Schneider-Ammann endete mit den Worten: «Bahn frei! Place aux trains! Via libra pils trens! Via libera ai treni!» Der Tunnel wurde rund 17 Jahre nach Baubeginn eröffnet - es ist der längste Eisenbahntunnel der Welt.

3000 Personen stehen im Einsatz, damit der Anlass glatt über die Bühne geht, 300 in- sowie ausländische Medienvertreter werden über den Anlass in alle Welt berichten. Für die Sicherheit der Gäste sorgen neben der Polizei bis zu 2000 Armeeangehörige.

Rund 8 Millionen Franken soll der gesamte Anlass kosten. Über dem «Grossraum Gotthard» gilt eine Verkehrssperre für die Zivilluftfahrt und die Luftwaffe.

Tunnel gesegnet

Zuvor war der Tunnel feierlich gesegnet worden. Geistliche dreier Religionen führten vor der offiziellen Eröffnung gemeinsam eine Segnungszeremonie im Berg durch. Pater Martin Werlen besprengte den sogenannten Mustertunnel mit Weihwasser.

Zwei Kilometer tief im Berg drin, umgeben von den grauen Betonwänden des Zuganggsstollens Amsteg, segneten die Geistlichen den wenige Meter entfernten Basistunnel. Im Licht von einigen wenigen Scheinwerfern beteten ein Pater, eine Pfarrerin, ein Imam und ein Rabbiner um den Segen für alle Reisenden und Arbeiter im Tunnel. Auch ein Atheist nahm an der Zeremonie teil.

Diese fand aus Sicherheitsgründen nicht im Tunnel selbst, sondern in einem sogenannten Mustertunnel statt - einer grauen, rund zehn Meter langen Röhre mit Geleisen in der Mitte. Die schlichte Zeremonie kam ohne Musik und Publikum aus. Szenen von der Segnung sollen aber später an der Eröffnungsfeier gezeigt werden. (sda)

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