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Offshore-Firmen: Fragwürdige Briefkastenfirmen von Prominenten aufgedeckt



Unbekannte haben der «Süddeutschen Zeitung» Millionen Dokumente über rund 215'000 Briefkastenfirmen in Panama übergeben. Die Enthüllung bringt Spitzenpolitiker, Sportstars und weitere Persönlichkeiten in Erklärungsnot. Schweizer Vermittler sollen besonders aktiv sein.

Die Recherchen unter dem Titel «Panama Papers» basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Deren Chef Ramón Fonseca Mora bestätigte im Fernsehsender TVN: «Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen.»

Sein Unternehmen helfe aber nicht bei Geldwäscherei oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste zählen den Berichten von Medien aus rund 80 Staaten zufolge zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs sowie 128 weitere Politiker. Auch internationale Finanzinstitute - nicht wenige mit Schweizer Bezug - sind beteiligt.

Aktive Schweizer Mittelsmänner

Laut dem Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten, das die Recherchen koordinierte, befinden sich über 1200 Schweizer Firmen unter den 14'000 Banken, Anwaltsfirmen und anderen Mittelsmännern, die Briefkastenfirmen aufbauen liessen. Nur aus Hongkong und Grossbritannien stammen noch mehr. Die Schweizer Vermittler gehören auch zu den aktivsten.

Die UBS, Credit Suisse (über eine Tochter) und die HSBC Schweiz zählen zudem zu den Banken, die am häufigsten für ihre Kunden Firmen gründen liessen.

Bestätigungen oder konkrete Stellungnahmen gibt es von den wenigsten Fällen. Die Ethikkommission des Fussball-Weltverbandes FIFA bestätigte indes interne Vorermittlungen gegen ihr eigenes Mitglied Juan Pedro Damiani aus Uruguay.

Der Anwalt, Mitglied in der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, soll den «Panama Papers» zufolge, drei Angeklagten im FIFA-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fussball-Funktionäre bestochen worden sein sollen.

Elf Millionen Dokumente

Laut den Medien, zu denen aus der Schweiz unter anderen der «Tages-Anzeiger» und die «SonntagsZeitung» zählen, umfassen die von rund 400 Journalisten über ein Jahr hinweg ausgewerteten Unterlagen E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente. Insgesamt gehe es um ein Datenvolumen von 2.6 Terabyte und mehr als elf Millionen Dokumente.

Der Leiter des Rechercheverbundes von NDR, WDR und «Süddeutscher Zeitung», Georg Mascolo, sagte am Abend in der ARD-Sendung «Anne Will», er gehe davon aus, dass die Sprengkraft des Datenlecks «ganz erheblich» sei.

Er verwies darauf, dass «wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben». In den nächsten Tagen sollen weitere Veröffentlichungen folgen.

Verschleierung als Ziel

Die Regierung Panamas sagte ihre Kooperation bei der Aufklärung der Finanzgeschäfte zu. «Die panamaische Regierung verfolgt eine Null-Toleranz-Politik in allen Bereichen des Rechts- und Finanzwesens, wo nicht mit einem höchsten Mass an Transparenz gearbeitet wird», hiess es in einer Erklärung des Präsidialamts.

Die Medien betonen, dass es viele legale Einsatzmöglichkeiten von Offshorefirmen, Trusts und Stiftungen gebe. Grundsätzlich sei festzuhalten: «Es gilt in jedem Fall bei den hier genannten Personen die Unschuldsvermutung.»

Laut der «Süddeutschen» zeige ein Blick in die «Panama Papers» aber rasch, «dass es in der überwältigen Zahl der Fälle vor allem um eines geht: die Verschleierung der wahren Inhaber der Firmen.» Die Daten belegten, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit grossen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Prominenten verwalte. (sda/dpa)

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