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Blogger Nils Pickert mit seinem Sohn im Rock.
bild: nils pickert

Bitte belästigt uns nicht mit eurem Anderssein!

Sollen Eltern ihre Kinder davor bewahren, anders zu sein? Oder sollen sie zum Beispiel ihren Jungen darin bestärken, wenn er einen Rock tragen will?

nils pickert / wir eltern



Ein Artikel von

Wenn ich lese, dass jemand mutmasslich seinen eigenen Sohn getötet hat, weil er schwul war, dann berührt mich das ausserordentlich. Die Frage, warum Menschen Homosexualität als Zumutung empfinden, beschäftigt mich schon sehr lange. Selbst ein an Kleidung festgemachter Verdacht reicht für viele aus, um in Abscheu und Wut zu geraten.

Als mein Grosser und ich in Rock und Kleid virtuell einmal um die Welt spazierten, hatte ich darüber eine interessante Auseinandersetzung mit dem britischen Journalisten Jake Wallis Simons. Für den Telegraph schrieb Simons, dass Jungen, die Kleider tragen, zwar unterstützt aber nicht noch ermutigt werden sollten.

Die Notwendigkeit, dem Kind zu vermitteln, dass es in seiner Kleiderwahl nicht falsch ist, dürfe nicht verschleiern, dass eine solche öffentliche Zurschaustellung Feindseligkeit auslöse. Da müsse ich schon sicher sein, dass das Kleid-Rocktragen ein innerer Drang sei und nicht nur eine Phase.

In den eigenen vier Wänden also Kleider und Röcke für das Kerlchen, ausserhalb nur Hosen, um wie ein «anständiger Junge» auszusehen. Nicht anecken, nicht aufmucken, auf keinen Fall auffallen.

Ich war und bin anderer Meinung. Tatsächlich fand ich Simons Ausführung schwerer auszuhalten als die offenen Anfeindungen und den Hass, den ich auf mich gezogen hatte. In einer E-Mail wies er mich darauf hin, dass es doch besser sei, meinen Sohn nur Zuhause in Mädchenkleidung herumlaufen zu lassen und draussen nicht, damit er keine Schwierigkeiten bekommt.

Nur hinter verschlossenen Türen anders sein?

Das klingt zunächst einmal vernünftig. Wer würde wollen, dass sein Kind Opfer von Spott, Verachtung und Übergriffigkeit wird? Ich ganz sicher nicht.

Aber spielen wir das Ganze doch mal durch: In den eigenen vier Wänden also Kleider und Röcke für das Kerlchen, ausserhalb nur Hosen, um wie ein «anständiger Junge» auszusehen. Nicht anecken, nicht aufmucken, auf keinen Fall auffallen. Die Wahl hätte er. Wenn er sich entsprechend kleidet, sieht er aus wie die meisten anderen in seinem Umfeld.

Die schwarze Freundin meiner Tochter hat diese Wahl hingegen nicht. Sagen wir der auch, dass sie ihre Andersartigkeit besser hinter verschlossenen Türen auslebt, damit sie mit ihrem Schwarzsein nicht die weisse Mehrheitsgesellschaft belästigt?

Bitte nicht behindert sein!

Sagen wir Kindern mit Behinderung, dass sie gefälligst aufhören sollen, so behindert zu sein, damit sie anderen nicht ständig Probleme machen? Wohin führt das?

Was ist mit Menschen, die sich nicht dafür entscheiden können, in der Gruppenkonformität unterzutauchen, weil sie immer als andersartig, fremd und nicht dazugehörig markiert werden?

Die Welt ist in vielerlei Hinsicht ein gefährlicher Ort. Unter anderem leider auch für Jungen, die Kleider und Röcke tragen.

Und wie hoch will man seine eigenen Privilegien eigentlich stapeln, um keinen Blick darauf werfen zu müssen, dass Menschen jeden Tag Hass und Gewalt ausgesetzt sind, weil andere sie als Zumutung für ihr eigenes fragiles Selbstverständnis empfinden?

Die Welt ist in vielerlei Hinsicht ein gefährlicher Ort. Unter anderem leider auch für Jungen, die Kleider und Röcke tragen. Es ist jedoch nicht deren Aufgabe, ihre Kleiderwahl zu überdenken, um niemandes Sehgewohnheiten herauszufordern, sondern unsere, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Umfrage

Und jetzt zu dir: Würdest du deinen Sohn in einem Rock herumlaufen lassen?

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2,537 Votes zu: Und jetzt zu dir: Würdest du deinen Sohn in einem Rock herumlaufen lassen?

  • 51%Ja, sicher.
  • 14%Ja, und als Vater würde ich auch gleich mitmachen und Rock tragen.
  • 20%Auf gar keinen Fall!
  • 16%Kinder sind doof. Ist mir egal.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pfefferminza Viktualia 17.05.2016 10:01
    Highlight Highlight Ich habe einen 5 jährigen Sohn und er findet es manchmal ganz toll sich als Prinzessin zu verkleiden mit meinen Kleidern und sogar mit Schminke. Am nächsten Tag möchte er dann gerne verkleidet als Hexer durch die Gegend laufen. Ich persönlich sehe absolut keine Notwendigkeit darin das irgendwie nicht zu fördern und zwar beides! Wenn ich sehe wie viel Freude es ihm macht sich zu verkleiden ;)
  • kliby 10.04.2016 17:57
    Highlight Highlight bei den zahlreichen blogs von pickert zum immergleichen rock-thema habe ich manchmal das gefühl, dass er sich einen schwulen sohn in rock noch wünschen würde, so als cooles accessoire für die eltern...
  • G-Man 10.04.2016 17:11
    Highlight Highlight Ich lese zwar die Artikel von Herrn Pickert immer sehr gerne da sie super geschrieben sind und meine Meinungen voll teilen - Aber diese mediale Ausschlachtung der "Aktion Rocktragen" find ich aber langsam echt übertrieben. Langsam beschleicht mich das Gefühl, er hat das nur gemacht um mehr Medienpräsenz zu bekommen und nicht seines Sohnes wegens?
  • Sapere Aude 10.04.2016 16:55
    Highlight Highlight Ich habe selbst schon Männerröcke und Killts getragen, die entsprechenden Reaktionen, auch wenn sie negativ waren, fand ich meist amüsant. Dass einige mich aufgrund meines Anders sein mobben mussten, war sicher nicht angenehm, ich fand es aber schon immer eine Schwäche der anderen, wenn sie mit Pluralität nicht klar kommen. Kommt dazu, dass im Sommer ein Killt das wohl bequemste Kleidungsstück der Welt ist und in Schottland wohl der Imbegriff von Männlichkeit.
    • Miss_Ann_Thropist 11.04.2016 07:15
      Highlight Highlight Kiltträger, vereinigt euch! Ich werd auch immer schief angeschaut wenn ich n Kilt trag :-)
  • guby 10.04.2016 16:47
    Highlight Highlight Wo hört die Toleranz auf? Was, wenn ich gerne in der Öffentlichkeit onaniere. Sollte man da tolerant sein? Oder eher nicht, weil es die Mehrheit daneben findet? Ich persönlich finde man darf alles. Muss sich aber dafür auch etwaiger Kritik stellen können. Denn so läufts im Leben.
    • Linus Luchs 10.04.2016 22:11
      Highlight Highlight guby, Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Freiheit ohne Verantwortung führt zu Rücksichtslosigkeit, bis zu Kriminalität. Ein Mann, der einen Rock trägt, tut niemandem etwas zuleide. Deshalb ist es okay. Ein Mann, der in der Öffentlichkeit onaniert, tut denen, die das sehen, Gewalt an, denn dieser Anblick ist hochgradig verstörend, für ein Kind traumatisierend. Dazu hat niemand das Recht. Wenn es so wäre, wie du schreibst, dann dürftest du auch jemanden umbringen, du müsstest dann einfach die Kritik aushalten. Du merkst schon, dass ein Zusammenleben so nicht funktionieren kann, ja?
    • guby 11.04.2016 14:33
      Highlight Highlight Genau darum geht es ja. wer darf die Linie ziehen ab wann genug Leute verstört werden damit es nicht mehr erlaubt ist? Die Mehrheit? Ich? Der Kaiser von China? Und wie verstörend ist traumatisierend genug? Es gibt garantiert Leute die von küssenden Homosexuellen auch verstört werden. Sollte man es deswegen verbieten? Mir fehlt langsam aber sicher die Entscheidungsgrundlage, für jeden "Furz" wird Toleranz gefordert. Da ist klar funktioniert das Zusammenleben irgendwann nicht mehr, wenn niemand mehr Rücksicht nimmt.
  • Mr. Kr 10.04.2016 14:30
    Highlight Highlight Hier Toleranz predigen, aber wenn es um zwei Jungs geht, die einer Frau die Hand nicht schütteln wollen, immer mit dem selben Argument kommen.

    In der Schweizer haben wir eine Kultur.

    In dieser Kultur tragen jungs keine Röcke!

    Oder zählt das hier nicht?
    • EvilBetty 10.04.2016 15:55
      Highlight Highlight Guter Einwand. Allerdings werden sich die beiden Gruppen stark überschneiden.
    • kliby 10.04.2016 17:59
      Highlight Highlight rhabarber, evolution funktioniert über viel längere zeiträume. und das ist nicht kultur, sondern biologie.
      wenn etwas schon gut ist, wandelt es sich erst, wenn das neue besser ist. nur immer neu ist ein dreck wert, wenns nicht besser ist.
    • Madison Pierce 10.04.2016 18:26
      Highlight Highlight Im Fall mit dem Händedruck geht es um ein Verhalten in der Schule. Wem die Jungs privat die Hände schütteln wollen oder nicht, geht den Staat nichts an.

      Bezüglich Kleider machen die Schulen auch Vorschriften, man kann aber privat natürlich tragen, was man will.
    Weitere Antworten anzeigen
  • EvilBetty 10.04.2016 12:09
    Highlight Highlight Behinderung und Hautfarbe mit Kleidern zu vergleichen... ich weiss nicht...
    • SoOderSo 10.04.2016 15:54
      Highlight Highlight Es geht ja nicht um die Kleidung an sich. Es geht um das Thema Homosexualität und da finde ich den Vergleich mit der Hautfarbe durchaus passend. Beides kann man sich nicht aussuchen! Sonnige Grüsse 😊
    • purpletrain 10.04.2016 18:49
      Highlight Highlight Meiner Meinung nach geht's nicht um Homosexualität sondern um ein überholtes Bild von Männern. Ich trug als Kind auch gerne Röcke bin aber ne alte Hete.
  • Maya Eldorado 10.04.2016 11:08
    Highlight Highlight Wenn kleine Jungs mit Röcken herumlaufen, entsteht ein grosses Geschrei....
    Wenn kleine Mädchen in Hosen herumlaufen, schreit kein Hahn danach. Es ist ganz normal.
    Kann mir das jemand erklären warum das so ist?
    • Zerpheros 10.04.2016 13:04
      Highlight Highlight Weil Männer als das starke Geschlecht gelten und Frauen nicht. Starke Mädchen = ok, weil Ermächtigung seit der Emanzipationswelle. Jungen, die sich wie Mädchen kleiden wollen = schwach = nicht ok. Und jetzt könnte man überlegen, was mit "männlich" und "weiblich" in Verbindung gebracht und jeweils als "natürlich" angesehen wird...
    • rodolofo 10.04.2016 13:17
      Highlight Highlight Andererseits trug ja Tarzan als Inbegriff männlicher Stärke und Naturverbudenheit einen Lendenschurz.
    • Citation Needed 10.04.2016 13:18
      Highlight Highlight Nur ansatzweise: beim Übergang von der aristokratischen zu bürgerlichen Gesellschaft löste 'geschlecht' zunehmend 'klasse' als vorherrschendes soziales Distinktionsmerkmal ab, wobei geschlecht wie klasse hierarchisch funktionierte: die gesellschaftliche Macht, ergo Norm, wurde dem Mann zugeschrieben, die Frau war das andere, nicht-männliche. Darum spielt die Richtung der Übertretung (immernoch) eine Rolle: der Bub mit Rock entfernt sich von der Norm, das Mädchen mit Hose nähert sich an..
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 10.04.2016 11:00
    Highlight Highlight Ich glaube, es gibt ein grosses Missverständnis betreffend "Multikulti" und "Toleranz":
    Dieses Missverständnis besteht im Anspruch, dass ich als toleranter Mensch alles gut finden muss, was andere machen.
    Nein, liebe Leute, so läuft das nicht!
    Ich lass Dich zwar machen, sage Dir aber auch, wenn mir etwas, was Du machst, NICHT gefällt.
    Wenn Männer in Röcken herum laufen, dann finde ich das nun mal eher eklig, im Gegensatz zu Frauen in Röcken, die mir verstärkt "weiblich" vorkommen.
    Das ist einfach so.
    Natürlich ist das Geschmackssache und über Geschmack müssen wir ja bekanntlich nicht streiten.
    • Cerulean 10.04.2016 11:24
      Highlight Highlight "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."
      --Johann Wolfgang von Goethe
    • rodolofo 10.04.2016 12:10
      Highlight Highlight Interessant!
      Meine "Realo-Toleranz" sieht sich eingeklemmt zwischen einer (utopischen) "Fundi-Toleranz" und einer (destruktiven) "Intoleranz".
      Das ist vielleicht vergleichbar mit einem demokratischen Öko-Sozialismus, der als Gratwanderung zwischen den Abgründen des Kapitalismus (Las Vegas) und des Kommunismus (Ameisenstaat) entsteht.
  • Miss_Ann_Thropist 10.04.2016 10:59
    Highlight Highlight ich zelebriere diesen artikel!
  • Maya Eldorado 10.04.2016 10:44
    Highlight Highlight Da, auf dem Land, wo mein Vater aufgewachsen ist, trugen die Buben bis zum Schuleintritt Röcke - alle!
    Das hat mir mein Vater erzählt. Und da, wo er aufgewachsen ist, ist beileibe nicht in einer exotischen Destination, sondern in einem Dorf im Aargau. Geboren ist er 1917.
    • niklausb 10.04.2016 11:46
      Highlight Highlight das erklärt die weissen Socken und den Autofahrstil :-P
    • Maya Eldorado 10.04.2016 11:55
      Highlight Highlight Autofahrstil um 1917?
      Da hatte es noch kaum Autos auf den Strassen. Sie meinen wohl Pferdefuhrwerke.....
    • hjendly 14.04.2016 09:17
      Highlight Highlight Das erste Kinderfoto meines Vaters um 1919 rum: Grossvater mit schwarzem Anzug, Stehkragen und schwarzem, steifen Hut, Vater mit einteiligem Kleid, weissem Kragen, weissen Socken und schweren Schuhen (und waren keine Aargauer!). Damals, im unflexiblen und intoleranten frühen 20. Jahrhundert üblich, heute im sogenannt toleranten und aufgeklärten 21. schlecht und fraglich? Komische Sicht.
  • Bastian Zuberbuehler 10.04.2016 10:30
    Highlight Highlight STARK! MERCI VIELMALS!
    Ich muss gestehen, dass ich ähnliche Gedanken hatte, als ich in einen Zürcher Stadtkreis gezogen bin, wo viele Menschen leben, die sich aus religiösen Gründen anders kleiden und andere Frisuren tragen, als "wir Normalen". So in etwa "Die armen Kinder; haben keine Kleider- und Frisurenwahl!"
    Letztlich war das allein mein auf Unvertrautheit basiertes Unbehagen - also meine Xenophobie. Als Mensch mit Ratio und Empathie habe ich die Wahl, wie ich damit umgehe.
    • Bav 12.04.2016 08:22
      Highlight Highlight Man kann auch einfach die Augen zu machen und in religiöser Toleranz akzeptieren, wenn Mitmenschen andere unterdrücken. Ich werde niemals akzeptieren, dass Kinder & Umfeld von evangelikalen, muslimischen und anderer Religiösen unterdrückt werden in ihrer freien Entfaltung. Homosexuelle Kinder haben es schon so nicht leicht. Selbstverständlich soll kein Generalverdacht bestehen, doch für Einzelfälle kenne ich schon aus dem eigenen Umfeld zu viele.

      Religion lebt dank der Angst nach dem Tod. Legen wir diese Angst ab und nehmen die Chance, eine faire Ethik zu kreieren in der Jeder Platz hat!
  • Citation Needed 10.04.2016 10:16
    Highlight Highlight Regt man sich über Brangelinas Tochter Shiloh, die nur Bubenkleider trägt (oder Anzug für red carpet) auch so auf, wie über einen Jungen, der in umgekehrte Richtung cross-dresses?
    • Menel 10.04.2016 10:54
      Highlight Highlight Nein, tut man nicht. Denn männliche Attribute wirken "verstärkend" weibliche "schwächend".
    • Citation Needed 10.04.2016 12:13
      Highlight Highlight Menel: noch gar nicht so lange her, da wollte man nichts verstärkendes am (schwachen) weibl. Geschlecht dulden. Mich interessiert die Frage besonders in Bezug auf Kinder, die sich im angeborenen Geschlecht unwohl fühlen. Da gibt es heftigere und leichtere Ausprägungen, aber auch wenn dieselbe 'Malaise' zugrunde liegt: die Buben werden gesellsch. härter sanktioniert, mehr begafft, eher als Zumutung empfunden.
    • SVRN5774 10.04.2016 12:14
      Highlight Highlight @Menel du sagst es! Weibliche Sachen (Gefühle zeigen, nett sein, auf sein Herz hören etc) sind in der Gesellschaft etwas negatives. Männliche Sachen sind viel cooler -.-
    Weitere Antworten anzeigen
  • Citation Needed 10.04.2016 10:03
    Highlight Highlight Wenn sich ein Kind aufgrund eines echten Bedürfnisses von der Norm abweichend kleiden will, dann sollten sich Eltern für diesen Wunsch öffnen. Blödes Beispiel, aber meine Oma wurde von Links- auf Rechtshänderin umgepolt, weil das damals einfach Norm war. Sie beklagte sich zeitlebens, dass sie deswegen eine krakelige Handschrift habe, konnte aber auch nicht mehr zurück.
    Wie viel verheerender ist es, wenn eine norm-abweichend veranlagte Geschlechtsidentität einfach übergangen/umgepolt wird?
  • dracului 10.04.2016 09:54
    Highlight Highlight Noch in 70er-Jahren wurde das Anderssein gefeiert und galt als Lebensmaxime für viele. Es kommt mir vor, als würden heute die Kinder immer früher auf das spätere "richtige" Leben konditioniert. Toleranz macht faul und ist Gift für den Erfolg in unserer Leistungsgesellschaft. Konformität, Normalität und Fleiss wird belohnt! Anderssein ist bedrohlich für die Werte, die uns eingehämmert wurden. Jede Auseinandersetzung mit dem Andersein kostet zudem Zeit, die wir nicht haben. Helfen wir uns doch weiterhin gegenseitig, dass wir unsere "Einzigartigkeit" nicht immer so zeigen nach aussen!
  • Karl Müller 10.04.2016 09:27
    Highlight Highlight Der Autor tut einfach mal so, als seien Kleider nur ein Stück Stoff und hätten keine kulturelle und soziale Bedeutung. Es ist sicher nicht schlimm, wenn er mit seinem Sohn im Rock rumläuft. Im näheren sozialen Umfeld, in dem der Junge aufwächst, finden das wahrscheinlich alle total progressiv und cool, weil er Geschlechterrollen in Frage stellt etc. Was aber, wenn der Junge Hotpants zu Leopardentops tragen will? Oder Nadelstreifenanzüge? Ist es dann immer noch ein zu akzeptierendes "anderssein", oder vermittelt er dann doch plötzlich durch Kleidung etwas, das dem Vater nicht in den Kram passt?
  • Menel 10.04.2016 08:45
    Highlight Highlight Ich kenne diese Blicke schon von klein auf. Nicht wegen mir, sondern wegen meinem querschnittsgelähmten Vater. Wenn wir zwei unterwegs waren, waren wir die Attraktion. Seit ich denken kann, habe ich die Situation immer noch verstärkt, in dem ich ihm die Hand gab oder laut "Papi Papi!" sagte.
    ....und heute werde ich angeguckt, wenn ich mit meiner behinderten Tochter unterwegs bin. Aber ich gebe schon lange nichts mehr auf die Meinung von Unbekannten und bringe das auch meinen Kindern bei. Diese spielen übrigens auch gerne mit ihren Geschlechterrollen.
    Be free and express yourself!
    • Charlie Brown 10.04.2016 10:19
      Highlight Highlight Kleine Kinder sind ja einfach mal an allem interessiert, was sie noch nicht kennen. Wir handhaben das bei unseren seit jeher so, dass wir ihnen erklären, warum der andere Mensch anders aussieht, einen Rollstuhl zur Fortbewegung braucht oder sonstwie anders ist. Unaufgeregt und mit Fakten.
  • pamayer 10.04.2016 08:38
    Highlight Highlight für einen echten kerl gibt's ja nichts schlimmeres als ein schwuler (lesben sind da kein Problem, die haben einfach noch nie einen echten kerl erlebt!). denn jeder schwule könnte dem echten kerl vorhalten, dass es noch andere Schattierungen von mannesmann gibt. also weg damit.
    wiw schön sähe die welt aus, wenn es nur echte kerle gäbe?? alles nur rambos, gladiatoren, trumps und - nein, sorry, keine uelis.

    für alle, die's wissen wollen: lest ralph königs schwulencomics. köstlich, da sehr sehr, menschlich.
    • rodolofo 10.04.2016 13:05
      Highlight Highlight Für mich ist das "Schwul sein" so etwas normales, dass ich mich auch getraue, die neuen kompostierbaren Rollbags im Bioladen als "schwul" zu bezeichnen.
      Sie kommen mir einfach "schwul" vor, weil sie irgendwie weich und lasch sind, im Unterschied zu den knisternden Rollbags aus Plastik von früher, die natürlich wegen ihrer Umweltschädlichkeit ersetzt wurden.
      Diese Plastiksäcke waren luftdicht und hielten das Gemüse im Kühlschrank länger frisch.
      Ein Nachteil der neuen, umweltfreundlichen, "schwulen" Säcke ist also, dass sie luftdurchlässig sind.
      Bin schon gefasst auf tolerante Blitze.
    • Zerpheros 10.04.2016 22:57
      Highlight Highlight Oh, ja, klar, rodolofo. Auf die Bioladen-Rollbags habe ich noch gar nicht geachtet. Ich war eher mit dem lesbischen Gemüse beschäftigt, das so gar nicht d'accord mit den bisexuellen PET-Flaschen ging. Und wenn die *Transdosen sich ständig mit der bisexuellen Schokolade in die Haare kriegen (dieses Gekreisch im Regal), kann ich die beleidigten intersexuellen Cremeschnitten gar nicht hören. Das ist schon ein Stress mit dem Einkaufen, oder?
    • Miss_Ann_Thropist 11.04.2016 07:12
      Highlight Highlight @rodolofo da hast du's ja. Das Problem ist nicht, dass du etwas als schwul bezeichnest, sondern dass du es tust, weils dir "lasch und weich" vorkommt. Somit verbindest du ein Wort, welches eine sexuelle Orientierung beschreibt mit pejorativen Attributen. Sind irgendwelche kratzenden Jutesäcke dann total hetero und maskulin?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tom Garret 10.04.2016 08:36
    Highlight Highlight Und wenn sein Kind nackt durch die Stadt laufen will macht er das auch? Oder will er da "die andersartigkeit" doch unterdrücken? Kinder haben nicht immer die besten Ideen weil sie eben Kinder sind. Bei Gewissen Sachen habe ich das Gefühl geht es den Eltern mehr um sich selber. "seht her wie offen und tolerant ich bin!" Das geht auch ohne dass man das Kind öffentlich zur Schau stellt. Vielleicht will das Kind später diese Vorliebe gar nicht öffentlich ausleben. Ich habe auch mit Pupppen gespielt und bin deswegen nicht Schwul. Und war aber auch froh dass dies später nicht alle wussten...
    • edoduka 10.04.2016 08:48
      Highlight Highlight Das sehe ich genau so. Und oft sieht man diese krankhafte Besessenheit tolerant und offen zu sein, koste es was es wolle, bei homosexuellen. Ja wir wissens!! Ihr seid schwul und bessere Menschen als alle anderen, buhuhuh.
    • Menel 10.04.2016 08:53
      Highlight Highlight Also für mich besteht da ein recht grosser Unterschied. Eine meiner Töchter wollte eine Zeit lang aussehen wie ein Junge. Sie durfte sich die Haare ganz kurz schneiden und wir kauften ihr nur noch Jungs-Kleidung. Das ist für mich eine Form von Selbstfindung. Das darf sie - per Gesetz - auch später noch. Nackt rumlaufen dagegen nicht.
    • Zerpheros 10.04.2016 10:05
      Highlight Highlight Ist doch ganz einfach, was erlaubt ist: Tut es jemandem weh? Dann nicht. Alles andere ist erlaubt.
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