Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Ich war «Mother!» gucken und nach zwei Stunden mit den Nerven am Ende

bild: paramount pictures

Schöpfung und Niedergang wird in «Mother!» in einen Mantel aus Horror gepackt und in einer alten spukhaften Villa erzählt. Das macht den Film aber nicht zu einem klassischen Horror-Film, sondern verordnet ihn mehr in die Kategorie «Was zum Teufel habe ich da eigentlich geschaut?».

13.09.17, 17:33 14.11.17, 13:46

Als wäre das Wort nicht schon genug bedeutungsschwanger, setzt Regisseur Aronofsky noch ein Ausrufezeichen dahinter. Wir verstehen: «Mother!» – mit Ausrufezeichen – soll also melodramatisch werden. Mother mit Ausrufezeichen kann man nämlich auch auf ganz viele verschiedene Arten aussprechen. Oder schreien: Verzweifelt, verärgert, reuig. Sie ist schliesslich Ursprung des Lebens und deshalb verantwortlich für beides: Freude und Leid.

Das tönt jetzt alles ein bisschen geschwollen und hochgekocht. Für Aronofsky-Filme ist das aber nicht unpassend. Er bemüht sich schliesslich Kino mit Ausrufezeichen zu machen. Und weil ein Ausrufezeichen heutzutage schnell mal als Übertreibungen wahrgenommen wird, muss der 48-Jährige New Yorker dick auftragen. Das merkte man schon bei seinem Kassenschlager «Black Swan», bei dem er durch geschickte Symbolik die zerrissene Psyche einer Balletttänzerin skizzierte. In «Mother!» solle es laut ihm aber nicht um das kleine Einzelleid, sondern um die grossen Probleme gehen. Namentlich um Armut, Hunger, Ungerechtigkeit, Gier und so weiter – was meiner Meinung nach auch wieder eine ungemeine Übertreibung ist.    

Doch das macht den Film nicht schlecht, sondern zu dem was er ist: Eine sich langsam aufbauende Allegorie, die sich bis zum geht nicht mehr verzettelt und am Schluss zu einer pervers-absurden Sintflut mutiert, in die man grundsätzlich alles hinein interpretieren kann. Also Horror – im wahrsten Sinne des Wortes. 

Gedreht wurde fast ausschliesslich auf 16-Millimeter-Film, was den Bildern eine rohe Körnigkeit und somit einen naturalistischen Touch verleiht.  bild: paramount pictures

Doch anfangen tut das alles noch ganz harmlos. Mit einem kinderlosen Ehepaar, das sehr abgelegen auf dem Land wohnt. 

Er (Javier Bardem) viel älter als sie, Sugar-Daddy-Flair, Schriftsteller mit Schreibblockade, Egozentriker. Und sie (Jennifer Lawrence), fast noch ein Kind, bildschön und total damit beschäftigt, ihm seinen Freiraum zu lassen, unterwürfig zu sein, das Haus zu renovieren. Sein Haus zu renovieren. Eine abgelegene, niedergebrannte Villa im viktorianischen Stil. Ohne Zufahrtsstrasse und ohne Aussenwelt, könnte man fast meinen. Bis eines Abends aus heiterem Himmel ein kauziger Mann (Ed Harris) an die Tür klopft: «Huch, ich dachte das sei ein ‹Bed & Breakfast›! Kann ich trotzdem bleiben?» – «Klar!», sagt der Schriftsteller gegen den protestierenden Gesichtsausdruck seiner Frau. Namen gibt es im Film keine.

Der Schriftsteller lässt seinen neuen Gast in der frisch und aufwändig restaurierten Villa rauchen und säuft mit ihm, bis der Alte kotzt. Am nächsten Morgen steht die Ehefrau des Fremden (Michelle Pfeiffer) vor der Tür. Der Alte hat sie eingeladen. Und bald stellt sich heraus, dass die neuen Gäste gewaltige Fans des Literaten sind. Sie dürfen deshalb bleiben, solange sie wollen. Ihm gefällt es schliesslich, bewundert zu werden.

Die Gattin des Schriftstellers, also Jennifer Lawrences Charakter, fühlt sich indes hintergangen. Denn die neuen Mitbewohner sind alles andere als subtil. Sie sind flegelhaft. Stören sie bei ihrer wichtigsten Tätigkeit: dem Instandsetzen der einst verbrannten Villa ihres Mannes. Dieser hingegen freut sich über den neuen Schwung im Leben, der ihn davon ablenkt, dass er momentan eigentlich zu nichts fähig ist.

Zum Haus fühlt die Gattin des Schriftstellers eine Verbindung. Sie hört seinen Herzschlag, bekommt aber auch regelmässig Panikattacken deswegen.  bild: Paramount Pictures 

Sobald dann auch noch die Söhne der unverhofften Gäste in Lawrences Zauberhaus aufkreuzen und sich übel an die Gurgel gehen, wird klar: Hier geht's um mehr als eine unausgewogene Beziehung. Hier geht's um Brudermord, um Religion und deren Folge. Um Fanatismus und den Irrsinn der Menschheit. Um Schöpfung und Niedergang. 

Und all dies wird auf den Schultern von Jennifer Lawrence ausgetragen, der Mutter des Hauses. Diese bricht zusammen, nachdem ein gewaltiger Mob (alles Gäste ihres Mannes) das Haus verwüstet, trotz ihrer Warnung alles, was ihr lieb ist, mit Füssen tritt und eine Polizei-Schlacht anzettelt. Sie dreht völlig durch.

«WHAT THE FUCK!» 

Das hab ich mir auch gedacht. Ständig

«Mother!» ist ein Film, der permanent abgöttisch nervt. Aronofsky packt jegliche Emotionen, die negativ verstanden werden können in sein Werk hinein. An manchen Stellen gehört der Film zur Sorte «Verdammt-nochmal-geh-doch-nicht-schon-wieder-in-den-Keller-du-dumme-Kuh». Aber diesen Charakter verliert er schnell, denn er verarscht sein Publikum hundert mal auf die selbe Art: Baut Spannung auf, lässt den Zuschauer fallen und entsendet dann eine Szene nach der anderen in die Nebensächlichkeit. Bis sich all diese verdrängten Geschehnisse zu einer Schlusssequenz aufbauschen, die an einen apokalyptischen Mini-Epos mit einer tief verborgenen spirituellen Botschaft erinnert. Ein bisschen wie ein in Bewegung gesetztes Bild von Hieronymus Bosch.

Hieronymus Bosch, Christus im Limbus.  bild: wiki commons

Eine Liste von Vergleichen und Vermutungen, worauf nun in diesem überladenen Spielfilm auf welche Weise angespielt wird, könnte ewig lang werden. Ist es eine Kritik am Patriarchat? Soll der durchaus geniale, intellektuelle Schriftsteller, die Männerwelt charakterisieren, während die Kamera, die konsequent Jennifer Lawrences Blicken folgt, die weibliche Sicht der Schöpfungsgeschichte erzählen will? Oder verkörpert «Mother!» einfach nur Mutter Natur, unsere aller Mutter? Das Haus die Erde und der Schriftsteller Gott? Steht der Mob für die Flüchtlingswelle? Oder doch für den dekadenten Westen?

Man kann es nicht genau sagen. Was aber klar ist: «Mother!» ist Horror, aber kein typischer Horror-Film. Versteht man ihn als solchen, wirkt er lächerlich. Schaut man «Mother!» hingegen als Komödie, verputzt man schier ab seiner brutal grotesken Art. Und wenn man ihn als das hinnimmt, was er eigentlich auch ist – ein krankes Gefühlschaos, das dich zum Ausflippen bringen soll – tut der Film genau dies in vorbildlichster Manier.

Hier kannst du den Trailer gucken:

Video: paramount pictures

«Mother!» läuft ab Donnerstag, dem 14. September in den Schweizer Kinos.

Das sind die besten Filme des Jahrhunderts:

Mehr mint gibt's hier:

«Wie mache ich im Büro den ersten Schritt?»

Arme Lehrlinge! 11 Grafiken, die zeigen, was die LAP-Zeit für sie bereithält

«Mein Mitbewohner hat mein Bett mit dem Klo verwechselt» – 17 WG-Geschichten aus der Hölle

Alle reden über Farid Bang und Kollegah – das musst du jetzt über Battle-Rap wissen

Häng dir bloss keines dieser 5 Gemälde ins Zimmer – sie sind verflucht!

7 Fakten zu Sex während der Periode

Diese 7 Dokuserien darfst du auch bei schönem Wetter gucken

«Ich erkenne meine Kinder nicht» – die Frau, die Gesichter vergisst

«Sport kann gesunde Effekte haben, aber das geschieht eher zufällig»

«Symbol der Schande» – Kritik am Echo wird immer schärfer

Hier sind Hotels am teuersten (von den ersten drei Plätzen ist einer nicht in der Schweiz)

Wir haben (schon jetzt) den ekligsten Sommertrend 2018 gefunden: Fisch-Schlappen 

6 perfide Stilmittel, mit denen das Sprach-Genie Kollegah sich gerade wehrt

Beychella, Baby! Du hast das wohl beste Konzert unserer Generation verpasst

Liebe Menschheit: Bitte erfinde endlich diese total praktischen Dinge!

Deine Hemden müssen passen! Darum: Masskonfektion, Gentlemen

Diese 7 absolut pflegeleichten Balkonpflanzen bringst selbst DU nicht kaputt

Wenn Gollum Regie führt, wird's prrrecious. Andy Serkis und Andrew Garfield über «Breathe»

Wenn du im Liebesquiz nicht 7 Punkte holst, darfst du dich nie mehr verknallen!

Bei diesem Spiel kannst du betrügen soviel du willst – und keiner merkt es

Jeder Generation die eigene Revolution – 10 Filme über rebellische Teenager

9 kuriose Geschichten aus der Gamewelt, die jeder Zocker kennen sollte

9 WG-Geschichten aus der Hölle – und was hast du erlebt? 🙈

Wieso du NICHT aufhören solltest, dich mit deinem Partner zu betrinken

Because I got high ... mit dem kiffenden Jules und seinem dummen Ghettoblaster

Wenn wir im wahren Leben so wie auf Tinder und Co. flirten würden

Niemand gibt so viel Geld für Bioprodukte aus wie wir Schweizer – der Boom in 6 Grafiken

Echo-Verleih: Kollegah und Farid Bang zoffen sich mit Campino

SBB-Monopol fällt (ein bisschen)

Wo ich aufs Erwachsenen-Leben wirklich vorbereitet wurde: Am Kiosk

Du möchtest nachhaltige Kleider tragen? Dann musst du diese 11 Schweizer Labels kennen

«Wie soll ich mit seinem Mini-Penis umgehen?»

Über Romy Schneider schreiben, heisst weinen – ihr Leben endete zu traurig

Oh, wow! Diese 20 Bilder halten unserer Gesellschaft den Spiegel vor

Diese 9 Filme von Nicolas Cage beweisen: Er ist nicht nur ein Meme, er KANN schauspielern!

Serien-Fans drehen durch, weil neue Staffel komplett gespoilert werden soll – und dann ...

64 Prozent der Zuschauer gaben diesem «Loser» die falsche Antwort – er hörte nicht auf sie

Dieses Video zeigt, wie schnell du Opfer von KO-Tropfen werden kannst

Apu von den Simpsons steht in der Kritik – jetzt reagieren die Macher (und wie)

Diese Strasse beschert Nachbarn schlaflose Nächte – weil sie die friesische Hymne singt!

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Picker 13.09.2017 19:39
    Highlight Werde mir den Film eher nicht anschauen, aber Kompliment an die Rezension, sehr gut be/geschrieben!
    44 5 Melden
  • Calvin WatsOff 13.09.2017 19:08
    Highlight Allein schon wegen der Pfeiffer ist der Film gebucht. 👍🏻
    13 7 Melden
  • ch2mesro 13.09.2017 18:44
    Highlight die frau (jlaw) ist gott oder die schöpfung, der schriftsteller ist gottes gegenspieler satan oder die vernichtung die gäste sind die menscheit die das haus zerstören (unseren planeten)
    42 5 Melden
  • Miss Geschick 13.09.2017 18:19
    Highlight Ich finde den Trailer schon sehr verwirrend, steht nicht auf meiner "muss ich im Kino sehen"-Liste.
    12 7 Melden
  • Grigor 13.09.2017 18:17
    Highlight BeiM Wort "Allegorie" war ich raus...
    21 29 Melden
  • Nausicaä 13.09.2017 18:10
    Highlight Mein Lieblingsgenre (komplexer Horror) Lawrence und Bardem und dann noch mit Aronofsky einer meiner Lieblingsregisseure. Kann es eigentlich noch besser werden?
    Auf jeden Fall bin ich nach dieser Rezension noch gespannter...
    23 8 Melden
  • Pana 13.09.2017 17:59
    Highlight Richtig guter Trailer. Den schau ich mir wohl auch an.
    16 5 Melden

Ich war stolz darauf, noch nie «GoT» geguckt zu haben – ich war so dumm 🤦

Falls es tatsächlich noch andere Menschen geben sollte, die noch nicht mit «GoT» angefangen haben und dies eventuell doch noch nachholen wollen, dann seid gewarnt: Ich spoilere. Viel! Du liest also weiter, nun denn, beginnen wir mit einer Frage:

«Wo in diesem Internet habe ich eigentlich die letzten sieben Jahre gelebt?», frage ich mich, nachdem ich die erste Staffel «Game of Thrones» mit offenem Mund fertig geschaut und den Sinn meines Lebens mehrfach hinterfragt habe. Wie konnte …

Artikel lesen