Schweiz
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A general view shows the nuclear power plant KKW Beznau of Swiss energy company Axpo near the northern Swiss village of Beznau July 18, 2015.    REUTERS/Arnd Wiegmann

Das AKW Beznau. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Beim AKW Beznau I fehlen wichtige Sicherheitsdokumente – doch die Atomaufsicht schert sich nicht darum



Das Wissen über den Reaktordruckbehälter des AKW Beznau I, bei dem im Juli «Unregelmässigkeiten» entdeckt wurden, ist lückenhaft. Doch die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung läuft ins Leere.

17.08.15, 06:03 17.08.15, 09:39

Das AKW Gösgen ist vom Netz, die Schweiz damit zum ersten Mal Atomstrom-frei. Derweil macht das AKW Beznau I, das seit der Entdeckung von «Unregelmässigkeiten» in den Stahlwänden des Reaktordruckbehälters im Juli ebenfalls stillgelegt ist, Schlagzeilen: Wie der «Tages-Anzeiger» am Montag berichtet, ist das Wissen über die Herstellung dieses AKW-Teils bei Beznau I unvollständig. Pikant: Beim Reaktordruckbehälter handelt es sich um einen hochsensiblen Baustein des AKW – leckt dieser Teil, kann radioaktive Strahlung entweichen.

Dass das Wissen über den Bau bei Beznau I lückenhaft ist, ist der europäischen Atomaufsicht Wenra zu verdanken. Nachdem bei zwei belgischen AKW vor drei Jahren Mängel entdeckt wurden, wies Wenra alle europäische Kraftwerk-Betreiber an, die sicherheitsrelevanten Unterlagen über die Reaktordruckbehälter einzureichen. Die Axpo tat, wie ihr geheissen und übergab der Schweizer Atomaufsicht Ensi die Dokumente. Diese wiederum sah die Wissenslücke, gab sie im Wenra-Report vom Dezember 2014 zu Protokoll – und schwieg.

Forderung nach Untersuchung läuft ins Leere

Ensi hätte es versäumt, aktiv darüber zu informieren, schreibt der «Tages-Anzeiger». Greenpeace fügt an, bei Beznau II würden umfangreichere Informationen zum Reaktordruckbehälter vorliegen, und fordert eine unabhängige Untersuchung. Niemand wisse, ob die Unterlagen nicht doch erst in den letzten Jahren «verschwunden» seien. 

Doch die Axpo und Ensi sehen das anders: Das Atomgesetz von 1959 sehe keine Pflicht zur Dokumentation im heutigen Sinn vor. Bei Beznau II seien «zusätzliche, über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende Unterlagen eingereicht worden». Und das Bundesamt für Energie (BFE) stützt diese Argumentation. Es sehe deshalb keinen Grund, aktiv zu werden. 

(dwi)

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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachterin 19.08.2015 17:37
    Highlight Schicht im Schacht? Arbeiten bei Watson nur noch Deutsche? Wie wäre es, wenn Sie wieder unsere Sprache pflegen würden?
    0 0 Melden
  • Lowend 17.08.2015 13:18
    Highlight Hier ein Link für alle Dauermotzer von den AKW-Lobby-Parteien, der beweist, dass die Schweiz im Moment sogar Strom exportiert. "Derzeit, das heisst um 12.15 Uhr, sind es 265 Megawatt.":
    http://www.derbund.ch/wirtschaft/strom-fehlt-derzeit-nicht-im-gegenteil/story/28805502
    13 3 Melden
  • MM 17.08.2015 11:12
    Highlight Das Prinzip ist einfach:
    Nachts, wenn keiner Strom braucht, pumpen wir die Seen dank brauner Energie aus Deutschland (Kohle) und Frankreich (Kernenergie) ganz günstig voll.
    Tagsüber verkaufen wir den "gewaschenen" erneuerbaren Strom aus Wasserkraft teuer zurück nach Deutschland und Frankreich.

    Haben wir selber keine KKW am Netz, so geht halt einfach das Exportgeschäft zurück. Mag im Sommer ganz nett funktionieren. Längerfristig muss aber eine echte Lösung her, das funktioniert nicht einfach so mal husch husch.
    29 4 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.08.2015 12:29
      Highlight Wenn man so etwas erzählt, muss man alles erzählen. Es versteht sich von selbst, dass solch hergestellter Strom Spitzenstrom ist, weil er teuer ist. Der Verkauf als Laststrom über den Tag lohnt sich nicht. Ausserdem wird Deutschland in den nächsten Jahren sowieso den Strom aus Braunkohle zurückfahren. Es ist aber auch die einzige Möglichkeit, den Strom aus solarer Energie sinnvoll zu nutzen, wann dieser gebraucht wird. An Sommertagen, hat es vielleicht zu viel davon. Da macht es Sinn, die Speicher zu füllen und an einem bewölkten Tag Strom zu produzieren. So lässt sich Energie speichern.
      15 2 Melden
    • MM 17.08.2015 13:00
      Highlight Jahrzehnte, wenn schon. Aber vermutlich ist auch das zu optimistisch.

      Meine Meinung: Zu einem solch komplexen Thema in einem kurzen Kommentar fundiert zu argumentieren ist unmöglich. Dennoch tun es hier alle, einige verstehen wenig von der Materie.
      Uns erwarten noch so viele Hürden, und mit Solarpanels (häufig hochgiftige Materialien) und Strom sparen ist es nicht getan. Im Gegenteil: Mit dem Aufkommen von Elektro-Autos wird sich der Stromverbrauch vervielfachen.
      1 3 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.08.2015 13:56
      Highlight Was meinst mit Jahrzehnte? Jahrzehnte sollen diese verdammten alten Atomkraftwerke in der Schweiz noch betrieben werden? Es sind bereits heute die ältesten in ganz Europa!
      4 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • zombie woof 17.08.2015 10:52
    Highlight Glaubt denn wirklich irgendjemand, dass diese AKW abgestellt werden? Solange wie die AKW die Geldsäcke der Betreiber und Aktionäre prall gefüllt werden, wird nichts passieren! Passt zur heutigen Zeit, der Profit einiger Weniger wird über das Wohlergehen Vieler gestellt. Und selbst wenn die Betriebszeit dieser AKW vorbei ist, wird es uns nochmals weh tun, denn der Rückbau kostet ganz schön Geld und das werden sicher nicht die Betreiber und Aktionäre locker machen. Ist nur zu hoffen, dass uns der ganze Mist nicht doch eines Tages um die Ohren fliegt!
    38 8 Melden
  • Scaros_2 17.08.2015 09:49
    Highlight Schreibt im Winter nochmals darüber wenn wir den strom aus Fr/De kaufen
    12 17 Melden
    • Wilhelm Dingo 17.08.2015 10:11
      Highlight Darum geht es nicht, klar kann man die CH AKW nicht einfach abschalten. ABER: man kann in der CH den Verbrauch reduzieren und alternativen fördern, dann kann man abschalten. Aber es wird nicht gratis sein.
      25 5 Melden
    • Scaros_2 17.08.2015 10:44
      Highlight Oh ja fördert alternativen - Alle scheitern an den Grünen und gründenkenden

      Fördern wir Stauseen ---> Aber das zerstört das landschaftsbild der schweizer bergen
      Fördern wir Windenergie --> Aber das Zerstört das landschaftsbild der Schweiz
      Fördern wir Solarenegier --> Aber das passt nicht in die gegend (zudem in 25-30 jahren hat man das gleiche problem wie bei AKW, wohin mit der altlast)

      Alles was man fördern will stellt sich wer in den weg, immer und immer, daher bleibt doch beim AKW anstelle unnötigen debatten.
      11 12 Melden
    • Wilhelm Dingo 17.08.2015 11:57
      Highlight @Scaros_2: Ja, da hast Du recht, aber es geht um das abwägen. Ich persönlich erachte die Atomenergie als die schädlichste Energiequelle. Mit einem starken Fokus auf Verbrauchsreduktionen sind viele Probleme schon gelöst. Das geht locker, aber es kostet.
      9 0 Melden
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  • EvilBetty 17.08.2015 09:27
    Highlight Interessant für den Artikel wäre noch, wieviele Prozent des in der Schweiz produzierten Stroms auch in der Schweiz verbraucht wird.
    47 2 Melden
  • Wilhelm Dingo 17.08.2015 09:09
    Highlight Das ganze Schildbüger Theater ist Wasser auf die Mühlen den AKW Gegener. Wie praktisch, die Dinosaurier schaffen sich so gleich selber ab!
    5 21 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.08.2015 10:37
      Highlight Dinosaurier sind die Ewiggestrigen Atombefürworter. Diese Technik ist 1: Nicht wirtschaftlich zu betreiben, würde Kostenwahrheit herschen. 2: Für die kleinräumige Schweiz zu gefährlich. 3: Dürfen Probleme nicht über Jahrhunderte an andere Generationen überwälzt werden. - Braucht es noch mehr Argumente?
      20 5 Melden
    • Alnothur 17.08.2015 11:26
      Highlight Es gibt mittlerweile Atomkraftwerke, die nicht nur aus physischen Gründen sicher sind (kein GAU oder ähnliches möglich!) sondern - praktischerweise - auch gleich noch den lang strahlenden Atommüll verbrauchen können, und schlussendlich nur noch Müll übrigbleibt, der schlimmstenfalls ca. 300 Jahre strahlt.
      2 18 Melden
    • P hilip 17.08.2015 11:47
      Highlight @dziltener: Also ich würde jetzt einfach mal sagen, dass Du hier wild Sachen behauptest ohne auch nur einen Hauch von einer Ahnung zu haben. ;)

      Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Welche AKWs haben denn diese wunderbaren Eigenschaften? (Am besten mit Quellen angabe.) :D
      8 3 Melden
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  • Karl33 17.08.2015 08:26
    Highlight Die Dokumente wären essentiell zur Beurteilung der Sicherheit. Aber Betreiber und Aufsichtsbehörde sagen: Es gibt keine Vorschrift, diese Dokumente zu haben. So sieht also - streng nach bürgerlicher Maxime - gelebte Selbstverantwortung aus. Und dafür kassieren die Chefs bei Axpo und Ensi Millionen an Gehältern. Übrigens derselbe Axpo-Chef, der jetzt mit der Firma in die USA expandieren will.
    42 7 Melden
  • dracului 17.08.2015 08:12
    Highlight Das Ensi lebt in enger Symbiose mit den Betreibern, wie die Finma und die Banken. Die Atomindustrie der Schweiz ist überschaubar und man kennt sich untereinander. Deshalb sind diese "Kontrollorgane" letztlich nur zahnlose Tiger!
    48 5 Melden
    • koks 17.08.2015 08:43
      Highlight In anderen Ländern würde man das Korruption und Filz nennen. Aber wir Schweizer sind ja nicht korrupt.
      57 3 Melden
    • Schreiberling 17.08.2015 09:23
      Highlight @koks: Hier heisst es Veterliwirtschaft. Kling weniger schlimm, weisch ^^
      45 3 Melden
  • The Writer Formerly Known as Peter 17.08.2015 08:03
    Highlight Die Schweiz betreibt die ältesten Atomkraftwerke der Welt! Diese alten "Mühlen" gehören so schnell wie möglich abgestellt und rückgebaut. Im Gegenzug müssen die Baugesetzte gelockert und die Einsprachemöglichkeiten gegen Solaranlagen eingeschränkt werden. Kann mir jemand plausibel sagen, warum grosse städtische Gebäude keine Solarzellen haben?
    76 7 Melden
    • Karl33 17.08.2015 08:27
      Highlight Peter Gasser, jetzt da die Subventionen zusammengestrichen wurden, sind Solaranlagen finanziell nicht mehr lukrativ.
      21 7 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.08.2015 09:28
      Highlight Leiber Karl, es ist nicht so, dass die Verantwortlichen dazu keine Zeit gehabt hätten. Aber man scheute die Ausseinandersetzung. Ausserdem sind die Einsprachemöglichkeiten zu hoch. Warum keine vereinfachten Baugesuche für diese Projekte? Warum keine gesetzliche Pflicht für öffentliche Bauten einen Teil der Energie solar gewinnen zu müssen? Wem es mit der Energiewende ernst ist, muss endlich Farbe bekennen! Am stossendsten finde ich das Verhalten der FDP. Die hat sich von der Atomlobby regelrecht kaufen lassen! Wirklich widerlich ist das.
      29 3 Melden
    • Alnothur 17.08.2015 11:28
      Highlight Weil Solaranlagen teuer und ineffizient sind und Sondermüll produzieren, den man Stand heute nicht mal wiederverwerten kann.
      4 13 Melden
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  • Bowell 17.08.2015 06:37
    Highlight Atomstrom-frei? Jetzt wird einfach Strom eingekauft. Aus Frankreich. Von anderen Atomkraftwerken...
    45 32 Melden
    • Topoisomerase 17.08.2015 07:26
      Highlight Wir exportieren immer noch!
      47 8 Melden
    • Schreiberling 17.08.2015 09:26
      Highlight @Bowell: Das stimmt so nicht ganz. Im Sommer reicht die Kapazität der anderen Schweizer Kraftwerke aus um den Bedarf fast komplett zu decken.
      Aber selbst wenn nicht: Es ist immer noch besser (und auch billiger) den Strom vorübergehend im Ausland zu kaufen, als weiterhin in der Schweiz das Risiko einzugehen. Das mag egoistisch klingen, ist aber vielmehr auch ein Weckruf an andere Länder.
      36 2 Melden
  • öpfuringli 17.08.2015 06:22
    Highlight funktioniert doch ganz gut ohme Atomstrom, oder hatte irgendwer etwa kein Licht?
    33 23 Melden
    • G.Oreb 17.08.2015 07:27
      Highlight Dein ernst? Wird der Strom hier knapp, wird er aus den umligenden Ländern eingekauft. Meistens Atomstrom. Weils billiger ist ;)
      29 15 Melden
    • Joey Madulaina 17.08.2015 08:23
      Highlight Trifft sich gut, Deutschland hatte doch zu viel Strom dank der Solaranlagen und dem schönen Wetter...
      22 6 Melden
  • flubi 17.08.2015 06:17
    Highlight Das Ensi ist sicher nicht unabhängig sondern voll im Sumpf der AKW Betriber integriert.
    63 6 Melden

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