Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Bundesrat sagt: Ohrfeigen bleiben erlaubt



Umfrage

Dürfen Eltern ihre Kinder ohrfeigen?

  • Abstimmen

255 Votes zu: Dürfen Eltern ihre Kinder ohrfeigen?

  • 23%Ja, das schadet nicht.
  • 35%Mein Gott, sicher nicht! Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert.
  • 41%Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel das Kind zwingen, Justin Bieber zu hören.

Der Bundesrat findet, dass Eltern ihre Kinder nicht körperlich züchtigen sollten. Ein explizites Verbot lehnt er aber ab. Sensibilisierung bringt aus seiner Sicht mehr. Der Bundesrat spricht sich deshalb gegen eine Motion von Chantal Galladé aus.

Nationalraetin Chantal Gallade an einer Medienkonferenz der Sicherheitskommission des Nationalrats in Winterthur am Dienstag, 27. August 2013. Die Sicherheitskommission des Nationalrats spricht sich mit 14:9 Stimmen fuer die Beschaffung des Kampfjets Gripen aus. Das hat die SIK im Anschluss an ihre zweitaegige Sitzung in Winterthur entschieden. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Findet Ohrfeigen nicht gut: Chantal Galladé. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher SP-Nationalrätin ist der Auffassung, dass ein Verbot klare Grenzen setzen und Kinder schützen würde. Körperliche Züchtigung tauge nicht als Erziehungsmittel, hält sie fest. Damit werde Gewalt gelehrt und oft eine gesunde Entwicklung des Kindes behindert. Die Anzahl Misshandlungen habe zugenommen, gibt Galladé zu bedenken.

Der Bundesrat widerspricht ihr nicht, was die Beurteilung körperlicher Züchtigung angeht: Er sei der klaren Überzeugung, dass ein Züchtigungsrecht der Eltern mit dem Kindeswohl heute nicht mehr vereinbar sei, schreibt er in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf den Vorstoss. Das heutige Zivilgesetzbuch entspreche aber dieser Auffassung.

Verbot nicht notwendig

Früher waren Eltern explizit befugt, «die zur Erziehung der Kinder nötigen Züchtigungsmittel anzuwenden». Mit dem neuen Kindesrecht sei diese Bestimmung 1978 aufgehoben worden, hält der Bundesrat fest. Ein explizites Verbot sei nicht notwendig.

Auch im Strafrecht bedarf es aus Sicht des Bundesrates keiner Änderung. Seit 1990 seien wiederholt begangene Tätlichkeiten gegenüber Schutzbefohlenen, namentlich Kindern, von Amtes wegen zu verfolgen, gibt die Regierung zu bedenken. Für vorsätzliche Körperverletzungen gelte dies ohnehin.

Dem Kindeswohl abträglich

Die heutige Regelung gibt aus Sicht des Bundesrates keinen Anspruch auf körperliche Züchtigung, trägt aber dem Umstand Rechnung, dass jedes Strafverfahren innerhalb der Familie zu einer Belastung führt. Dies könne letztlich auch dem Kindeswohl abträglich sein, argumentiert der Bundesrat.

Mit einem gut ausgebauten Kinder- und Jugendhilfesystem sowie aktiven Sensibilisierungsmassnahmen, die auf eine Änderung der Einstellung und des Verhaltens zielten, sei mehr zu erreichen. Über den Vorstoss entscheidet nun das Parlament. Bei früheren Gelegenheiten hat es sich gegen ein Züchtigungsverbot ausgesprochen. (sda)

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Michèle Seiler 20.08.2015 15:26
    Highlight Highlight Der Titel hat bei mir den Eindruck erweckt, dass der Bundesrat Ohrfeigen für ein legitimes Mittel zur Erziehung hält - Gott sei Dank scheint es mehr darum zu gehen, nicht auf auf bloße Verbote, sondern auch auf Aufklärung und eine Konzentration aufs Gesamtbild zu setzen, ist doch längst bekannt, dass man mit körperlicher Gewalt seelischen Schaden anrichtet und keine nachhaltige positive Entwicklung erwirkt.

    Das mit der Konzentration aufs Gesamtbild sehe ich kritisch, aber ich weiß auch, dass ich voreingenommen bin, weil ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der man viel zu viel Verantwortung an die Bürger abgegeben hat, auch in Fällen, wo es unbedingt nötig gewesen wäre, das Kind durch staatliche Einrichtungen aus dem familiären Umfeld zu entfernen.

Lernfahrausweis ab 17 kommt definitiv, und was sich sonst noch ändert für Fahrschüler

Künftig kann der Auto-Lernfahrausweis schon im Alter von 17 Jahren beantragt werden. Das hat der Bundesrat am Freitag beschlossen. Wer den Lernfahrausweis vor 20 hat, muss neu eine Lernphase von zwölf Monaten durchlaufen.

Der Bundesrat verspricht sich davon mehr Verkehrssicherheit. Je mehr Fahrten in Begleitung stattgefunden hätten, umso mehr reduziere sich das Unfallrisiko nach Bestehen der praktischen Prüfung, schreibt er in einer Mitteilung. Im Parlament gab es Widerstand gegen den …

Artikel lesen
Link to Article