Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Bundesrat sagt: Ohrfeigen bleiben erlaubt

20.08.15, 12:30


Umfrage

Dürfen Eltern ihre Kinder ohrfeigen?

  • Abstimmen

255 Votes zu: Dürfen Eltern ihre Kinder ohrfeigen?

  • 23%Ja, das schadet nicht.
  • 35%Mein Gott, sicher nicht! Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert.
  • 41%Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel das Kind zwingen, Justin Bieber zu hören.

Der Bundesrat findet, dass Eltern ihre Kinder nicht körperlich züchtigen sollten. Ein explizites Verbot lehnt er aber ab. Sensibilisierung bringt aus seiner Sicht mehr. Der Bundesrat spricht sich deshalb gegen eine Motion von Chantal Galladé aus.

Nationalraetin Chantal Gallade an einer Medienkonferenz der Sicherheitskommission des Nationalrats in Winterthur am Dienstag, 27. August 2013. Die Sicherheitskommission des Nationalrats spricht sich mit 14:9 Stimmen fuer die Beschaffung des Kampfjets Gripen aus. Das hat die SIK im Anschluss an ihre zweitaegige Sitzung in Winterthur entschieden. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Findet Ohrfeigen nicht gut: Chantal Galladé. Bild: KEYSTONE

Die Zürcher SP-Nationalrätin ist der Auffassung, dass ein Verbot klare Grenzen setzen und Kinder schützen würde. Körperliche Züchtigung tauge nicht als Erziehungsmittel, hält sie fest. Damit werde Gewalt gelehrt und oft eine gesunde Entwicklung des Kindes behindert. Die Anzahl Misshandlungen habe zugenommen, gibt Galladé zu bedenken.

Der Bundesrat widerspricht ihr nicht, was die Beurteilung körperlicher Züchtigung angeht: Er sei der klaren Überzeugung, dass ein Züchtigungsrecht der Eltern mit dem Kindeswohl heute nicht mehr vereinbar sei, schreibt er in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf den Vorstoss. Das heutige Zivilgesetzbuch entspreche aber dieser Auffassung.

Verbot nicht notwendig

Früher waren Eltern explizit befugt, «die zur Erziehung der Kinder nötigen Züchtigungsmittel anzuwenden». Mit dem neuen Kindesrecht sei diese Bestimmung 1978 aufgehoben worden, hält der Bundesrat fest. Ein explizites Verbot sei nicht notwendig.

Auch im Strafrecht bedarf es aus Sicht des Bundesrates keiner Änderung. Seit 1990 seien wiederholt begangene Tätlichkeiten gegenüber Schutzbefohlenen, namentlich Kindern, von Amtes wegen zu verfolgen, gibt die Regierung zu bedenken. Für vorsätzliche Körperverletzungen gelte dies ohnehin.

Dem Kindeswohl abträglich

Die heutige Regelung gibt aus Sicht des Bundesrates keinen Anspruch auf körperliche Züchtigung, trägt aber dem Umstand Rechnung, dass jedes Strafverfahren innerhalb der Familie zu einer Belastung führt. Dies könne letztlich auch dem Kindeswohl abträglich sein, argumentiert der Bundesrat.

Mit einem gut ausgebauten Kinder- und Jugendhilfesystem sowie aktiven Sensibilisierungsmassnahmen, die auf eine Änderung der Einstellung und des Verhaltens zielten, sei mehr zu erreichen. Über den Vorstoss entscheidet nun das Parlament. Bei früheren Gelegenheiten hat es sich gegen ein Züchtigungsverbot ausgesprochen. (sda)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Michèle Seiler 20.08.2015 15:26
    Highlight Der Titel hat bei mir den Eindruck erweckt, dass der Bundesrat Ohrfeigen für ein legitimes Mittel zur Erziehung hält - Gott sei Dank scheint es mehr darum zu gehen, nicht auf auf bloße Verbote, sondern auch auf Aufklärung und eine Konzentration aufs Gesamtbild zu setzen, ist doch längst bekannt, dass man mit körperlicher Gewalt seelischen Schaden anrichtet und keine nachhaltige positive Entwicklung erwirkt.

    Das mit der Konzentration aufs Gesamtbild sehe ich kritisch, aber ich weiß auch, dass ich voreingenommen bin, weil ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der man viel zu viel Verantwortung an die Bürger abgegeben hat, auch in Fällen, wo es unbedingt nötig gewesen wäre, das Kind durch staatliche Einrichtungen aus dem familiären Umfeld zu entfernen.
    0 1 Melden

«Schon fast böswillig»: Wie der Bund Medizinal-Cannabis-Firmen schikaniert

Immer mehr Schwerkranke setzen auf Cannabis, der internationale Markt für die Arznei würde boomen. Warum nur behindern Bundesjuristen die Hersteller zunehmend?

In Deutschland herrscht ein Notstand. «Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Niederlande um Unterstützung bei der Versorgung von schwerkranken Patienten mit Medizinalhanf gebeten», schilderte der «Spiegel» die Lage Ende August. Bis zu 1.5 Tonnen Cannabis soll Holland künftig jährlich nach Deutschland liefern. Bisher waren es 700 Kilo pro Jahr.

Auch in der Schweiz herrscht Notstand. Ein Notstand der anderen Art. An Medizinalcannabis würde es hier nicht fehlen, und zahllose Bauern …

Artikel lesen