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Jürgen Klopp geht. Bild: Bongarts

Jürgen Klopp verlässt Dortmund. Und es ist gut so. Gut für alle 

Niemand passt besser zu Borussia Dortmund als Jürgen Klopp, heisst es. Wie aussergewöhnlich die Beziehung beider war, zeigt die Art der Trennung: Der Trainer geht zum Saisonende, weil er damit seinem Klub einen letzten Liebesdienst erweisen möchte – und sein Nachfolger ist doch schon in Stellung.

15.04.15, 17:21 15.04.15, 17:52

Christian Gödecke / spiegel online

Ein Artikel von

Borussia Dortmund ohne Jürgen Klopp? Es gibt wenige Dinge, die sich so ungewohnt anfühlen werden wie das offizielle Mannschaftsfoto der neuen Saison. Man wird ganz automatisch auf dem Foto nach Klopp suchen, nach der Brille, dem Vollbart, dem Lächeln. Aber er wird einfach nicht mehr dastehen. Man wird auch nach den grossen Spielen immer wieder aufs Neue überrascht sein, dass der Dortmunder Trainer so freundlich mit den Reportern spricht. Und nicht Klopp heisst, sondern, sagen wir, Thomas Tuchel. 

Aber es stimmt. Jürgen Klopp verlässt Borussia Dortmund nach dieser Saison. Und es ist gut so. Gut für alle. 

Rückblick: Das war Klopps schwarz-gelbe Liebesgeschichte

Seit 2008 hat Klopp in Dortmund gearbeitet, und er hat aus einem Klub, der am Boden lag, einen wirtschaftlichen und sportlichen Giganten gemacht. Dass Klopp diesen herkulischen Akt allein vollbracht hat, ist natürlich eine Verkürzung, aber sie hat einen wahren Kern. Denn Klopp brachte nicht nur unerschöpfliche Energie und eine radikale Idee vom Fussball ein, sondern sich selbst gleich ganz. 

Irgendwann konnte man zwischen Klopp und dem BVB nicht mehr unterscheiden

Mannschaft, Fans, der ganze Klub wirkten irgendwann kloppisiert, elektrisch, immer druff, ein bisschen grossmännisch und gleichzeitig das Underdog-Image bis zur Lächerlichkeit stilisierend, dass man irgendwann zwischen beiden nicht mehr unterschied. Dortmund war Klopp – und diese im deutschen Fussball einzigartige Symbiose führte zu einer ebenso aussergewöhnlichen Jobsicherheit für den Sinnstifter. Es gab nur einen Mann, der Jürgen Klopp in Dortmund entlassen konnte: Jürgen Klopp. Und das hat er jetzt getan. 

Tuchel als Nachfolger fast sicher

Thomas Tuchel wird nicht Trainer des Hamburger SV, sondern folgt wohl in Dortmund auf Jürgen Klopp. Es ist nicht nur eine Entscheidung für den BVB – sondern auch gegen die Strukturen in Hamburg. Thomas Tuchel wollte Hamburg wirklich, und Hamburg wollte Tuchel. Eigentlich, so konnte man zuletzt annehmen, war die Verkündung dieser Verbindung nur noch Formsache. Nun kommt es anders. Bruno Labbadia übernimmt beim HSV.
Der BVB ist kein Verein für schnelle Entscheidungen, für Überreaktionen. Der Trainer hat dort traditionell einen hohen Stellenwert und grossen Handlungsspielraum, die Planungen werden gemeinsam und mit einem nachhaltigeren Ansatz vorangetrieben als in Hamburg. Gleichzeitig hat Tuchel in Dortmund die Möglichkeit, Neues zu schaffen und eigene Spuren zu hinterlassen. Das mag allerdings bei einem vieles überstrahlenden Vorgänger wie Jürgen Klopp nicht einfach sein. 
(spon)

Klopp weiss, dass der Klub Veränderung dringend nötig hat. Sieben Jahre haben bei allen Spuren hinterlassen. Bei der Mannschaft, die in dieser letzten Saison, der ersten wirklich fürchterlichen der Ära Klopp, oft planlos wirkte und ständig auf der Suche nach den haltgebenden Automatismen im eigenen Spiel. Bei den Verantwortlichen, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc. Und schliesslich bei Jürgen Klopp selbst. Er bestreitet, ausgelaugt zu sein. Aber zuletzt waren deutliche Risse zwischen dem Trainer und seiner Mannschaft offenbar geworden. 

Der BVB ohne Jürgen Klopp? Irgendwie fast nicht vorstellbar. Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Es gab zwei Möglichkeiten: Trainer weg oder Team radikal erneuern

Zwei Möglichkeiten der Veränderung gab es: Entweder würde die Mannschaft radikal erneuert, um Klopp einen kompletten Neustart zu ermöglichen, ein zweites 2008. Oder der Trainer würde gehen – und damit gleichzeitig den Verbleib von namhaften Spielern befördern, die sonst womöglich einen Weggang erwägten. Klopp selbst hat die Probleme des ersten Weges genannt. Solange er da sei, würde man die Mannschaft an den alten Erfolgen messen. «Borussia Dortmund braucht Veränderung, wenn meine Position verändert wird, können viele Dinge gleich bleiben.» Er hat dem Klub die Entscheidung abgenommen, ihn von einer Last befreit. 

Vielleicht war es die beste Entscheidung, die der Einzelgänger jemals getroffen hat, denn sie hat auch für ihn nur Vorteile. Sein über die Jahre erarbeiteter (und vor allem in England bewunderter) Ruf wird nicht durch eine weitere Durchschnittssaison in Mitleidenschaft gezogen. Man wird sich in Dortmund nun vor allem der grossen Erfolge erinnern, das letzte Heimspiel gegen Werder Bremen dürfte eine Abschiedsmesse sondergleichen werden. 

Wird Thomas Tuchel wieder Nachfolger von Jürgen Klopp? Bild: EPA DPA

Die Bayern sollten sich nun sehr warm anziehen

Und dann ist da noch der psychologische Effekt. Nicht auszuschliessen, dass auch die Mannschaft nach der Klärung der Klopp-Frage befreit aufspielt. Es wäre durchaus im Sinne des scheidenden Coaches. Der hat nämlich noch den letzten Traum, «noch einmal mit gutem Grund um den Borsigplatz zu fahren». Dafür müsste er den Pokal gewinnen, und dafür müsste er im Halbfinale beim FC Bayern siegen. Dem grossen Rivalen über die Jahre, Opfer der grössten Klopp-Triumphe und Nemesis im Champions-League-Finale. 

Die Bayern sollten sich nun sehr warm anziehen. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • salming 15.04.2015 20:23
    Highlight Guter Artikel. Wer die PK heute gesehen hat, hatte das Gefühl, der Sektenführer hätte seine Jünger verlassen. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier nur um Fussball handelt, musste sich schon wundern heute. Man hätte denken können, es sei eine PK, wo über mehrere Tote gesprochen werden musste.
    2 1 Melden

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