Womöglich der zukünftige Arbeitsort vieler SRF-Mitarbeiter aus Bern: Die SRF-Studios in Zürich Leutschenbach.
Bild: KEYSTONE
«Salamitaktik ist durchschaubar» – SRG beginnt mit Umsiedlung von Sendern nach Zürich
Bei den Umzugsplänen von Schweizer Radio SRF sind erste Pflöcke eingeschlagen worden. Der Nachrichtensender SRF 4 News soll nach Zürich verlegt werden. Der Verein Pro Idée Suisse bezeichnet die Pläne der SRG als «Salamitaktik».
Im September 2018 kam die Hiobsbotschaft aus dem Leutschenbach: Der SRG-Verwaltungsrat entschied, das SRF Radiostudio in Bern mit seinen 180 Vollzeitstellen nach Zürich zu verlegen. Nach harscher Kritik und politischem Druck krebste SRF-Direktorin Nathalie Wappler zurück: Im Juni dieses Jahres hiess es, dass lediglich ein Teilumzug stattfinden werde.
Als erstes trifft es nun vermutlich den 24-Stunden-Nachrichtensender SRF 4 News. Die Innovationsabteilung und das Newsteam, das unter anderem die Sendung «Heute Morgen» produziert, sollen laut einer gut informierten Quelle nach Zürich verlegt werden. Davon betroffen sind zwischen 30 und 70 Mitarbeiter. Definitiv entschieden wird laut SRF-Angaben bis Ende Jahr.
Pro Idée Suisse kritisiert Salamitaktik
Für Béatrice Wertli vom Verein Pro Idée Suisse, der sich für eine vielfältige Schweizer Medienlandschaft einsetzt, ist der Fall klar: «Die Salamitaktik der SRG ist durchschaubar. Hoffentlich lässt sich die Politik von der SRG-Spitze nicht für dumm verkaufen.» Für Wertli versucht die SRG den Umzug von Bern nach Zürich nun «unter dem Deckel» durchzubringen. «Die Medienvielfalt leidet. Zudem ist die Morgenzeit wohl die zukunftsträchtigste Radiozeit. SRF 4 macht genau diese Morgensendungen – Bern wird mit dem Wegzug die Radiozukunft abgeschnitten.»
Wertli fordert, dass die Politik nun genug Druck macht, dass sich die SRG-Spitze «wirklich und nicht nur pro forma und halbherzig zum Radiostandort Bern bekennt.»
Ungewisse Zukunft
Auch die Stimmung bei den SRF-Mitarbeitern in Bern ist gedrückt. Man wolle endlich Gewissheit, heisst es aus gut informierten Kreisen. Viele hätten zudem Angst vor dem schleichenden Abbau in Bern. Obwohl die Hintergrundsendungen «Echo der Zeit», «Rendez-vous» und das Tagesgespräch weiterhin in der Bundesstadt produziert werden, fürchte man sich in Bern vor der Bedeutungslosigkeit.
Die Mehrheit sei zwar erleichtert, dass nicht alles nach Zürich verlegt werde, doch man blicke ungewiss in die Zukunft. Bis 2024 will die SRG 50 Prozent ihrer Mittel in den digitalen Bereich stecken. Dafür baut sie extra ein digitales Audiozentrum in Zürich Leutschenbach. Die Leutschenbacher Radio Hall wird gemäss SRF-Audiostrategie zum zentralen Entwicklungs- und Produktionsstandort für digitale Angebote. Welche Bedeutung der Standort Bern dann noch hat, bleibt offen.
Mit Material von der sda
SRF dreht Dokumentarfilm über den Generalstreik – Parlamentarier mittendrin
Stolze Statisten: Bei Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm des SRF über den Generalstreik von 1918 wirkten auch die beiden SP-Nationalräte Eric Nussbaumer (BL) und Corrado Pardini (BE) mit. Ebenfalls dabei bei den eintägigen Dreharbeiten im Ständeratssaal war SVP-Nationalrat Werner Salzmann. Sie wurden vom Produzenten des Films bei einem Besuch im Bundeshaus angefragt, ob sie mitmachen wollten. Weil es sich terminlich vereinbaren liess, sagte Nussbaumer zu. «In den Drehpausen konnte ich im Vorzimmer Mails beantworten», sagte Eric Nussbaumer zu watson. Während dem Dreh musste er seine Brille ablegen: «Wobei ich glaube, dass man mich sowieso nur von hinten sieht». twitter.com/enussbi / twitter.com/enussbi
Nationalrat Eric Nussbaumer schüttelt die Hand von Schauspieler Ralph Gassmann. Das SRF will die «Ursachen und Abläufe des Generalstreiks 1918 mit Reenactment-Szenen» aufarbeiten. Zusätzlich sollen renommierte Historiker den Zuschauern die dramatische historische Phase am Ende des Ersten Weltkriegs näher erläutern. srf / Severin Nowacki / srf / Severin Nowacki
Im Mittelpunkt des Films steht die Auseinandersetzung zwischen dem damaligen sozialdemokratischen Nationalrat Robert Grimm (Ralph Gassmann, im Bild), einem der Anführer des Landesstreiks und Bundespräsident Felix Calonder von der FDP (Peter Jecklin).
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In einer dramatischen Parlamentssitzung am 12. November 1918 forderte Calonder von Robert Grimm ultimativ den Abbruch des am Vortag begonnenen Streiks. Ansonsten werde die Armee die Städte besetzen und den Streik niederschlagen. srf / Severin Nowacki / srf / Severin Nowacki
Weil die Streikenden der Forderung nach einem Abbruch nicht nachkamen, befahl der Bundesrat den Einsatz von über 70'000 Ordnungstruppen, vor allem in den grossen Städten.
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In Grenchen wurden 3 Streikende von den Truppen erschossen. Gegen insgesamt über 3500 Arbeiter, vor allem Eisenbahner, leitete die Militärjustiz Verfahren ein. Im Bild die Schauspieler Fabian Krüger (2.v.l.) und Mathias Koch (2.v.r.) mit Drehbuchautor Hansjürg Zumstein (l.) und Regisseur Daniel von Aarburg.
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Nach drei Tagen, am 14. November 1918, entschieden sich die Streikführer für einen Abbruch. Insgesamt hatten rund 250'000 ihre Arbeit niedergelegt. Als Folge des Landesstreiks gilt die Einführung der 48-Stunden-Woche und des Proporzwahlrechts sowie langfristig die Etablierung der Sozialpartnerschaft und des Arbeitsfriedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
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Renato Kaiser gewinnt den «Salzburger Stier»
Video: SRF / Roberto Krone
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