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Bild: EPA/EPA

Michael Moore gegen Donald Trump – hat es der Filmemacher diesmal übertrieben?

Unterhaltung, Tränen, Ohnmacht, Revolution: Der Dokumentarfilmer gibt in «Fahrenheit 11/9» wie immer alles. Aber ist es jetzt zu viel?

Publiziert: 10.10.18, 17:28 Aktualisiert: 11.10.18, 13:42

Michael Moore hat jetzt die Schuldigen gefunden. Sie sind weiblich. Und weil er diese Idee offenbar enorm sexy findet, eröffnet er seinen letzten und seinen aktuellen Film auch gleich damit. In «TrumpLand» von 2016 war Beyoncé schuld an Trumps Erfolg als Präsidentschaftskandidat. Weil sie in der Halbzeit des Wahljahres-Superbowls mit ihren «shit-kicking» Stiefeln und ihrem feministischen Schlachtgesang den heiligsten Rasen Amerikas versaut habe. Exakt da habe der hässige weisse Mann begriffen, dass es nun um alles geht. Hat geklappt.

Jetzt, in «Fahrenheit 11/9» ist Gwen Stefanie schuld. Weil Trump irgendwann herausgefunden habe, dass sie bei «The Voice» mehr verdiene als er bei «The Apprentice». Exakt da habe er als hässiger weisser Mann begriffen, dass er nun seinen eigenen Show-Wert ins Unermessliche steigern und einfach mal behaupten müsse, der nächste Präsident werden zu können. Hat geklappt.

Der Trailer

Video: YouTube/mmflint

Ein typischer rhetorischer Stunt à la Michael Moore. Wild, plakativ, populistisch, lustig. Hauptsache Unterhaltung, Hauptsache These, Hauptsache Emotion. Moore, der kraft- und saftstrotzende Haudegen unter den Dokumentarfilmern, ist da bei allen politischen Differenzen Trump nicht ganz unähnlich. Er verschweigt auch nicht, dass Trump und seine Entourage ihn deshalb früher durchaus cool fanden.

Steve Bannon, Kellyanne Conway, Jared Kushner und Trump selbst – allesamt machen sie Werbung für seine Filme, plauschen, essen und trinken mit ihm. Sind für ihn genauso Multiplikatoren wie es die Medien für Trump sind.

Michael Moore verabreicht dem Garten des Gouverneurs von Michigan eine Giftwasserspritze. Bild: Elite film

Alle sind Amerika. Trump, Moore, die Medien. Mitverantwortlich für Amerikas Traum. Seinen Alptraum. Wie konnte es kommen, dass es zu Trump kommen konnte, fragt Moore und fragt das Richtige. Bloss mit der Antwort verzettelt er sich unendlich. Denn jetzt wird alles herbeigezogen, was in irgendeiner Beziehung zum Versagen des konservativen Amerikas steht, darunter die Wasserkatastrophe von Flint oder die Schiesserei an der Parkland High School.

Und Michael Moore tut, was er seit jeher tut: Er, der eben noch mit Kellyanne flirtete, geht zu den Opfern des Systems. Den schwarzen Familien von Flint, den Überlebenden der Schiesserei, setzt sich dazu, hört zu, wird unweigerlich von der Augennässe der aufrichtigen Betroffenheit überfallen, muss schlucken und auch einfach mal nur schweigen.

Die Parkland-Überlebende Emma Gonzalez gedenkt der Toten. Bild: AP/AP

Es folgt, auch dies seit jeher, der nächste Schritt in der bewährten dramaturgischen Erregungskurve seiner Filme: Er protestiert im Namen der Schwachen bei den Mächtigen. Geht mit einem Glas Flint-Wasser zu einem Mitarbeiter des Gouerneurs von Michigan und bittet diesen, es zu trinken. Fährt mit einem Tankwagen voller Wasser vor die Villa des Gouverneurs und spritzt dessen Rasen. Demonstriert damit wirkungsvoll, aber ohne irgendeine Konsequenz die Ohnmacht derer, mit denen er sich solidarisiert.

Doch Moore wäre nicht er, wenn sich aus der aschgrauen Ohnmacht nicht schillernd wie Phoenix Hoffnung und Protest erheben würden: Moore demonstriert mit den streikenden Lehrerinnen und Lehrern von West Virginia, zeigt Emma Gonzalez bei ihrer mitreissenden Rede über die Toten von Parkland, trifft die neuen jungen Gallionsfiguren der Demokraten.

Die 28-jährige Alexandria Ocasio-Cortez ist eins der neuen Erfolgsgesichter der Demokraten. Bild: AP/AP

Er vollzieht auf dem Höhepunkt der Emotionalität und Aufwiegelung, die sich aus seinem satten Agitprop unweigerlich ergibt, den Koitus zwischen Trump und Hitler: Unterlegt den gestikulierenden Hitler mit Trumps Worten. Sagt, dass das Böse ein sich langsam vorwärts bewegender Organismus sei, dem jetzt durch die Kraft des kollektiven Aktivismus' Einhalt geboten werden müsse.

Die Energie, die er dafür aufbringt, die Rhetorik, die Masse der Argumente gehören gewiss zum Bewegtesten, Hässigsten, was er seit Längerem geschaffen hat. Und es ist schier unmöglich, sich seiner dreisten Emotionsdramaturgie zu entziehen. Er weiss schon sehr genau, was er tut. Und vielleicht ist das gelegentliche Abgleiten in gröbere Konfusionen ja nichts anderes als die sehr populistische Aneignung und Zurschaustellung von Trumps eigener präsidialer Verwirrungsstrategie.

«Fahrenheit 11/9» läuft jetzt im Kino.

Viele kleine Schweizer Gewässer gleichen Giftcocktails

Video: srf/SDA SRF

Indien versinkt im Plastik

Neu-Delhi ist Gastgeberstadt des diesjährigen UNO-Umwelt-Tags am 5. Juni 2018 zum Thema Plastikmüll. Die folgenden Bilder sind alle heute entstanden und zeigen das Plastik-Desaster in Indien. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Plastikabfall soweit das Auge reicht. AP/AP / Channi Anand
Plastikflaschen, Säcke, Lebensmittelverpackungen und andere Abfälle, die die Kanalisation und die Strassen verstopfen, sind ein vertrautes Bild in den Slums von Mumbai. EPA/EPA / DIVYAKANT SOLANKI
Streunende Hunde, Ziegen und Kühe suchen im Plastikmüll nach Futter. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Ein Arbeiter sortiert Plastik. EPA/EPA / DIVYAKANT SOLANKI
Strandgut. EPA/EPA / HOTLI SIMANJUNTAK
Nach Angaben des indonesischen Umwelt- und Forstministeriums erreichte die nationale Abfallproduktion in einem Jahr 64 Millionen Tonnen, darunter 14 Prozent Kunststoff. EPA/EPA / ADI WEDA
Depok, Indonesien, am 5. Juni 2018. EPA/EPA / ADI WEDA
Selfie mit Plastikabfall in Mumbai, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Rafiq Maqbool
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Eine Kuh sucht im Müll in Jammu, Indien, nach Nahrung. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Bhopal, Indien, 5. Juni 2018. EPA/EPA / SANJEEV GUPTA
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Kalkutta, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Bikas Das
Mumbai, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Rafiq Maqbool
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Channi Anand
Jammu, Indien, 5. Juni 2018. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Indien verbot Plastiktüten im Jahr 2009 und erweiterte sie später auf alle Kunststoffverpackungen und Einweg-Kunststoffe, aber das Verbot wird selten durchgesetzt. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Trotz der Zusage von Premierminister Narendra Modi, das Land bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2019 zu säubern, erzeugt Indien weiterhin jährlich rund 5,6 Millionen Tonnen Plastikmüll. EPA/EPA / JAIPAL SINGH
Srinagar, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Mukhtar Khan
Srinagar, Indien, 5. Juni 2018. AP/AP / Mukhtar Khan

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