Durch das Auslaufen des Referenzzinses Libor werden Beziehungen zwischen Kunde und Banker strapaziert.
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Schock für Eigenheim-Besitzer: Banken kippen Libor-Hypothek
Der globale Libor-Skandal hat Folgen für schweizerische Eigenheimbesitzer: Libor-Hypotheken werden ihnen nicht verlängert. Das kann teuer werden.
Schock für Hans Müller. Er war sehr zufrieden mit der Raiffeisenbank bis zu jenem Beratungstermin. Nun wird ihm vom stets freundlichen Berater beschieden, er könne nicht auf eine Libor-Hypothek wechseln. Unmöglich. Leider.
Wie ihm wohl bekannt sei, werde der Referenzzins Libor im Jahre 2021 abgeschafft und vom Saron abgelöst (siehe Box unten). Der Kunde könne seine Festhypothek verlängern, zu sehr guten Konditionen.
Doch ein kurzer Vergleich zeigt: Die Festhypothek käme deutlich teurer. Die Bank wechseln kann Müller nicht: Er hat noch eine weitere Festhypothek laufen, deren vorzeitige Auflösung teuer würde. Müller steckt fest.
Der Wettbewerb hilft nicht weiter
Derlei Szenen strapazierter Kundenbeziehungen spielen sich in diesen Monaten in vielen Schweizer Beratungszimmern ab. Banken teilen ihren Kunden mit, sie könnten den Rahmenvertrag für ihre Libor-Hypothek nur bis Ende 2021 laufen lassen. Also nur noch zwei Jahre, länger gehe nicht.
Der Kunde ärgert sich: Er kann die aktuellen guten Konditionen nicht wie erhofft über fünf Jahre fixieren. Nach zwei Jahren hätte die Bank die Möglichkeit, ihre aktuell eher tiefe Marge zu erhöhen – also auf den Saron mehr als die aktuell üblichen ein Prozent draufzuschlagen.
Wieder anderen Kunden wird rundweg verweigert, ihre laufende Libor-Hypothek verlängern zu können. Mit der manchmal etwas flapsig vorgetragenen Begründung, der Libor werde ja abgeschafft, also könne man dem Kunden leider nicht entgegenkommen.
Der Wettbewerb hilft in diesem Fall auch nicht weiter. «Nahezu alle Banken handhaben dies so – der Kunde kann nur in den sauren Apfel beissen», sagt Lorenz Heim vom Vermögenszentrum (VZ). Hingegen hilft oft ein wenig Beharrlichkeit, sagt ein Berater. «Man muss nachsetzen. Meist hilft schon das Argument, es werde nach wie vor einen Geldmarktzins über drei Monate geben – nur heisse er neu Saron, nicht Libor.»
Diese Häuser und Villen gibts für 1 Million Franken
Mexiko: In Cuernavaca, 1 Stunde und 15 Minuten von Mexiko-City entfernt, steht diese Villa mit 655 m² Wohnraum. Bild: realtor.com Der neue Besitzer darf sich über vier Schlafzimmer und vier Bäder freuen – und diesen wunderschönen Pool mit Gartenanlage. Bild: realtor.com Mit 1'120'000 Franken fällt das Anwesen denn auch etwas teurer aus. Bild: realtor.com Island: Bescheidene 944'000 Franken kostet diese Villa in Island. Bild: Visir Neben 387 m² Wohnfläche kriegt der Käufer ein wunderschönes Aussencheminée und eine dezente Satellitenschüssel. Bild: Visir Die grosszügige Küche: Immerhin hier scheint die Sonne immer. Bild: Visir Zur Villa gehören ein Fitnessraum und eine Saunalandschaft mit Sprudelbad. Bild: Visir Japan II: Kehren wir zurück ins Land des Lächelns und in die Hauptstadt Tokio. Dort steht dieses Haus zum Verkauf. Ob das gelbe Band ein Polizeiband und das Haus Schauplatz eines Verbrechens wurde, entzieht sich unseren Kenntnissen. Bild: realestate.co.jp Angaben zur Wohnfläche gibt es keine. Der hier abgebildete Tresen lässt aber vermuten, dass man das Haus auch als Herberge oder Hotel nutzen kann. Bild: realestate.co.jp Das Haus ist ausgestattet mit elektronischen Toiletten. Damit kann unter anderem die Sitzheizung eingestellt werden. Bild: realestate.co.jp Das Bad. Auch hier lässt sich irgend etwas elektronisch steuern. Was, wissen wir allerdings nicht. Bild: realestate.co.jp Thailand: 700 m² Wohnfläche warten in Pattaya auf einen neuen Besitzer. Die bescheidene Hütte befindet sich 800 Meter vom Strand entfernt. Bild: Real-Estate-Tailand.com Der Traum kostet 960'000 Franken – so viel wie eine Dreizimmer-Wohnung in Schwamendingen. Bild: Ray White «This is a view you will never tire of. Be prepared for the most amazing sunsets.» So wird die Immobilie vom Makler angeboten. Und für einmal glauben wir ihm. Bild: Ray White Die riesige Fensterfront – kein Wunder steht hier kein Fernseher. Bild: Ray White Das Schlafzimmer mit den begehbaren Schränken – und einer Traumaussicht. Bild: Ray White Indien: In einem Vorort von Mumbai liegt diese Villa inklusive Bedienstetenhaus. Bild: 99acres.com Für die 4 Schlafzimmer und die 3 Badezimmer muss der geneigte Käufer 950'000 Franken bezahlen. Er bekommt dafür ordentlich Umschwung. Bild: 99acres.com Russland: Für 1'001'000 Franken kriegt man in Russland dieses idyllische Häuschen. Bild: Irr.ru Es kann in einer Stunde von Moskau aus erreicht werden. Bild: Irr.ru Der Bau aus dem Jahre 2010 bietet 460 m² Wohnraum. Bild: Irr.ru Und so sieht die Villa von innen aus. Fast schon Klischee: der erlegte Bär vor dem Cheminee. Bild: Irr.ru Der Makler bewirbt sein Objekt damit, dass auf dem Grundstück Blumen und Büsche wachsen. Aber auch 40 ausgewachsene Kiefern und Fichten. Bild: Irr.ru Argentinien: Nicht in Frankreich, sondern in Argentinien steht dieses Schloss mit über 500 m² Wohnfläche. Bild: globimmo Der Preis ist im Gegensatz zum Umschwung überschaubar: 1'060'000 Franken kostet das gute Stück. Bild: globimmo 12 Wohnräume befinden sich in diesem Gemäuer. Die Innendekoration ... Bild: globimmo ... ist, naja. Sieht es nicht so aus, als würde es hier nach Mottenkugeln riechen? Bild: globimmo Alaska (USA): 1867 verkaufte Russland Alaska an die USA. Der Preis: 7,2 Millionen Franken, was dem heutigen Wert von ungefähr 8,5 Milliarden entspricht. Nicht ganz so teuer ist diese Ranch. Sie kostet 1'011'000 Franken. Bild: Alaska Real Estate Hier ein Blick ins Haupthaus. Rechts oben kann man vier Gästepritschen erkennen. Die Anlage befindet sich ungefähr 20 Meilen von Anchorage entfernt – also im Süden Alaskas. Bild: Alaska Real Estate Die Küche im Haupthaus. Im Kaufpreis inbegriffen sind diverse kleinere Gebäude und auch eine Start- und Landebahn für Flugzeuge. Bild: Alaska Real Estate Hier befinden wir uns in einem der Nebenhäuser. Der Strom für die Anlage wird mit einer Solaranlage erzeugt. Bild: Alaska Real Estate Die Vogelperspektive: Gut zu erkennen ist die Landebahn links und die Nähe zum Fluss mit einem eigenen kleinen Bootshaus. Bild: Alaska Real Estate Bahamas: Auf den Bahamas, auf Windermere Island, steht dieses Haus am Strand frei. Für 1'070'000 Franken gehört es dir. Bild: Bahamas Realty Es bietet 160 m² Wohnfläche. Und von diversen Zimmern aus Sicht auf den weissen Sandstrand und den Atlantischen Ozean. Bild: Bahamas Realty Die Veranda – angesichts des Sandstrandes und des Meeres das Prunkstück des Hauses und kein bisschen egal. Bild: Bahamas Realty Das Haus verfügt über 3 Schlafzimmer – ein nicht ganz unwichtiges Detail. Irgendwo müssen die vielen «Freunde» ja unterkommen, die dich plötzlich besuchen wollen. Bild: Bahamas Realty Angola: Angolas Hauptstadt Luanda gilt als eines der teuersten Pflaster der Welt – vor allem für Immobilien. Bild: Casa Sapo Deshalb erstaunt es nicht, dass man dort für 1'070'000 Franken nur ein eher überschaubares Appartement mit 3 Schlafzimmern kriegt. Bild: Casa Sapo Die modern eingerichtete Wohnung steht bereits seit 2015 leer. Bild: Casa Sapo Dafür kann man in diversen Zimmern die Aussicht aufs Meer geniessen. Bild: Casa Sapo Florida, USA: Für 1'070'000 Franken kann man in Florida diese Villa erstehen. Bild: Zillow.com 350 m² Wohnfläche, ein eigener Bootsanlegeplatz, ein überdachter Pool und ein Garten gehören dazu. Bild: Zillow.com Das Anwesen wechselte im Jahre 2004 das letzte Mal den Besitzer. Damals noch für 500'000 Franken. Bild: Zillow.com Und nun das letzte Millionenstück, welches sich ebenfalls auf den Bahamas befindet: diese Insel.
Sie kostet 1'000'000 Dollar, also ebenfalls ungefähr eine Million Schweizer Franken. Um Trinkwasser, Strom und andere Annehmlichkeiten muss man sich nach dem Kauf selber kümmern.
Dafür kriegt man eine Insel mit 2'071'990 m² Land. Das entspricht einer Fläche von ungefähr 300 Fussballfeldern.
Von einem Verbot ist keine Rede
Vielleicht sollte auch Hans Müller, der in Wahrheit anders heisst, bei seiner Raiffeisen-Bank energischer auftreten. Auf Anfrage der Zentrale in St. Gallen heisst es jedenfalls: «Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Raiffeisenbanken Libor-Flex-Hypotheken mit einer Laufzeit von drei und von fünf Jahren anzubieten.»
Von einem Verbot ist keine Rede. Aber: Die Zentrale in St. Gallen kann ihren unabhängigen Banken in den Regionen keine verbindlichen Vorgaben machen, sondern, wie erwähnt, nur Empfehlungen.
Unverändert ist die Praxis bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB). Dort werden Libor-Hypotheken mit Rahmenvertrag bis 2021 angeboten.
Köpferollen bei Raiffeisen – die Rücktritte im Überblick:
Raiffeisen-CEO Patrik Gisel hat am 18. Juli bekannt gegeben, dass er per Ende Jahr zurücktritt. Er wolle «die öffentliche Debatte um seine Person beenden und die Reputation der Bank schützen». Gisels Abgang ist der jüngste in einer ganzen Reihe von Rücktritten bei der krisengeschüttelten Raiffeisen. KEYSTONE / WALTER BIERI
Auslöser des Skandals ist das Geschäftsgebaren von Gisels Vorgänger an der Konzernspitze, dem langjährigen CEO Pierin Vincenz. Er führte die Raiffeisen Schweiz von 1999 bis 2017. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Im Frühjahr 2018 sass er über drei Monate in U-Haft. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella) KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA BELLA
Im Zuge des Raiffeisen-Skandals trat der langjährige Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm (rechts) am 9. März 2018 per sofort zurück. Ihm wirft die Finanzmarktaufsicht Finma schweres Versagen in seiner Aufsichtspflicht vor. Auf Rüegg-Stürm folgte der Wirtschaftsprofessor Pascal Gantenbein (links) als VR-Präsident. (KEYSTONE/Walter Bieri) KEYSTONE / WALTER BIERI
Gantenbein kündigte eine Erneuerung des Verwaltungsrats an. Die aus der Ära Vincenz vorbelasteten Verwaltungsräte sollten aus dem Gremium ausscheiden. Per 18.6. traten Edgar Wohlhauser (Mitglied seit 2006) ... screenshot raiffeisen.ch
... Werner Zollinger (seit 2006) ... screenshot raiffeisen.ch
... Franco Taisch (seit 2008) ... screenshot raiffeisen.ch
sowie Laurence de la Serna (seit 2017) zurück. screenshot raiffeisen.ch
Die Verwaltungsräte Angelo Jelmini (Mitglied seit 2011) ... screenshot raiffeisen.ch
... und Rita Fuhrer (seit 2010) wollten sich ursprünglich nochmals wiederwählen lassen. An der mit Spannung erwarteten Generalversammlung der Raiffeisen Mitte Juni 2018 verzichteten die beiden angesichts des Unmuts der Delegierten auf eine Wiederwahl. screenshot raiffeisen.ch
Für den Herbst 2018 haben die Verwaltungsräte Philippe Moeschinger (Mitglied seit 2008) ...
... Daniel Lüscher (seit 2008) ...
... und Urs Schneider (seit 2008) ihren Rücktritt angekündigt. raiffeisen.ch
Auch die Chefjuristin der Bank, Nadja Ceregato, hat die Bank verlassen. Die Ehefrau von Pierin Vincenz leitete seit 2015 den Bereich Legal & Compliance bei Raiffeisen Schweiz. Im März 2018 gab die Bank bekannt, dass Ceregato, die sich in einem Sabbatical befand, nicht mehr an ihre Arbeitsstelle zurückehren werde.
Folgen eines globalen Skandals
Leidvolle Kundenerfahrungen wie jene von Hans Müller sind die letzten Nachwirkungen einer gigantischen Finanzmanipulation. Der Libor-Skandal wird 2011 öffentlich mit einer Razzia in einem noblen Londoner Bankenhauptsitz. Die Europäische Kommission hatte ihre Beamten ausgesendet. Die Spezialisten durchsuchten unangemeldet die Räumlichkeiten der altehrwürdigen Royal Bank of Scotland.
Weltweit werden in den folgenden Jahren hohe Bussen verhängt, auch gegen die UBS. Ein Trader der Schweizer Grossbank wird als Einziger verurteilt, zu einer Haft von 11 Jahren. Im zürcherischen Opfikon, wo die UBS ihren Handel untergebracht hat, wurden etliche Trader entlassen.
Neues System: Saron
Es waren die Aufräumarbeiten nach einem der grössten Skandale der Finanzbranche in ihrer an Skandalen nicht eben armen Geschichte. Als der Libor im Jahre 1986 geboren wurde, waren die Regulatoren vertrauensselig. Sie fragten die Banken nach dem Zins, zu dem sie anderen Banken kurzfristig Geld liehen. Daraus wurde die «London Interbank Offered Rate» berechnet, auf der zuletzt Verträge über weltweit 350 Billionen Franken basierten. Für die Trader war es leicht, den Libor zu ihren Gunsten zu manipulieren, weshalb einige emsig zur Tat schritten. Danach war das Vertrauen in das System weg – die Behörden mussten ein neues zimmern. In der Schweiz baut es auf dem Saron auf.
Sieben Jahre nach jener Razzia in London stellen schweizerische Kunden auch verwundert Zickzackkurse ihrer Bank fest. Lange hatte diese gar keine Rahmenverträge zu Libor-Hypotheken angeboten. Dann führte sie diese ein, und der Kunde griff zu. Er band sich damit für drei Jahre an die Bank, die Zinszahlungen schwankten alle drei Monate. Doch als er die Libor-Hypothek verlängern wollte, richtete ihm der Berater aus: die Rahmenverträge seien abgeschafft. Eine Begründung gibt es nicht. Vermutlich, so ein Experte, wolle die Bank den Wechsel zum Saron für Margen-Erhöhungen nutzen – und sich nicht durch Rahmenverträge einschränken.
Auftakt zur grössten Krise seit der Grossen Depression:
Video: srf/SDA SRF
Mulmiges Gefühl bei den Banken
Mit solchen Manövern verfolgen schweizerischen Banken ihre eigenen Interessen. Werden etwa Libor-Hypotheken nicht mehr angeboten oder nicht verlängert, gelangen mehr Kunden zu einer mehrjährigen Festhypothek. Und solche sind den meisten Banken lieber, sagt ein Finanzberater.
«Mit Festhypotheken ist ein Geschäft für einige Jahre fixiert: Die Bank kann alles kalkulieren, mit Eigenkapital unterlegen und damit planen.» Mit Libor-Hypotheken hätten sie vergleichsweise mehr Arbeit. Letzten Endes wollen sich die Banken jedoch auch selbst schützen. Auch ihre Finanzingenieure können nicht genau vorhersehen, was der Wechsel zum Saron alles an Unliebsamkeiten nach sich zieht.
So wäre etwa diese Überraschung möglich: Die negativen Zinsen verschwinden bis Anfang 2022; der Saron kommt etwas tiefer zu liegen als der Libor, wenn dieser fortgeführt würde. Der Unterschied müsste nicht gross sein, aber 0.15 Prozentpunkte wären durchaus möglich. «Die Banken hätten dann auf einen Schlag tiefere Erträge», sagt Experte Heim. Solches wollen die Banken tunlichst vermeiden.
(aargauerzeitung.ch)
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