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4 Start-ups, die die Welt ein kleines bisschen besser machen

Publiziert: 08.03.20, 11:17 Aktualisiert: 28.05.20, 13:26

Start-ups, die die Welt verbessern wollen, gibt es sehr viele. Das ist auch gut so. Doch ein Start-up muss nicht immer gleich im Alleingang die Weltmeere säubern oder den Regenwald wiederaufforsten, um etwas zu bewirken. Wir haben vier interessante Start-ups gefunden, die auf ganz unterschiedliche Weise zu einer besseren Welt beitragen.

Love Your Neighbour

Bild: Love Your Neighbour

Love Your Neighbour ist ein Kleiderlabel aus der Schweiz, welches sich dem fairen Handel verschrieben hat. Sich selbst bezeichnet das 2017 gegründete Start-up als «soziales Modelabel», dessen «Herzschlag es ist, anderen zu helfen».

Das Label versucht dabei, so viel wie nur möglich fair und nachhaltig zu produzieren. Um das sicherzustellen, arbeitet das Start-up nur mit Lieferanten zusammen, die man persönlich kennt. Ausserdem statte man den Geschäftspartnern regelmässig Besuche ab, damit Vorgaben der Produktionsbedingungen eingehalten würden. Die Veredelung der Produktion findet ausserdem in der Schweiz statt. Das beinhaltet beispielsweise den Druck oder Stick der Textilmotive oder das Lasern der Gravur bei Flaschen.

David Togni gründete das Label 2016. Bild: Phil Wenger

Erfreulich ist auch, dass das Label mindestens zwölf Prozent seines Gewinns für gute Zwecke einsetzt. Dazu hat das Start-up die gemeinnützige Organisation LYN-Foundation gegründet. Diese finanziert sich aus dem Gewinnanteil und den Spenden der Mitglieder. Unterstützt werden Bedürftige im In- und Ausland.

Im Jahr 2019 konnte das Label so beispielsweise 145'082 Franken spenden, was laut dem Start-up weitaus mehr als zwölf Prozent des Gewinns gewesen sein soll. Wo sich die LYN-Foundation schon überall engagiert hat und noch engagieren möchte, hat die Organisation auf ihrer Website dokumentiert.

Auch die bisherigen Spenden sind auf der Website aufgeführt. Bild: Love Your Neighbour

Ab Ende August möchte das Start-up sogar noch einen Schritt weiter gehen, wie uns David Toni, der Gründer des Labels bereits verraten hat:

«Ab dem 29. August gehen wir mit Love Your Neighbour neue Wege. Bei der Gründung des Labels haben wir zunächst jedes zehnte Shirt in eine Kiste gelegt und anschliessend gespendet. Später dann jedes siebte, jedes fünfte und so weiter. Ab dem 29. August sind wir endlich so weit und werden unser neues Konzept umsetzen, das wir seit Beginn verfolgen: Nach dem Prinzip one+one werden wir für jedes verkaufte Produkt das gleiche Produkt auch spenden. Also für jedes verkaufte T-Shirt ein T-Shirt, für jeden verkauften Pulli einen Pulli, usw.»

Bild: Love your neighbour

Mondays

Bild: organicmondays.com

Mondays ist ein Start-up aus Küsnacht, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hygieneprodukte für Frauen herzustellen – und zwar ohne Plastik. Egal ob Tampons, Binden oder Slipeinlagen, bei Mondays bestehen sie immer aus biologisch abbaubaren Materialien.

Das Start-up möchte dabei gegen den Plastikmüll ankämpfen, der auch bei Hygieneprodukten ein grosses Problem darstellt. Viele herkömmliche Produkte bestehen zu einem grossen Teil aus Plastik – sei es das Produkt selbst oder die Verpackung. Bei Mondays kommen aber nur Materialien wie Bio-Baumwolle oder Karton zum Einsatz. Selbst die Verpackung ist 100 Prozent plastikfrei und kann damit kompostiert werden.

Die Gründerinnen Nancy Saddington und Elisabeth Dewey. Bild: organicmondays.com

Wichtig ist dem Start-up auch der Herstellungsprozess. Bei vielen herkömmlichen Produkten würden in der Herstellungskette irgendwo Pestizide und Bleichmittel zum Einsatz kommen. Damit belaste man die Umwelt mit Hygieneprodukten auch indirekt. Bei der Herstellung von Monday-Produkten kämen weder Pestizide, Bleichmittel noch sonstige Chemikalien zum Einsatz.

Um ihr Engagement noch abzurunden, beteiligt sich das Start-up ausserdem am Projekt 1% for the Planet. Bei diesem spenden Partnerunternehmen ein Prozent ihres Umsatzes an eine gemeinnützige Organisation. Im Falle von Monday geht das Geld an City to Sea, eine Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Plastikbelastung von der Stadt bis zum Meer zu stoppen.

tip me

Bild: Tip Me

Das Konzept von tip me ist im Grunde ganz einfach: Das Start-up stellt Online-Shops von Kleidern und Schuhen ein Plugin zur Verfügung, mit dem Kunden beim Bezahlvorgang der Person, die den Schuh hergestellt hat, ein Trinkgeld geben können. Das Start-up verspricht, dass 100 Prozent des Trinkgeldes bei der betreffenden Person ankommt.

Damit das funktioniert, betreibt tip me einiges an Aufwand. So muss das Team bei der Fabrik vor Ort jeden Angestellten manuell mit Handy-Nummer erfassen. Auch muss die Fabrik dem Start-up vollumfänglichen Zugriff auf die Mitarbeiterdatenbank geben, damit Arbeitszeiten kontrolliert werden können.

Das Team von tip me betreut Arbeiter vor Ort. Bild: Tip Me

Gibt man einer Person dann ein Trinkgeld, wird dieses per SMS-Überweisung vollumfänglich an die betreffende Person weitergeleitet. Man kann die Überweisung sogar in Echtzeit verfolgen und wird per Mail oder Whatsapp informiert, wenn das Trinkgeld ausbezahlt wurde.

Das Team hinter tip me: Helen Deacon, Jonathan Funke, Robin Collin und Oliver Sonnenwald. Bild: Tip Me

Natürlich arbeitet das Start-up nicht kostenlos. Sein Geld verdient tip me mit einer kleinen Provision, die es von den Firmen erhält, die das Trinkgeld-Tool einsetzen. Diese wiederum profitieren vom positiven Marketing. Einfach so kriegt eine Firma das Tool aber nicht, denn tip me möchte Greenwashing verhindern. Ein Unternehmen muss unter anderem folgende Dinge einhalten:

  • Verbot von Kinderarbeit
  • Verbot von Zwangsarbeit
  • keine Diskriminierung
  • faire Bezahlung
  • Recht auf Vereinigung

Nur wenn ein Unternehmen Transparenz und Verantwortung in seiner Lieferkette nachweisen kann, kommt eine Zusammenarbeit für tip me infrage.

Kitro

Die Gründerinnen von Kitro verfolgen mit ihrem Start-up das Ziel, Food-Waste zu reduzieren. Dabei setzen sie aber nicht beim Endkonsumenten an, sondern wollen bereits Restaurants und Kantinen dazu bringen, mit Esswaren bewusster umzugehen.

Laut dem Schweizer Start-up sind rund zwei Drittel der Lebensmittelabfälle in der Gastronomie, die täglich im Abfall landen, noch essbar. Kitro will diese Mengen in Zukunft nach und nach vermindern.

Die beiden Gründerinnen Naomi MacKenzie und Anastasia Hofmann. Bild: Rika Reviva Photo

Dafür hat das Start-up ein Gerät entwickelt, das ein bisschen wie eine Waage aussieht. Darauf kommt ein Abfallbehälter, in dem das Küchenpersonal ihre Lebensmittelabfälle wie bisher entsorgt. Das System misst nun fortlaufend, was und wie viel weggeworfen wurde und zeichnet es auf. Damit das zuverlässig klappt, kommt jede Menge Sensorik zum Einsatz, unter anderem auch Bilderkennung.

Diese Daten fliessen dann in einen ausführlichen Report, der dem Betriebt zeigt, wie viel Geld in Form von Lebensmitteln eigentlich im Abfall landet. Das wirklich Interessante ist aber, dass Kitro anhand dieser Daten diverse Empfehlungen zur Optimierung abgeben kann.

So merkt das System zum Beispiel, wenn häufig Überproduktionen im Abfall landen. Auch fällt dem System auf, wenn von einem Gericht regelmässig Reste übrig bleiben, weil es zu grosse Portionen sind. So können Betreiber von Kantinen und Restaurants ihre Abläufe überarbeiten und optimieren. Das System assistiert sogar beim Zusammenstellen neuer Menüs, die den Lebensmittelüberschuss reduzieren sollen.

Mit dieser Methode können Lebensmittelabfälle eingespart werden, während sich für die Gastronomen gleichzeitig die Kosten reduzieren. Eine Win-Win-Situation also. Laut Kitro sollen so bisher schon über 150'000 Mahlzeiten nicht im Abfall gelandet sein.

Internationale Karrierefrauen: «Ohne Nanny geht es nicht»

Alison Rowe (44) begann ihre Karriere bei der Royal Navy, wo sie schon mit 23 Jahren ein Kriegsschiff mit einer Crew von 30 Frauen steuerte. Heute arbeitet sie als Leiterin für Nachhaltigkeit beim Technologiekonzern Fujitsu, ist Multi-Aufsichtsrätin, mehrfach ausgezeichnete Führungskraft und Mutter eines Sohnes. Welche Entscheidung hat ihre Karriere am meisten beeinflusst? «Sehr entscheidend war eine Erkenntnis, die ich mir erst erlauben musste, die mich dann aber sehr befreit hat: Karriere und Erfolg nicht über Hierarchie zu definieren und wie schnell man darin aufsteigt. Sondern ...(Bild: PR)
... über die Wirkung, die ich mit meiner Arbeit habe. Ich will etwas Nachhaltiges bewirken, will gestalten. Das ist meine Definition von Erfolg, dafür habe ich auch schon Gehaltseinbussen hingenommen. Ich hatte immer im Kopf, was mein Vater mirt gesagt hatte: Nothing is off limits. Es gibt kein Nein für mich, wenn ich etwas will.» Was würden Sie rückblickend anders machen? «Ich wäre nicht so hart zu mir selbst. Ich hatte mich schon früh moit anderen Verglichen, mich unter Druck gesetzt. Alle meine Abschlüsse ... (Bild: PR)
... habe ich an Abendschulen und nebenberuflich gemacht – wohl über zehn Jahre hinweg. Das war hart. Icxh wäre heute entspannter. Und auch freier, was mein Urteil über mich selbst angeht.» Sind Frauen in Führungspositionen ein Thema in Australien? «In Asutralien gibt es viele Frauen auf der obersten Ebene, doch meistends im gemeinnützigen Bereich. Wir brauchen sie aber auch in den harten Industrien. Das zu ändern, ist unsere grosse Herausforderung.» (Bild: PR)
Jane Jie Sun (45) hält sich jeden Tag zwei Stunden für die Familie frei, von 19 bis 21 Uhr. Davor und danach arbeitet sie als Vizepräsidentin und Chief Operating Officer des chinesischen Internet-Reisebüros Ctrip in Shanghai. Sun ist Mutter von zwei jungen Töchtern. Welche Entscheidung hat ihre Karriere am meisten beeinflusst? «Die eigene Konfortzone zu verlassen, ist immer eine gute Entscheiuddung. Bei mir war das zwei Mal der Fall: Als ich für mein Studium in die USA gegangen bin, war China noch sehr rückwärtsgewandt. Meine Eltern verdienten 20 Dollar im Monat. Es war klar, dass ich in Amerika völlig auf micvh allein gestellt sein würde. Die Studiengebühren waren hoch. Ich war ...
... von 6 Uhr morgens bis 11 Uhr an der Uni, habe bis 20 Uhr auf dem Campus gearbeitet, freitags und samstags sogar bis 23 Uhr. Aber zurückschauend hat mich das stark gemacht: Egal, woie viel ich hinterher gearbeitet habe – es fühlte sich an wie ein Spaziergang.» Was würden sie rückblickend anders machen? «Eigentlich nichts. Ich habe meine grossen Entschediungen immer sehr gut überlegt und versucht, weit in die Zukunft zu sehen. Zum Beispiel als die Rückkehr nach China anstand. Ich habe damals die Wachstumsraten der Bruttoinlandsprodukte verglichen: Die USA hatten zwei bis drei Prozent, China sieben bis zehn. Dann schaute ich mirt die verschiedenen ...
... Branchen an: Mit Alkohol, Glücksspiel oder Tabakverdient man sehr gut, aber das macht Menschen kaputt. In der Reisebranche macht man Menschen glücklich und erweitert ihrern Horizont. Schliessslich fragte ich mich: Mit welchen Leuten willst du zusammenarbeiten? Und bei Ctrip sind es vor allem junge, ehrgeizige Menschen. So war es nichtz schwer, die richtige Entscheidung zu fällen.» Ist die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern in China ein Thema? «In China ist die Zusammenarbeit ... AP/AP / Vincent Yu
... innerhalb der Familie sehr stark. Meine Eltern wohnen im Haus nebenan und helfen viel. So können wir uns besser auf unseren Beruf konzentreieren. In der Generation meiner Grossmutter haben Frauennicht gearbeitet. Der Kommunismus hat der Gleichstellung gutgetan. Mao Zedong sagte: Frauen können die Hälfte des Himmels tragen – das hat vielen Frauen Selbstbeweusstsein gegeben. Ich achte bei meinen Mitarbeitern sehr genau darauf, was sie sagen. Frauen sind oft stiller, arbeiten felissig und hoffen, dass man es merkt. Die männlichen Kollegen verkaufen sich viel besser. Das ist mir bewusst und ich versuchen, Frauen gezielt zu motivieren und zu fördern.»

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Video: SRF / Roberto Krone

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