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Terroranschlag von Würenlingen

Am 21. Februar 1970 um 13.34 Uhr stürzte Swissair-Flug 330 im Unterwald bei Würenlingen ab. Alle 38 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. KEYSTONE / STR
Die Unglücksmaschine, eine Convair Coronado, getauft auf den Namen «Baselland». Im Laderaum explodierte eine Paketbombe, die in München aufgegeben worden war. KEYSTONE / STR
Der zerstörte Höhenmesser (rechts), der die Explosion auslöste. Links das entsprechende Modell im Originalzustand. KEYSTONE / STR
Beim Aufprall mit vollen Treibstofftanks wurde das Flugzeug in kleine Einzelteile zerrissen. KEYSTONE / STR
Zahlreiche Schaulustige machten sich auf den Weg zum Unglücksort. Teilweise entwendeten sie Trümmerteile und Wertsachen. KEYSTONE / STR
Die Trümmer und Leichenteile werden sortiert. KEYSTONE / STR
Ein Mitarbeiter von Radio Suisse zeigt die Flugroute vom Start in Zürich bis zum Absturz bei Würenlingen. Wegen Feuer und Rauch hatte die Besatzung die Orientierung verloren. KEYSTONE / STR
Die Trümmer wurden in einen Hangar in Kloten gebracht. Die Untersuchung ergab, dass radikale Palästinenser den Terroranschlag verübt hatten. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. KEYSTONE / STR
Trauerfeier für die Opfer in Würenlingen: Weil es keine DNA-Tests gab, wurden die Leichenteile mit Erde vermischt wahllos auf die Särge verteilt. KEYSTONE / STR
An der Beerdigung der israelischen Opfer in Jerusalem nahm auch Ministerpräsidentin Golda Meir (Mitte) teil. KEYSTONE / STR
Am Unglücksort erinnert heute ein Denkmal an den blutigsten Terroranschlag in der Schweizer Geschichte. KEYSTONE / STR

Geheimabkommen der Schweiz mit der PLO: Bundesrat will Klärung

Publiziert: 27.01.16, 15:47 Aktualisiert: 27.01.16, 16:19

Eine Arbeitsgruppe des Bundes wird sich mit den Beziehungen zwischen der Schweiz und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in den 1970er Jahren befassen. Der Bundesrat hat am Mittwoch davon Kenntnis genommen.

An der Arbeitsgruppe beteiligt sind das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD), das Aussendepartement (EDA) und das Verteidigungsdepartement (VBS), wie Bundesratssprecher André Simonazzi am Mittwoch auf eine Frage vor den Medien sagte. Mit der Arbeitsgruppe reagiert der Bundesrat auf Enthüllungen im Buch «Schweizer Terrorjahre» des Journalisten Marcel Gyr.

Schweizer Terrorjahre

Am 18. Februar 1969 verübt ein Kommando der «Volksfront zur Befreiung Palästinas» (PFLP) auf dem Flughafen Zürich-Kloten einen Terroranschlag auf eine Maschine der israelischen Airline El Al. KEYSTONE / STR
Bei dem Anschlag wird Kopilot Yoram Peres und einer der Terroristen, Abdel Mohsen Hassan (im Bild), getötet. ETH-Bibliothek
Die drei überlebenden Terroristen, Abu El Helga, Amena Dabhor und Youssef Ibrahim werden gefasst und zu je zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. KEYSTONE / STR
Der israelische Sicherheitsbeamte Rachamin Mordechai (Mitte), der aus dem Flugzeug zurückgefeuert und einen der Terroristen getötet hatte, wird freigesprochen. Dies führt zu scharfen Reaktionen aus verschiedenen arabischen Ländern. KEYSTONE / STR
Fast exakt ein Jahr später stürzt in der Nähe von Würenlingen (AG) eine Coronado CV-990 der Swissair auf dem Weg nach Tel Aviv ab. Die Paketbombe wäre für eine in München startende Maschine der El Al bestimmt gewesen, wurde aber aufgrund einer Verspätung auf den Swissair-Flug umgeroutet. Alle 38 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. KEYSTONE / STR
Hauptverdächtiger für den Terroranschlag auf die Swissair-Maschine ist Sufian Kaddoumi. Er ist vermutlich gestorben, ohne dass die Schweizer Justiz seiner habhaft werden konnte.
Befohlen wurde die Aktion von der «Volksfront zur Befreiung Palaestinas» (PFLP). Im Bild deren Gründer George Habash, dessen christliche Familie 1948 aus Israel vertrieben worden war. Habash war Kinderarzt und soll eine Zeit lang auch in Zürich gearbeitet haben,
Am 6. September 1970 gelang der PFLP die Entführung dreier Maschinen auf das Flugfeld «Dawson's Field» nahe Zarqa in der jordanischen Wüste. Darunter befand sich auch eine der Swissair. KEYSTONE / STR
Zweck war die Freipressung der drei verurteilten Attentäter von Kloten.
Entgegen den Abmachungen mit den anderen betroffenen Staaten (Deutschland, Grossbritannien und USA) begann der Schweizer Aussenminister Pierre Graber Separatverhandlungen mit den Palästinensern. KEYSTONE / STR
Als Emissär diente ihm Parteikollege (SP) und Nationalrat Jean Ziegler, der in der arabischen Welt bestens vernetzt war. KEYSTONE / STR
Bundesrat Graber traf sich in Genf mit dem Aussenbeauftragten der PLO, Farouk Kaddoumi (einem Verwandten von Sufian Kaddoumi, dem Swissair-Attentäter). Heraus kam ein Deal, wonach die Palästinenser keine weiteren Terroranschläge auf Schweizer Territorium mehr verüben würden. Im Gegenzüg dürfte die PLO am UNO-Sitz in Genf ein inoffizielles Büro eröffnen. AP / BASSEM TELLAWI
Dieses Büro wurde von Daoud Barakat geleitet. Dieser stellte mehrmals Forderungen auf und drohte bei Nichterfüllung mit weiteren Anschlägen in der Schweiz.

Stillhalteabkommen mit der PLO

Gemäss dessen Recherchen traf der damalige SP-Bundesrat Pierre Graber 1970 ein geheimes Stillhalteabkommen mit der PLO. Damit wollte er weitere Terroranschläge verhindern. Die Schweiz war von mehreren Anschlägen betroffen gewesen. Bei einem Bombenanschlag auf eine Swissair-Maschine bei Würenlingen AG starben 47 Menschen.

Der damalige SP-Nationalrat Jean Ziegler knüpfte nach eigenen Angaben für Graber Kontakte zur PLO. Laut Ziegler hat Graber zum Schutz der Bevölkerung das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gebrochen.

Es habe keine prozedurale Verfolgung der Täter von Kloten und Würenlingen gegeben. «Das mag total schockierend sein, aber es war der Preis, dass es keine neuen Attacken gab», sagte Ziegler. Zudem habe die Schweiz der PLO Unterstützung auf internationalem Parkett zugesichert. Der Gesamtbundesrat sei nicht informiert gewesen. (whr/sda)

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