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Daumen hoch! Valentino Rossi nach dem Grand Prix in Katar. Bild: Rafa Marrodan/AP/KEYSTONE

Der Roger Federer unter den Töff-Piloten – Valentino Rossi jagt weiter Rekorde

Valentino Rossi fährt gleich zum Saisonstart aufs MotoGP-Podest (3.). Er ist also so etwas wie der Roger Federer auf zwei Rädern.

Publiziert: 27.03.17, 14:34 Aktualisiert: 28.03.17, 16:37
klaus zaugg, doha

Valentino Rossi hat zwar seit 2009 keinen Titel mehr gewonnen. Aber er ist der Weltmeister der Herzen und fährt im Adelsstand der Legende, erhaben über Sieg und Niederlage.

Nach wie vor begeistert er mit seiner Beherrschung der Höllenmaschinen, die auf über 300 km/h beschleunigen. Mit seiner taktischen Schlauheit. Und über allem stehen seine Leidenschaft und sein Mut im Kampf gegen viel jüngere Herausforderer, die noch mehr riskieren.

In der Rolle des grossen, alten Champions, der im goldenen Herbst seiner Karriere Kraft seiner Persönlichkeit, seines Stils, und seiner Klasse über allen Herausforderern steht, ist er mit Roger Federer vergleichbar. Valentino Rossi ist am 16. Februar 38 geworden, Roger Federer wird am 8. August 36.

Valentino Rossi (l.) und Roger Federer bei einem Treffen im Jahr 2008. Bild: PHOTOPRESS

Wie der «Maestro» aus dem Tennis fährt Valentino Rossi längst gegen seine persönlichen Bestmarken. Sein Vertrag bei Yamaha läuft noch bis zum Ende der nächsten Saison. Er ist bis heute 114 Mal als Sieger über die Ziellinie gebraust. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er die ewige Rekordmarke von Giacomo Agostini (122 GP-Siege) erreicht, die für alle Ewigkeit wie die Hockey-Rekorde von Wayne Gretzky schien.

Der Italiener verkörpert nach wie vor als einziger die Eleganz der Rennfahrerei. Er hat den verrückten Sport von Haudegen, die den Geruch von Benzin und verbranntem Gummi nicht aus den Kleidern bringen, aus der Nische des «Wahnsinns» herausgeholt. Und daraus einen weit über die Motorsportkreise hinaus respektierten Sport und ein «Big Business» gemacht. Dabei ist er der bestbezahlte «Asphaltcowboy» aller Zeiten geworden.

Valentino Rossi (vorne) im Kampf gegen die junge, wilde Konkurrenz. Bild: Rafa Marrodán/AP/KEYSTONE

Sein Jahreseinkommen wird auf rund 30 Millionen Franken geschätzt. 10 Millionen bezahlt ihm Yamaha als Salär (Honda bezahlt Weltmeister Marc Marquez die gleiche Summe) – aber bei Rossi kommen noch einmal 20 Millionen mit Werbung dazu. Sein Vermögen dürfte bei 150 Millionen liegen. Damit ist er zwar im Vergleich zu Roger Federer (mehr als 60 Millionen Jahresverdienst, über 500 Millionen schwer) eine eher kleine Nummer, aber unter den Motorsportlern einer der Grossverdiener.

Fixstern am Firmament

Was kann von ihm 2017 erwartet werden? Die Hierarchie in der «Königsklasse» ist flach geworden. Inzwischen gibt es acht bis zehn Piloten, die ein Rennen gewinnen können. MotoGP-Neuling Johann Zarco führte in Katar sechs Runden lang, fuhr die schnellste Rennrunde und stürzte bei Rennmitte, weil er ein paar Zentimeter von der Ideallinie abkam. Technische Einschränkungen (gleiche Elektronik für alle) haben das «Wettrüsten» eingebremst. Es gibt keine technisch unbesiegbaren Maschinen mehr.

Eine neue Generation ist herangewachsen, die früher als alle ihre Vorgänger mit dem Rennsport begonnen und das fahrerische Niveau auf nie gekannte Höhen geschraubt hat. Weltmeister Marc Marquez ist am 17. Februar erst 24 geworden.

Das Podest in der Wüste: Andrea Dovizioso, Sieger Maverick Viñales und Valentino Rossi (v.l.). Bild: Rafa Marrodán/AP/KEYSTONE

Maverick Viñales (22) hat bei seinem Yamaha-Debüt gleich gewonnen. Er ist Valentino Rossis Teamkollege. Eine der grossen Fragen, die uns diese Saison beschäftigen wird: Wann beginnt der «Psychokrieg» von Valentino Rossi gegen seinen Markenkollegen? Eine «Kriegsform», die keiner so gut beherrscht wie der Ehrendoktor der Kommunikation. Noch gibt es keine Anzeichen für eine Auseinandersetzung. Aber was, wenn auf einmal beide eine Chance auf den Titel haben?

So oder so ist und bleibt Valentino Rossi der einzige Fixstern am Firmament. Er kann wahrscheinlich nicht mehr Weltmeister werden, aber nach wie vor einzelne Rennen gewinnen. Gerade bei schwierigen äusseren Bedingungen wie jetzt in Katar, wenn Rennintelligenz zum Schlüsselfaktor wird, ist er nach wie vor der kompletteste Fahrer. Von Rang zehn aus ist er gestern aufs Podest gefahren (3.) und hat dabei Titelverteidiger Marc Marquez (4.) besiegt.

BMW stellt das Motorrad der Zukunft vor

Anlässlich des 100. Geburtstags der Marke tourt BMW aktuell mit spektakulären Studien durch die Megacitys dieser Welt. In Los Angeles zeigte die Motorradsparte der Bayern die Vision Next 100 «The Great Escape». Der Antrieb: Noch nicht näher definiert, aber natürlich kein Verbrenner. (Bild: Jochen Vorfelder)
Die Studie sieht aus wie direkt einem Science-Fiction-Film entsprungen. Entsprechend weit entfernt scheint eine Serienfertigung. (Bild: BMW)
Die Designer sagen, sie hätten sich beim Rahmen der Studie vom R32, dem ersten BMW-Motorrad überhaupt, inspirieren lassen. (Bild: BMW)
Clou der Studie ist der sogenannte Flexrahmen, der Federgabel, Gelenke etc. weitgehend überflüssig macht. Stattdessen federt er über Verformung. (Bild: BMW)
Darf nicht fehlen: Ein grosses, abgefahrenes Display als Kommandozentrale für das vollvernetzte Bike. (Bild: BMW)
Bei der Studie verändern die beiden markanten Zierzylinder ihre Form: Im Ruhezustand liegen sie eng an. Sobald die Fahrt beginnt, fahren sie als aerodynamische Elemente seitlich aus. (Bild: BMW)
Cloudanbindung und Verbundsysteme von autonom fahrenden Fahrzeugen sollen in Zukunft auch Motorräder unfallfrei machen. (Bild: BMW)
Statt eines Helms trägt der Fahrer oder die Fahrerin nach dem Willen von BMW eine Kombination aus Windschutz und Datenbrille, den sogenannten Visor – zusammen mit einem von Sensoren durchzogenen Anzug dient sie zur Kommunikation mit dem Fahrzeug. (Bild: BMW)
Batmobil lässt grüssen: Die Studie BMW Vision Next 100: The Great Escape. (Bild: BMW)
Aktive gyrostatische Assistenzsysteme, heute schon bekannt zum Beispiel aus den Segway-Rollern, balancieren die BMW Vision Next 100 sowohl während der Fahrt als auch im Stand selbstständig aus. (Bild: Jochen Vorfelder)
Vision-100-BMW-Motorrad – der schwarze Dreiecksrahmen der Vision Next 100 zitiert das erste BMW-Motorrad, die R32 von 1923. Von der Seite wirkt der Entwurf wie ein zukünftiges Naked Muscle Bike. (Bild: Jochen Vorfelder)
Edgar Heinrich, Chef-Designer von BMW Motorrad, schätzt, dass einige Features der visionären Fingerübung in zwei bis drei Modellgenerationen auf dem Markt Einzug halten. (Bild: Jochen Vorfelder)
Die Oberflächen des Flexrahmens, der auch die bisherigen Gabelelemente ersetzt, bestehen aus mattschwarzem Textil. Wird der Lenker bewegt, verformt sich der gesamte Rahmen und macht eine Richtungsänderung möglich. (Bild: BMW)
Karosserieteile wie der Sitz, die obere Rahmenabdeckung und die Kotflügel sind aus Carbon gefertigt. (Bild: BMW)
Der «Boxer», der kein Verbrennungsmotor mehr ist, soll je nach Fahrsituation seine Form ändern. Im Ruhezustand liegt er eng an. Zur Fahrt fährt der Motorblock aus aerodynamischen Gründen wie ein Akkordeon aus und wird zum Wetterschutz. (Bild: BMW)
BMW zeigte in Los Angeles auch ein Motorrad der näheren Zukunft: Ab 2017 soll das «Bagger» genannte XXL-Bike den Maschinen von Harley-Davidson Konkurrenz machen. Die K 1600 B basiert auf der Konzeptstudie Concept 101, die im Mai 2015 zur Eröffnung des Concorso d'Eleganza am Comer See vorgestellt wurde. (Bild: BMW)
Mehr Bagger geht nicht: Schräg von der Scheibe nach hinten abfallende Linie, fest integrierte Koffer, niedriges Heck. Die K 1600 B wird vom grossen BMW-Sechszylinder-Reihenmotor angetrieben; nach BMW-Motorradchef Stephan Schaller ist sie die ideale Maschine für die legendäre Route 66. (Bild: BMW)

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