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Privatwohnung oder Hotel? In Basel wird Airbnb der Prozess gemacht

Das Basler Kantonsgericht beurteilt den Fall einer Privatperson, die im Internet Wohnungen zur Kurzmiete anbietet. Das Urteil könnte für viele Onlineplattformen das Aus bedeuten.

Publiziert: 08.05.17, 14:35 Aktualisiert: 08.05.17, 15:21
Jonas Hoskyn / bz

Der Übernachtungsmarktplatz Airbnb gehört zu den Aushängeschildern der sogenannten Sharing Economy. Das Prinzip: Auf der Onlineplattform können Privatpersonen ihre Wohnungen zur Untermiete anbieten – von einer Übernachtung bis zur längerfristigen Bleibe. Vor allem in einer Messestadt wie Basel eine lukrative Möglichkeit für einen finanziellen Zustupf. Viele Bewohner vermieten etwa während der Uhren- und Schmuckmesse oder der Art Basel ihre Wohnungen zu teilweise absurd hohen Preisen. Und entsprechend viele Wohnungsvermittlungsportale zu Basel gibt es im Netz.

Prozess gegen Airbnb: Hat es sich bald ausgebettet in Basel?  Bild: Ben Margot/AP/KEYSTONE

Doch analog zum Fahrvermittlungsdienst Uber bewegen sich auch Airbnb und vergleichbare Anbieter in einem rechtlichen Graubereich. Dies zeigt ein aktueller Fall, der vor dem Basler Verwaltungsgericht hängig ist. Dabei geht es um einen Zürcher Geschäftsmann, welcher in insgesamt fünf Basler Immobilien die Wohnungen professionell über ein eigenes Internetportal zur Kurzmiete anbietet. Die Wohnungen kosten zwischen 55 (Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad) und 110 Franken (3,5 Zimmer Appartement) pro Tag.

Für zwei seiner Immobilien kassierte der Mann im Mai 2015 einen Rüffel vom Bau- und Gastgewerbeinspektorat. Eine solche Nutzung sei gewerblich und bedürfe deshalb ein entsprechendes Baugesuch, hielt das Amt fest. Der Mann erhob Einspruch, und die Fälle kamen vor die Baurekurskommission.

Auch diese stellte fest, dass die beabsichtigte Nutzung «eine baubewilligungspflichtige Zweckentfremdung» darstelle und gab dem Amt recht. Der Mann zog einen der Fälle weiter vors Verwaltungsgericht. Dessen Urteil dürfte für Airbnb und vergleichbare Onlineportale wegweisend sein.

Dabei spielt eine Basler Eigenart eine wichtige Rolle. Früher galten Hotels juristisch gesehen als Wohnen. Entsprechend unbürokratisch konnte beispielsweise ein Bed and Breakfast-Betrieb eröffnet werden. Mit dem neuen Wohnraumfördergesetz, das im September 2013 von der Basler Bevölkerung angenommen worden war, änderte sich dies.

Hotel- und vergleichbare Betriebe gelten nun als Gewerbe und benötigen eine entsprechende Bewilligung. Die Überlegung dahinter: Oft kann ein Vermieter mehr damit verdienen, wenn er eine Wohnung kurzfristig zu höheren Preisen vergibt als wenn er diese langfristig zum Marktpreis vermietet. Dies heizt die Wohnungsknappheit in der Stadt weiter an.

Toilettenpapier selber organisieren

Streng ausgelegt könnte der Entscheid der Baurekurskommission jeden Basler betreffen, der schon einmal während der Baselworld oder der Art seine Wohnung vermietet hat. Denn damit wird diese – wenn auch für einen beschränkten Zeitraum – unerlaubt gewerblich genutzt. Faktisch dürfte sich aber in diesem Bereich der gesunde Menschenverstand durchsetzen. Dies zeigt zumindest die Argumentation der Baurekurskommission. Die Hauptfrage, welche diese in den beiden Fällen auszuloten versucht hat, ist: Wie weit geht wohnen? Wo beginnt das Hotel?

Dabei sprechen in den zwei Fällen eine Reihe von Gründen gegen den Vermieter: So sind etwa die Wohnungen und Briefkästen nummeriert und nicht namentlich angeschrieben. Die Schlüssel können unpersönlich mit PIN-Code über einen digitalen Schlüsselkasten bezogen werden. Die Kellerabteile standen praktisch allesamt leer.

Eine Besichtigung der Wohnungen verweigerte der Vermieter anfänglich. Schliesslich präsentierte er ein unpersönlich eingerichtetes Appartement. In der Wohnung fiel den Mitgliedern der Baurekurskommission unter anderem ein Informationsschreiben auf mit Hinweisen zu Check-out, Rauchverbot und dem Passwort für das WLAN. Auch Reinigung und Wäsche wird für die Mieter erledigt. Selbst das Toilettenpapier muss man bei seinem Aufenthalt nicht selber organisieren.

Der Vermieter argumentierte gegenüber der Baurekurskommission, dass entscheidend sei, ob die Infrastruktur eine selbstständige Lebensführung ermögliche. Dann sei von einer Nutzung als Wohnung auszugehen. Eine gewerbliche Nutzung würde dagegen erst vorliegen, wenn die Räume nicht mehr zu Wohnzwecken genutzt werden, was bei ihm nicht der Fall sei.

Die Baurekurskommission hielt aber fest, dass der «Charakter der Nutzung» entscheidend sei. In den beiden zu beurteilenden Fällen handle es sich klar um eine Zweckänderung, die bewilligungspflichtig ist. Folgt das Verwaltungsgericht dieser Argumentation, könnte dies für viele Onlineplattformen das Aus bedeuten. Und für Privatpersonen, die sich während ein paar Wochen im Jahr etwas dazu verdienen wollen, zumindest ein kleines Damoklesschwert. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest. (bzbasel.ch)

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Die 20 angesagtesten Unterkünfte auf Airbnb

Diese griechische Traumvilla befindet sich etwas ausserhalb Athens.
Die Aussicht auf die Ägäis ist umwerfend, hier eine Partie Tennis zu spielen, muss ein Traum sein. Allerdings kostet das Schmuckstück 562 US-Dollar pro Nacht.
Ferien in einem «Ein-Quadratmeter-Haus»? Kann man machen, im Hipster-Mekka Prenzlauer Berg in der deutschen Hauptstadt Berlin.
Der Vorteil von diesem Minihaus, es ist mit Rädern versehen, man kann also jederzeit umziehen. Kosten tut es auch nur mickrige elf US-Dollar pro Nacht.
Dieses Muschelhaus steht auf der mexikanischen Isla Mujeres vor Cancún.
Es gibt wohl keinen stylischeren Ort, um seinen Urlaub auf der kleinen Atlantikinsel zu verbringen. Kostenpunkt: 249 US-Dollar pro Nacht.
Mitten in Englands Hauptstadt London kann im Glockenturm bei der St-Pancras-Station übernachtet werden.
Die Wohnung überzeugt mit einer schicken Einrichtung. Pro Nacht zahlt man hier 221 US-Dollar.
Baumhäuser sind auf Airbnb gerade besonders angesagt – in den Top 20 sind gleich deren drei vertreten.
Dieses abenteuerliche Haus befindet sich in einem Wald in der Nähe von Atlanta im US-Bundesstaat Georgia. Kostenpunkt: 350 US-Dollar pro Nacht.
Demnächst einen Urlaub in der Toskana geplant?
Dann wäre ja vielleicht die Villa San Gennariello in Portici etwas für dich. Kostet 67 US-Dollar pro Person und Nacht.
Dieses Hippie-Paradies nennt sich «Tile House» und liegt – wie es sich für eine Flower-Power-Bude gehört – im Backcountry von Los Angeles.
Mehr Wohlfühloase und Räucherstäbchen-Feeling geht fast nicht. Kostenpunkt: 175 US-Dollar pro Nacht.
War ja klar: Das kalifornische Palm Springs muss natürlich auch in den Top 20 vertreten sein.
Die schicke Wohnung im Rentnerparadies kostet 675 US-Dollar pro Nacht. Sonnengarantie natürlich inklusive.
Im kalifornischen Topanga steht diese «Pirates of the Caribbean»-Gedenkhütte.
Übernachtet werden kann unter anderem in diesem liebevoll eingerichteten Indianerzelt. Kostenpunkt: 175 US-Dollar pro Nacht.
Dieses Haus liegt in Island und wurde auf Lavastein und Moos gebaut. Überzeugen tut nicht nur die Architektur, auch die Lage ist unschlagbar.
Gleich neben dem Haus befindet sich ein Geysir, der laufend heisses Wasser spuckt. Kostenpunkt für diese Perle: 220 US-Dollar pro Nacht.
Mitten in der Wüste Kaliforniens steht dieses «Off-grid itHouse».
Strom kommt ausschliesslich von der Sonne, wovon es an diesem Ort ja mehr als genug hat. Pro Nacht kostet diese Wüstenunterkunft 380 US-Dollar.
Ein verlängertes Wochenende unterhalb des Pariser Eiffelturms, ...
... und dann noch auf einem Hausboot. Das gibt es für 236 US-Dollar pro Nacht.
Der sogenannte Mushroom Dome steht in einem Wald im US-Bundesstaat Kalifornien.
Für das Baumhaus-Feeling der speziellen Art bezahlt der Besucher 110 US-Dollar pro Nacht.
Nein, das sind keine übergrossen Klimaanlagen, sondern der sogenannte Nakagin Capsule Tower in Tokio.
Eine Nacht in einer Kapsel des Turms kostet 174 US-Dollar. Gemütlich, nicht?!
Bei den Airbnb-Usern ebenfalls angesagt: eine irische Schule. Gemäss Inserat können hier bis zu 60 Schüler unterrichtet werden.
Gegessen wird dann in diesem prunkvollen Saal. Kosten tut diese «School for rent» 1344 US-Dollar pro Tag.
Urlaub auf Malle: Da stellt man sich Palmen, Strand und volle Bierkrüge vor. Doch es geht auch anders.
Dieses Container-Haus bietet unter anderem einen Swimmingpool und einen Grillplatz und liegt in der Nähe von Palma de Mallorcas Zentrum. Kostenpunkt: 95 US-Dollar pro Nacht.
Dieses Baumhaus der etwas anderen Art steht in Atlanta, im Bundesstaat Georgia.
Kosten tut die sonnendurchflutete Unterkunft 500 US-Dollar pro Nacht.
Holland besteht offenbar doch nicht nur aus Hausbooten und Windmühlen. In Rotterdam kann man sich nämlich in diese Cube-Häuser einmieten.
Falls man vorher jedoch in einem niederländischen Coffeeshop Halt gemacht hat, könnte die spezielle Architektur durchaus für Verwirrung sorgen. Kostenpunkt: 151 US-Dollar pro Nacht.
Eine Autostunde von Edinburgh entfernt befindet sich dieses schottische Schloss.
Für 737 US-Dollar pro Nacht können in diesen historischen Gemächern bis zu 13 Personen übernachten.
Dieses hell beleuchtete Häuschen steht in den chilenischen Anden.
Besonders beliebt ist die Unterkunft bei Astronomen. Der Sternenhimmel ist in der chilenischen Einöde beeindruckend. Das «Iglu» kostet 190 US-Dollar pro Nacht.
Und zu guter Letzt: Der neuste Schrei aus Paris: Eine Nacht im Haifischbecken ...
... Einzig ein Glas trennt dich hier von den gefährlichen Fischen.

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