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Daniel M. wird verdächtigt, für den NDB deutsche Steuerfahnder ausspioniert zu haben. Bild: nordwestschweiz

«Die grossbusige Bardame» oder «der reuige Spion»  – 7 verrückte Schweizer Spionage-Storys

Vom Kriegsgebiet Europa während des Kalten Krieges bis nach Afrika, Schweizer Spionage-Geschichten gibt es viele. Hier sind sieben unglaubliche Beispiele.

Publiziert: 08.05.17, 14:47 Aktualisiert: 09.05.17, 12:05

In Frankfurt verhafteten deutsche Beamte einen mutmasslichen Schweizer Spion. Seither schwelt die neueste Schweizer Spionage-Affäre. Die Schweiz fungierte besonders während des Kalten Krieges als Drehscheibe internationaler Geheimdienste. Hier sieben wahre Spionagegeschichten mit Schweizer Bezug:

Die grossbusige Bardame

«An ihrem Busen ruhte das halbe Parlament», titelte der «Blick». Gemeint ist Alexandrea, eine ehemalige Bardame des Nobelhotel «Bellevue Palace» in der Nähe des Bundeshauses. In der Bar des Hotels sollen sich in den 80er-Jahren während den Sessionen Politiker, Journalisten und eben auch Spione getroffen haben.  

«Im Hotel Bellevue Palace» soll Alexandrea Schweizer Parlamentariern Geheimnisse entlockt haben. Bild: belevue palace

Die Bardame Alexandrea mit «grossem Busen» und «draller Figur» soll Anfangs der 80er-Jahre den Parlamentariern an feuchtfröhlichen Abenden Staatsgeheimnisse entlockt haben. Für 14'000 Schweizer Franken soll sie im Auftrag des libyschen Geheimdienstes gehandelt haben. Rekrutiert wurde sie von ihrem Geliebten, Mohammed Abdel Malek.

Aufgeflogen sei die ganze Affäre, weil die schweizerische Spionage-Abwehr entdeckte, dass Ghaddafis Abgesandte stets erstaunlich gut über die Vorgänge im Parlament informiert gewesen seien. Das Leck wurde schliesslich 1983 entdeckt und in aller Stille geschlossen. Alexandrea wurde im Geheimen von einem Berner Einzelrichter zu zweieinhalb Monaten Gefängnis verurteilt. Für die Parlamentarier gab es keine Folgen.

Der grämende Offizier

Der Schweizer Armee-Offizier Jean-Louis Jeanmaire ist der ranghöchste verurteilte Landesverräter der Schweiz. In den 70er-Jahren hatte der Brigardier Schweizer Armee-Geheimnisse an den sowjetischen Militärgeheimdienst weitergegeben. Als das Informationsleck entdeckt wurde, befürchtete die Schweizer Wirtschaft Sanktionen durch die USA.

Deshalb wurde Jeanmaire umgehend vor Gericht gestellt und zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine ebenfalls angeklagte Frau wurde freigesprochen. Sein Anwalt plädierte darauf, das Strafmass zu senken, da Jeanmaire nicht ideologisch motiviert gewesen sei, sondern aus Groll auf die Schweizer Armee gehandelt habe. Er habe sich bei den Beförderungen übergangen gefühlt.

Brigardier Jeanmaire auf dem Weg ins Gericht. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Die Scham darüber, dass ein Schweizer Offizier zu so etwas fähig ist, war gross. So gross sogar, dass eine Gruppe Nationalräte den Spion zum Selbstmord gedrängt habe. Die «Schweizer Illustrierte» schrieb in einer Ausgabe, die kurz vor dem Gerichtsurteil erschien, folgendes: «Ein Nationalrat be- stätigte jetzt nämlich der Schweizer Illustrierten das Gerücht, wonach Jeanmaire in der Untersuchungshaft eine Pistole angeboten worden ist.» So sollte die Sache «offiziersmässig» aus der Welt geschafft werden. Jeanmaire lehnte aber ab.

Der verliebte Botschafter

1996 wurde der Schweizer Botschafter Jean-Pierre Vettovaglia in Bukarest zurück in die Schweiz beordert und gefeuert. Der Grund war eine Affäre mit einer «rassigen, rothaarigen Spionin», schrieb der «Blick» damals. Vettovaglia sei so verliebt gewesen, dass er nur noch die «vollbusige Floriana» auf Empfänge mitnahm. Seine Frau liess er zu Hause. Die Geschäfte der Botschaft habe er derweil «schlittern» lassen.

Botschafter Vettovaglia mit Floriana. Bild: AP

Vier Jahre, nachdem der Skandal aufflog, wurde der in Ungnade gefallene Botschafter wieder rehabilitiert. Im Jahr 2000 erhielt er einen diplomatischen Posten in Paris, der Stadt der Liebe.

Floriana Jucan war auch nicht untätig und veröffentlichte 1996 ihr Buch «Ambasadorul», über ihre Liebesaffäre mit Vettovaglia.

Der stümperhafte Kundschafter

1979 beauftragt Oberst Albert Bachmann der Schweizer Armee den Spion Kurt Schilling damit, die österreichischen Stellungen an der Grenze zu Ungarn auszukundschaften. Ziel sei es herauszufinden, wie lange die Österreicher einem sowjetischen Angriff standhalten könnten. Als Schilling in der Nacht von österreichischen Soldaten entdeckt wird, gibt er ganz offen zu, Truppenbewegungen zu beobachten. 

Oberst Albert Bachmann. Bild: KEYSTONE

Drei Tage später wird er von der Staatspolizei verhaftet. Er wird zu fünf Monaten bedingt verurteilt und in die Schweiz abgeschoben. Das geringe Strafmass ist darauf zurückzuführen, dass der Richter das Vorgehen des Spions für derart stümperhaft hielt, dass davon keine Gefahr ausgegangen sei.

Die Spionin hinter feindlichen Linien

Laura D'Oriano. bild: wikimedia

Laura D'Oriano hatte 1931 in Marseille einen Schweizer Armeeverweigerer geheiratet, womit sie automatisch die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Nazis Paris besetzten, wurde sie von den Alliierten als Spionin angeworben. In Paris sollte sie den deutschen Offizieren Truppenbewegungen entlocken.

Später wurde sie zuerst nach Bordeaux und später nach Genua geschickt. Dort sollte sie die Schäden der Bombenangriffe auf den Hafen aufzeichnen und verschlüsselt an die Alliierten weiterleiten. Die Botschaften wurden aber abgefangen und D'Oriano 1943 verhaftet. Sie wurde zum Tode verurteilt und einen Tag später erschossen. Damit war sie in Italien die einzige zum Tode verurteilte Frau, deren Urteil vollstreckt wurde.

Die Geschichte D'Orianos diente später Alex Capus als Inspiration zu seinem Buch «Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer».

Der reuige Spion

Am 11. August 1957 wurde in Prag ein Schweizer wegen Spionagetätigkeit verhaftet. Doch Friedrich Jegerlehner hatte nicht für den Schweizer Geheimdienst spioniert, sondern für den Amerikanischen. Er bedauerte seinen Verrat derart, dass er nach Verkündung seines Urteils über Radio zum tschechischen Volk sprechen wollte. 

Dies wurde ihm gewährt. «Ich wurde in München für die amerikanische Spionage gewonnen, und ich erachte es als meine Pflicht, dem tschechischen Volke zu sagen, was ich getan habe, da ich hier so gastfreundlich empfangen wurde», soll er laut dem damaligen NZZ-Korrespondenten in Wien gesagt haben. Er bedaure zutiefst und werde nie mehr in gleicher Weise handeln.

Die NZZ äusserte damals ernsthafte Bedenken daran, ob es sich bei Friedrich Jegerlehner tatsächlich um einen Schweizer handelte. 

Die «Hölle von Kasama»

1986 wurden in Sambia sechs Schweizer Touristen vom Militär festgenommen und in einem Militärgefängnis zwei Wochen lang verhört. Danach habe man mit ihnen ein «grausames Katz-und-Maus-Spiel» getrieben, titelte der «Blick» damals. Sie seien wiederholt freigelassen und wieder festgenommen worden. 

Nelson Mandela kurz nach seiner Freilassung zu Besuch in Sambia. Bild: EPA

Zu dieser Zeit wurden in Sambia immer wieder weisse Touristen verhaftet und in das Gefängnis in Kasama gebracht. Sie standen unter Generalverdacht, für die südafrikanischen Apartheid-Regierung spioniert zu haben. Eine österreichische Touristin beschrieb im «Blick» ihren Aufenthalt in der «Hölle von Kasama»: «Ich musste mich nackt ausziehen, man verband mir die Augen. Ich wurde ins Gesicht und auf die Brüste geschlagen.» Sie wurde unter Folter zu einem Geständnis gezwungen und schliesslich des Landes verwiesen.

Drei Wochen nach der ersten Festnahme erwirkten der Schweizer und der österreichische Botschafter schliesslich die Freilassung der letzten Touristen aus dem Gefängnis. Der Zwischenfall wurde auf die «Nervosität in der Region» zurückgeführt. Sambia befürchtete, dass die südafrikanischen Rassisten einen Anschlag auf die Ölleitungen geplant hätten. Zuvor hatten südafrikanische Spione ANC-Stellen in Sambia in Brand gesteckt. 

Die Gadgets der Top-Agenten von damals:

«Top Secret – Die geheime Welt der Spionage»: So hiess die Ausstellung, die bis Mai 2015 im deutschen Oberhausen zu sehen war. Hier wurden Gadgets präsentiert, die die Top-Agenten der Vergangenheit genutzt haben. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Auf diesem Bild ist eine «Enigma» zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Rotor-Schlüsselmaschine, die im Zweiten Weltkrieg vom deutschen Militär zum Verschlüsseln von Nachrichten verwendet wurde. Auch die Geheimdienste setzten die Enigma zur geheimen Kommunikation ein. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Dies ist ein Nachbau der «Brocken-Station»: In der bekanntesten Abhörstation der DDR, die sich auf Nordeutschlands höchstem Berg – dem Brocken – befindet, arbeiteten zuletzt zwischen 21 und 26 Stasi-Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Sie lauschten bis zu 400 Kilometer in den Westen hinein. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Kommen wir zu ein paar Gadgets, bei denen auch ohne grosse Erklärung klar ist, wozu sie gebraucht wurden. Wie zum Beispiel diese goldene Kalaschnikow. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Vielleicht nicht wahnsinnig gefährlich, dafür aber gut zu verstecken: Ein als Nuss getarntes Messer. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Ein passendes Pendant für weibliche Spione: Ein Lippenstift-Messer aus den USA. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Fürs perfekte Spionieren in der Bar: Die Wanze im Martiniglas. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Wirkt zwar nicht sonderlich praktisch, wurde so aber tatsächlich genutzt: Das faltbare Mini-U-Boot. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Was in einem Agenten-Museum natürlich auch nicht fehlen darf: Ein Aston Martin, wie James Bond ihn einst fuhr. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH
Dieses Gadget – die Caesar-Verschlüsselung – stammt aus einer deutlich früheren Epoche. Der Name leitet sich vom römischen Feldherrn Gaius Julius Caesar ab, der nach der Überlieferung des römischen Schriftstellers Sueton diese Art der geheimen Kommunikation für seine militärische Korrespondenz verwendet hat. Institut für Spionage GmbH / Institut für Spionage GmbH

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