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Stepanek verschenkte gegen Ambri einen Punkt. 
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Eine der erstaunlichsten Krisen der Neuzeit und ein Lottergoalie

Der SC Bern beendet in Ambri seine Niederlagenserie, verliert aber beim 4:3 n.V. auf schier unfassbare Art und Weise einen Punkt. Eine solche Krise hat es seit Menschengedenken nicht mehr gegeben.

Publiziert: 30.01.16, 10:09 Aktualisiert: 30.01.16, 10:45

Ambris Trainer Hans Kossmann fasste dieses Drama, dieses Hockey-Wunder nüchtern in einem Satz zusammen. «Ein Punkt ist okay.»

Wahrlich, ein Punkt ist okay. Es ist einer der glücklichsten Punktgewinne Ambris in diesem Jahrhundert. Und das in einem Schicksalsspiel. Es ist ein Punktgewinn, der vielleicht am Ende der Saison über die Playoffteilnahme entscheidet.

Was ist passiert? Nun, die Statistik lügt doch. Der SC Bern hat Ambri in allen Bereichen dominiert. Hans Kossmann sagte sogar, der SCB sei «gekommen wie die Feuerwehr». Mehr Torschüsse (offiziell 51:18!). Mehr Bullys und Zweikämpfe gewonnen. Mehr Checks. Mehr klare Torchancen. Bei allem, was der Statistiker zu zählen vermag, hat der SCB klar dominiert.

Kossmann ist mit dem Punkt gegen Bern zufrieden.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Aber am Ende gewinnen die Berner doch «nur» 4:3 nach Verlängerung. Sie beenden zwar die längste Niederlagenserie der Vereinsgeschichte (7 Pleiten). Aber sie verlieren einen Punkt.

Wir könnten nun eine kluge Analyse über dieses Drama verfassen. Aber die Wahrheit ist nur ein einziges Wort: Lottergoalie. Diesen Punkt hat Torhüter Jakub Stepanek auf dem Gewissen. Er sieht schon beim 0:1 und 1:2 nicht wie ein Hexer aus. Das 3:3 aber muss er einfach halten. Punkt. Fertig. Seine Lotter-Fangquote: 83,33 Prozent. Und bei allen Einsätzen sind es 89,97 Prozent. Zu wenig für einen Goalie, der eine Ausländerlizenz braucht.

Die Berner haben in Ambri alles richtig gemacht. Nehmen wir einmal an, der SCB hätte nach der Niederlage in Biel am letzten Sonntag (3:4 n.V) Trainer Lars Leuenberger gefeuert. So wie es vom Volk gefordert worden ist. Dann würden wir jetzt eine Geschichte über die segensreiche Wirkung einer Trainerentlassung schreiben und den neuen Mann an der Bande als Wunderheiler preisen.

Aber der SCB hat den Trainer nicht entlassen. Und so ist nun der Moment gekommen, den heftig kritisierten SCB-Nottrainer auch einmal zu rühmen. Trotz des Punktverlustes. Er hat diese Woche alles richtig gemacht. Der gestrige Verlängerungs-Sieg in Ambri ist auch sein Sieg. Er hatte Topskorer Cory Conacher am Dienstag in Lausanne für eine Denkpause auf die Tribune geschickt. In dieser Partie resultierte zwar noch eine 4:5 Niederlage nach Penaltys. Aber es war ein Atemholen für ein grosses Comeback in Ambri.

Cory Conacher wurde von Leuenberger auf die Tribüne gesetzt. 
Bild: PHOTOPRESS

Der Kanadier traf erstmals seit dem 23. Dezember (6:5 n.V. gegen die ZSC Lions) wieder ins Netz. Sein 2:2 (33.) war ein Stich in Ambris Herz. Er war so zielstrebig auf Torhüter Sandro Zurkirchen losgegangen, dass er für den Zusammenstoss NACH erzieltem Tor auf die Strafbank wanderte. Dieser Ausschluss bescherte Ambri das scheinbare Ende: Tristan Scherwey buchte in Unterzahl das 3:2. In 99 von 100 Partien wäre dies die Entscheidung gewesen.

Die mit Türenschletzen garnierte Kabinenpredigt hat Wunder vollbracht

Der neutrale Beobachter wunderte sich gestern wie es sein kann, dass dieser SCB nicht in der Spitzengruppe mitmischt. Verunsicherung? Keine Spur. Vielmehr unerschütterliches Selbstvertrauen. Selbst Ambris zweimalige Führung (1:0 und 2:1) ging an den Bernern spurlos vorüber. Sie kontrollierten die Partie. Sie spielten taktisch klug und clever. Sie spielten defensiv nahezu fehlerlos. Sie lösten die Angriffe zügig und präzis aus.

Marc Lüthi hat seinen Jungs nach dem Spiel gegen Biel die Leviten gelesen. 
Bild: KEYSTONE

Wenn es einem Trainer gelingt, seine Jungs nach sieben Niederlagen in Serie zusammenzuhalten und die Kultur des Selbstvertrauens so zu pflegen, dass sie aufzutreten, als sei diese Saison ein Leben auf der Pony-Ranch gewesen – ja, dann hat er eben alles richtig gemacht. Und ganz nebenbei: Die mit kräftigem Türenschletzen garnierte Kabinenpredigt von SCB-General Marc Lüthi am Sonntag nach dem Match in Biel hat geholfen. Gibt das Vermarktungs-Genie bald ein «Türenschletz-Seminar» für Führungkräfte?

Aber dann fällt dieses 3:3. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Gegen Jakub Stepanek, den Lottergoalie. Dave King, der grosse kanadische Hockeylehrer, pflegt seine legendären Taktikkurse mit einem Satz zu beenden: «Wenn Sie keinen guten Torhüter haben, dann vergessen Sie bitte wieder alles, was Sie in den letzten Stunden gelernt haben.»

Wer Ambri gegen Bern gesehen hat, kann die tiefe Wahrheit in diesem Satz verstehen. Und ist doch wieder verwirrt: Ambri hatte mit Sandro Zurkirchen den klar besseren Goalie – und verlor in der Verlängerung trotzdem.

Leidenschaft und Kampfkraft sind ungebrochen

Heute spielt Zug in Bern. Die Zuger haben mit Tobias Stephan den besseren Torhüter. Aber wenn der SCB noch einmal alles richtig macht wie in Ambri, dann reicht das womöglich nicht.

Oder war der SCB nur so überzeugend, weil Ambri am Ende seiner Kräfte ist? Droht Ambri auf der Zielgeraden der Stillstand mit leeren Energie-Tanks? Fehlen am Ende doch die Punkte, die im Herbst verschenkt worden sind bevor Hans Kossmann kam?

Schaffen es die Berner doch noch in die Playoffs?
Bild: freshfocus

So oder so – die SCB-Krise ist eine der erstaunlichsten der Neuzeit. Die Mannschaft zeigt keinerlei Auflösungserscheinungen. Sie erleidet zwar hin und wieder Systemzusammenbrüche. Aber sie fällt nie auseinander, Leidenschaft und Kampfkraft sind ungebrochen. Noch nie haben die Berner unter Lars Leuenberger in einem Spiel resigniert. Manchmal taumeln sie taktisch orientierungslos durch ein Spiel (wie zuletzt in Biel oder Lausanne) und hin und wieder marschieren sie zielstrebig, taktisch klar und wahr zu Punkten wie soeben in Ambri. So ratlos war ein um Objektivität bemühter Chronist noch selten bei der Beurteilung einer Mannschaft. Titelanwärter oder Abstiegskandidat? Wir haben die Antwort immer noch nicht. Schliesslich sagte schon der griechische Philosoph Protagoras von jeder Sache geben es zwei einander widersprechende Auffassungen.

Was, wenn diese Mannschaft doch noch die Playoffs erreicht? Die Vorstellung, dass der SCB dann unbelastet mit ein bisschen Glück mindestens ins Halbfinale kommt, ist überaus reizvoll. Denn dann müsste Marc Lüthi eigentlich den Vertrag mit Lars Leuenberger, dem Wundermann, verlängern.

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HC Davos: 5 - Marc Gianola. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. PHOTOPRESS / JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. KEYSTONE / Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. KEYSTONE / STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. KEYSTONE / MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
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SC Bern: 31 – Renato Tosio. KEYSTONE / EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. KEYSTONE / URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. KEYSTONE / STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. KEYSTONE / URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. KEYSTONE / GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KEYSTONE / KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. KEYSTONE / EDI ENGELER
EV Zug: 57 – Fabian Schnyder keystone / ENNIO LEANZA
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. KEYSTONE / EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. KEYSTONE / STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. KEYSTONE / ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. KEYSTONE / GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. PHOTOPRESS / KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt. KEYSTONE
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. TI-PRESS / FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. KEYSTONE / STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. KEYSTONE / MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. KEYSTONE / EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. PHOTOPRESS / FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER