Die Kriminalität geht erstmals seit 40 Jahren zurück – diese 9 Grafiken dazu musst du kennen
Lange ist die Kriminalität in der Schweiz gestiegen. Jetzt gibt es laut einer repräsentativen Studie nach Jahrzehnten eine Trendwende. Ein Grund dafür sei das Internet, sagt Strafrechtsprofessor Martin Killias. Und er zeigt auf, warum es in der Schweiz weiterhin verhältnismässig viele Einbrüche gibt.
Die Schweiz ist so sicher wie nie. Das zeigt die Studie Schweizerische Sicherheitsbefragung 2015 (siehe Box), die soeben veröffentlicht worden ist. Verfasser Martin Killias sagt zu watson: «40 Jahre lang stieg die Kriminalität bei uns. Jetzt gibt es eine Wende.» Fast alle Deliktarten seien rückläufig.
Opferraten in Prozent in der Schweiz zwischen 1984 und 2015
Der Grund für die aktuell tiefen Zahlen sei ein banaler: «Die Menschen haben ihr Freizeitverhalten verändert. Sie sitzen viel mehr hinter dem Computer, surfen im Internet, statt sich draussen auf der Strasse aufzuhalten», sagt Killias.
Tätlichkeiten in Prozent zwischen 1985 und 2015
Sexualdelikte in Prozent zwischen 1985 und 2015
Wie die Tätlichkeiten haben auch die Sexualdelikte abgenommen. Allerdings sind die unter diesen Punkt fallenden Vergewaltigungen gestiegen. Wurden im Jahr 2011 noch 2,5 Prozent der 2000 Befragten vergewaltigt, waren es 2015 4,9 Prozent. Woher dieser Anstieg kommt, kann Killias nicht erklären. Aber: Bei so tiefen Zahlen gebe es rasch Ausreisser.
Einbrüche in Prozent zwischen 1985 und 2015
Die Einbrüche blieben relativ hoch – auch im Vergleich zum übrigen Europa. Gemäss Killias könnte ein Grund dafür die relativ moderaten Straftarife für diese Art von Delikten sein. «Bei uns kommt ein Einbrecher in der Regel nicht ins Gefängnis», sagt Killias. Das mache in einschlägigen Kreisen rasch die Runde und ziehe viele Kriminelle aus dem Ausland an. Die Schweiz bleibe eine attraktive Einbrecherdestination.
Raubüberfälle in Prozent zwischen 1985 und 2015
Der einzige Bereich, indem die Delikte nicht zurückgegangen sind in den letzten vier Jahren, sind die Raubüberfälle. Hier steigen die Zahlen seit langer Zeit. Weshalb sich hier die Zahlen atypisch verhalten, weiss Killias nicht.
Nur bei den Raubüberfällen gibt es eine Zunahme
Diebstähle sind gemäss den Autoren der Studie weniger verbreitet weil die Schweizer heute nicht mehr so viel Bargeld auf sich tragen wie früher und die Handys immer günstiger werden. «Heute lohnt sich stehlen weniger», ist Killias überzeugt.
Sicherheitsgefühl wenn man allein auf der Strasse in der Dunkelheit unterwegs ist in Prozent
Wenn auch nicht ganz parallel zur sinkenden Kriminalität – die Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich sicherer im öffentlichen Raum. Dies erstaunt, wenn man in Betracht zieht, dass in den Medien öfter über Verbrechen berichtet wird als früher.
Unsicherheitsgefühl Frauen in Prozenten zwischen 1996 und 2015
Passend zu den restlichen Resultaten hat die Bevölkerung heute ein positiveres Bild der Polizei als in der Vergangenheit. Killias dazu: «An neuralgischen Punkten, wie zum Beispiel dem Bahnhof Bern, wo früher jeder Passant über Drogensüchtige steigen musste, hat die Polizei grosse Verbesserungen herbeigeführt.» Dass es an solchen Stellen heute «sauber» ist, verbinden die Menschen mit guter Polizeiarbeit.
Vertrauen in die Polizei
Die Studie widerlegt ein zum Teil herbeigeredetes Sicherheitsproblem, dass die Schweiz haben soll. Doch bleibt die Situation so? Oder sehen die Zahlen angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme, die meistens mit einem Anstieg der Kriminalität einhergehen, schon bald wieder anders aus? «Das ist schwierig zu sagen und hängt davon ab, wie wir die Flüchtlinge integrieren, wie sie in den Arbeitsmarkt eingebettet werden können», sagt Killias.
Martin Killias.
Bild: KEYSTONE
Ein Tag im Gefängnis
In der geschlossenen Anstalt in Affoltern am Albis sitzen 65 Häftlinge ein, 23 Aufseher kümmern sich um sie.
Das Gefängnis liegt mitten in einer Wohnsiedlung.
Es gibt Einzelzellen (im Bild), Zweier- und Viererzellen.
Die Zellen sind einfach eingerichtet. In jeder steht ein TV.
Auf den Gängen verbringen die Insassen einen grossen Teil ihres Alltags.
Befolgen Häftlinge die Regeln nicht, können sie in die Arrest-Zelle geschickt werden.
Während dem Gruppenvollzug dürfen sich die Insassen frei auf den Gängen bewegen. Ein gut eingerichteter Kraftraum ins fünf Tage pro Wochen geöffnet.
Der Spazierhof: Jeder Häftling hat Anrecht auf eine Stunde frische Luft pro Tag.
So leer ist der Billard-Raum selten.
Nebst dem Fernseher ist Tabak das Wichtigste für die Häftlinge. Der hauseigene Kiosk verkauft aber auch Früchte oder Schokolade.
Wer sich weiterbilden will, findet in der Bibliothek Bücher zu fast allen Themen.
Drei Stunden am Morgen und zwei Stunden am Nachmittag arbeiten die Häftlinge. Sie bekommen dafür einen Lohn.
Rüebli schälen oder Zahnbürsten abpacken gehört zu den Jobs im Gefängnis in Affoltern am Albis.
Die Werkstatt ist gut eingerichtet. Fehlt etwas, müssen alle suchen, bis es gefunden ist.
Putzen gehört zu den beliebteren Ämtli.
Patrick B. ist seit 17 Jahren Aufseher. Er sagt, in seinem Beruf habe man mit speziellen Menschen zu tun. Das mag er.
Die Küche passt sich verschiedenen Bedürfnissen an.
Die Medikamentenausgabestelle: Hier bekommen die Insassen zum Beispiel Methadon.
Ein Häftling hat seine elektrische Zahnbürste in eine Tätowiermaschine umgewandelt.
Der Besuchsraum: Immer wieder schmuggeln Besucher Drogen ins Gefängnis.
Der Sicherheitstrakt von aussen.
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