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Buffon herzt Gonzalo Higuain, Doppeltorschütze im Hinspiel. Bild: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/KEYSTONE

Der nächste Schritt zu Buffons «grösstem Glück der Karriere» steht an

Juventus Turin hat im Halbfinal-Hinspiel in Monaco (2:0) eine nahezu perfekte Basis geschaffen, zum sechsten Mal in das Endspiel der Champions League vorzustossen und Final-Rekordhalter Milan einzuholen.

Publiziert: 09.05.17, 14:14 Aktualisiert: 09.05.17, 15:06

Im Stade Louis II verflüchtigte sich Monacos Hoffnung am letzten Mittwoch, ein zweites Mal nach 2004 um die prestigeträchtigste Trophäe im Klub-Fussball spielen zu können. Selbst von einer der gefährlichsten Offensiven Europas war im Duell mit Juventus Turin nichts auszurichten.

«Wir werden versuchen, Juventus wehzutun.»

Kylian Mbappé

Das Team mit der aussergewöhnlichen Referenz von 149 Treffern in 59 Partien stiess nach den spektakulären Coups gegen Manchester City und Borussia Dortmund an die Grenzen.

Buffon und Co. haben Monaco kontrolliert. Bild: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA/KEYSTONE

Den ersten nationalen Titelgewinn seit 17 Jahren dürften die Monegassen auf Kosten von Paris Saint-Germain gewinnen. «Alles andere wäre ein Kunstfehler», hält der Wunderknabe Kylian Mbappé fest. Mehr sei nur schwierig zu erreichen, vermutet der Teenager, dem offenbar eine konkrete Offerte von Real Madrid vorliegt.

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«Wir werden versuchen, Juventus wehzutun.» Er klang dabei nicht so, als würde er restlos daran glauben. An der Côte d'Azur sind die Fakten bekannt, das Torverhältnis von Juventus (19:2) lässt wenig Spielraum zu; in knapp fünf Monaten hat der Serie-A-Dominator in seiner internationalen Kampagne keinen Gegentreffer mehr zugelassen.

«Juve steht für pure Professionalität.»

Ex Juve- und Monacospieler David Trezeguet

Gegen den Leader der Ligue 1 ging der italienische Branchenprimus bereits im ersten Teil mit chirurgischer Präzision vor. Emotionen kamen keine auf, die Betriebstemperatur blieb konstant tief. Während jeder Minute war im Hinspiel erkennbar, wie unfassbar viel Leadership und Wettkampferfahrung in der Turiner Squadra steckt. Juventus besitzt einen imaginären Champions-League-Chip; 775 Partien im anspruchsvollsten Wettbewerb sind abgespeichert, Monaco kommt auf knapp 35 Prozent dieser Marke.

Xhaka verfolgt Juventus

Granit Xhaka verfolgt die Champions League auch nach dem Achtelfinal-Out von Arsenal intensiv. Der Schweizer äusserte sich gegenüber der Nachrichtenagentur SDA zur Performance von Juventus Turin.

Die Präzision und ausserordentliche Balance von Juventus Turin beeindruckt den Londoner Mittelfeldstrategen, der als aktivster Passeur von Arsenal (1999 Zuspiele) seinerseits ein Spezialist der taktischen Spielverlagerung ist. «Juventus ist eine defensiv extrem gut organisierte Truppe – ganz in der Tradition des italienischen Fussballs», so der 24-jährige Xhaka.

Für den Fakt, dass die Turiner in der gesamten europäischen Kampagne erst zwei und seit November gar kein Gegentor mehr zugelassen haben, bringt der Arsenal-Professional verschiedene Ansätze ins Spiel: «Jeder ordnet sich dem System unter und hängt sich mit Herz und Seele rein. Und die Mannschaft weiss, dass sie hinten im Tor einen Weltklassemann hat.»

Vor der Serie-A-Ikone Gianluigi Buffon, der im Halbfinal-Rückspiel gegen Monaco sein 150. Europacup-Spiel bestreiten wird, verneigt sich Xhaka: «Für mich ist er mit Manuel Neuer nach wie vor der beste Goalie der Welt.» Er beherrsche seinen Strafraum und strahle «Ruhe und Dominanz aus. Das gibt den Mitspielern ein Gefühl von Sicherheit.» Buffons Status sei immens, so Xhaka.

«In England nennen sie solche Spieler ‹an all-time great›.» Aber nicht nur Buffon geniesst auf der Insel und bei Xhaka höchstes Ansehen, auch die gesamte Vereins-Institution. «Juve ist für mich einer der wenigen Klubs, die es noch immer schaffen, die Philosophie der Dynastie weiterzuführen.»

Nach dem 2:0-Erfolg im Hinspiel gegen Monaco steht für ihn ausser Frage, dass die Italiener ins Endspiel vorstossen werden. Im Final hält er den mutmasslichen Gegner Real Madrid für eine Nuance stärker. (sda)

In jedem Winkel des italienischen Renommiervereins ist die Fokussierung auf die grossen Ziele und Bilder zu spüren. David Trezeguet, während einer Dekade bis 2010 in Turin engagiert und mit 171 Treffern noch immer der beste ausländische Stürmer der «Vecchia Signora», erinnert sich in einem Interview mit der «L'Equipe»: «Juve steht für pure Professionalität.» Der Klub entfache auf der ganzen Welt Leidenschaft und ziehe die Tifosi massenhaft an.

Das Juventus Stadium ist eine fast uneinnehmbare Festung. Bild: EPA/ANSA

Juve mit der Chance Geschichte zu schreiben

Ein aktiver Juventino überragt derzeit alle: Gianluigi Buffon, der Jahrhundert-Goalie, der Rekordhalter, der an manchen Tagen noch immer die Aura des Unbesiegbaren ausstrahlt. 39-jährig ist «Gigi Nazionale» inzwischen, von Rückzuggedanken keine Spur. Der Mann ist getrieben von seinem Ehrgeiz, den sechsten Scudetto in Serie wird er gewinnen, den erstmaligen Champions-League-Triumph hat er im Kopf.

5. Mai 2017<">

Buffon hat bereits mit Spielern die in sechs verschiedenen Dekaden geboren sind zusammengespielt.

Auf der Online-Plattform der UEFA sind von ihm zwei Tage vor seiner 150. Europacup-Partie ein paar Sätze zu lesen, die erahnen lassen, welchen Stellenwert der Star-Keeper dem möglichen Gewinn der europäischen Elite-Liga einräumen würde: «Zusammen mit dem WM-Titel wäre es das grösste Glück meiner Karriere. Diesen Sieg wollte ich schon immer. Es wäre das Ende eines schwierigen, harten Wegs, der viel Mut und Hartnäckigkeit erforderte. Ich bin schon immer davon überzeugt gewesen, es schaffen zu können.»

Topstars auf der Bank: Juventus hat am Wochenende seine Stammspieler geschont. Bild: EPA/ANSA

Er und auch der Schweizer Nationalmannschafts-Captain Stephan Lichtsteiner, der derzeit primär in der Serie A zum Zug kommt, könnten sich mit einem weiteren Glanzstück im Geschichtsbuch des italienischen Fussballs verewigen. Einzig der AC Milan ist es seit der Gründung der Champions League (1992) gelungen, sechsmal einen Halbfinal zu gewinnen. (zap/sda)

Die Karriere von Gianluigi Buffon in Bildern

19. November 1995: Gianluigi Buffon gibt sein Profi-Debüt in der Serie A. Er hält seinen Kasten beim 0:0 gegen die AC Milan rein. Vor dem Spiel sagt er zu Teamkollege Alessandro Melli: «Ich hoffe, Milan bekommt einen Penalty, damit ich ihn halten kann.» Juventus.com
31. Mai 1996: Der 18-jährige Gianluigi Buffon wird mit Italien U-21-Europameister.
5. November 1997: Gianluigi Buffon hält in der Champions League gegen Borussia Dortmund einen Elfmeter von Stéphane Chapuisat – und spendet dem Schweizer Trost. EDGAR SCHOEPAL
8. März 1998: Nach dem Sieg in einem Serie-A-Spiel gegen Inter zeigt Buffon ein Superman-Shirt unter seinem Goalie-Leibchen. «Superman» wird zu seinem Spitznamen. AP / CLAUDIO MIANO
12. Mai 1999: Buffon gewinnt mit Parma den UEFA Cup, seine Teamkollegen unter anderem: Lilian Thuram, Fabio Cannavaro, Dino Baggio, Diego Fuser, Juan Sebastian Veron und Enrico Chiesa.
10. Dezember 2000: Buffon gegen Juve-Stürmer David Trezeguet. Es wird seine letzte Saison gegen Juventus. Getty Images Europe / Grazia Neri
19. Juli 2001: Buffon in der Saisonvorbereitung bei Juventus: Die Bianconeri überwiesen umgerechnet 53 Millionen Euro für die Dienste von «Supergigi» nach Parma – bis heute Rekord für einen Torhüter. Getty Images Europe / Grazia Neri
25. Mai 2002: Im Vorfeld der WM 2002 witzelt Buffon mit einem japanischen Polizisten. An der WM gibt es für Italien dann nichts mehr zu lachen. Im Achtelfinale wird Italien – trotz eines früh parierten Elfmeters Buffons – gegen Südkorea aus der WM beschissen. AP / LUCA BRUNO
14. Mai 2003: Gianluigi Buffon hält im Champions-League-Halbfinal einen Elfmeter von Luis Figo und ermöglicht Juventus so den Finaleinzug. Dort gibt's gegen Milan eine Niederlage im Penaltyschiessen. Bongarts / Sandra Behne
8. Mai 2005: Buffon feiert mit Pessotto, Cannavaro, Del Piero und Emerson den Sieg im San Siro gegen Milan – es ist der vorentscheidende Sieg zum Meistertitel. Getty Images Europe / New Press
09. Juli 2006: Der grösste Moment in Buffons Karriere: Fabio Grosso verwandelt den letzten Elfmeter, Buffon ist mit Italien Weltmeister und wird zum besten Keeper des Turniers gewählt. AFP / AFP
4. November 2007: Nach einem Jahr Serie B aufgrund der Zwangsrelegation ist Buffon mit Juve zurück in der Serie A. Der Keeper ist Juventus trotz des Abstiegs und vielen Offerten von Topklubs treu geblieben. EPA / DANIEL DAL ZENNARO
13. Juni 2008: Bei der EM in der Schweiz und Österreich hält Buffon Italien im Turnier, als er im letzten Gruppenspiel im Letzigrund einen Elfmeter von Adrian Mutu pariert. Italien scheitert danach im Viertelfinale an Europameister Spanien. Getty Images Europe / Shaun Botterill
21. Juni 2009: Buffon während dem Konföderations-Cup im Gespräch mit Fabio Cannavaro. AFP / ROBERTO SCHMIDT
24. Juni 2010: Buffon muss hilflos mitansehen, wie sich Italien an der WM 2010 blamiert und in der Gruppenphase ausscheidet. Der Keeper muss wegen eines Bandscheibenvorfalls Forfait geben und fällt rund ein halbes Jahr aus. Getty Images Europe / Claudio Villa/ Grazia Neri
16. Juni 2011: Buffon heiratet das tschechische Model Alena Seredova. Drei Jahre später wird die Scheidung folgen. AFP / MICHAL CIZEK
13. Mai 2012: Buffon feiert seinen fünften Serie-A-Titel mit Juventus. Auf den Armen hat er seine Söhne David Lee und Louis Thomas. AFP / GIUSEPPE CACACE
23. Oktober 2013: Champions-League-Gruppenphase, die Torwart-Legenden Buffon und Casillas unter sich. AP / PAUL WHITE
28. Oktober 2014: Gianluigi Buffon absolviert seine 500. Partie für Juventus.
8. Juni 2015: Der letzte grosse Titel, der Buffon noch fehlt, ist der Champions-League-Sieg. 2015 steht er mit Juventus nochmals im Finale, unterliegt dem FC Barcelona aber mit 1:3.
2. Juli 2016: Buffon lässt seinen Emotionen freien Lauf: Im EM-Viertelfinale scheitert Italien im Penaltyschiessen an Deutschland. EPA ANSA / DANIEL DAL ZENNARO
21. März 2017: Buffon steht seinem designierten Nachfolger und Namensvetter Gianluigi Donnarumma (links, Jahrgang 1999) noch etwas vor der Sonne. Bis zur WM 2018 wollte Buffon das Tor der «Squadra Azzurra» noch hüten. Doch «sein» letztes grosses Turnier verpasst Buffon, weil Italien in der Barrage an Schweden scheitert. EPA / MAURIZIO DEGL' INNOCENTI
17. Mai 2017: Buffon steht zum dritten Mal mit Juventus im Champions-League-Finale und verliert es zum dritten Mal. Gegen Real Madrid kassiert die «alte Dame» eine bittere 1:4-Pleite. EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
17. Mai 2018: Auch der letzte Anlauf in der Champions League misslingt. Im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid gibt's in der letzten Minute einen umstrittenen Penalty für Real Madrid. Buffon sieht wegen Reklamierens in seinem letzten Spiel in der Königsklasse die rote Karte – Juventus scheidet aus. AP / FRANCISCO SECO
13. Mai 2018: Gianluigi Buffon gewinnt mit Juventus den siebten Meistertitel in Serie, seinen neunten insgesamt. Wenige Tage später verkündet er, dass es seine letzte Saison mit Juventus war. AP/AP / Gregorio Borgia

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