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John Kinchen am Scheveningen-Marathon 2013.
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John Kinchen am Budapest-Marathon 2014.
John Kinchen beim Training.

Marathon-Reisender: «Ich konnte am Anfang nicht weiter als einen Kilometer joggen» – jetzt wird Zürich sein 35. Rennen im 20. Land 

John Kinchen beschloss im Jahr vor seinem 50. Geburtstag jeden Monat einen Marathon zu absolvieren. Jetzt will er in jedem europäischen Land ein Rennen bestreiten. Mit dem Zürich-Marathon kann er die Schweiz abhaken. 

«Ich kann ehrlich sagen, dass ich bis jetzt jede Minute genossen habe. Es gibt nicht viel Schöneres, als das Gefühl am Ende eines Marathons.» Das sagt einer, der es wissen muss: John Kinchen bestritt in den letzten neun Jahren 34 Marathons – 25 davon in den letzten dreieinhalb Jahren. Das macht fast einen Marathon pro Monat; eine schier unfassbare Quote.

Jetzt kommt er erstmals in die Schweiz. Am 19. April rennt der 52-Jährige den Zürich Marathon. Er feiert dabei ein kleines Jubiläum: Die Schweiz ist das 20. Land, in welchem er einen Marathon bestreitet. Bis 2019 sollen alle 39 europäischen Länder mit einem offiziellen IAAF-Marathon auf der Liste abgehakt sein (siehe Infobox unten).

John Kinchen Marathons

2006: London (Apr.). 2007: London (Apr.). 2008: London (Apr.). 2010: Paris (Apr.), London (Apr.). 2011: Somme (Fr, Sept.), Portsmouth (Dez.). 2012: Napoli (Jan.), Malta (Feb.), Rom (März), Brighton (Apr.), Salzburg (Mai), Caen (Juni), Isle of Man (Juli), Helsinki (Aug.), Amsterdam (Sept.), Portsmouth (Dez.). 2013: Scheveningen (März), Riga (Mai), Luxemburg (Juni), Berlin (Sept.), Istanbul (Nov.), Portsmouth (Dez.). 2014: Sevilla (Feb.), Thessaloniki (Apr.), St.Petersburg (Juni), Reykjavik (Aug.), Vilnius (Lit, Sept.), Budapest (Okt.), Portsmouth (Dez.). 2015: Paphos (Zypern, März).
Geplante Marathons:
2015: Zürich (Apr.), Kopenhagen (Mai), Dublin, Barcelona (beide Okt.), Porto (Nov.), Portmouth (Dez.). 2016: Jerusalem (März), Krakow (Apr.), Prag (Mai), Tallinn (Est, Sept.), Sofia, Ljubljana (beide Okt.). 2017: Belgrad (Apr.), Skopje (Mai), Oslo (Sept.), Bukarest, Podgorica (beide Okt.). 2018: Bratislava (Apr.), Stockholm (Mai), Zagreb (Okt.). 2019: Kiew (Apr.), Tifilis (Okt.). 
Noch ohne Daten:
Monte Carlo, Prishtina, Sarajewo, Chisinau (Mol), Jerewan (Arm), Tirana, Baku, Minsk.

Noch 19 Länder fehlen

Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Warum? Kinchen erklärt gegenüber watson: «Als ich 49 wurde, habe ich mich entschieden, für mein 50. Jahr etwas Spezielles zu machen. Ich wollte zwölf Marathons in zwölf Monaten laufen, um für das lokale Pflegeheim «The Rowans Hospice», das sich fantastisch um meinen Vater gekümmert hatte, Geld zu sammeln.» Es sei schwierig gewesen, jeden Monat ein Rennen zu finden, weshalb er durch verschiedene Länder reisen musste. 

Zürich wird der 35. Marathon für John Kinchen. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Während diesem Jahr hat ihn das Marathon-Fieber definitiv erreicht: «Ich genoss es zu reisen und traf viele sehr interessante Menschen in diesem Jahr. Deshalb beschloss ich zu schauen, ob es möglich ist, in jedem europäischen Land einen Marathon zu laufen. Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass es tatsächlich in 39 Länder einen IAAF-anerkannten Marathon gibt.» Und so sammelt der Brite aus Portsmouth fleissig Marathons. 34 ist er bisher in 19 Ländern gelaufen. Zürich ist das 20. Land. Danach folgen im Jahr 2015 mit Dänemark, Irland und Porto drei weitere Nationen. Auch der Plan für die nächsten Jahre steht zumindest provisorisch: Israel, Polen, Mazedonien, Georgien und die Ukraine stehen unter anderem auf dem Programm. 

Die Zeit ist nicht mehr wichtig

Angefangen mit Marathons hatte Kinchen schon fünf Jahre vor der «12 in 12»-Challenge. Er sei damals nicht ganz so sportlich gewesen: «Ich konnte am Anfang nicht weiter als einen Kilometer joggen. Ich war nie der Läufer. Also habe ich mir im Internet einen Trainingsplan gesucht. Ich wurde immer besser und habe mir gesagt: Das muss funktionieren. Nach etwa sechs Monaten war ich soweit.» In London absolvierte Kinchen die Strecke 2006 in 4:28 Stunden. «Anfangs wollte ich immer eine neue Bestzeit aufstellen. Aber das endete eher in kleinen Verletzungen als in Zeitrekorden. Bald sah ich ein, dass ich ein 4h-Läufer bin. Wichtiger ist mir, dass ich in jedem Land einen Marathon beenden kann.» 

Bei über 30 Grad am Marathon in Riga: John Kinchen hat noch jedes Rennen beendet. Bild: john Kinchen

Erlebt hat der Laufbegeisterte bei seinen Versuchen bisher einiges. Ob beim «Sandrennen» in Scheveningen (Holland) am Meer, bei über 30 Grad in Riga, beim «Nachtrennen» in Luxemburg oder bei der chaotischen Organisation in Istanbul. Der heikelste Moment durchlebte Kinchen in Malta, bei seinem siebten von zwölf Marathons in einem Jahr: «Ich verspannte kurz davor einen Muskel im Rücken. Ohne Physio und Akupunktur hätte ich es nicht geschafft.»

Der Geheimtipp gegen «die Wand»

Was bei so vielen verschiedenen Marathons immer gleich bleibt, ist «die Mauer». Bekannt unter Langstreckenläufern als derjenige Punkt, an dem man eigentlich nicht mehr kann: «Bei mir kommt der immer zwischen 25 und 32 Kilometern. Am Anfang, war das brutal hart. Jetzt weiss ich: Ich kann Marathons beenden und kämpfe mich da einfach durch. Es ist eine Willensfrage.» 

Zürich Marathon 2014. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Einen Universal-Tipp, um die Mauer schneller zu überwinden, hat Kinchen nicht. Aber vielleicht hat er im letzten Oktober in Budapest das Wundermittel gefunden: «Ich habe in eine Zitrone gebissen. Kurz danach ging's mir besser.»

«Wenn ich einen Marathon beenden kann, kann es jeder»

Auch für Neueinsteiger hat der 52-Jährige Tipps bereit. «Man sollte es nicht unterschätzen, aber wenn du dich reinhängst, schaffst du es. Und was wirklich wahr ist: Laufen kann einsam sein. Darum sollte man sich einen Trainingspartner suchen.» 

Aber kann denn wirklich jeder einen Marathon beenden? «Glaub an dich. Wenn du willst, kannst du das. Ich bin kein geborener Athlet und mir geht es nicht um den Wettkampf. Wenn ich es kann, kann es jeder.»

Smog-Schlacht beim Peking Marathon

Rund 25'000 Teilnehmer starteten am Marathon in Peking 2014. CHINA STRINGER NETWORK
Nein, das ist kein Nebel, sondern Smog ... Andy Wong
... deshalb schützen sich zahlreiche Läufer mit Gesichtsmasken. Andy Wong
Er geht auf Nummer sicher. CHINA STRINGER NETWORK
Daumen hoch: Auch ihm dürfte der Smog nicht zu schaffen machen. STR
Dieser Profi-Läufer versucht sich beim Marathon von Peking ohne Maske – und hat danach wegen der hohen Smogbelastung Atemprobleme. CHI BEN
Auch dieser Mann ist nicht Teil eines Fasnachtsumzuges sondern ist Marathon-Läufer in Peking. STR
Natürlich darf das Selfie nicht fehlen. Schliesslich läuft man nicht alle Tage einen Marathon mit Schutzmaske. Andy Wong
Viele Läufer versuchen sich trotz der starken Luftverschmutzung ohne Maske. Viele müssen den Lauf danach vorzeitig abbrechen. CHI BEN
Die Veranstalter weigerten sich, den Marathon abzusagen. Andy Wong
Die Veranstalter sprachen lediglich von einem «leichten bis moderaten Smog». Andy Wong
Im August 2015 soll in Peking die Leichathletik-WM stattfinden. Etwa mit Gesichtsmasken? STR
Um doch noch etwas positives herauszuheben: Immerhin hat man Ruhe von geschwätzigen Läufern. Andy Wong